1. #281
    Avatar von Andrey-Delany Forum Veteran
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    ooc:

    ich glaube, niemand hatte die Rolle seines Charakters so vorgesehen, wie sie nun ist
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  2. #282
    Avatar von asmaron Kam, sah und tippte
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    Zur gleichen Zeit erlangte Asmaron im Zelt wieder das Bewusstsein. Er wollte sich aufsetzen und krallte sich sogleich an der Zeltwand fest. Um ihn herum drehte sich alles. Zudem spürte er einen heftigen pochenden Schmerz, dort wo sein linkes Auge war. Als schließlich der Boden aufhöte zu schwanken und alles wieder an seinem Platz war, wagte er vorsichtig seine Hände zu seinem Gesicht zu heben. Sogleich traf er auf einen weichen Verband und als er näher zu seinem Auge tastete, fühlte er, dass der Verband immer nässer wurde. Dann besah er seine Hände und konnte die rötliche Flüssigkeit auf seinen Fingern schillern sehen. Dann flutete ein Schwall der Erinnerungen über ihn.
    Shaina und er waren auf dem Weg zu Daray und Nistar... sie hatten vielleicht den Stein... dann... da war Lehal... der Kampf... er war nicht schnell genug... und dann der Schmerz... dieser grauenhafte Schmerz....
    Und dann nichts mehr...
    Asmaron zwang sich auf die Füße und musste sich wieder festhalten um einer neuen Schwindelattacke zu entgehen... von drausen tönte noch immer der Kampflärm, doch er war schon nah... sehr nah...
    Schnell tastete Asmaron nach seinem Schwert und war erleichtert als seine Hand auf den vertrauten Knauf seines Schwertes traf. Er hatte es einst bei seiner Prüfung selbst geschmiedet und er hätte es sich nie verziehen wenn er es verloren hätte. Dann sammelte er sich nocheinmal, zog sein Schwert und trat aus dem Zelt und ins pure Chaos.
    Kaum hatte er die Plane zurückgeschlagen, flog ihm ein Krieger in den Farben des Clans entgegen, einen Pfeil bis zum Anschlag in seiner Brust versenkt.
    Kurz blickte er sich um und orientierte sich... das Tor lag zu seiner Rechten... links von ihm standen die Wälle des Clans oder zuminderst das was von ihnen übrig war... die Männer des Clans waren schon dabei wie die Hunde zu fliehen und wer konnte es ihnen verübeln... die übermacht war erdrückend... immer mehr Männer der königlichen Armee stürmten auf die letzten Verteidiger ein... die Luft war erfüllt vom Rauschen der Flügel von hunderten von Wächtern... dann stockte Asmaron der Atem... hoch oben auf einem Felsplateu stand ein hochgewachsener Mann... er trug eine blutrote Robe und versteckte sein Gesicht in der abgrundtiefen Dunkelheit seiner Kapuze. Doch das war nicht das schlimmste... nein... das Schlimmste war, dass sich um den Mann herum Soldaten erhoben, mit schlimmsten Wunden gekennzeichnet und teilweise mit abgerissenen Gliedmasen... doch es schien ihnen überhaupt nichts auszumachen... ganz im Gegenteil. Diese Kreaturen warfen sich mit noch unerbittlicher Grausamkeit in den Kampf... Asmaron riss sich von dem schrecklichen Anblick los. Er rannte wie er noch nie in seinem Leben gerannt war... Kein Wunder, dass die Krieger des Clans das gleiche im Sinn hatten... alle die sich noch auf den Beinen halten konnten rannten, so schnell sie nur konnten, doch es war vergebens... Das Tor war verschlossen und die restlichen Männer des Clans wurden zusammengetrieben wie Vieh und waren schließlich eingekesselt. In ihrem Rücken die steinernen Wände der gewaltigen Torflügel und vor ihnen eine Armee des Grauens... es war nur eine Frage der Zeit bis einer nach dem anderen abgeschlachtet war...

    Plötzlich donnerte eine gewaltige Stimme über das gesamte Schalchtfeld. Es höte sich so an als hätten die Urmächte selbst das Wort ergriffen. "žWER WAGT ES SICH DEM TOR ZU NÄHERN?"
