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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : U-48f Die etwas andere Feindfahrt



Karl_Arsch
02-03-06, 13:49
Aloha,

hiermit eröffne ich eine Reihe von Feindfahrtberichten der etwas anderen Art. Sollten diese auf Zustimmung stoßen, werde ich das fortsetzen. Erzählt wird die Geschichte von U-48f, einem Typ 7C (U48, weil gerade mein Kampagnenboot, f weil fiktiv) und seinem etwas anderen Kaleun. Have fun

------- Eintrag Kriegstagebuch ------

6. Dezember 1942, 6.05 Uhr
Sektor BE 86, Kurs 270, Geschwindigkeit 5 Knoten
Wetterlage: bewölkt, Wind 11m/s aus SSO, starker Regen, Nebel: Fehlanzeige

Haben unser Zielgebiet erreicht und beginnen um 6.30 mit der vierundzwanzigstündigen Patroullie.
Werde die Zeit nutzen, die Mannschaft zu trimmen. Die Jungs haben nach vier Wochen Landurlaub den Schliff mal wieder nötig.

-------------------------------------


"LI?" "Ja Herr Kaleun?" "Hol´n se mir den Creutz mal ran." "Jawoll Herr Kaleun." "LI?" "Ja Herr Kaleun?" "Mensch Friedrichs, wie oft muß ich Ihnen das noch sagen? Richten Sie ihre Uniform, wir sind hier doch nicht bei den Hottentotten. Und besorgen Se sich endlich mal ne neue Mütze, in ihrem Deckel gehts ja wilder zu, als im Hafenpuff von Lorient! UND SAGEN SIE DAS AUCH DEN MÄNNERN, IST DAS KLAR?" "Jawoll Herr Kaleun,... den Männern sagen,... ist klar, Herr Kaleun" Der Anschiß verfehlte seine Wirkun nicht. Friedrichs, sichtlich irritiert, spielte nervös an seinen Knöpfen rum und versuchte gleichzeitig, seine Mütze elegant verschwinden zu lassen. Ein Bild für die Götter. Mit hochrotem Kopf schob er Richtung Funkraum ab. Wenig später kam Karl Creutz in die Zentrale. "Stabsoberbootsmann Creutz, melde mich wie befohlen, Herr Kaleun." "Geht doch, Creutz, geht doch. Stehen Sie bequem." Karl Creutz gehöte zur alten Garde, eigentlich schon zu alt für den Dienst auf hoher See. Aber er hatte Erfahrung, und davon genug für zwei Seemannsleben. Er war wohl einer der wenigen Männer, die sich ein Leben ohne das Boot nicht vorstellen mochten. "Sagen Sie mal, Creutz... was halten Sie von unserem neuen Spielzeug, wie heißt das noch gleich?" "FUMO, Herr Kaleun, FUMO 29." "FUMO, ja richtig, so wars" .... "Creutz? Was bedeutet FUMO nochmal?" "Das steht für Funkmessortung, Herr Kaleun." "Ah! Ja richtig. Und? Was halten Se davon, Creutz?" "Naja, Herr Kaleun, wenn Se mich fragen, ist das neumodischer Schnickschnack. Funktioniert nur, wenn wir aufgetaucht fahren. Das liegt anner Technik, wissen Se? Ich würd der Kiste nicht vertrauen, Herr Kaleun." "Creutz, Creutz, Sie müssen sich anpassen, verstehen Sie? Die Zeit schreitet in diesen Tagen schnell voran. Da müssen Sie immer auf der Höhe bleiben. Ein alter Seebär wie Sie muß sich arrangieren. Ich gebe ihnen den guten Rat, sich anzupassen, Creutz. Sonst muß ich das melden. Verstehen sie?" "JJJa Herr Kaleun, ich verstehe das." "Gut Creutz, ich würde die nächste Fahrt nur ungern ohne Sie machen. Haben wir irgendwelche Funksprüche?" "Nein Herr Kaleun, keine Meldungen." "Gut! Dann gehen Sie jetzt auf Ihre Station. Und benutzen Sie das FUMO, wann immer wir aufgetaucht fahren, haben wir uns verstanden?" "Jawoll Herr Kaleun, voll und ganz verstanden!" Sichtlich geschockt von der Ansage schlich er sich auf seine Station und fuchtelte ein wenig hilflos an der Konsole des FUMO herum. Der Kaleun besorgte sich einen Kaffee und studierte die Seekarte....


------- Eintrag persönliches Tagebuch ------

6. Dezember 1942, 14.30 Uhr
Wir fahren jetzt seit acht Stunden Patroullie. Wieder einmal. Was mache ich nur hier? Ich hasse meine Familie für ihre Traditionen. Ich will auf unserem Gut bei den Pferden, bei den Gesellschaften, und in meinem Rosengarten sein. Wenigstens ist Luise hier bei mir. Stattdessen erneut der Atlantik, ewig grau. Ich hasse mein Leben! Die Männer respektieren mich nicht. Ich habe alles versucht, gerade heute wieder zwei Mann zur Brust genommen. Ich glaube, hinter meinem Rücken nennen sie mich "Blindgänger". Ich habe die Männer schon des öfteren vom Blindgänger sprechen höen. Sie reden sich dann damit heraus, von Torpedos erzählt zu haben. Das muß ich im Auge behalten. Und bewahre Gott, wenn ich Recht habe. Dann lasse ich die Männer Kiel holen, jeden Einzelnen.

Wir haben für diese Fahrt einen neuen Waffenoffizier bekommen. Einen ganz jungen Spund, direkt von der Marineversuchsanstalt Eckernföde. Er wurde uns von der Aussenstelle Torpedoversuchsanstalt Neubrandenburg zugeteilt. Er ist da, um die neuen Torpedos unter Realbedingungen zu testen. Irgendwie sollen die akustisch gelenkt werden können, ich muß mir beizeiten die Spezifikationen mal durchlesen. Diese ganze Technik wächst mir über den Kopf. Radar, Akustik, und und und. Als hätte ich nicht genug damit zu tun, die Männer bei der Stange zu halten. Kimmelmann, so heißt der Mann, soll ein gewieftes Kerlchen auf seinem Gebiet sein. Kunststück, der braucht sich auch nur um seine Torpedos zu kümmern. Na wir werden ja sehen.


---------------------------------------------

"WO, kommen Se mal ins Büro." Die Antwort des WO´s klang blechern durch das Sprachrohr:" Jawoll Herr Kaleun, ein Kaaffee wird mir jetzt gut tun". Wenig später kam Adolf Carlewitz durchs Luk, seine schwere Ölkleidung triefend vor Wasser. Als er sich aus dem Mantel geschält und einen Kaffee genommen hatte, setzte er sich sichtlich erschöpft auf eine Lebensmittelkiste. "Was gibts denn Herr Kaleun?" "Lassen Sie die Torpedobesatzungen um 15.30 Uhr antreten. Sie sollen die äußeren Reservetorpedos an den Haken nehmen. Stoppen Sie die Zeit. Ich erwarte, dass die Aale um 15.42 angekettet sind. Sagen Sie das den Männern." Sichtlich verwirrt erwiederte der WO:"Aber Herr Kaleun, wir haben hier drinnen doch gar keinen Platz für die Fische." Der Kaleun wurde kerzengerade Scharf erwiederte er: "Ich kenne unseren Torpedobestand sehr genau, Carlewitz. Das müssen Sie mir nicht sagen. Hier gehts um übung, Carlewitz. üben üben üben! Sie wissen ja, übung ist das halbe Leben." "Aber Herr Kaleun, das Wetter. Es regnet wie aus Kübeln und bei den Wellen geht und zu guter Letzt noch ein Matrose über Bord. Dann haben wir den Salat." "Das wetter ist mir scheiß egal WO, wenn die Leute es bei diesem Wetter nicht schaffen, dann gehöen sie nicht auf MEIN BOOT!War das verständlich?" "Ja Herr Kaleun, das war verständlich bis zum Heckraum." Carlewitz zog den Kaleun sanft in dessen Kabiene und schloss den Vorhang. Im Flüsterton wendete er sich dann an den Kaleun: "Herr Kaleun, ich meine ja nur. Ganz besonders nach der letzten Fahrt. Erinnern Sie sich noch an den Papierkram mit dem Seeamt, um zu erklären wie ein 40.000 Reichsmark teurer Torpedo beim Umladen über Bord gehen kann. Wenn uns diesmal stattdessen ein Matrose verloren geht, was wird dann erst auf und zu kommen, Herr Kaleun?" Der Kaleun verlor seine sowieso kaum vorhandene Gesichtsfarbe. Sein linkes Augenlied begann wieder, leicht zu zucken. Er rang sichtlich mit seiner Fassung, noch überlegend, ob er den Mann lynchen sollte. Er basann sich dann aber und hob an:"Nun ja, Carlewitz, da könnte was dran sein. Also gut. Warten Sie, bis das Wetter aufklart. Dann üben Sie nach eigenem Ermessen. Aber geübt wird, ist das klar? Mal was anderes, sie sind doch Österreicher. Wie kommen Sie eigentlich zur U-Bootwaffe?" "Das ist eine lange Geschichte, Herr Kaleun. Eigentlich bin ich Arzt, Nervenarzt, um genau zu sein. Zunächst wurde ich von der Admiralität in dieser Eigenschaft angeworben, um die psychischen Auswirkungen des Dienstes auf einem U-Boot zu erfassen und Berichte über die Einsatzbereitschaft der Besatzungen abzugeben. Da ich nicht genau wußte, was mich erwartet, hatte ich keine Bedenken, als ich bei der Einberufungstelle regulär gemustert und der Marieneschule Kiel zugeteilt wurde. Nun ja, eines gab das andere, die Ausbildung gefiel mir und so wurde ich dann 1938 Offizier. Wie sich viel später herausstellte, handelte es sich um eine Namensverwechslung. Gott weiß, wer nun an meiner Stelle die Berichte verfasst, aber sollten diese unqualifiziert sein, wird es sicher jemandem auffallen." "Das ist ja ein Ding, WO! Geschichten wie sie das Leben schreibt, was?" Der Kaleun lachte sichtlich zufrieden mit seiner weltmännischen Raktion. "Gut Carlewitz, machen Sie nun weiter." "Jawoll Herr Kaleun." "Ach eines noch WO, haben wir unsere Medikamente aufgefüllt?" "Ja Kapitän, alle Vorräte sind wieder aufgefrischt. Ich habe für diese Fahrt die doppelte Ration von "den Roten" angefordert. Man weiß ja nie." Ein Lächeln schlich sich in das Gesicht des Kaleun. "Sehr umsichtig, ich werde Sie für einen Orden vorsehen, WO. vielleicht werde ich beizeiten von denen Gebrauch machen." "Natürlich Kaleun, dafür sind die Pillen ja da. Herr Kaleun? Dieses Stofftier dort... ein Geschenk ihrer Nichte?" "Nein nein, WO, das ist Luise, mein Stoffbär. Ein Stück Heimat hier draußen. Sie verstehen...." Der Kaleun blickte versonnen den schäbigen, leidlich braunen Stoffbären an. "WO, eines noch: Richten Sie Ihre Uniform."


------- Eintrag Kriegstagebuch ------

7. Dezember 1942, 14.45 Uhr
Sektor BE 86, Kurs 005, Geschwindigkeit 11 Knoten
Wetterlage: bewölkt, Wind 6m/s aus NW, leichter Regen, Nebel: Fehlanzeige
Patroullie ist abgeschlossen. Halten seit 4 Stunden Fühlung zu einem Einzelfahrer. Sonarbediener kündigt mittelgrossen Frachter an.

