1. #1
    Avatar von Thermalschicht Neuzugang
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    Apr 2005
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    11
    Ich spiele eine schwer gemoddete Version auf ziemlich realistischen Einstellungen. Also nicht wundern ;o)

    ----------------------------------------------
    Zeit: Nov. 1940, Vormittag
    Ort: 200nm W Irland / Atlantik
    Sicht: ca. 300m, Sturm, 15-16m/s Wind schwere Dünung

    Stehe mit U48 auf meiner zweiten Feindfahrt westlich von Irland und kämpfe mich mit dem Boot durch extrem raue See.

    Plötzlich: Funkmeldung Herr Kaleun - U96 meldet Kontakt zu einzelnem Frachter - Muss Verfolgung wegen Maschinenschadens abbrechen....

    Die Mannschaft und ich haben schon einige harte Tage hinter uns - Die Treibstoffbunker sind fast leer, das Boot ist nach WaBo-Beschuss und Flugzeugortung vor Scapa beschädigt und Aale haben wir auch nur noch 2 - Ein Bug und ein Hecktorpedo.

    Ich also ran an die Karten - Gut, 96 schaffts nicht... Dann müssen eben wir ran. Verdammt, die Meldung ist nicht sehr präzise: Schiff - mittelschnell - Kurs NO und eine Positionsangabe. Das wars.
    Also Werkzeug raus und abschätzen - berechne Feindkurs und setze meinen Abfangkurs bis zum Schnittpunkt. Plane von dort aus nochmals zu horchen.

    Einige Zeit später: Das Schietwetter wird einfach nicht besser - Sicht eher noch schlechter. Der Kahn schwankt so, dass selbst den erfahrensten Männern die Bilge hochsteigt...

    Tauchbefehl - Boot auf 50m auspendeln - Beide Motoren stopp - Horchpeilung: Herrgott - Nichts.
    Periskoptiefe - Rohr raus: Keiner da. Wie auch - bei dem Seegang...
    Boot wird in 15m Tiefe schon durcheinander geworfen...

    "Auftauchen!"

    "Beide Maschinen volle Kraft voraus. Kurs 310."

    Turm voll besetzen: "Adolf (mein 1WO) rauf und Augen auf!"

    "Jawohl Herr Kaleun"

    1. Stunde vergeht...

    2. Stunde vergeht... nichts.

    Gehe auf Brücke - Sauwetter. Glas raus aber schon hat mich einen Welle - Verdammt. Klatschnass. Der Regen prasselt fast horizontal und peitscht einem in die Augen... Da ist nichts. wo steckt der verdammte Pott bloß?

    Beide Maschinen stampfen noch immer auf voller Fahrt. Immer wieder Aussetzer, wenn die See den Motor zum stottern bringt.

    Wie sollen wir den Kahn bloß finden?

    Also wieder ran ans Brett: Habe ich mich verrechnet? Drift vergessen? Oder den Wind nicht eingerechnet? So viele Variablen - der verdammte Atlantik ist einfach nicht der Bodensee.

    Soll ich tauchen lassen und horchen? die Männer auf der Brücke werden auch schon recht...

    "ALAAAAAAAAARM!!!!!!! Schiff voraus!!!!"

    Verdammt - da ist er! Mein Gott...

    "Schiff auf Kollisionskurs, Herr Kaleun!"

    "Scheiße!" eine Sekunde vergeht... Soll ich auf die Brücke?

    "Ruder hart backbord! LOS!! LOS!! LOS!!"

    Ich fliege zum Luk und komme kaum die Leiter rauf so neigt sich das Boot...

    Dann sehe ich ihn genau vor mir - aus der grauen Dunkelheit schiebt sich ein riesiger Bug auf uns zu, durchschneidet die Dunkelheit wie das Wasser. Haushoch...

    "Der sieht uns nicht Herr Kaleun!"

    Ich brülle gegen den Wind in das Ohr des 1WO.

    "Ich weiß Adi - bete!"

    "Beide Maschinen AK und Ruder rum bis Anschlag!"

    Verdammt wir schaffen es n-....

    ein ohrenbetäubendes Splittern und Schreien. Eine Riesenfaust wirft mich durch das Luk in den Turm. Rippe gebrochen? Das Boot bäumt sich auf und rollt fast in die Horizontale.

    Schrei dringen mir ins Ohr - bekomme keine Luft.

    "Wassereinbr..." "Schadensmeldung Bugtorpedoraum"
    Das bersten von Instrumenten und die Schrei der Männer - Das kreischen von Stahl auf Stahl - Dann - plötzlich - Ruhe.

    Vollkommene Stille. Mein Gott. Die Diesel sind hinüber. Sinken wir? Was ist mit den Batterien?

    Das Boot hat sich wieder aufgerichtet und tanzt wie ein Korken auf den Wellen.

    Licht - Himmel - Muss auf Brücke...