    Danach folgte Stille... unmenschliche Stille... jeglicher Kampf war unterbrochen... alle Krieger die noch auf den Beinen standen wandten sich mit Angst erfüllten Gesichern um und blickten zum Tor hinauf. Selbst die blutrünstigen Monster und ihr Meister in der dunklen Robe hielten mitten im Kampf inne... Ja sogar Andrey und Lehal erstarrten mitten in der Luft und blickten zum Tor. Nur das gleichmäßige Flügelrauschen der beiden war zu höen. Dann dröhnte wieder die Stimme des Tores bis in die letzte Ecke des Tales. "žWAHRLICH DU BIST DIE ENNAI!", sagte sie, "žUND ICH FüHLE, DASS DU DEN STEIN BEI DIR HAST, ABER HAST DU AUCH DAS BLUT DES ANFüHRERS DER WÄCHTER? OHNE DEM BLEIBT DIR DER ZUGANG ZUM TOR VERWEHRT!"
    Die Worte hallten und hallten zwischen den Berghängen wieder bis sich das Echo in den weiten Tälern verlor. Asmaron konnte nicht glauben was er da höte... "žDas Blut des Anführers der Wächter... davon war nichts in den Aufzeichnungen gestanden...", murmelte er vor sich hin und sah zum Tor auf, dort wo irgendwo Shaina war, der es nun vermutlich nicht besser ging als ihm... "žDer Anführer der Wächter... das ist Lehal dieser Bastard! Obwohl er nur durch Verrat die Wächter befehligt ist er dennoch zur Zeit ihr Anführer!" Dieser Gedanke traf ihn wie ein Blitz.
    Dann drehte er sich um und sah auf zu Lehal und Andrey, die immer noch gegenüber hoch in den Lüften schwebten. Tausende von anderen Gesichtern taten es ihm gleich.

    Andrey starrte Lehal an... ihm war der gleiche Gedanke gekommen wie Asmaron... Lehal... Lehals Blut... Er solle verdammt sein wenn er es schaffen würde Lehal auch nur einen Tropfen Blut abzuknöpfen... das war unmöglich!
    "žNun Andrey...", ertönte Lehals ölige Stimme, "žNun liegt es an dir ob die Männer dort unten sterben oder überleben... doch ich würde sagen ihre Chancen stehen schlecht... sehr schlecht!" Lehals Gesicht verzog sich zu einem teuflischen Grinsen. Andrey wurde bleich... er wusste das er keine Chance gegen Lehal hatte... das wusste er nur zu gut... Lehal war nach Elion der mächtigste Wächter der zur Zeit am Leben war... und wenn Elion schon tot war, dann war er der Mächtigste... dennoch hob Andrey mutig sein Schwert...
    "žIch werde das tun wofür...", Andrey verstummte plötzlich mitten im Satz und riss die Augen auf. "žKhumar!", schoss es ihm durch den Kopf, "žKhumar hatte Lehal eine Wunde am Arm zugefügt!" Das Blut von ihm hatte gespritzt und hatte Andrey am Ärmel getroffen... langsam drehte Andrey den Kopf und sah auf seinen Ärmel... und wirklich... ein großer dunkelroter Fleck hatte sich auf seinem Hemd gebildet... dann blickte er wieder Lehal auf und blickte ihm direkt in die Augen und im selben Moment schien auch Lehal zu begreifen... Mit einem lauten Aufschrei legte Andrey die Flügel an und raste direkt auf das Schlachtfeld zu... gerade rechtzeitig denn Lehal reagierte nicht weniger schnell... der gezielte Schlag von Lehals Schwert sauste nur wenige Millimeter an Andreys Kopf vorbei... "žHALTET IHN AUF!", höte Andrey Lehal hinter sich brüllen und als wäre das ein Zeichen gewesen brach tief unter ihnen wieder der Kampf aus.
    Die restlichen Bogenschützen des Clans taten ihr bestes um Andreys Rückzug zu decken und die Lanzen und Schwertkämpfer versuchten das gegnerische Heer aufzuhalten, dass nun wieder auf den letzten Rest der Verteidiger eindrang. Dennoch konnten sie nicht zwei Wächter aufhalten, die Andrey auf halber Strecke entgegenflogen, um ihm den Weg zu versperren. Da riss Asmaron einem der Langbogenschützen den Bogen aus der Hand, schnappte sich einen Pfeil, zog die Sehne des Bogens bis zum Anschlag zurück und entließ den Pfeil... Er hatte Glück... der Pfeil bohrte sich genau zwischen die beiden Flügel des einen Wächters, der sich noch im Fallen versuchte an seinem Mitstreiter festzuhalten, so dass beide wie ein Stein zu Boden fielen. Asmaron drückte dem völlig verdutzten Schützen seinen Bogen in die Hand und rannte los zum Fuße der Statue. Dann ruderte er mit den Armen und schrie immer wieder Andreys Namen und versuchte ihn auf sich aufmerksam zu machen.