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Gespannte Betriebsamkeit machte sich im ganzen Boot bereit. Das Wetter war erträglich, das Boot rollte nur leicht im Vergleich zum Wetter der vergangenen Woche. Die Nachricht von der Feindfühlung hatte schnell die Runde gemacht und so war die Mannschaft aufgekratzter als sonst in ihrem Tun. Der WO war selbst auf dem Posten, und so waren es 10 Augen, die nach norden spähten. Wer den Pott zuerst sah, so war es Brauch auf U-48f, bekam zum Abendessen ein Glas Bier. Bald mußte es so weit sein. Um 16.15 dann endlich machte der Matrosengefreite Peter Ebert im schnell schwindenden Tageslicht die Entdeckung, die ihm an diesem Abend den Neid von 50 Männern sicherte. Kurz darauf meldete der WO einen C2 Frachter unter griechischer Flagge NW voraus. Der Kaleun befahl "Große Fahrt voraus" und die U-48f überholte den Frachter ausserhalb dessen Sichtweite. Um 18.20 war das Boot mit Kus 090 in guter Position. Der Frachter war dank seiner Beleuchtung gut auszumachen. Diese Gelegenheit wollte der Kaleun nicht verstreichen lassen. Er fasste einen Plan. "Kimmelmann, kommen Sie mal her!" "Ja Herr Kapitänleutnant?" Der Kaleun gab sich jovial:" Ich habe mir sagen lassen, Sie wären eine ganz große Leuchte. Die Männer erzählen sich wahre Heldengeschichten über Sie. Nun, ich schlage vor, wir testen das mal, was halten Sie davon?" Der junge Leutnant wirkte sichtlich nervös. "Gewiß, Herr Kapitänleutnant, was ist mein Auftrag?" "Nun seien Se mal nicht so steif Kimmelmann, machen Se sich mal locker. übrigens, Kimmelmann, Ihre Uniform sitzt ja tadellos! Erinnern Sie mich daran, Sie für einen Orden vorzuschlagen. Also, Sie und ich, wir machen einen kleinen Wettstreit. Sie gehen ans Seerohr, und ich benutze das UZO, verstanden?" Wir errechnen zeitgleich eine Ziellösung. Wollen doch mal sehen, was Sie wirklich können. Hier draußen - das ist was ganz anderes als das, was Sie von zu Hause her kennen. WAS GANZ ANDERES, VERSTEHEN SIE?" Deutlich eingeschüchtert und offensichtlich mehr als nervös schlug Kimmelmann die Hacken zusammen und meldete:" Jawohl Herr Kapitänleutnant, habe verstanden." Der Kaleun war siegessicher:" Schön Kimmelmann, fahren Sie das Seerohr schn mal aus, aber nicht gucken, klar? Sie gucken erst, wenn ich mich vom UZO melde. Es soll ja alles mit rechten Dingen zugehen." Der Kaleun warf sich in seine Uniformjacke und kletterte die Leiter zum Turm hinauf. Kurze Zeit später schepperte seine Stimme durchs Rohr:" Los Kimmelmann, los gehts. Und strengen sie sich ruhig richtig an." Der Kaleun setzte das UZO an und schwenkte auf den von Süden aufziehenden Frachter. Hinter ihm höte er das Seerohr fahren. "Carlewitz, schreiben Sie mal mit! WZB......" Der Kaleun hantierte mit den Fingern, rückte seine Kapitänsmütze von rechts nach links und wieder zurück, kratze seinen Bart und schwang sich erneut ans UZO. "Also Carlewitz, schreiben Sie! WZB 31? Backbord, haben Sie das? Nein warten Sie, schreiben sie 29? Backbord." Jawoll Herr Kaleun, 29?..." Die Stimme des Waffenoffiziers dröhnte wie ein Kanonenschuß durch das Sprechrohr:" Lösung eingestellt, Herr Kapitänleutnant!" "Was zur Hölle..." entfuhr es dem Kaleun. Er brüllte nun ins Sprechrohr:"Kimmelmann Sie hirnverbrannter Hornochse, wollen Sie mich vergackeiern? Sie sollen hier nicht herum raten, Gott verdammt noch eins. Oder wollen Sie mir erzählen, daß ihre Daten gewissenhaft erfaßt sind? überlegen Sie sich jetzt sehr genau, was sie antworten, ist das klar?" "Aber Herr Kapitänleutnant, ich habe gedacht..." stotterte Kimmelmann durch das Rohr." "Sie sollen nicht denken Mann, Sie sollen hier ordentliche Arbeit abliefern. Larifari gibt es bei mir nicht, das geht in Ihrer Versuchsanstalt vielleicht. Hier nicht! Ist das klar? So und nun stellen sie gefälligst WZB 29? ein." "Aber Herr Kapitänleutnant...." wollte Kimmelmann wieder ansetzten. "KEIN ABER VERDAMMICH!" schrie der Kaleun jetzt außer sich vor Wut durchs Rohr. "Machen Sie es so!" Kurze Zeit später piepste Kimmelmann aus dem Sprechrohr:"Jawohl Herr Kapitänleutnant, WZB 29? ist eingestellt. "Na also, geht doch. Kimmelmann, darüber reden wir noch. So, nehmen sie mal weiter auf, Entfernung 2920 Meter." Der Kaleun wendete sich nach einer Weile an den WO: "Sagen Se mal, Carlewitz, was meinen Sie? Wie schnell fährt der Pott?" Der Wo warf einen Blick durch das UZO und ließ seine Zeiss mitlaufen. "6 Knoten würde ich sagen, Herr Kaleun." Der Kaleun schüttelte ungläubig den Kopf. "Menschenskind, Carlewitz, der fährt doch niemals 6 Knoten, allerhöchstens 4. Kimmelmann, sind Sie noch da?" schrie er nun wieder ins Rohr. "Stellen Sie Gegenfahrt 4 Knoten ein. Gefreiter Ebert, gehen Sie in den vorderen Torpedoraum. Rohr 1 klar machen, Tiefgang neun Meter, mittlere Laufgeschwindigkeit, Magnetzündung. Haben Sie das? Melden Sie, wenn Rohr 1 klar ist." Der Gefreite meldete sich ab und machte sich auf den Weg. Während der Frachter weiter aufzog, kam Ebert zurück und meldete Rohr 1 klar. Der Kaleun wendete sich nun wieder dem Sprechrohr zu. "So Kimmelmann, jetzt schauen Sie mal zu und lernen. Rohr 1, Mündungsklappen auf und fluten." Wenn ich gleich in der Zentrale bin, dachte der Kaleun, werde ich mir diesen Kimmelmann nochmal gründlich vornehmen. Freudig erregt beobachtete er, wie der ahnungslose Grieche weiter heran kam, sich langsam in die ideale Schußposition und damit in sein Verderben wälzte. Der WZB näherte sich langsam 90?, mußte jetzt wohl 81 oder 82? betragen. Die Entfernung schätzte der Kaleun auf 1400 Meter. "Sehr schön, entfuhr es dem Kapitän, sehr schön. ROHR 1 LOS! Kimmelmann, ROHR 1 LOS!" "Rohr 1 ist los Herr Kaleun, meldete Kimmelmann prompt." Der Kaleun startete seine Stopuhr und wendete sich nun an Carlewitz:" Das wird ein schöner Kielbrecher WO, aber lassen Sie zur Sicherheit mal das Deckgeschütz besetzen." Auch in der Zentrale lief die große Stopuhr mit. Bei einer Minute und zwölf Sekunden sollte der Aal einschlagen. Die Uhr zeigte nun 35 Sekunden an, das Boot hielt die Luft an. Der Kaleun fieberte am UZO, LI, Navigator und Zentralenmannschaft drückten angespannt die Daumen. Jetzt waren 45 Sekunden vergangen. Lediglich Kimmelmann, der Waffenoffizier, spielte recht entspannt mit seinem Bleistift und kritzelte wirre Zeichnungen auf seinen Block. Der Zeiger der Stopuhr passierte jetzt eine Minute und die Mannschaft zählte die letzten Zehn Sekunden laut herunter. Drei, Zwo, Eins. Nichts. Das war nicht ungewöhnlich, sekundengenau trafen die Aale selten. Weiter und weiter tickte der Zeiger, dessen Geräusch in dem jetzt völlig still gewordenen Boot so laut war wie die Trompeten von Jericho. 1.20 wurde passiert, dann 1.30. Der Kaleun kam nun mit starrem Gesichtsausdruck in die Zentrale herunter. Kimmelmann mußte sich schnell seinen Instrumenten zuwenden, um das Grinsen vor den anderen zu verbergen, dann fing er sich aber wieder. bei zwei Minuten hielt er die Uhr an und meldete, mit seiner Fassung ringend:" Torpedo hat Ziel verfehlt, Herr Kaleun." Der Kaleun riß sich die Mütze vom Kopf. "Was, verdammt noch einmal heißt hier verfehlt?" Das muß wieder ein verdammter Blindgänger gewesen sein" Bei dem Wort Blindgänger dröhnte das schallende Lachen einiger Matrosen aus der Bugabteilung bis in die Zentrale. "Wer lacht da verdammt nochmal? Wer lacht da?" brüllte der Kaleun nun mit vor Wut hervortretenden Halsschlagadern. "Hier wird nicht gelacht, wer lacht, wird erschossen, ist das klar? LI, lassen sie das Boot...." RUUUUUUUUUUUUUUUUMS Die Detonation war nicht zu überhöen, der Aal explodierte in 3 KM Entfernung. Die Magnetzünder waren wirklich noch nicht ausgereift. Schlagartig wurde jedem im Boot, einschließlich dem Kaleun, bewußt, daß sich die dünne Ausrede des Kapitäns gerade mit lautem Knall verabschiedet hatte. Beinahe im Flüsterton wandte sich der Kaleun nun an den Navigator:" Aust, führen Sie das Boot erneut in eine Angriffsposition. Und richten Sie Ihre Uniform. Kimmelmann, sie werden den Schuß vornehmen. Ich bin in meinem Raum. Und sagen Sie Carlewitz, ich wünsche ihn nach seiner Wachablösung zu sprechen. Weiter machen!"

Der Kaleun schlich fömlich in seine Kabine, zog die Vorhänge zu und verkroch sich unter seine Decke.


------- Eintrag Kriegstagebuch ------

7. Dezember 1942, 23.20 Uhr
Sektor BE 86, Kurs 285, Geschwindigkeit 7 Knoten
Wetterlage: bewölkt, Wind 6m/s aus NW, leichter Regen, Nebel: Fehlanzeige
Einzelfahrer als C2 Frachter unter griechischer Flagge identifiziert.
Um 19.12 Einzelfahrer mit einem Torpedo angegriffen, Torpedo hat versagt.
um 21.46 Einzelfahrer mit Zweierfächer angegriffen, zwei Volltreffer, Frachter sank schnell. Geschätzte BRT 6700

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------- Eintrag persönliches Tagebuch ------

7. Dezember 1942, 23.30 Uhr

Kein guter Tag. Gar kein guter Tag. Ach Luise. Morgen werden wir es Ihnen allen zeigen


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In dieser Nacht sah man den WO, wie er in seine Kladde eintrug: Krankheit schreitet fort. Deutliche Anzeichen einer Psychose unverkennbar. Patient erhielt eine doppelte Dosis "rote Pillen". Bei dem Kalzium, daß ich dem Kaleun verordne, bin ich sicher, dass er sehr stabile Knochen hat. Studien machen gute Fortschritte. Probant exzellent geeignet.