    Die Luft peitscht in meine Lungen. ein Hand packt mich: Der 1WO. Er lebt noch.
    Worte dringen an mein Ohr: "Das war haarscharf Herr Kaleun! Da hinten..."

    Steuerbords verschwindet die Silhouette des großen Frachters schnell in der hohen Gischt und den Wolkenfetzen des aufkommenden Abends.

    Jetzt nur nicht aufgeben! Langsam komme ich wieder zu mir.

    Von wegen verrechnet. Verdammt genau meine Navigation - zu genau. Also ob es sowas gäbe...
    Eine Nadel im Heuhaufen - und ich bin genau reingetreten.

    "Schadenmeldungen!"

    Eine halbe Stunde später weiß ich: Wir hatten unglaubliches Glück. Das Boot ist nicht mehr tauchfähig. Die Hülle ist schwerst beschädigt. Jetzt ist das Wetter unser bester Verbündeter.
    Der Turm ist ebenfalls stark mitgenommen, wir haben Tote und Verwundete im Bugtorpedoraum und die Diesel sind abgesoffen.

    "Aber wir können es schaffen, Männer. Wenn das Wetter hält... Wenn das Wetter hält!"

    -----------------------------------------------

    (Leutnant zu See Knut Knettenbrech wurde für seinen Einsatz im Atlantik vor Scapa und seine herausragende seemannschaftliche Leistung, das schwer beschädigte U48 durch einen Orkan bis nach St.Nazaire zu navigieren, mit dem Eisernern Kreuz 2. Klasse ausgezeichnet.)
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  2. #2
    Avatar von Thermalschicht Neuzugang
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    Ich spiele eine schwer gemoddete Version auf ziemlich realistischen Einstellungen. Also nicht wundern ;o)

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    Zeit: Nov. 1940, Vormittag
    Ort: 200nm W Irland / Atlantik
    Sicht: ca. 300m, Sturm, 15-16m/s Wind schwere Dünung

    Stehe mit U48 auf meiner zweiten Feindfahrt westlich von Irland und kämpfe mich mit dem Boot durch extrem raue See.

    Plötzlich: Funkmeldung Herr Kaleun - U96 meldet Kontakt zu einzelnem Frachter - Muss Verfolgung wegen Maschinenschadens abbrechen....

    Die Mannschaft und ich haben schon einige harte Tage hinter uns - Die Treibstoffbunker sind fast leer, das Boot ist nach WaBo-Beschuss und Flugzeugortung vor Scapa beschädigt und Aale haben wir auch nur noch 2 - Ein Bug und ein Hecktorpedo.

    Ich also ran an die Karten - Gut, 96 schaffts nicht... Dann müssen eben wir ran. Verdammt, die Meldung ist nicht sehr präzise: Schiff - mittelschnell - Kurs NO und eine Positionsangabe. Das wars.
    Also Werkzeug raus und abschätzen - berechne Feindkurs und setze meinen Abfangkurs bis zum Schnittpunkt. Plane von dort aus nochmals zu horchen.

    Einige Zeit später: Das Schietwetter wird einfach nicht besser - Sicht eher noch schlechter. Der Kahn schwankt so, dass selbst den erfahrensten Männern die Bilge hochsteigt...

    Tauchbefehl - Boot auf 50m auspendeln - Beide Motoren stopp - Horchpeilung: Herrgott - Nichts.
    Periskoptiefe - Rohr raus: Keiner da. Wie auch - bei dem Seegang...
    Boot wird in 15m Tiefe schon durcheinander geworfen...

    "Auftauchen!"

    "Beide Maschinen volle Kraft voraus. Kurs 310."

    Turm voll besetzen: "Adolf (mein 1WO) rauf und Augen auf!"

    "Jawohl Herr Kaleun"

    1. Stunde vergeht...

    2. Stunde vergeht... nichts.

    Gehe auf Brücke - Sauwetter. Glas raus aber schon hat mich einen Welle - Verdammt. Klatschnass. Der Regen prasselt fast horizontal und peitscht einem in die Augen... Da ist nichts. wo steckt der verdammte Pott bloß?

    Beide Maschinen stampfen noch immer auf voller Fahrt. Immer wieder Aussetzer, wenn die See den Motor zum stottern bringt.

    Wie sollen wir den Kahn bloß finden?

    Also wieder ran ans Brett: Habe ich mich verrechnet? Drift vergessen? Oder den Wind nicht eingerechnet? So viele Variablen - der verdammte Atlantik ist einfach nicht der Bodensee.

    Soll ich tauchen lassen und horchen? die Männer auf der Brücke werden auch schon recht...

    "ALAAAAAAAAARM!!!!!!! Schiff voraus!!!!"

    Verdammt - da ist er! Mein Gott...

    "Schiff auf Kollisionskurs, Herr Kaleun!"

    "Scheiße!" eine Sekunde vergeht... Soll ich auf die Brücke?

    "Ruder hart backbord! LOS!! LOS!! LOS!!"