    Andrey pfiff der Wind nur so in den Ohren... immer noch raste er auf das Schlachtfeld zu, als er plötzlich in dem ganzen Getümmel einen Mann ausmachte, der immer wieder die Arme schwenkte und aus leibeskräften seinen Namen brüllte... Andrey änderte seine Flügelstellung und driftete nun leicht nach links und hielt nun auf den Mann zu... kurz darauf erkannte er, dass es Asmaron war, der ihn zu sich holte... dann riskierte er einen kurzen Blick zurück und war erleichtert... Lehal der ihm die ganze Zeit dicht auf den Versen war, fiel zurück, weil ihn nun die Bogen und Armbrustschützen mit Hagelschauern von Pfeilen und Bolzen eindeckten, denen er immer ausweichen musste... Dann landete er sanft neben Asmaron. "žDu siehst ja schrecklich aus!", sagte er zu ihm und grinste ihn an. "žDank' dir! Du siehst auch nicht viel besser aus! Aber dafür haben wir keine Zeit! Hast du das Blut von Lehal?" Andrey nickte und deutete auf seinen blutverschmierten Ärmel. Asmarons Grinsen wurde immer breiter... "žGut! Dann schau, dass du hoch zu Shaina kommst! Du musst da rein.", sagte er dann und deutete auf den versteckten Eingang neben der Statue. "žGehst du nicht mit?", wollte Andrey wissen. Asmaron schüttelte den Kopf. "žIch bleib hier unten und verteidige den Zugang. Ihr müsst schließlich irgendwie wieder runter, wenn das Tor offen ist." Andrey nickte und sah den Schwertmeister ernst an. "žViel Glück!", sagte Asmaron und reichte ihm die Hand. "žUnd sag Shaina das es mir gut geht und sie es schaffen wird..." Andrey nickte nocheinmal und verschwand dann im geheimen Zugang zur Statue.
    So schnell er konnte raste er die Treppen hinauf die kein Ende mehr nehmen wollte... er nahm sogar immer drei Stufen aufeinmal, doch es schien als würde die Treppe direkt in den Himmel führen. Langsam begann er unsicher zu werden... er wusste nicht, ob er irgendetwas übersehen hatte... eine Tür in der Wand vielleicht, doch er zwang sich zur Ruhe und stürmte weiter die Treppe hinauf.
    Schließlich am Ende seiner Kräfte stolperte er auf den obersten Treppenaufsatz. Dann traf er auf Shaina und die Anderen, die auf dem ovalfömigen Plateu eigekesselt zwischen wiederwärtigen Wesen standen und angsterfüllt in die Runde blickten. "žNUN HABT IHR DAS BLUT ODER HABT IHR ES NICHT?", donnerte nocheinmal die unmenschliche Stimme an Shaina gewandt. "žIch habe es!", keuchte Andrey atemlos. Alle drehten sich zu ihm um. "žIch habe es...", sagte er nocheinmal und stolperte auf Shaina zu. Der Kreis der Monster brach auf und ließ Andrey ein. "žAndrey!", rief Shaina, "žWie... wo hast du es?" Andrey deutete nur erschöpft auf seinen Ärmel, auf dem noch immer das Blut schillerte. Sofort nahm Shaina den Stein und wickelte ihn in Andreys Ärmel ein sofort nahm der Stein eine rötliche Färbung an... nicht oberflächlich sonder bis in sein tiefstes inneres.
    Da ertöhnte die Stimme ein weiteres Mal. "žWOHL AN DENN... WENN ES EUER WUNSCH IST DAS TOR ZU ÖFFNEN, DANN TUT ES JETZT UND LEGT DEN STEIN IN DIE VERTIEFUNG DES SCHLOSSES!"
    Die Wesen um sie herum wichen zurück als Shaina auf das Schloss zuging. Das Plateu ermöglichte es, bis zum Schloss in der mitte des gigantischen Tores zu gehen. Tief unter ihr konnte sie noch immer den Lärm der Schlacht höen, in der es mittlerweile nur noch um das nackte überleben ging. Plötzlich flammte der Stein auf... zunächst war es nur ein Glimmen, doch je näher Shaina dem Schloss kam, desto heller wurde er. Schließlich war sie nur noch wenige Meter entfernt und sie riss die Arme in die Luft. Jetzt strahlte der Stein heller den je und gleißend helles Licht ließ das ganze Plateu aufleuchten.