Karl_Arsch
02-03-06, 13:49
Aloha,

hiermit eröffne ich eine Reihe von Feindfahrtberichten der etwas anderen Art. Sollten diese auf Zustimmung stoßen, werde ich das fortsetzen. Erzählt wird die Geschichte von U-48f, einem Typ 7C (U48, weil gerade mein Kampagnenboot, f weil fiktiv) und seinem etwas anderen Kaleun. Have fun

------- Eintrag Kriegstagebuch ------

6. Dezember 1942, 6.05 Uhr
Sektor BE 86, Kurs 270, Geschwindigkeit 5 Knoten
Wetterlage: bewölkt, Wind 11m/s aus SSO, starker Regen, Nebel: Fehlanzeige

Haben unser Zielgebiet erreicht und beginnen um 6.30 mit der vierundzwanzigstündigen Patroullie.
Werde die Zeit nutzen, die Mannschaft zu trimmen. Die Jungs haben nach vier Wochen Landurlaub den Schliff mal wieder nötig.

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"LI?" "Ja Herr Kaleun?" "Hol´n se mir den Creutz mal ran." "Jawoll Herr Kaleun." "LI?" "Ja Herr Kaleun?" "Mensch Friedrichs, wie oft muß ich Ihnen das noch sagen? Richten Sie ihre Uniform, wir sind hier doch nicht bei den Hottentotten. Und besorgen Se sich endlich mal ne neue Mütze, in ihrem Deckel gehts ja wilder zu, als im Hafenpuff von Lorient! UND SAGEN SIE DAS AUCH DEN MÄNNERN, IST DAS KLAR?" "Jawoll Herr Kaleun,... den Männern sagen,... ist klar, Herr Kaleun" Der Anschiß verfehlte seine Wirkun nicht. Friedrichs, sichtlich irritiert, spielte nervös an seinen Knöpfen rum und versuchte gleichzeitig, seine Mütze elegant verschwinden zu lassen. Ein Bild für die Götter. Mit hochrotem Kopf schob er Richtung Funkraum ab. Wenig später kam Karl Creutz in die Zentrale. "Stabsoberbootsmann Creutz, melde mich wie befohlen, Herr Kaleun." "Geht doch, Creutz, geht doch. Stehen Sie bequem." Karl Creutz gehöte zur alten Garde, eigentlich schon zu alt für den Dienst auf hoher See. Aber er hatte Erfahrung, und davon genug für zwei Seemannsleben. Er war wohl einer der wenigen Männer, die sich ein Leben ohne das Boot nicht vorstellen mochten. "Sagen Sie mal, Creutz... was halten Sie von unserem neuen Spielzeug, wie heißt das noch gleich?" "FUMO, Herr Kaleun, FUMO 29." "FUMO, ja richtig, so wars" .... "Creutz? Was bedeutet FUMO nochmal?" "Das steht für Funkmessortung, Herr Kaleun." "Ah! Ja richtig. Und? Was halten Se davon, Creutz?" "Naja, Herr Kaleun, wenn Se mich fragen, ist das neumodischer Schnickschnack. Funktioniert nur, wenn wir aufgetaucht fahren. Das liegt anner Technik, wissen Se? Ich würd der Kiste nicht vertrauen, Herr Kaleun." "Creutz, Creutz, Sie müssen sich anpassen, verstehen Sie? Die Zeit schreitet in diesen Tagen schnell voran. Da müssen Sie immer auf der Höhe bleiben. Ein alter Seebär wie Sie muß sich arrangieren. Ich gebe ihnen den guten Rat, sich anzupassen, Creutz. Sonst muß ich das melden. Verstehen sie?" "JJJa Herr Kaleun, ich verstehe das." "Gut Creutz, ich würde die nächste Fahrt nur ungern ohne Sie machen. Haben wir irgendwelche Funksprüche?" "Nein Herr Kaleun, keine Meldungen." "Gut! Dann gehen Sie jetzt auf Ihre Station. Und benutzen Sie das FUMO, wann immer wir aufgetaucht fahren, haben wir uns verstanden?" "Jawoll Herr Kaleun, voll und ganz verstanden!" Sichtlich geschockt von der Ansage schlich er sich auf seine Station und fuchtelte ein wenig hilflos an der Konsole des FUMO herum. Der Kaleun besorgte sich einen Kaffee und studierte die Seekarte....


------- Eintrag persönliches Tagebuch ------

6. Dezember 1942, 14.30 Uhr
Wir fahren jetzt seit acht Stunden Patroullie. Wieder einmal. Was mache ich nur hier? Ich hasse meine Familie für ihre Traditionen. Ich will auf unserem Gut bei den Pferden, bei den Gesellschaften, und in meinem Rosengarten sein. Wenigstens ist Luise hier bei mir. Stattdessen erneut der Atlantik, ewig grau. Ich hasse mein Leben! Die Männer respektieren mich nicht. Ich habe alles versucht, gerade heute wieder zwei Mann zur Brust genommen. Ich glaube, hinter meinem Rücken nennen sie mich "Blindgänger". Ich habe die Männer schon des öfteren vom Blindgänger sprechen höen. Sie reden sich dann damit heraus, von Torpedos erzählt zu haben. Das muß ich im Auge behalten. Und bewahre Gott, wenn ich Recht habe. Dann lasse ich die Männer Kiel holen, jeden Einzelnen.

Wir haben für diese Fahrt einen neuen Waffenoffizier bekommen. Einen ganz jungen Spund, direkt von der Marineversuchsanstalt Eckernföde. Er wurde uns von der Aussenstelle Torpedoversuchsanstalt Neubrandenburg zugeteilt. Er ist da, um die neuen Torpedos unter Realbedingungen zu testen. Irgendwie sollen die akustisch gelenkt werden können, ich muß mir beizeiten die Spezifikationen mal durchlesen. Diese ganze Technik wächst mir über den Kopf. Radar, Akustik, und und und. Als hätte ich nicht genug damit zu tun, die Männer bei der Stange zu halten. Kimmelmann, so heißt der Mann, soll ein gewieftes Kerlchen auf seinem Gebiet sein. Kunststück, der braucht sich auch nur um seine Torpedos zu kümmern. Na wir werden ja sehen.


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"WO, kommen Se mal ins Büro." Die Antwort des WO´s klang blechern durch das Sprachrohr:" Jawoll Herr Kaleun, ein Kaaffee wird mir jetzt gut tun". Wenig später kam Adolf Carlewitz durchs Luk, seine schwere Ölkleidung triefend vor Wasser. Als er sich aus dem Mantel geschält und einen Kaffee genommen hatte, setzte er sich sichtlich erschöpft auf eine Lebensmittelkiste. "Was gibts denn Herr Kaleun?" "Lassen Sie die Torpedobesatzungen um 15.30 Uhr antreten. Sie sollen die äußeren Reservetorpedos an den Haken nehmen. Stoppen Sie die Zeit. Ich erwarte, dass die Aale um 15.42 angekettet sind. Sagen Sie das den Männern." Sichtlich verwirrt erwiederte der WO:"Aber Herr Kaleun, wir haben hier drinnen doch gar keinen Platz für die Fische." Der Kaleun wurde kerzengerade Scharf erwiederte er: "Ich kenne unseren Torpedobestand sehr genau, Carlewitz. Das müssen Sie mir nicht sagen. Hier gehts um übung, Carlewitz. üben üben üben! Sie wissen ja, übung ist das halbe Leben." "Aber Herr Kaleun, das Wetter. Es regnet wie aus Kübeln und bei den Wellen geht und zu guter Letzt noch ein Matrose über Bord. Dann haben wir den Salat." "Das wetter ist mir scheiß egal WO, wenn die Leute es bei diesem Wetter nicht schaffen, dann gehöen sie nicht auf MEIN BOOT!War das verständlich?" "Ja Herr Kaleun, das war verständlich bis zum Heckraum." Carlewitz zog den Kaleun sanft in dessen Kabiene und schloss den Vorhang. Im Flüsterton wendete er sich dann an den Kaleun: "Herr Kaleun, ich meine ja nur. Ganz besonders nach der letzten Fahrt. Erinnern Sie sich noch an den Papierkram mit dem Seeamt, um zu erklären wie ein 40.000 Reichsmark teurer Torpedo beim Umladen über Bord gehen kann. Wenn uns diesmal stattdessen ein Matrose verloren geht, was wird dann erst auf und zu kommen, Herr Kaleun?" Der Kaleun verlor seine sowieso kaum vorhandene Gesichtsfarbe. Sein linkes Augenlied begann wieder, leicht zu zucken. Er rang sichtlich mit seiner Fassung, noch überlegend, ob er den Mann lynchen sollte. Er basann sich dann aber und hob an:"Nun ja, Carlewitz, da könnte was dran sein. Also gut. Warten Sie, bis das Wetter aufklart. Dann üben Sie nach eigenem Ermessen. Aber geübt wird, ist das klar? Mal was anderes, sie sind doch Österreicher. Wie kommen Sie eigentlich zur U-Bootwaffe?" "Das ist eine lange Geschichte, Herr Kaleun. Eigentlich bin ich Arzt, Nervenarzt, um genau zu sein. Zunächst wurde ich von der Admiralität in dieser Eigenschaft angeworben, um die psychischen Auswirkungen des Dienstes auf einem U-Boot zu erfassen und Berichte über die Einsatzbereitschaft der Besatzungen abzugeben. Da ich nicht genau wußte, was mich erwartet, hatte ich keine Bedenken, als ich bei der Einberufungstelle regulär gemustert und der Marieneschule Kiel zugeteilt wurde. Nun ja, eines gab das andere, die Ausbildung gefiel mir und so wurde ich dann 1938 Offizier. Wie sich viel später herausstellte, handelte es sich um eine Namensverwechslung. Gott weiß, wer nun an meiner Stelle die Berichte verfasst, aber sollten diese unqualifiziert sein, wird es sicher jemandem auffallen." "Das ist ja ein Ding, WO! Geschichten wie sie das Leben schreibt, was?" Der Kaleun lachte sichtlich zufrieden mit seiner weltmännischen Raktion. "Gut Carlewitz, machen Sie nun weiter." "Jawoll Herr Kaleun." "Ach eines noch WO, haben wir unsere Medikamente aufgefüllt?" "Ja Kapitän, alle Vorräte sind wieder aufgefrischt. Ich habe für diese Fahrt die doppelte Ration von "den Roten" angefordert. Man weiß ja nie." Ein Lächeln schlich sich in das Gesicht des Kaleun. "Sehr umsichtig, ich werde Sie für einen Orden vorsehen, WO. vielleicht werde ich beizeiten von denen Gebrauch machen." "Natürlich Kaleun, dafür sind die Pillen ja da. Herr Kaleun? Dieses Stofftier dort... ein Geschenk ihrer Nichte?" "Nein nein, WO, das ist Luise, mein Stoffbär. Ein Stück Heimat hier draußen. Sie verstehen...." Der Kaleun blickte versonnen den schäbigen, leidlich braunen Stoffbären an. "WO, eines noch: Richten Sie Ihre Uniform."


------- Eintrag Kriegstagebuch ------

7. Dezember 1942, 14.45 Uhr
Sektor BE 86, Kurs 005, Geschwindigkeit 11 Knoten
Wetterlage: bewölkt, Wind 6m/s aus NW, leichter Regen, Nebel: Fehlanzeige
Patroullie ist abgeschlossen. Halten seit 4 Stunden Fühlung zu einem Einzelfahrer. Sonarbediener kündigt mittelgrossen Frachter an.

