1. #1
    Avatar von JG26_Heinrich Kam, sah und tippte
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    http://www.daserste.de/filmmittwoch/sendung_dyn~film,1266~cm.asp



    Von Nikolaus von Festenberg

    Ein brutales ARD-Movie über einen türkischen Drogenhändler ("Wut") will liberale Spießer entlarven und mit Multikulti-Illusionen abrechnen.

    Schwuchtel ist sein Lieblingswort. Er sagt es in 90 Minuten öfter als Schimanski in seinen schlimmsten "Tatort"-Zeiten das Wort "Scheiße". Platz zwei auf der Schmähliste von Can, so heißt der junge türkische Drogenhändler: "******". Wen will er nicht alles ******: "christliche Arschlöcher", Männer "ohne Eier", "geile Fotzen" von Müttern, ja sogar die Literatur, als er eine Kleist-Vorlesung stöt.

    "Wut" (Buch: Max Eipp, Regie: Züli Aladag) ist kein abseitiges Filmhochschulprojekt für die jugendfreie Mitternacht. Das hochbesetzte Movie soll am Mittwoch nächster Woche um 20.15 Uhr laufen. Das deutsche Fernsehen lässt nicht nur sprachlich die Sau raus. "Wut" will "radikale Fragen stellen und radikale Antworten geben können" (WDR-Fernsehspielchef Gebhard Henke). Es riecht nach Skandal.

    Denn die Motivation zu diesem Film ist vielleicht radikal, auf jeden Fall aber fahrlässig. "Wut" tut so, als wäre die bisherige Debatte um die Integration der Ausländer von Tabus geprägt, von falscher deutscher Rücksichtnahme. Er will mit dem gutmenschlichen linksliberalen Köhlerglauben brechen, eigentlich seien Ausländer immer nur Opfer. Er zeigt den Fremden als Täter. Und spielt mit dem Feuer.

    Es geht um die Zerstöung einer deutschen Professorenfamilie. Der Zuschauer wird eingeladen, sich an der Hilflosigkeit und dem Masochismus der liberalen Laubs zu erfreuen. Sohn Felix (Robert Höller) lässt sich von der Türkengang abziehen, misshandeln und erniedrigen und sucht trotzdem immer wieder die Nähe zu seinem Peiniger Can, dessen Name Seele bedeutet.

    Wer tatsächlich glaubt, bei den Integrationsproblemen zwischen Türken und Deutschen spiele Sexualneid eine Hauptrolle, wird in "Wut" reichlich bedient: hier die verklemmten und verspießerten Deutschen, dort ein türkischer Macho, der mit barbarischer Primitivität die Dinge auf den G-Punkt bringt.

    Der Zuschauer soll lustvoll dranbleiben, wenn der als türkischer Teufel konzipierte Drogenhändler den Professorenvater (August Zirner) als unmännlichen Schwächling hinstellt und seine Frau (Corinna Harfouch) als geile Schlampe. Voller heimlicher Bewunderung schlägt sich "Wut" auf die Seite dessen, was Held Can für die Kultur der Ehre hält. Frauen- und Homosexuellenverachtung sind das eine, die Rückkehr des Faustrechts das andere. Wer dem aggressiven Tunichtgut in die Quere kommt, bezieht Prügel. Wer, wie der Professorenvater, gesetzliche Mittel einsetzt und die Polizei holt, ist ein Feigling und Verräter.

    Can wird als Tyrann porträtiert, und der Film will einem weismachen, er könne nicht anders. Da ist ein alter bärtiger Gemüsehändler (Demir Gögköl), Cans Vater, dem der Film nur dumpfe Sturheit zuweist. Wir sehen, wie der Vater seinen Gebetsteppich zusammenfaltet und anschließend den Sohn verstößt. Aus den Augen mit dem Bösen. Für welchen Islam steht das?

    Der Verstoßene darf hier Gefühl zeigen. Er weint, als er die Fotos aus seiner Kindheit betrachtet. Die Tränen trocknen allerdings schnell. Schließlich braucht die Dramaturgie Can als den Leibhaftigen vom Dienst.

    Regisseur Aladag ("Elefantenherz") sagt, wovor er am meisten bei diesem Film Angst gehabt habe: politisch korrekt zu sein. Die Ausländer als ewige Opfer darzustellen und nicht auch als Täter, so etwas wäre ihm als Beschönigung vorgekommen.