    Und dann presste Shaina den Stein in die Vertiefung des Schlosses...
    Das Licht erlosch und es geschah nichts... überhaupt nichts... Shaina und die Anderen starrte ungläubig auf das Tor, dass sich keinen Zentimeter bewegte... Sie wollte ihren Augen nicht trauen... all die Strapazen, all die Abenteuer, all die Toten und dieVerluste für nichts und wieder nichts? Shaina spürte wie ihr die Tränen in die Augen schossen und wie sich alles zu drehen begann... und dann höte sie es ganz leise klicken.
    Langsam, ganz langsam begannen sich die Schlangen zu entwirren... immer wieder klickte es als sich ein Riegel nach dem anderen zurückschob und als das Schloss offen war, flammte plötzlich die Augen der beiden Wächterstatuen auf und bündelten ihre Lichtstrahlen auf Felswände, die gegenüber der rießigen Statuen emporragten. Die Soldaten unten auf dem Schlachtfeld konnten die immens große Hitze spühren und alle Wächter, die sich noch in der Luft befanden, rasten im Sturzflug herab um der tödlichen Hitze zu entgehen. Nicht wenige landeten mit versengten Flügeln und waren noch kaum bei Bewusstsein. Der Schnee zerfloss zu Wasser, noch bevor die Lichtstrahlen die Felswand erreichten, und rauschte in kleinen Sturzbächen die Hänge hinab. Als der Schnee völlig geschmolzen war, gab er den Anblick auf eine rießige Rune frei, die aussah wie eine Sonne und dann trafen die Lichtstrahlen direkt auf die Mitte der Sonne.
    Gleißend hell flammte sie auf und es sah so aus als würde sie beginnen sich langsam um ihre eigene Achse zu drehen. Von unten konnte man unmöglich sagen ob das Wirklichkeit oder ob das nur ein eigenartiger Lichtreflex war, aber plötzlich war ein leises Dröhnen zu höen... die Sonne drehte sich immer schneller und das Dröhnen würde immer lauter. Es war kein normales Geräusch... es war als würde es aus dem eigenen Köper kommen, als würde jeder einzelne Knochen anfangen zu vibrieren. Dann als die Sonne schon zu einem einzigen Kreis verschwommen war und das Dröhnen zu einem gewaltigen Donnern angeschwollen war, flammte die erste Rune auf dem rießigen steinernen Torflügel auf. Einen Augenblick später leuchtete die zweite Rune auf, dann die dritte und schließlich erstrahlte das ganze Tor in gleißendem Weiß. Die Menschen unten auf dem Schlachtfeld kniffen die tränenden Augen zusammen und hoben die Hände vor ihr Gesicht, doch das Licht schien einfach durch sie durchzudringen.
    Dann von einem Moment auf den anderen erloschen die Lichtstrahlen und ein schwarzer Mantel der Dunkelheit legte sich über das Tal. Es war totenstill... nichts rehgte sich.
    Dann erzitterten die beiden Torflügel. Zentimeter für Zentimeter schob sich das Tor auf und nun flammten wieder einzelne Runen auf.
    Dann riss sich Nistar von dem unglaublichen Anblick los und brüllte um gegen den Lärm anzukommen: "žLos! Wir müssen wieder runter, wenn wir durch das Tor wollen!"
    So schnell sie konnten wollten sie den unheimlichen Ort mit den Kreaturen hinter sich lassen und machten sich an den langen Abstieg.

    Als sie schließlich unten angelangt waren empfing sie Asmaron, der es tatsächlich geschafft hatte den Zugang versperrt zu halten. Auch das Tor war nun fast ganz geöffnet und es hätte nichteinmal mehr Khumars Anweisungen bedurft, denn die Krieger des Clans ließen es sich nicht zweimal sagen, sich hinter das Tor zurückzuziehen. Als schließlich auch der letzte Mann des Clans sich soweit zurückgezogen hatte, dass er nichtmehr von den Bogenschützen der Wächter erreicht werden konnte blickten sie alle nocheinmal zurück. "žWarum folgen sie uns nicht?", wollte einer der wenigen Männer wissen. Andrey sah ihn an. "žNie würde ein Wächter das Land hinter dem Tor betreten.", sagte er, "žEs sei denn er wird dazu gezwungen...", fügte er noch hinzu, aber nur so, dass es gerade er selbst höen konnte.