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Gespannte Betriebsamkeit machte sich im ganzen Boot bereit. Das Wetter war erträglich, das Boot rollte nur leicht im Vergleich zum Wetter der vergangenen Woche. Die Nachricht von der Feindfühlung hatte schnell die Runde gemacht und so war die Mannschaft aufgekratzter als sonst in ihrem Tun. Der WO war selbst auf dem Posten, und so waren es 10 Augen, die nach norden spähten. Wer den Pott zuerst sah, so war es Brauch auf U-48f, bekam zum Abendessen ein Glas Bier. Bald mußte es so weit sein. Um 16.15 dann endlich machte der Matrosengefreite Peter Ebert im schnell schwindenden Tageslicht die Entdeckung, die ihm an diesem Abend den Neid von 50 Männern sicherte. Kurz darauf meldete der WO einen C2 Frachter unter griechischer Flagge NW voraus. Der Kaleun befahl "Große Fahrt voraus" und die U-48f überholte den Frachter ausserhalb dessen Sichtweite. Um 18.20 war das Boot mit Kus 090 in guter Position. Der Frachter war dank seiner Beleuchtung gut auszumachen. Diese Gelegenheit wollte der Kaleun nicht verstreichen lassen. Er fasste einen Plan. "Kimmelmann, kommen Sie mal her!" "Ja Herr Kapitänleutnant?" Der Kaleun gab sich jovial:" Ich habe mir sagen lassen, Sie wären eine ganz große Leuchte. Die Männer erzählen sich wahre Heldengeschichten über Sie. Nun, ich schlage vor, wir testen das mal, was halten Sie davon?" Der junge Leutnant wirkte sichtlich nervös. "Gewiß, Herr Kapitänleutnant, was ist mein Auftrag?" "Nun seien Se mal nicht so steif Kimmelmann, machen Se sich mal locker. übrigens, Kimmelmann, Ihre Uniform sitzt ja tadellos! Erinnern Sie mich daran, Sie für einen Orden vorzuschlagen. Also, Sie und ich, wir machen einen kleinen Wettstreit. Sie gehen ans Seerohr, und ich benutze das UZO, verstanden?" Wir errechnen zeitgleich eine Ziellösung. Wollen doch mal sehen, was Sie wirklich können. Hier draußen - das ist was ganz anderes als das, was Sie von zu Hause her kennen. WAS GANZ ANDERES, VERSTEHEN SIE?" Deutlich eingeschüchtert und offensichtlich mehr als nervös schlug Kimmelmann die Hacken zusammen und meldete:" Jawohl Herr Kapitänleutnant, habe verstanden." Der Kaleun war siegessicher:" Schön Kimmelmann, fahren Sie das Seerohr schn mal aus, aber nicht gucken, klar? Sie gucken erst, wenn ich mich vom UZO melde. Es soll ja alles mit rechten Dingen zugehen." Der Kaleun warf sich in seine Uniformjacke und kletterte die Leiter zum Turm hinauf. Kurze Zeit später schepperte seine Stimme durchs Rohr:" Los Kimmelmann, los gehts. Und strengen sie sich ruhig richtig an." Der Kaleun setzte das UZO an und schwenkte auf den von Süden aufziehenden Frachter. Hinter ihm höte er das Seerohr fahren. "Carlewitz, schreiben Sie mal mit! WZB......" Der Kaleun hantierte mit den Fingern, rückte seine Kapitänsmütze von rechts nach links und wieder zurück, kratze seinen Bart und schwang sich erneut ans UZO. "Also Carlewitz, schreiben Sie! WZB 31? Backbord, haben Sie das? Nein warten Sie, schreiben sie 29? Backbord." Jawoll Herr Kaleun, 29?..." Die Stimme des Waffenoffiziers dröhnte wie ein Kanonenschuß durch das Sprechrohr:" Lösung eingestellt, Herr Kapitänleutnant!" "Was zur Hölle..." entfuhr es dem Kaleun. Er brüllte nun ins Sprechrohr:"Kimmelmann Sie hirnverbrannter Hornochse, wollen Sie mich vergackeiern? Sie sollen hier nicht herum raten, Gott verdammt noch eins. Oder wollen Sie mir erzählen, daß ihre Daten gewissenhaft erfaßt sind? überlegen Sie sich jetzt sehr genau, was sie antworten, ist das klar?" "Aber Herr Kapitänleutnant, ich habe gedacht..." stotterte Kimmelmann durch das Rohr." "Sie sollen nicht denken Mann, Sie sollen hier ordentliche Arbeit abliefern. Larifari gibt es bei mir nicht, das geht in Ihrer Versuchsanstalt vielleicht. Hier nicht! Ist das klar? So und nun stellen sie gefälligst WZB 29? ein." "Aber Herr Kapitänleutnant...." wollte Kimmelmann wieder ansetzten. "KEIN ABER VERDAMMICH!" schrie der Kaleun jetzt außer sich vor Wut durchs Rohr. "Machen Sie es so!" Kurze Zeit später piepste Kimmelmann aus dem Sprechrohr:"Jawohl Herr Kapitänleutnant, WZB 29? ist eingestellt. "Na also, geht doch. Kimmelmann, darüber reden wir noch. So, nehmen sie mal weiter auf, Entfernung 2920 Meter." Der Kaleun wendete sich nach einer Weile an den WO: "Sagen Se mal, Carlewitz, was meinen Sie? Wie schnell fährt der Pott?" Der Wo warf einen Blick durch das UZO und ließ seine Zeiss mitlaufen. "6 Knoten würde ich sagen, Herr Kaleun." Der Kaleun schüttelte ungläubig den Kopf. "Menschenskind, Carlewitz, der fährt doch niemals 6 Knoten, allerhöchstens 4. Kimmelmann, sind Sie noch da?" schrie er nun wieder ins Rohr. "Stellen Sie Gegenfahrt 4 Knoten ein. Gefreiter Ebert, gehen Sie in den vorderen Torpedoraum. Rohr 1 klar machen, Tiefgang neun Meter, mittlere Laufgeschwindigkeit, Magnetzündung. Haben Sie das? Melden Sie, wenn Rohr 1 klar ist." Der Gefreite meldete sich ab und machte sich auf den Weg. Während der Frachter weiter aufzog, kam Ebert zurück und meldete Rohr 1 klar. Der Kaleun wendete sich nun wieder dem Sprechrohr zu. "So Kimmelmann, jetzt schauen Sie mal zu und lernen. Rohr 1, Mündungsklappen auf und fluten." Wenn ich gleich in der Zentrale bin, dachte der Kaleun, werde ich mir diesen Kimmelmann nochmal gründlich vornehmen. Freudig erregt beobachtete er, wie der ahnungslose Grieche weiter heran kam, sich langsam in die ideale Schußposition und damit in sein Verderben wälzte. Der WZB näherte sich langsam 90?, mußte jetzt wohl 81 oder 82? betragen. Die Entfernung schätzte der Kaleun auf 1400 Meter. "Sehr schön, entfuhr es dem Kapitän, sehr schön. ROHR 1 LOS! Kimmelmann, ROHR 1 LOS!" "Rohr 1 ist los Herr Kaleun, meldete Kimmelmann prompt." Der Kaleun startete seine Stopuhr und wendete sich nun an Carlewitz:" Das wird ein schöner Kielbrecher WO, aber lassen Sie zur Sicherheit mal das Deckgeschütz besetzen." Auch in der Zentrale lief die große Stopuhr mit. Bei einer Minute und zwölf Sekunden sollte der Aal einschlagen. Die Uhr zeigte nun 35 Sekunden an, das Boot hielt die Luft an. Der Kaleun fieberte am UZO, LI, Navigator und Zentralenmannschaft drückten angespannt die Daumen. Jetzt waren 45 Sekunden vergangen. Lediglich Kimmelmann, der Waffenoffizier, spielte recht entspannt mit seinem Bleistift und kritzelte wirre Zeichnungen auf seinen Block. Der Zeiger der Stopuhr passierte jetzt eine Minute und die Mannschaft zählte die letzten Zehn Sekunden laut herunter. Drei, Zwo, Eins. Nichts. Das war nicht ungewöhnlich, sekundengenau trafen die Aale selten. Weiter und weiter tickte der Zeiger, dessen Geräusch in dem jetzt völlig still gewordenen Boot so laut war wie die Trompeten von Jericho. 1.20 wurde passiert, dann 1.30. Der Kaleun kam nun mit starrem Gesichtsausdruck in die Zentrale herunter. Kimmelmann mußte sich schnell seinen Instrumenten zuwenden, um das Grinsen vor den anderen zu verbergen, dann fing er sich aber wieder. bei zwei Minuten hielt er die Uhr an und meldete, mit seiner Fassung ringend:" Torpedo hat Ziel verfehlt, Herr Kaleun." Der Kaleun riß sich die Mütze vom Kopf. "Was, verdammt noch einmal heißt hier verfehlt?" Das muß wieder ein verdammter Blindgänger gewesen sein" Bei dem Wort Blindgänger dröhnte das schallende Lachen einiger Matrosen aus der Bugabteilung bis in die Zentrale. "Wer lacht da verdammt nochmal? Wer lacht da?" brüllte der Kaleun nun mit vor Wut hervortretenden Halsschlagadern. "Hier wird nicht gelacht, wer lacht, wird erschossen, ist das klar? LI, lassen sie das Boot...." RUUUUUUUUUUUUUUUUMS Die Detonation war nicht zu überhöen, der Aal explodierte in 3 KM Entfernung. Die Magnetzünder waren wirklich noch nicht ausgereift. Schlagartig wurde jedem im Boot, einschließlich dem Kaleun, bewußt, daß sich die dünne Ausrede des Kapitäns gerade mit lautem Knall verabschiedet hatte. Beinahe im Flüsterton wandte sich der Kaleun nun an den Navigator:" Aust, führen Sie das Boot erneut in eine Angriffsposition. Und richten Sie Ihre Uniform. Kimmelmann, sie werden den Schuß vornehmen. Ich bin in meinem Raum. Und sagen Sie Carlewitz, ich wünsche ihn nach seiner Wachablösung zu sprechen. Weiter machen!"

Der Kaleun schlich fömlich in seine Kabine, zog die Vorhänge zu und verkroch sich unter seine Decke.


------- Eintrag Kriegstagebuch ------

7. Dezember 1942, 23.20 Uhr
Sektor BE 86, Kurs 285, Geschwindigkeit 7 Knoten
Wetterlage: bewölkt, Wind 6m/s aus NW, leichter Regen, Nebel: Fehlanzeige
Einzelfahrer als C2 Frachter unter griechischer Flagge identifiziert.
Um 19.12 Einzelfahrer mit einem Torpedo angegriffen, Torpedo hat versagt.
um 21.46 Einzelfahrer mit Zweierfächer angegriffen, zwei Volltreffer, Frachter sank schnell. Geschätzte BRT 6700

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------- Eintrag persönliches Tagebuch ------

7. Dezember 1942, 23.30 Uhr

Kein guter Tag. Gar kein guter Tag. Ach Luise. Morgen werden wir es Ihnen allen zeigen


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In dieser Nacht sah man den WO, wie er in seine Kladde eintrug: Krankheit schreitet fort. Deutliche Anzeichen einer Psychose unverkennbar. Patient erhielt eine doppelte Dosis "rote Pillen". Bei dem Kalzium, daß ich dem Kaleun verordne, bin ich sicher, dass er sehr stabile Knochen hat. Studien machen gute Fortschritte. Probant exzellent geeignet.

Trontir
02-03-06, 14:20
http://forums.ubi.com/images/smilies/88.gif Mehr davon! http://forums.ubi.com/images/smilies/16x16_smiley-very-happy.gif

AdalbertSchnee
03-03-06, 05:17
http://forums.ubi.com/infopop/emoticons/icon_smile.gifSehr geil.....!!! Bitte Fortsetzen! http://www.ubisoft.de/smileys/3.gif

Gandalfi2005
03-03-06, 06:32
Wirklich gut geschrieben ....
Aber warum ging nu der Torpedo daneben ....

moselgott
03-03-06, 08:00
wirklich klasse story http://forums.ubi.com/images/smilies/11.gif

schätz mal der kaleun hatte sich geirrt...kimmelmann schien es ja gewusst zu haben dass die ziellösung nich ideal is.