    Aber so geht das mit Vorsätzen, sie sind ästhetisch nicht kontrollierbar. Mit einer Orgie aus Demütigung und Gewalt endet dieser Film, ein Finale, das erschauern lässt, weil es den Zuschauer zum Komplizen des Hasses auf einen Fremden macht.

    Was nützt eine Ehrlichkeit, die in den Schrecken mündet? Gab es da nicht mal einen öffentlich-rechtlichen Anspruch, gewissen Grundsätzen des Zusammenlebens verpflichtet zu sein und sie nicht zum Teufel zu schicken, bloß weil das ästhetisch so hinreißend ankommt?

    Es könnte gut sein, dass "Wut" einen Frust ausdrückt, der sich in der ARD über den von ihr sonst so überreichlich produzierten Süßstoff angesammelt hat - eine Art Wut der Anstalt auf sich selbst.
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  2. #2
    Avatar von Yossarian1943 Forum Veteran
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    Wurde abgesetzt. Man hat wohl Angst vor übergriffen seitens der türkischen Bevölkerung.

    Genau wie "Idomeneo" in Berlin.
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  3. #3
    Avatar von Six_OClock_High Forum Veteran
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    Die Absetzung von "Idomeneo" wahr IMHO genau das falsche Signal. Das zeigt allen Terroristen doch nur, dass sie Erfolg mit ihrer Taktik haben und bestärkt sie in ihrem Vorgehen. Ich mag zwar die Bildzeitung nicht, aber wenn es so weitergeht, dann sieht der Reichstag wirklich bald so aus:

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  4. #4
    Avatar von JG5_Baer Meister der Buchstaben
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    Ich ralle das auch nicht! Verstehen kann ich das erst recht nicht! Peinlich, peinlich das Ganze



    @Hetzer: Ich gebe dir ja weitestgehend recht (ehrlich)! Aber: Wenn ich mir so seine Wortwahl anschaue, sehe ich nicht soviel unterschied zu den "muselmanischen Eiferer" außer, daß du vielleicht als "teutonischer Eiferer" gelten müßtest
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  5. #5
    Avatar von BenQ-the-Hawk Forum Veteran
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    tja der name "Hetzer"! sehr sehr oft falsch verstanden!!
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  6. #6
    Avatar von kubanloewe Forum Veteran
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    die Berliner Intendantin sagte das massive Bedrohungen vorlagen.
    Ich kann auch Ihre Entscheidung verstehen denn hätte Sie es öffentlich machen sollen und die ganze Aufführung mit Polizeischutz ablaufen lassen sollen ? schließlich wird bei jeder kleinen Drohung ja ganze Bahnhöfe und Flughäfen evakuiert.
    Als Politiker hat man da schön reden zumindest bis jetzt noch...kann sich und wird sich aber noch gewaltig ändern!

    Die selben Politiker die jetzt es für unverständlich halten die Sache nicht aufzuführen hätten bei einer Aufführung und darauffolgenden riesen Aufschrei bei uns und in islamischen Ländern sich hingestellt und gesagt; wie kann man auch sowas nur in so einer Zeit aufführen; da bin ich mir sicher.

    Wenn der mächtigste Mann der Welt sich bei fast jedem Bombenanschlag selbst tausende Kilometer weit entfernt sich vor lauter ANgst in seine Airforce 1 setzt un stundenlang Kreise über sein unsicheres Reich zieht dann darf doch eine "kleine" Intendantin auch ihre Auffführung absagen insbesondere wenn Drohungen direkt an Sie gerichtet waren !