    Ich fliege zum Luk und komme kaum die Leiter rauf so neigt sich das Boot...

    Dann sehe ich ihn genau vor mir - aus der grauen Dunkelheit schiebt sich ein riesiger Bug auf uns zu, durchschneidet die Dunkelheit wie das Wasser. Haushoch...

    "Der sieht uns nicht Herr Kaleun!"

    Ich brülle gegen den Wind in das Ohr des 1WO.

    "Ich weiß Adi - bete!"

    "Beide Maschinen AK und Ruder rum bis Anschlag!"

    Verdammt wir schaffen es n-....

    ein ohrenbetäubendes Splittern und Schreien. Eine Riesenfaust wirft mich durch das Luk in den Turm. Rippe gebrochen? Das Boot bäumt sich auf und rollt fast in die Horizontale.

    Schrei dringen mir ins Ohr - bekomme keine Luft.

    "Wassereinbr..." "Schadensmeldung Bugtorpedoraum"
    Das bersten von Instrumenten und die Schrei der Männer - Das kreischen von Stahl auf Stahl - Dann - plötzlich - Ruhe.

    Vollkommene Stille. Mein Gott. Die Diesel sind hinüber. Sinken wir? Was ist mit den Batterien?

    Das Boot hat sich wieder aufgerichtet und tanzt wie ein Korken auf den Wellen.

    Licht - Himmel - Muss auf Brücke...

    Die Luft peitscht in meine Lungen. ein Hand packt mich: Der 1WO. Er lebt noch.
    Worte dringen an mein Ohr: "Das war haarscharf Herr Kaleun! Da hinten..."

    Steuerbords verschwindet die Silhouette des großen Frachters schnell in der hohen Gischt und den Wolkenfetzen des aufkommenden Abends.

    Jetzt nur nicht aufgeben! Langsam komme ich wieder zu mir.

    Von wegen verrechnet. Verdammt genau meine Navigation - zu genau. Also ob es sowas gäbe...
    Eine Nadel im Heuhaufen - und ich bin genau reingetreten.

    "Schadenmeldungen!"

    Eine halbe Stunde später weiß ich: Wir hatten unglaubliches Glück. Das Boot ist nicht mehr tauchfähig. Die Hülle ist schwerst beschädigt. Jetzt ist das Wetter unser bester Verbündeter.
    Der Turm ist ebenfalls stark mitgenommen, wir haben Tote und Verwundete im Bugtorpedoraum und die Diesel sind abgesoffen.

    "Aber wir können es schaffen, Männer. Wenn das Wetter hält... Wenn das Wetter hält!"

    -----------------------------------------------

    (Leutnant zu See Knut Knettenbrech wurde für seinen Einsatz im Atlantik vor Scapa und seine herausragende seemannschaftliche Leistung, das schwer beschädigte U48 durch einen Orkan bis nach St.Nazaire zu navigieren, mit dem Eisernern Kreuz 2. Klasse ausgezeichnet.)
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  3. #3
    Avatar von Thermalschicht Neuzugang
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    Fakt ist: Ich habe den Kahn aus knapp 200km Entfernung genau getroffen. Im Sturm. Hrhrhr.

    Das ist wie ein negativer Lottogewinn...
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  4. #4
    Avatar von Gooseman.81 Kam, sah und tippte
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    Ay Herr Leutnant,

    schöne Geschichte und auch spannend geschrieben, gratulation zum EK II, klingt fast so als wärt ihr nach Hause gesegelt, hatte auch schon die Begegnung mit einem "fliegenden Holländer" C3 kamm auf 200m aus dem Nebel bei 150 hat mir mein 1WO (auch Adolf Calewitz) den Frachter gemeldet habe sofort Alarmtauchen befohlen und bin ab getaucht...ging gerade nomma gut.
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  5. #5
    Avatar von JG400Pips Kam, sah und tippte
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    Heute nödlich Scapa Flow,Sichtweite unter 200m.
    Plötzlich ein C2 unter 200m neben meinem Boot.
    Mit Hart Steuerbord gerade noch rechtzeitig eine Ramming vermieden.

    Plötzlich bekomme ich vom WO weitere Schiffsmeldungen.
    Bin bei dem Sauwetter mitten in einem Geleitzug gelandet..............
    (Säge immer noch daran!!)
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  6. #6
    Avatar von SavageGunny Neuzugang
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    @Thermalschicht:

    Spannend geschildert solltest ein Buch schreiben wenn du deine Karriere durch hast!

    Ich war bei so einem Sauwetter auch schon mitten in einem Geleitzug hatte aber wenig glück da mich ein Zerstöer böse von hinten erwischt hat *grml*
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  7. #7
    Avatar von ParaB Forum Veteran
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    Sehr schön geschrieben.

    Die Spannung die ich jedesmal fühle wenn ich mit meinem Boot auslaufe ist ähnlich. Seit langer Zeit hat mich kein Spiel mehr so in den Bann gezogen wie SH3.
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