Karl_Arsch
03-03-06, 08:20
Fortsetzung:


------- Eintrag Kriegstagebuch ------
11. Dezember 1942, 6.00 Uhr
Sektor BE 39, Kurs 049, Geschwindigkeit 2 Knoten
Wetterlage: Klarer Himmel, Wind 3m/s aus W, Nebel: Fehlanzeige

Haben kurz nach Mitternacht Sektor BE 39 erreicht. Ich erhoffe mir, hier Fühlung zu einem Konvoi aus Halifax aufnehmen zu können. Daß herrliche Wetter hält weiter an. Wachmannschaft ist instruiert, verstärkt auf feindliche Flugzeuge zu achten.

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------- Eintrag persönliches Tagebuch ------

11. Dezember 1942, 06.30 Uhr

Meine Torpedopleite ist nun vier Tage her. Langsam fühle ich mich rahabilitiert. Die Mannschaft ist guter Dinge. Heute ist ein Tag für Heldentaten.

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"Li, machen Se mal Meldung!" "Jawohl, Herr Kaleun. Boot liegt stabil bei 25 Metern, Batterie hat noch 70% Leistung, Sauerstoff reicht für 14 Stunden." "Wunderbar, weiterhin Fahrt 2 Knoten, Aust, berechnen Sie mal einen Suchkurs. Wann ist heute Sonnenuntergang?" "Um 16.53, Herr Kaleun." "Sehr schön, also weiterhin horchen, Auftauchen um 17.00. Funker! Wiederholen Sie mal den letzten Funkspruch!" "Jawohl, letzter Funkspruch von gestern abend, 20.00 Uhr" BDU an U-48f. Position und Zustand melden." Und Creutz, haben wir schon geantwortet?" Jawoll Herr Kaleun, Antwort ging um 20.15 raus, der Text war: Marschieren gen Engeland, sind frohen Mutes." "Ach ja" sinnierte der Kaleun zufrieden. "Gut gut, Creutz was macht das FUMO?" "Das schweigt stille Herr Kaleun, Sie wissen ja, das liegt anner Technik." "Ja richtig Creutz, guter Mann." "Kimmelmann, kommen Sie mal her." Kimmelmann kam prompt. Seit der Geschichte mit dem Torpedo war er noch unsicherer dem Kapitän gegenüber. "Ja Herr Kapitänleutnant?" "Kimmelmann, lassen Se uns die Geschichte mal vergessen, ich bin nicht nachtragend müssen Se wissen. Schließlich war es Ihre Schuld, daß wir den ersten Angriff versaut haben. Daß der Schuß daneben ging, lag ganz allein daran, daß sie so fantastisch miserabel gerechnet haben und mich damit dumm aussehen ließen. Da konnte ich natürlich nicht die nötige Sorgfalt walten lassen. Kimmelmann, so was gehöt sich nicht." Wären Kimmelmanns Gehirnwindungen mechanisch betrieben, man hätte das Rattern seiner Rädchen bis nach Liverpool gehöt. Doch Kimmelmann war nicht der Dümmsten einer, er lernte schnell. "Selbstverständlich Herr Kapitänleutnant. Kommt nicht wieder vor." "Das will ich meinen Kimmelmann. So, und nun kommen Se mal mit ins Büro, ich verstehe da das ein oder andere an der Dokumentation zu den Falken nicht ausschöpfend." "Natürlich Herr Kapitänleutnant." Die beiden verschwanden in der Kapitänskajüte. Kimmelmann tat sein möglichstes, dem Kaleun die technischen Besonderheiten des T IV näher zu bringen. "Sie meinen also, dieser Torpedo hat so was wie Ohren?" konnte man zwischenzeitlich aus der Kabine höen. "Ist ja ein dolles Ding!" Kimmelmann hatte an diesem Morgen wohl den schwersten Stand im Boot, welches sich ansonsten gemütlich durch die ruhige See arbeitete. Um kurz nach Zwölf rief Michael Zinke aufgeregt aus dem Sonarraum:" Herr Kaleun, wir haben einen KOntakt. Zerstöer, kommt näher, Peilung 318."... "Danke, Zinke. Ist sonst noch etwas zu höen?" "Nein Herr Kaleun, ist wohl ein Einzelfahrer." "Schätzen Sie mal die Entfernung, Zinke!" Zinke klemmte sich wieder an sein Drehrad, setzte die Kopfhöhrer auf und nach zwei Minuten meldete er dann: Zerstöer macht mittlere Fahrt, Entfernung ca. 9000 Meter, wahrscheinlicher Kurs 140." Der Kaleun warf einen Blick auf die Karte. "Mensch, das ist ja direkt in unsere Richtung, Aust schauen Sie mal, ob wir da ran kommen." Der Navigator nahm seine Werkzeuge zur Hand, trug den vermuteten Kurs und die Entfernung des Zerstöers ein und zog einen Kreis darum. Bald meldete er:" Jawoll Herr Kaleun, mit grosser Fahrt und Kurs 238 müssten wir es schaffen." Na dann meine Herren, auf gehts. Neuer Kurs 238, große Fahrt voraus. Friedrichs, bringen sie das Boot auf Seerohrtiefe." Jetzt wollen wir doch mal sehen, was ihre Torpedos können, Kimmelmann." In den ausbrechenden Trubel brach Wolfgang Mahn ein. Der Matrosenhauptgefreite genoß auf dem Boot einen ganz besonderen Ruf, war er im zivilen Leben einst doch als Koch im Hotel Adlon tätig. Seine Fähigkeiten, aus den begrenzten Lebensmitteln immer wieder etwas sehr besonderes zu schustern, waren neben den Landurlauben wohl die beste Medizin für die Moral der Männer. "Herr Kaleun, kann ich Sie mal sprechen?" "Ja ist es denn so wichtig Mahn, Sie sehen doch, ich bin hier beschäftigt." Der Kaleun wußte um die Wichtigkeit dieses Soldaten und so konnte dieser sich auch etwas mehr heraus nehmen, als die meisten anderen. "Aber ja Herr Kaleun, ausgesprochen wichtig, fürchte ich. S´ist nämlich so Herr Kaleun, ich vermisse meine Muskatnüsse. Ich hatte drei dabei. Bei dem Unwetter in der letzten Woche müssen die sich wohl selbstständig gemacht haben. Ich habe bald jeden Winkel abgesucht, Herr Kaleun, aber ich kann sie nicht wieder finden." "Menschenskind, Mahn. Das ist eine Katastrophe! Wo sollen wir denn hier neue Muskatnüsse auftreiben? Sehen Sie zu, daß Se die wieder finden, das hat jetzt oberste Priorität für Sie. Verstanden?" "Jawoll Herr Kaleun, habe verstaden." Mahn zog wieder ab und machte sich daran, die Vorratskisten umzuräumen....


Anmerkung: Warghs, Besuch, wie es mit dem Zerstöer und der fehlenden Gewürze weiter geht, hoffentlich heut abend.

Karl_Arsch
03-03-06, 22:56
Fortsetzung:


Bald stampfte das Boot mit 7 Knoten der vermuteten Fahrtrichtung des Zerstöers entgegen und Friedrichs meldete das Erreichen der Periskoptiefe. Der Kaleun war euphorisch. "Na dann wollen wir doch mal einen Blick riskieren." Er besetzte das Seerohr und drehte sich gekonnt um seinen Schemel, als er beim Hochfahren des Rohres einen Unterwasserrundblick nahm. Kurz darauf jubilierte er:" Da ist er ja. Mensch Zinke, ihre Ohren werden wir bei Ankunft in St. Nazaire vergolden lassen. Der Zossen ist genau da, wo sie ihn vermutet haben. Noch etwas weit weg für eine Identifikation." Mit diesen worten fuhr er das Seerohr ein Stück weit ein, nicht ganz, gerade soviel, dass es über Wasser nicht mehr zu sehen war. "Kurs und Geschwindigkeit beibehalten. Kimmelmann, schlagen Se mal vor, wie wir Ihren Wundertorpedo einstellen sollen." Kimmelmann brauchte nicht lange für die Antwort:" Bei unseren Versuchen hat es sich als am zuverlässigsten heraus gestellt, die Torpedos mit Aufschlagzünder und 1m Tiefgang laufen zu lassen, Herr Kapitänleutnant." Der Kaleun witzelte:" Ja dann wollen wir mal hoffen, daß die Aale das Salzwasser hier draußen genau so gut vertragen, wie bei Ihnen zu Hause beim Testschießen im See. Also Rohr 5 klar machen, Lauftiefe 1m, nur Aufschlagzündung, Bereitschaft melden!" Weing darauf kam Stabsoberbootsmann Georg Rausch, der heute in der Hecktorpedoabteilung diente, in die Zentrale und meldete Rohr 5 klar. "Wunderbar, ganz wunderbar," entfuhr es dem Kapitän. Er fuhr das Seerohr wieder ein Stück nach oben und vollführte seinen Tanz mit demselben. "Ja, jetzt kann man schon was erkennen. Aust, geben Se mir mal das Erkennungshandbuch für die Tommys" Aust tat, wie befohlen. Der Kaleun blätterte sich schnell durch, warf immer mal wieder einen Blick durchs Rohr, verglich, blickte, doch bald war er sicher. "Das da oben ist ein Zerstöer der Tribal Klasse, schnittiges Schiff. Was wissen wir über diese Pötte, Aust?" Der Navigator war ein Faktenmensch, er liebte es, mit Fakten zu hantieren und hatte es sich zur Mission gemacht, zu jedem in den Erkennungshandbüchern erwähnten Schiffen alle erdenklichen Fakten auswendig wiedergeben zu können. Er machte sich gerade und begann wie ein Oberschüler bei der Prüfung:" Die Tribal Klasse: Länge 115 Meter, Breite 11,1 Meter, größte Höhe 26,2 Meter, Tiefgang 3,9 Meter. Verdrängung 1700 bis 1850 Tonnen. Maximale Geschwindigkeit 37 Knoten. Halbradius der ASDIC Peilung 1,6 KM bugvoraus. Standartmässig mit Radar und drei WABO- Werfern ausgestattet. Vier 12 cm Zwillingsgeschütze, je zwei an Bug und Heck, dazu diverse kleinkalibrige Geschütze zur Flugzeugabwehr und 4 Torpedorohre." "Mensch Aust, wie machen Sie das nur immer wieder, das ist ja beeindruckend," ließ der Kaleun vernehmen. Sichtlich stolz wandte sich Aust nun wieder seinen Karten zu. Kimmelmann meldete sich wieder:" Herr Kapitänleutnant, 37 Knoten ist zu schnell, für den T IV, der macht höchstens 20 Knoten." "Ist mir bewußt, Kimmelmann, ist mir durchaus bewußt," rügte der Kaleun den Waffenoffizier. "Aber passen Se mal auf, wie wir den zum halten kriegen. Da werden Sie Augen machen, Kimmelmann." Mit diesen Worten widmete der Kaleun sich wieder dem Seerohr und beobachtete. Er fuchtelte wieder mit seinen Fingern, wie immer, wenn er rechnete. Dann verkündete er , während er das Seerohr ganz einfuhr sein Resultat. "Hmm, Männer, 6000 Meter müssen das sein. Li, höen se mal gut zu, das muß jetzt schnell gehen. Wir machen den "fliegenden Fisch", aber zackig. Kurs behalten wir bei!" "Friedrichs warf einen undefinierten Blick in Richtung Kapitän. Es dauerte einige Sekunden, ehe er ragierte. "Los, los, Männer, ihr habt den Kaleun gehöt. Wahnsinnige voraus, auf mein Zeichen warten!" Bald darauf dröhnte das Boot mit 9 Knoten durch die See. Jetzt schrie der LI:" Tiefenruder vorne hinten HAAAAAAAAARTLAGE, AUSBLAAAAAAAAAAASEEEEEEEEEN". Binnen Kürze neigte da Boot sich deutlich. Der Kaleun juchzte vor Erregung. "Denen da drüben werden ihre Teetassen aus dem Gesicht fallen," gab er zum besten. Kurz darauf schoß U-48f bugvoraus an die Wasseroberfläche. Der LI zählte laut." einundzwanzig, zweiundzwanzig, dreiundzwanzig, vierundzwanzig." Dann brüllte er wieder:" RUDER KLAR BEI TAUCHENNNNNN! SCHNELL AUF 30 METER GEHEN, TIEFENRUDER VORNE HINTEN HARTLAAAAGEEEEEEE, LOS LOS LOOOOOOOOOOOOOOOOS!!!" Keine zwei Minuten später war das Boot bei 30 Metern angekommen und der LI meldete:" Manöver abgeschlossen, Herr Kaleun." Sehr gut, Friedrichs, sehr gut, ich sags ja immer wieder. übung ist das halbe Leben. Na dann bringen Sie uns mal wieder auf Periskoptiefe, 1/3 voraus, neuer Kurs 189 wenn ich bitten darf. Zinke, was macht der Zerstöer?" "Zerstöer hat an Fahrt gewonnen, kommt schnell näher Herr Kaleun." Kimmelmann war perplex. "Creutz legen se mal ne Platte auf, was spritziges wäre jetzt schön. Und machen Sie es schön laut." Der Kaleun widmete sich nun wieder Kimmelmann, während aus dem Radarraum "U-Boote am Feind" ertönte:" Ja Kimmelmann, notieren Sie, notieren Sie alles und lernen Sie. So handhaben wir das hier draußen!" Seine Erregung nahm beinahe hysterische Ausmaße an und der WO beobachtete gleichermaßen besorgt wie auch gespannt, überlegend, ob er dieser Tollaktion nicht augenblicklich einen Riegel vorschieben sollte. Aber auf seine Art war auch er ein Besessener seines Berufes. Und so ließ er den Dingen ihren Lauf. "Kurs 189 liegt an Herr Kaleun," meldete Friedrichs jetzt. Kimmelmann schaltete sich jetzt wieder ein:" Die Abschußprozedur, Herr Kapitänleutnant. Nach dem Abschuß müssen wir unverzüglich tauchen, mindestens 60 Meter." "Mensch Kimmelmann, glauben Sie denn, ich hätte Ihnen heute morgen nicht zugehöt?" Nicht einmal dieser Angriff auf seine Autorität konnte ihm seine gute Stimmung nehmen. Jetzt sprach Zinke wieder:" Zerstöer verliert an Fahrt Herr Kaleun." "Sehen Se Kimmelmann, da haben wir ihn gestoppt," triumphierte der Kaleun. Es dauerte nicht lange, als vom Heck her das gefürchtete PIIIIIIINGGG zu vernehmen war. "Erreichen jetzt Periskoptiefe," warf Friedrichs ein. "Sehr schön, perfekt abgestimmt, würde ich meinen, was?" Der Kaleun bediente nun wieder das Seerohr und kurz darauf gab er die Angriffsdaten bekannt:" WZB 41? Steuerbord, Entfernung 1800 Meter, Geschwindigkeit 11 Knoten." Kimmelmann beiente den Torpedozielrechner. "LI? Nach dem Abschuß gehen wir schnell in den Keller, 70 Meter, ab 40 Metern mit Schleichfahrt. Creutz, machen Se die Musik mal wieder aus. Bereit Kimmelmann?" Kimmelmann nickte sein Jawoll. "Na denn, Mündungsklappe auf, Rohr 5 los!" Der Waffenoffizier meldete jetzt den Abschuß und Friedrichs reagierte prompt. Das Boot sank schnell durch, während die Stopuhr lief....