    Dann erschien plötzlich Lehal am Fuße der steinernen Torflügel. Sein weißes Gewand war an vielen Stellen zerrissen und an seinem rechten Arm blutgefärbt. "žWartet nur ihr feigen Hunde!", schrie er außersich vor Wut. "žWartet nur... euch wird das gleiche Schicksal ereilen wie all diejenigen von euch die heute gefallen sind..." Dann streckte er seinen Arm aus und deutete drohend auf die Gruppe. "ANI HÄWA OJEW MAWÄT VE LEHISCHAWA OJEW LECHIMA NEZACH!!!", donnerte seine Stimme zu ihnen hinab.
    "Was war denn das?", flüsterte Shaina Asmaron zu während sie ihn am Ärmel zupfte. Sie sah auf und erstarrte als sie Asmarons versteinerten Gesichtsausdruck sah. Er sah fürchterlich aus. Sein improvisierter Verband hatte sich an der einen Stelle von seinem Blut schon ganz schwarz gefärbt und am ganzen Köper war er mit kleineren Wunden übersäht. Doch ihn schien das nicht weiter zu stöen. Ohne seinen Blick von Lehal abzuwenden antwortete er mit zitternder Stimme, "Lehal hat in der alten Sprache einen Schwur geleistet... Ein Schwur in der alten Sprache ist bindender als alles was es auf dieser Erde gibt... selbst über den Tod hinaus. Er sagte: 'Ich bringe meinen Feinden den Tod und schwöe ihnen Krieg für immer!'"
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  3. #283
    Avatar von Andrey-Delany Forum Veteran
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    Der Lichtstrahl war nurnoch ein schwaches Glimmen, doch jeder der Wächter wusste, dass das Tor noch offen war. Sie trauten sich nicht in das Gefängnis, dass sie selbst geschaffen hatten. Sie hatten Angst. Angst davor, den Gefangenen zu begegnen, die sie einst in die Welt hinter das Tor gesperrt hatten. Denn das war nun ihre Welt geworden und wenn sie ihre Feinde erkannt hätten, wären sie verloren in dieser fremden Welt. So hatte Lehal befohlen, ein Lager vor dem Tor aufzuschlagen und Maßnamen zu ergreifen, eine absolut unüberwindbare Verteidigung davor zu errichten, damit Asmaron mit seinen Männern nicht lange auf ihrer Heimatwelt überleben könnten, wenn sie zurückkehrten. Er war unendlich wütend und hatte nicht vor, Ruhe zu geben, bevor Neschecks und Asmarons Leben ausgehaucht war. Schon seit langer Zeit spürte er fast nichtsmehr, lediglich der unbändigen Durst nach Blut und Leid zeigten ihm, dass er überhaupt noch am Leben war. Es war zu Lehals Natur geworden, sich von den Schmerzen der Menschen zu ernähren. Er konnte garnicht anders. Und er genoss es jedesmal, wenn eine Schlacht bevorstand, die unermessliches Leiden versprach.
    Doch nun war es an der Zeit, vor seinen Meister zu treten, vor das Wesen, was ihn zu dem gemacht hatte, was er nun war. Lehal weilte schon lange nichtmehr unter den Lebenden und hatte fast alle Gefühle schon vergessen. Ausser zwei. Zorn und Angst. Zorn über seine Niederlage, die er hier wieder erwarten erlitten hatte und Angst vor den Konsequenzen. Langsam schritt er zu dem unverkennbaren Zelt aus blutrotem Leinen. Seit sein Meister von dem machtvollen Lichtstrahl durchbohrt worden war, hatte er ihn nicht zu Gesicht bekommen. Doch er würde sich hüten, ihn nach seiner Verletzung zu fragen. Lehal schlug die Plane beiseite und trat vorsichtig in das Zelt. vor der rabenschwarzen Ebenholzstange, die das gesamte Gewicht des blutroten Leinens trug, saß sein Meister ,in seine blutroten Robe gewandet, im Schneidersitz auf einem Teppich, auf dem die schwarze und rötliche Farben lebendig ineinander zu zerfließen schienen. Lehal schluckte den Kloß in seinem Hals herunter und noch einmal spielte sich die endgültige Niederlage vor seinem inneren Auge ab. Sie waren durch das Tor geflohen, diese Feiglinge. Doch er würde sie gebührend empfangen, wenn sie wieder durch das Tor gekrochen kommen würden, diese Maden!