    Der Terror und die agressivität hat massive Wirkung überall gezeigt und das erreicht was er will, einschüchtern.
    Eine Angestellte musste Bespielsweise ihre nach aussen sichtbare Flagge des US Staates Texas entfernen (Begründung Terrorgefahr) aber ein paar Etagen weiter könnte der rote Halbmond ebenfalls weithin sichtbar hängenbleiben...
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  7. #7
    Avatar von theRealAntEater Forum Veteran
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    Naja, die Nazikeule...
    Aber ich denke, langsam wachen die Leute auf was das angeht, ist wohl auch ne Generationenfrage.
    Ich könnte da Seiten zu schreiben, aber aus Terrorgründen tue ich das nicht.
    Was das Theaterstück angeht, ich denke nicht daß irgendeine tatsächliche Gefahr vorlag.
    Welcher fundamentalistische Moslem geht schon in ein avantgardistisches Theaterstück.
    Lustig ist nur, daß doch der Sinn solcher Aktionen im modernen Theater (da wird gekotzt, gevögelt, religiöse Symbole beschmutzt und der unvermeidliche Nazi taucht auch in jedem Stück auf) soll ja gerade die Provokation sein.
    Problem ist, wer fühlt sich heute noch von der Beleidigung der christlichen Kirche angesprochen?
    Wems nicht paßt, der geht halt nicht rein. Trotzdem tuen die Herren am Theater so als seien sie immernoch die großen Revolutzer, nur weil sie ordinär sind.
    Kaum erreicht ein Stück mal seinen eigentlichen Zweck und provoziert tatsächlich mal jemanden, dann wird gekniffen!
    Was für Helden!
    Ich mag diese Herrschaften sowieso nicht, aber Peter Handke hat das anno 68 noch anders gemacht. Nach der Frankfurter Premiere von "Publikumsbeschimpfung" wollten die Zuschauer dem Regisseur auf die Fresse hauen und die Schauspieler dem Publikum und das endete in einer Massenschlägerei. Danach ging das Enseble geschlossen ins Bahnhofsviertel

    Heutzutage ist das schon ein Angriff wenn ein Schauspieler einem Kritiker den Block wegreißt.
    Das ganze sagt leider mehr über unsere Landsleute aus als über die Wallahs.
    Und manchmal denke ich mir, der Achmed von um die Ecke hat Recht wenn er sagt "die Deutschen haben keine Ehre". So übertreiben wie er muß mans nicht, aber ein bischen mehr "Cojones" könnte nicht schaden.
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  8. #8
    Avatar von Yossarian1943 Forum Veteran
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    Originally posted by theRealAntEater:
    Ich mag diese Herrschaften sowieso nicht, aber Peter Handke hat das anno 68 noch anders gemacht. Nach der Frankfurter Premiere von "Publikumsbeschimpfung" wollten die Zuschauer dem Regisseur auf die Fresse hauen und die Schauspieler dem Publikum und das endete in einer Massenschlägerei. Danach ging das Enseble geschlossen ins Bahnhofsviertel

    .....

    Und manchmal denke ich mir, der Achmed von um die Ecke hat Recht wenn er sagt "die Deutschen haben keine Ehre". So übertreiben wie er muß mans nicht, aber ein bischen mehr "Cojones" könnte nicht schaden.
    Zu Handke: Mitmachtheater! Schick!!

    Und natürlich hat der "Achmed von um die Ecke" recht. Das Problem ist nur, daß einige "Achmeds" (ich sage ausdrücklich einige, nicht alle) so viel "Ehre" haben, daß sie ihre eigene Schwester schon dann erschießen, wenn diese einen deutschen Freund hat.
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  9. #9
    Avatar von theRealAntEater Forum Veteran
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    Genau, und die Herren meinen damit durchzukommen, weil hierzulande nun einmal eine zu starke Toleranz gegenüber solchen Verhaltensweisen herrscht.
    Bis zum Sürücü-Fall in Berlin war tatsächlich h.M. bei solchen Ehrenmorden die Strafe wegen "kultureller Eigenheiten" oder sowas zu mildern!
    Das hat sich gottseidank geändert und das ist nicht das einzige was sich ändert.
    Man bemerke, der Regisseur von "Wut" ist Türke!
    Ich kenne einige "echte" Türken (also solche, die eigentlich in der Türkei leben), die von ihren hiesigen Landsleuten eine Meinung haben, die man hier nur einem NPD-Wähler zutrauen würde...
    Ok, ich denke ein Deutscher hätte bei der Tante ARD einen solchen Film nicht machen können.
    Aber da kommen die öff-recht. Anstalten mal ihrem gesellschaftlichen Auftrag nach und dann wirds ins programmtechnische Nirvana verbannt.
    Wie Polylux, wie die ganzen Politmagazine, wie der Harald....
    Problem ist, deutsche TV-Macher behandeln den Ausländer meistens wie Winnetou. Der edle, unschuldige Wilde, der in die grausame Welt böser Weißer geworfen wurde und zum unschuldigen Opfer wird, aber eine tiefere Weisheit in sich trägt. Man siehe Lindenstrasse.
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  10. #10
    Avatar von Yossarian1943 Forum Veteran
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    Jupp, viele Türken in der Türkei haben keine gute Meinung von ihre abgewanderten Landsleuten.

    Allerdings muß ich sagen, daß mir religiöse Muslime lieber sind, als besoffene Skins.
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