Wow, schon spät geworden. To be continued

Trontir
04-03-06, 08:30
Klassischer "Cliff Hanger" Los jetzt, weiter! http://www.ubisoft.de/smileys/dancing_geek.gif http://forums.ubi.com/infopop/emoticons/icon_biggrin.gif

Karl_Arsch
04-03-06, 10:23
Fortsetzung:


"Passieren 20 Meter Herr Kaleun, Boot fällt weiter schnell." Spannung machte sich breit. Der Kaleun machte sich auf in die Sonarabteilung. "Neue Tiefe drei null Meter Herr Kaleun," referierte Friedrichs. Kimmelmann schaltete sich ein:" Torpedo ist jetzt seit 1 Minute 20 im Wasser Herr Kapitänleutnant, passiert gerade 830 Meter." "Danke Kimmelmann. Friedrichs gehen Sie jetzt auf Schleichfahrt, das müßte langen."Friedrichs quittierte den neuen Befehl und machte sich ans Werk. Der WO wiederholte nochmals für die Mannschaft:" Schleichfahrt Männer, Ruhe im Boot!" "Und Zinke, was macht unser Freund da oben?", flüsterte der Kaleun." Zerstöer hat wieder an Fahrt verloren Herr Kaleun, beginnt zu zacken. Der sucht uns, Herr Kaleun." "Na das will ich doch hoffen. Messen Sie mal die Distanz mit dem aktiven Sonar." Zinke richtete das Drehrad nochmals auf den Zerstöer aus und setzte einen aktiven Sonarping ab. "Geschätzte Entfernung 1750 Meter, Herr Kaleun. Der Zossen macht jetzt wieder schnelle Fahrt, kommt näher." Gespannte Stille im Boot, Friedrichs meldtete 50 Meter Tiefe, jetzt langsam fallend. PINNNNGGGG drönte es durchs Boot, die Mannschaft durchfuhr es regelrecht.

"LI, neuer Kurs 180, wollen unsere Silhouette kleiner machen. Kimmelmann, was macht der Aal?" Kimmelmann wirkte angespannt. "Torpedo läuft jetzt 2 Minuten und 10 Herr Kapitänleutnant, hat bald 1350 Meter gemacht und müßte nun auf den Zerstöer einschwenken." "Hoffen wir das, Kimmelmann, hoffen wir das." PINNNNNNGGGGG..... PIIINNNGGGGGGGGGGGGGG schepperte es wieder wieder. PINNNNGGGGGGG! Jeder der Sonarortungsstrahlen drang gefühlt stärker durch das Boot. Die Schallwellen kribbelten fömlich auf der Haut. "Zerstöer macht jetzt kleine Fahrt", meldete sich Zinke. Kimmelmann horchte auf. "Das ist nicht gut Herr Kapitänleutnant, wenn das Ziel weniger als 12 Knoten macht, kann der Falke die Fühlung nicht halten." "Nur die Ruhe Junge!" sprach der Kaleun "Nur die Ruhe! Der Kahn peilt jetzt nach uns, bevor er seinen Waboangriff fährt." Zur Bestätigung erklangen kurz darauf drei weitere, direkt hintereinander folgende PINNNGG. "Jetzt Herr Kaleun, Zerstöer macht wieder große Fahrt," entfuhr es Zinke. Kurz darauf:" Zerstöer läuft an, aus 175Herr Kaleun." "Ruder hart Steuerbord, 1/3 voraus," befahl der Kaleun. "Jetzt wäre ein guter Zeitpunkt für Ihren Falken, Kimmelmann. Friedrichs, wie tief sind wir?" "Gerade an 60 Meter vorbei, Herr Kaleun, fallen weiter." "Gut, neue Tiefe 90 Meter LI!" "Wasserbomben!" schaltete Zinke sich jetzt wieder ein. "Achtern aus Herr Kaleun!" Der Kaleun war sehr zufrieden:" Die da oben sind scheinbar etwas nervös, gut so. Wohin läuft der Zerstöer jetzt?" "Dreht nach Backbord, Herr Kaleun." Es war in der Tat ein Glückstag für den Kaleun. Er gab sich großartig und mit seinen Entscheidungen lag er goldrichtig. Jetzt fühlte man im Boot die Zeit zäh voran schreiten, die Sekunden rannen wie in Zeitlupe dahin. Die neun Wasserbomben detonierten viel zu weit entfernt, um das Boot zu beschädigen. Zwar wurde U-48f ordentlich durchgeschüttelt, aber die Abteilungen meldeten keine Schäden. Wenn der Kaleun die Situation richtig visualisiert hatte, bewegten sich die beiden Kontrahenten in diesem Moment Heck gegen Heck gerichtet voneinander fort. "Sehr schön Männer, wir müßten jetzt mindestens für eine Weile im toten Winkel des Tommis hängen. Jetzt höte man von achtern eine weitere Explosion, das war unmöglich eine Wasserbombe. Augenblicklich brach Jubel unter den Männern aus und Zinke vermeldete strahlend:" Torpedotreffer, Herr Kaleun!" Die Euphorie, die den Kapitän schon seit der Fühlungsmeldung ergriffen hatte, schlug nun in Sekundenschnelle auf das ganze Boot um. Der Kaleun ließ die Mannschaft gewähren und genoß seinen Triumph eine geraume Weile, dann befahl er wieder Ruhe im Boot. "Sehen Sie Kimmelmann, mit Speck fängt man Mäuse. Zinke erzählen Se uns mal was!" Zinke hatte sich schon wieder in seine Kopfhöhrer gelegt und drehte am Rad. Herr Kaleun, Zerstöer macht weiter große Fahrt!" Schlagartig war wieder Stille im Boot. Der Kaleun wirkte irritiert. "Große Fahrt sagen sie? Friedrichs, neuer Kurs 090. Kimmelmann, lassen sie Rohr 5 nachladen. Zinke weiter horchen, sofort melden, wenn Schotts brechen oder was weiß ich da oben passiert!" Die gute Laune drohte den Kaleun zu verlassen. Friedrichs sagte kurz darauf:" Kurs 090 liegt an Herr Kaleun, haben 90 Meter erreicht." "Alle Maschienen Stop" befahl der Kaleun nun mit deutlich gedämpfter Stimme. "Zinke geben Sie mal was zum besten." "Zerstöer stabil in Peilung 193, läuft schnell ab Herr Kaleun." "Machen Se mal ne Sonarortung Zinke." Zinke bediente nochmals das aktive Sonar und vermeldete dann:" Entfernung zum Ziel 1420 Meter Herr Kaleun, läuft immer noch schnell davon." "Tja Männer, den bekommen wir wohl nicht mehr ein," resignierte der Kaleun jetzt. Zinke alle zwei Minuten Meldung machen, wir verbleiben in Position. Kimmelmann, Ihre Torpedos taugen nichts!!!!" Die Stimmung im Boot war so schlagartig gekippt, wie sie noch kurz vorher überschlug. überall sah man in niedergeschlagene Gesichter. Nach zwei Minuten meldtet Zinke: Zerstöer läuft weiter schnell ab, Entfernung jetzt 1440 Meter!" "Moment mal!" entfuhr es dem Kaleun. "Zinke, wollen Sie mich verarschen? der Zossen da oben macht in zwei Minuten doch mehr als 10 Meter. Los Mann, lassen se mich mal ran!" Zinke, der die Tatsachen auch nicht einordnen konnte, räumte seinen Stuhl. Der Kaleun klemmte sich hinter das Peilrad, drehte auf den den Zerstöer und horchte, dann setzte er einen weiteren Sonarping ab. Menschenskind Zinke, Sie haben Recht. Zerstöer macht große Fahrt und kommt nicht voran. Ist ja ein dolles Ding. Vielleicht hats ihm die Schraubenwellen zerrissen." "Friedrichs!" brüllte er nun mit neuem Mut in die Zentrale, bringen Sie uns mal auf Seerohrtiefe, das schauen wir uns näher an...