    " Es war unvermeidlich, lieber Lehal," ertönte die wohlklingende Stimme unter der blutroten Kapuze. Sein Meister legte keinerlei Wert auf Höflichkeit oder Etikette. " Mach dir keine Gedanken über dein Versagen. " " Werdet ihr mich bestrafen,?" fragte Lehal, wie ein Kind, dass die Konsequenzen nach einem Streich fürchtet, dass es seinen Eltern gespielt hat. Der Meister lächelte, doch in dem Lächeln lag keinerlei Wärme. " Sollte ich dich etwa nochmal töten, mein Lieber?," fragte er und lachte. Doch sein Lachen fand ein abruptes Ende und seine Stimme wurde ernst. " Tot nutzt du mir nicht, das weisst du. Er wäre eine Erlösung für dich. Du bist gestraft genug damit, dein Dasein als mein Diener zu fristen." Lehal fröstelte es. Es lag soviel Wahrheit und soviel Macht in diesen Worten. Er war der Sklave seines Meisters und konnte seinem Schicksal nicht entfliehen. " Was hast du nun vor, Lehal? Wie gedenkst du, der Lage Herr zu werden?," fragte sein Meister. " Nun...," Lehal begann zu stottern. " Der Anführer des Clans ist tot...," begann er, doch sein Meister unterbrach ihn mit in einem gelassenem Ton, dass Lehal ein kalter Schauer den Rücken herunter lief.. " Lehal, mein lieber Lehal...was soll ich nur mit dir machen? Du belügst mich. Ich habe die Lüge in diese Welt gebracht. Denkst du etwa, ich bemerke deinen kleinen Versuch, deine Niederlage durch eine kleine Lüge mit einem winzigen Erfolg zu schmücken, nicht?" Dann wurde er lauter und seine Stimme war voller Zorn. Lehal zitterte vor Angst wie ein kleines Kind, als die Worte wie das Donnern eines mächtigen Sturms aus dem Mund seines Meisters sprudelten, . " Du hast versagt, Diener! Das musst du akzeptieren. In jeder Hinsicht hast du versagt, wir haben mehr als nur diese Schlacht verloren! Ich hätte dich auch zur Strafe zur ewigen Folter in das Reich meines Herrn verbannen können. Aber Ahriman hat keine Zeit für solche Kleinigkeiten, wie deine kümmerliche Seele zu quälen! Sei dankbar, dass ich kein grausameres Schicksal für dich gewählt habe. Denn wenn du mich ein weiteres Mal hintergehst, wird meine Strafe weitaus schmerzvoller für dich sein!" Dann verflog sein Zorn schlagartig. " Hast du auch Wahrheiten für mich,
    mein lieber Lehal?," fragte er gewohnt gelassen und mit einem leichten Anflug von Spott in der ruhigen Stimme. "Wir...haben eine Gefangene," antwortete Lehal, noch immer zitternd. Er hatte seinen Meister noch nie so in Rage erlebt . Und ihm war klar: er konnte ihm wirklich noch viel schlimmere Qualen bereiten. Lehal wusste um die beinahe grenzenlose seines Meisters und er zweifelte nicht an seinen Worten. Furcht erfüllte den ganzen Köper des sonst so stolzen Wächterkönigs. Mit aller Mühe schaffte er es, sich zu beherrschen und fuhr schließlich fort, denn er wollte die Geduld seines Meisters nicht noch einmal auf die Probe stellen:" Sie hat sich uns freiwillig gestellt. Den Tätowierungen nach zu Urteilen gehöt sie zum Clan der Wüstenskorpione und...," wieder unterbrach ihn sein Meister. " Sie will mit mir sprechen. Und das wird sie. Jetzt. Führe mich zu ihr." Mit diesen Worten erhob sich der Meister.