To be continued

moselgott
07-03-06, 10:37
ey geil geil geil

Gandalfi2005
08-03-06, 05:21
Sehr gut .... Wenn Du mal ein Buch schreibst, sag bescheid .... http://forums.ubi.com/infopop/emoticons/icon_smile.gif

Kuestenkind
08-03-06, 15:37
Los Alter. Mach weiter.

Endlich mal ne Story, die man gerne liest. Ist echt super geschrieben.

Los Kaaarl, los Kaaarl, los Kaaarl,...... Kaaaaaaaaaaaaaaarl. http://forums.ubi.com/images/smilies/11.gif

Karl_Arsch
08-03-06, 20:19
Fortsetzung:

"Da haben wir den Salat, der Tommi hat die weiße Flagge gehisst" ließ der Kaleun von sich, als das Boot wieder gestiegen war. Er fuhr das Seerohr wieder ein und befahl vollen Stop. "Menschenskind, was machen wir denn nu?" Ratlos raufte er sich die Mütze vom Kopf und wischte sich durchs Gesicht. Aust begann, seinem Hobby nachzugehen:" Gemäß Haager Abkommen vom 19.10. 1907 und der Erklärung über das Seekriegsrecht vom 26.02. 1909..." begann er, doch danach war dem Kaleun nun nicht zumute. Er unterbrach Aust wüst:" Aust, halten Se jetzt einfach mal ihre ungefragte Klappe. Außerdem machen Se sich mal schlau! Die von Ihnen zweitgenannte Erklärung ist bis zum heutigen Tag nicht ratifiziert, Mensch. In einem anderen Leben war ich selbst mal Rechtsanwalt! LI, drehen sie das Boot auf 270, schön langsam, ich brauch etwas Zeit." "Jawoll Herr Kaleun." Der Kaleun steckte in einer Zwickmühle. Zwanzig Minuten vergingen, ohne daß er sich großartig gerührt hätte. Das Boot vollführte dicht unter der Wasseroberfläche eine 180? Wende. Die Augen in der Zentrale waren voller Spannung auf den Kaleun gerichtet, doch dieser rührte sich weiter nicht. Der WO beobachtete die Szene sehr aufmerksam. Bisher war an diesem heutigen Tag der Kaleun, wie zu Beginn ihrer gemeinsamen Zeit auf U-48f vor fast 2 Jahren, als der wagemutige Haudegen aufgetreten, als den er Ihn kennen gelernt hatte. Doch wie würde er nun verfahren? Eine ausgesprochen angespannte Situation. Einerseits war der Kaleun seiner Abstammung wegen auf einen Ehrencodex unter Kriegführenden hin konditioniert worden. In seiner Denkwelt mußten Begriffe wie Ehre und "Pardon gewähren" zweifellos etwas bedeuten. Andererseits gab es seit diesem unglücklichen Vorfall mit der Laconia vor nicht einmal drei Monaten sehr klare Befehle aus Berlin. "Weiß einer der Herren, was Muskatnuß auf englisch heißt?" fragte der Kaleun nach einer weiteren geraumen Zeit laut in die Runde. Wenn man die plötzlich offenen Münder und Augen als Antwort interpretieren wollte, so sollte dieses wohl ein Nein andeuten. Jedenfalls sagte keiner derer, die die Frage gehöt hatten, etwas. "Dachte ich mir, dachte ich mir," redete der Kaleun scheinbar zu sich selbst. "Haben wir noch andere Sonarkontakte Zinke?" "Nein Herr Kaleun, wir sind allein." Na denn Männer. Klar machen zum Auftauchen!" Wo die Münder schon wieder zu gegangen waren, fielen sie nun mit um so größerem Eifer in Richtung Meeresgrund. "Herr Kaleun?" stotterte Fridrichs. "Ja was ist denn Friedrichs," entfuhr es dem Kaleun, der sichtlich unwirsch wirkte. Er sagte: "Da oben schwimmen 1800 Tonnen Kriegskonterbande. Wollen Sie Sich die etwa durch die Lappen gehen lassen? Oder sind sie einer von denen, die auch nachtreten, wenn der Gegener bereits am Boden liegt?" Friedrichs war ganz offensichtlich nicht in der Lage, dem Kaleun zu folgen. Dieser hingegen nahm es nicht wahr oder ignorierte es schlicht. "Sehen sie Friedrichs, das ist auch meine Meinung," interpretierte er dessen Schweigen. "Und nun lassen Sie auftauchen!" Der WO, eine in der Luft liegende Befehlsverweigerung spürend, schaltete sich ein:" Na Männer, dann lasst uns mal machen, dass wir nach oben kommen. Ihr habt den Kapitän gehöt. Der Tommi hat die weiße Flagge gehisst, der wird uns nicht angreifen." Danke WO. Sie übernehmen gleich die Turmwache. Nehmen Sie eine Morselampe mit und fragen Sie nach, ob die Kapitulation des Briten bedingungslos ist, oder ob verhandelt werden soll," sagte der Kaleun. "Geht in Ordnung Herr Kaleun." Die Männer in U-48f waren überrumpelt. Einerseits fürchteten viele von Ihnen, bei diesem aberwitzigen Manöver binnen Sekunden zusammengeschossen zu werden und hier Ihr nasses Grab zu finden. Andererseits war die Situation so plötzlich aufgetreten, daß niemand schon klar genug war, um ernsthaft Widerstand gegen die Befehle des Kapitäns zu leisten. Immerhin war er der Kapitän. Und so war die Stimmung im Boot angstgeschwängert. Die Männer taten, was sie immer taten. Routine lenkte ab. Dennoch rechnete jeder mit dem Schlimmsten. Und so stieg das Boot langsam gegen die Wasseroberfläche. Jetzt mußte der Turm bereits deutlich auszumachen sein. Gleich konnte es schon knallen. Die Turmwache machte sich bereit und das Luk wurde geöffnet. Es war der WO, der als erster die Leiter erklomm, gefolgt von zwei Maaten und zwei Matrosen, denen allesamt das Grauen im Gesicht stand. U-48f lag weniger als 500 Meter entfernt mit dem Bug voraus direkt zu der Backbordseite des Zerstöers gewandt. Carlewitz mußte diesen Anblick erst einmal verarbeiten. Der Zerstöer sah aus dieser Entfernung beängstigend intakt aus. Das Heck war ein wenig abgeasackt und ein kleiner Brand loderte an den hinteren Wabo-Werfern, der von britischen Seeleuten bekämpft wurde. Größere Zerstöungen waren nicht zu sehen. Aber die todbringenden Geschütze waren in ihre Grundstellung gebracht und machten auch keine Anstalten, das auf dem Präsentierteller liegende deutsche Boot ins Ziel zu nehmen. Carlewitz atmete tief durch und gab seine Beobachtung durch das Sprechrohr in die Zentrale weiter. "Der Pott heißt HMS Modful Herr Kaleun. Ich beginne jetzt zu morsen." Erleichterung machte die Runde, aber die Anspannung blieb. Den Kaleun hielt es nicht mehr in der Zentrale und so stieg er nun ebenfalls in den Turm. Er kam dazu, als Carlewitz die Morselampe bediente und nahm sein Fernglas zur Hand und beobachtete, ob sich etwas tat. Nichts tat sich. "Wiederholen Sie nochmal Ihren Spruch, Carlewitz." Der WO nickte und machte sich erneut daran, seinen Text zu morsen. Er hoffte inständig, daß seine Englischkenntnisse ausreichten und er keinen gravierenden Fehler bei der übersetzung machte. "HMS Modful, Sie wurden durch das deutsche U-Boot 48f kampfunfähig geschossen und bieten Ihre Kapitulation. Ist diese bedingungslos oder wollen Sie über Bedingungen verhandeln?" war der Text, den Carlewitz morste. Das zumindest hoffte er. Weitere Minuten vergingen. Ratlos blickten der Kaleun und Carlewitz sich an. "Haben Sie auch auf englisch gemorst?" versichterte sich der Kaleun. "Selbstverständlich Herr Kaleun." Eine absurde Situation entstand. Zwei tödliche Waffen dieses Krieges lagen sich reglos gegenüber. Das deutsche Boot hatte alle Vorteile aus der Hand gegeben. Es hatte in der Auseinandersetzung mit dem Briten gesiegt, doch nun lag es verwundbar da, weil sein Kapitän sich an gute alte Traditionen hielt. Der unterlegene Brite hingegen hätte nun keine Mühe damit gehabt, das U-Boot zu versenken, aber das Schiff hatte die weiße Flagge gehisst. Und scheinbar war dessen Kapitän ebenfalls mit den guten Gepflogenheiten der Kriegführung vertraut. Einer kanpp über 1 Quadramtmeter großer Fetzen weißen Stoffes machte den Unterschied. Kriegslogik, absurd! Die Spannung stieg weiter, bei der Turmbesatzung griff die Ratlosigkeit weiter um sich. Unten im Boot bekam man von der unmittelbaren Situation nichts mit, und dennoch, auch hier hing jeder seinen Ängsten nach. Endlich leuchtete vom vorderen Deckaufbau des Briten ein Licht auf, grell wie ein Leuchtfeuer und erlösend in seinem unrhytmischen An-und Aus. "To captain of the german sub u-48f. Thank you for not sinking and killing us immediatly. The Capain of the britisch destroyer HMS Modful requests a meating on board of the HMS Modful to discuss the honourable conditions of capitulation." "Haben Sie das verstanden Carlewitz?" fragte der Kaleun. "Ja Herr Kaleun, die wollen Sie persönlich sprechen um die Konditionen der Kapitulation zu diskutieren." "Ah dann habe ich richtig verstanden. Na Dann senden sie mal, daß wir längsseits kommen, um an Bord zu gehen." Carlewitz machte sich ans Werk. Der Kaleun rief nun in das Sprechrohr:" Kimmelmann, stellen Sie ein Enterkommando auf, zehn Mann mit leichter Bewaffnung bereit machen. Carlewitz, Sie und ich gehen da rüber. Aber jetzt bringen sie erst mal das Boot längsseits an den Briten ran." "Jawohl Herr Kapitänleutnant," quittierte Kimmelmann von unten und der WO gab, als er seine Nachricht gemorst hatte, durch das Sprechrohr Anweisungen, die das Boot in einem Bogen an den Zerstöer heran fürhte. Wenig später befahl der Kaleun vier weitere Matrosen auf Deck, um das Boot an dem Zerstöer fest zu machen. Langsam steuerte der WO das Boot von achtern an den Zerstöer heran. Die Kontrahenten waren jetzt keine 100 Meter mehr voneinander entfernt und man sah britische Seeleute, wie sie mit dicken Tauen bereit standen, um sie den Deutschen entgegen zu werfen. Eine letzte Kurskorrektur und das Boot glitt durch nur 10 Meter Atlantik getrennt langsam auf Augenhöhe mit dem Zerstöer. Der WO befahl nochmals kleine Fahrt zurück und schließlich ließ er stoppen. Das Boot lag still neben dem Feind. Taue wurden geworfen und die Matrosen an Deck des Bootes fingen sie auf und zogen das U-Boot die letzten Meter heran. Eine Holzbrücke wurde auf das Vorderdeck herunter gelassen. Der Kaleun ließ die Entermannschaft nun an Deck kommen und ermanhnte die Männer, ruhig Blut zu bewahren. Er instruierte den WO, mit seinen Englischkenntnissen dafür zu sorgen, dass die Engländer entwaffnet und auf Deck versammelt wurden. Der Kapitän der Modful stand an dem Laufsteg und grüßte militärisch. Der Kaleun erwiderte und schritt voran, gefolgt vom WO und seiner Entermannschaft. Die Kriegsgegner standen sich etwas steif gegenüber. Die Engländer reagierten zuerst gereitzt auf die MP 40 der Deutschen, doch der WO konnte die Lage schnell entschärfen. Als Nervenarzt hatte er mit der Auflösung angespannter Situationen reichlich Erfahrung. Allerdings war auch für ihn diese Situation eher ungewöhnlich. Doch er meisterte sie mit Hilfe des englischen ersten Offizieres und nach nicht einmal dreißig Minuten waren alle englischen Crewman entwaffnet. Die englischen Offiziere hielten ihrerseits die Mannschaften im Zaum und langsam enspannte sich die Lage. Auf dem Mitteldeck standen und saßen mehr als zweihundert Soldaten. Die Deutschen waren unsicher, doch man näherte sich interessiert an. Das Zeigen von Familienfotos und das Tauschen von Zigaretten trugen dazu bei, daß niemand durchdrehte. Währenddessen waren die beiden Kapitäne in der im Vergleich riesigen und luxuriös ausgestatteten Offiziersmesse des Schiffes verschwunden und taten Ihren Teil. Eine Stunde verging, Dann eine weitere. Schließlich wurde der Koch herbei zitiert, der den üblichen Fünfuhrtee für die beiden Kapitäne bereiten sollte. Man nahm den Tee noch gemeinsam ein und dann traten die zwei Akteure vor die am Deck Versammelten. Der Kaleun sprach den WO an:" Carlewitz, wir haben jetzt keine Zeit für Einzelheiten. Lassen Sie fünf Mann in die Kombüse des Schiffes gehen und durch den Koch ein paar Kisten in Empfang nehmen. Das waren zähe Verhandlungen, aber letzendlich hat die Vernunft gesiegt. Wir nehmen den englischen Kapitän zunächst an Bord. Der englische Funker konnte ein Handelsschiff erreichen. Dieses müßte in etwa fünf Stunden unsere Position erreichen, um die Besatzung aufzunehmen. Wenn die Kisten verladen sind, machen wir uns davon, den Rest erzähle ich ihnen dann im Keller." So geschah es. Der englische Kapitän setzte seinerseits seine Mannschaft in Kenntnis, worauf hin sich lautstark Unmut breit machte. Jedoch wurde es schnell wieder ruhig, als der Kapitän energisch an Lautstärke gewann. Kurz darauf ging er auf den Kaleun zu und vermeldete:" I´m ready Sir!" Es wurden insgesamt 10 Kisten verladen. Als das getan war, begaben sich die Deutschen, begleitet durch den englischen Kapitän wieder auf das Boot, die Taue wurden gelöst und U-48f nahm Fahrt auf. Schließlich entschwand es in die Tiefe. Der Kaleun befahl das Boot auf eine Position 2000 Meter entfernt von dem Zerstöer und auf 50 Meter Tiefe. Dem Engländer behagte das Tauchen offensichtlich nicht, denn er verbrachte die Zeit still in der Offiziersmesse, auf jedes Geräusch reagierend. "Was machen wir denn nun mit dem Mann?" fragte Carlewitz den Kaleun. "Das war nicht leicht WO, aber ich konnte durchsetzten, daß wir diesen sturen Inselaffen als Geisel gegen eine Sendung Muskatnüsse eintauschen. Um Mitternacht lassen wir auftauchen, dann müßte eine Short Sunderland über unserer Position auftauchen und den Tommi gegen ein kleines Päckchen feinsten Muskats eintauschen. Danach versenken wir dann den Zerstöer, und hauen ab. Genial, geben Sie es zu!" Sichtlich stolz über diesen "Deal" gab der Kaleun nun wieder den strahlenden Helden des Tages. Der WO mußte sich eingestehen, bei der Beurteilung der Realitätsverzerrung in der Wahrnehmnung des Kaleun weit daneben gelegen zu haben. "Genial, Herr Kaleun," erwiderte er ansonsten sprachlos. um 21.00 meldete Zinke ein leises Schraubengeräusch aus Süd, näher kommend. Der Kaleun war Herr der Lage. "Ah das muß der Händler sein, pünktlich pünktlich. Informieren Sie den Kapitän, dass seine Mannschaft bald evakuiert wird, Kimmelmann. LI, bringen Sie uns langsam auf Seerohrtiefe. Das wollen wir umserem Gast nicht vorenthalten." "Jawoll Herr Kaleun!" Zinke blieb an dem Kontakt und die Zentralenmannschaft brachte das Boot langsam auf Periskoptiefe. um 22.20 war das Boot mit einigen Unterbrechungen auf Periskoptiefe angekommen und Zinke meldete den Händler nun sehr nah, an Fahrt verlierend. Der Kaleun schwenkte das Seerohr in Position und sah den kleinen Frachter an der dem Boot abgewandten Seite langsam an den noch immer reglosen Zerstöer heran manövrieren. Als die Besatzung der Modful begann, auf den Kolcher überzuwechseln, winkte der Kaleun den englischen Kapitän heran, sich das Schauspiel durch das Seerohr selbst anzusehen. Sichtlich zufrieden damit, wieder die Wasseroberfläche und auch seine Mannschaft in Sicherheit zu sehen, bedankte sich der Kapitän. Das Seerohr wurde darauf hin wieder eingefahren. Um kurz nach 23.00 Uhr nahm der Frachter wieder an Fahrt auf und verschwand von der Bühne. um 23.45 ließ der Kaleun dann auftauchen und um 0.12 meldete die Turmwache Propellergeräusche. Es wurde eine Signalpatrone abgefeuert und die Short Sunderland kreiste langsam sinkend über der Position bevor sie um 0.24 nicht weit entfernt eine saubere Wasserlandung unter der Beleuchtung weiterer Signalgranaten vollfürhte. Mit gedrosseltem Motor schwamm das Flugboot langsam auf das U-Boot zu, machte an diesem fest und ein englischer Marineflieger öffnete den Seiteneinstieg. Der englische Kapitän wurde an Deck gebracht und man verabschiedete sich militärisch fömlich. Der Pilot übergab ein kleines Päckchen, nicht ohne einen letzten, verwirrten Blick darauf zu werfen und half dem englischen Offizier beim Einstieg in das Flugzeug. Schnell entfernte sich dieses und bereitete sich zum Start vor, währen u-48f nun Schußposition bezog, um dem Zerstöer den Fangschuß zu geben. Der Kaleun, das Päckchen in der Hand, überantwortete Kimmelmann diesen Schuß und um 0.56 explodierte die HMS Modful in einer atemberaubenden Stichflamme. Kimmelmann mußte wohl einen Munitionsbunker erwischt haben. um 0.59 war von der Modful bereits nichts mehr zu sehen als ein paar auf dem Meer schwimmende Kisten. U-48f tauchte jetzt schnell ab und der Kaleun befahl das Boot bei 120 Metern in Richtung Südwest. Zur Vereinbarung mit dem Engländer gehöte ebenfalls, dass die Britische Marine ab dem Zeitpunkt der Versenkung wieder Jagd auf das Boot machen konnte und der Kaleun vermutete bereit mehrere britische Schiffe in der Nähe. Doch noch meldete das Sonar Stille. So ging der Kaleun mehr als zufrieden mit dem Ausgang des Tages zum Hauptgefreiten Mahn und übergab ihm mit sichtlichem Stolz das Päckchen. "Hier haben Sie ihre Muskatnüsse Mahn, ganz frisch und mit besten Grüßen aus London." Mahn blickte verwundert, dann öffnete er das Paket. Kaum war das getan, machte sich ein atemberaubender Gestank breit. Mahn sah den Kaleun verwirrt an, dieser blickte ebenfalls mit ekelverzogenem Gesicht auf das elend stinkende Paket. "Diese verdammten Tommis," entfuhr es ihm. "Was zur Hölle haben die uns da denn eingepackt?" Mahn war einiges mehr gewöhnt als die normale Nase, und so öffnete er weiter. "Ich weiß ja nicht, was sie vereinbart haben, Herr Kaleun, aber hierbei handelt es sich ganz eindeutig um verfaulte Wallnüsse." Mit diesen Worten verschloß er das Päcken wieder so gut es ging, und transportierte es mit spitzen Fingern ab. "Verdammte Tommis, verdammte," fluchte der Kaleun. Jetzt war es am WO, einem schlimmen Lachanfall vorzubeugen. Er fragte:" Herr Kaleun, wissens noch, was sie genau mit dem Kapitän vereinbarten?" "Ja sicher!" entfuhr es dem. "Wir haben ausgemacht, seine Person gegen eine Sendung Muskatnüsse - na musty nuts halt, jedenfalls haben der Engländer und ich uns nach einigen Schwierigkeiten darauf geeinigt - frei zu setzen." Jetzt die Haltung zu bewahren, war für den WO wohl eine der schwersten Köperertüchtigungen seines bisherigen Lebens, aber mit Mühe schaffte er es. "Ich weiß nun auch gerade nicht, was Muskatnuß auf englisch heißt, Herr Kaleun. Aber nichts für ungut, Herr Kaleun, es wurde genau das geliefert, was bestellt war. Musty, müssens wissen, bedeutet nämlich so viel wie muffig.....


------- Eintrag Kriegstagebuch ------
12. Dezember 1942, 1.03 Uhr
Sektor BE 39, Kurs 210, Geschwindigkeit 4 Knoten
Wetterlage: Klarer Himmel, Wind 3m/s aus W, Nebel: Fehlanzeige

Haben am Vortag den englischen Zerstöer HMS Modful mit T IV aus dem Heckrohr angegriffen. Torpedo traf und beschädigte den Zerstöer der Tribal Klasse so stark, daß dieser Kapitulation anbot. Um 14.10 feindliches Schiff geentert und in Verhandlungen eingetreten. um 17.30 mit einer Geisel Schiff verlassen. um 23.08 britische Mannschaft evakuiert. Um 0.30 Geisel gegen kriegswichtige Güter eingetauscht.

Gesamtkriegsbeute:
5 Kisten frischer Kresse
33 Kg feinsten englischen Rindfleisches
3 Flaschen edler schottischer Whisky
1 Päckech Wallnüsse, verdorben

Um 0.58 HMS Modful versenkt. Verlassen nun das Gebiet und schwenken am kommenden Morgen erneut auf Suchroute ein.

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Der Bericht des Englischen Kapitäns an seine Admiralität endete mit den Worten: How shall we loose this war against those stupid Krauts?



To be continued

Cpt_Gardiner
08-03-06, 23:14
Gut geschrieben, aber wenn ich ein wenig konstruktive Kritik einschieben darf:
Der Text ist einfacher zu lesen, wenn Du hin und wieder einen Absatz einfügst...

Gandalfi2005
09-03-06, 03:02
Weiter so .... Ich freue mich schon auf die Fortsetzung http://forums.ubi.com/infopop/emoticons/icon_smile.gif

Trontir
09-03-06, 14:51
Fantasievolle Geschichte - bin schon gespannt, was der Kaleun noch so alles anstellt, bis er in Gummi gepackt und kaltgestellt wird ... http://forums.ubi.com/infopop/emoticons/icon_wink.gif

Druckerbeidl
13-03-06, 10:46
Nette Geschichte

Seeman2005
13-03-06, 14:29
Einfallsreich und nett geschrieben! http://forums.ubi.com/images/smilies/16x16_smiley-wink.gif

DerTieftaucher
14-03-06, 13:12
muss jetzt auch mal meinen senf dazu geben:



genial genial genial!!!!!!!!!!!!!!! wie fluch der karibik http://www.ubisoft.de/smileys/horsie.gif

moselgott
15-03-06, 07:49
los! mehr!

Seeman2005
24-03-06, 10:45
Jetzt könnte aber wirklich mal ein Update kommen! http://www.ubisoft.de/smileys/10.gif

clorko
30-03-06, 12:36
War es das schon? http://www.ubisoft.de/smileys/10.gif