    Als würde sich plötzlich eine Flutwelle vor ihm aufbauen, schreckte Lehal hoch und beeilte sich, auf die Beine zu kommen, dann führte er seinen Meister durch das Lager. Eifrig waren seine Männer damit beschäftigt, direkt vor dem Tor Gräben auszuheben und türmten die Steine zu Wällen auf oder positionierten sie so, dass sie bei einem Anstoß eine Lawine in Richtung Tor auslösen würde. Doch alle, die sie auf ihrem Weg trafen, machten den Weg hastig frei, denn niemandem war der Mann in der blutroten Robe geheuer. Sie kamen schließlich zu den zwei schwer bewaffneten, muskelbepackten Wächtern, die eine Frau bewachten. Der Mann in der roten Robe machte eine wegwischende Bewegung und sagte:" das ist nicht nötig." Dann richtete er das Wort an die ganz in schwarz gekleidete junge Frau.
    "Daray," sagte er mit erfreuter Stimme. " Es zeugt von Mut, dass du dich mir stellst. Deine Position ist nicht grade günstig, ich könnten dich einfach töten," begann er und lächelte kalt. Daray kniete sich langsam vor dem Mann hin und blickte zu ihm auf. " Ich will euch dienen, Herr. Ich weiss, dass ich für die falsche Seite eingetreten bin, doch als ich euch sah, erschien mir alles sonnenklar. Vergebt mir meine vergangenen Taten und ich will euer Werkzeug sein," sprach Daray voller überzeugung.
    Der Anblick dieser unvorstellbar bösen Macht in einer Person manifestiert hatte Daray seit dem erstem Moment fasziniert, als sie den Mann gesehen hatte. Sie hatte ihre Liebe zu Nistar in kurzer Zeit einfach verloren. Und er war ihr egal. Die Macht des Bösen hatte sie in ihren unbesiegbaren Bann gezogen.
    Dann schlug der Mann seine Kapuze zurück. Sein Gesicht war von so makelloser Schönheit, wie einem Menschen nur möglich. Schulterlanges, hellblondes, beinahe weisses Haar flatterte im Wind. Er wirkte äusserlich nicht älter als zwanzig Sommer. Seine Augen waren von einem eisigen Blau, dass es Daray fröstelte, als sie ihn anschaute. " Ich weiss. Du würdest mir bis in den Tod folgen, meine Liebe," sprach er voller Ernst und überzeugung. Dann berührte er sie mit der Hand an der Stirn. Daray konnte seine Macht deutlicher denn je spüren und sie fühlte, wie etwas davon in sie überging. Wellen grausamer und abgrundtiefböser Gedanken schlugen über ihr zusammen. Es pochte immer stärker in ihrem Kopf und sie dachte, es würde sie umbringen. Doch langsam lies es wieder nach. Sie fühlte sich entschlossener dennje. " Auf dich habe ich gewartet. Schon so lange," sagte der junge Mann erfreut. Dann wand er sich wieder Lehal zu. " Versammle die gefallenen Krieger des Clans und ich werde zwei Dutzend von ihnen auswählen. Gib Daray alles, was sie haben will und wenn ihr fertig seid, schickst du sie mit den zwei dutzend Clankriegern hinter das Tor. Du hast bist nach all deinem Versagen noch klug genug, zu erkennen, was ich beabsichtige," befahl er. Lehal nickte nur.
    " Ja, Meister, " sprach er unterwürfig und eilte davon. Daray hatte den König der Wächter noch nie so demütig erlebt. Dann wand sich der Mann wieder Schatten zu. " Du kannst mich Vaya nennen," sagte er freundlich zu ihr, dann nahm er ihre Hand und half ihr hoch. " Du wirst etwas für mich tun. Und zwar das, was der liebe Lehal nicht fertig gebracht hat. Finde Asmaron und seine Männer. Ziehe mit ihnen, bis ihr Elion gefunden habt. Dann töte sie beide, vernichte die Ennai und mach dem Leben des Verräters der Wächter ein Ende, der, der sich Neschek nennt."
    " Ja, Meister Vaya," erwiederte Daray, immernoch überwältigt von dieser gewaltigen Macht des Bösen, von der ein Teil nun in ihr sein würde. " Doch bevor du deine Reise antrittst, werde ich dir einiges beibringen, was dir helfen wird, deine Aufgabe zu erfüllen, meine Liebe," sagte er. Daray war sprachlos, sie war noch nie mit so offenen Armen empfangen worden. Vaya lächelte kalt und seine Augen glitzerten eisig. " Komm mit, wir haben nicht viel Zeit. Das Tor wird nicht ewig offen stehen."
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  4. #284
    Avatar von Schatten1988 Forum Veteran
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    -Fortsetzung folgt...-
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