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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : USS Drum, Mission Report May/June 1942 by Cpt Gardiner "Versenkung der YAMATO"



Cpt_Gardiner
03-06-07, 10:27
Mai 1942:
Ich erhalte den Einsatzbefehl für unsere dritte Feindfahrt. PATROUILLE VOR DER INSEL HONSHU! Schon wieder.
Hoffentlich finden wir dieses mal einen lohnenden Konvoy. Das miese Wetter bei der letzten Feindfahrt macht
einem das Zielen durch's Periskop nicht gerade einfach. Und wenn einem dann wieder nur diese kleinen oder mittelgroßen Einzelfahrer vor das Torpedorohr laufen, muss jeder Schuss sitzen. Es ist schon frustrierend, drei oder vier Aale auf einen Händler abzuschiessen und nur zwei treffen. Der Umgang mit der Zieloptik und dem Zielrechner ist noch ungewohnt.

Zumindest das Wetter scheint uns dieses mal wohl gesonnen zu sein: Ententeich. Ich lasse Lt j.G. Stevens den Kurs zu dem von mir in der Karte markierten Einsatzraum abstecken. Beide Maschinen kleine Fahrt voraus - los geht's.

Auf dem Transit keine Vorkommnisse. Laufend treffen Kontaktmeldungen ein - alle zu weit weg. Unsere Jungs da draußen sollen uns etwas übrig lassen. Wir sind schließlich nicht auf Kreuzfahrt-Tour ins Reich der aufgehenden Sonne. Aufgehende Sonne?! Die Sonne mag dort aufgehen, aber spätestens wenn die USS DRUM dort auftaucht, gehen BRT unter. Die Jungs sind heiß und bis in die Haarspitzen motiviert. Eine gute Besatzung! Die Alarmübungen und den Gefechtsdienst ertragen sie ohne zu murren.
Sie haben schließlich am eigenen Leib erfahren müssen was gute Schadensabwehr ausmacht: es rettet Leben, das eigene und das der Kameraden. An Bord gibt es kein ich. Der Mann an deiner Rechten kann morgen schon dein Leben retten.

Verdammte Flieger! Geht den diesen Japsen nie das Flugbenzin aus? Eugene Stone an der Flak heizt denen zwar ordentlich ein, schießt ein paar Betties, Flugboote und Zeros ab, aber diese Biester sind nicht zu unterschätzen, vor allem wenn sie plötzlich aus den Wolken im Sturzflug auf einem zu kommen. Hoch die Fahrt und hart das Ruder. Hoffentlich erschwert ihnen das das Zielen und geben Eugene die Chance, ein paar 20mm-Geschosse zu platzieren und den Piloten Badechance zugeben.

Juni 1942:
Wir kommen in die "heiße Zone". Die Kontaktmeldung sind zwar noch weit weg, aber lange dauert es nicht mehr. Es ist diesig.

07.06.1942:
Der Ausguck meldet "Handelsschiff in Sicht, weite Entfernung". Ich eile auf die Brücke und schnappe mir das Fernglas. Es ist verdammt diesig, aber dann zeichnen sich die Umrisse eines Schiffes ab. Das sieht doch aus wie... Das war kein übliches Handelsschiff, wie sie anscheinend zu Tausend hier herumschippern. Ich schnappe mir das Erkennungsbuch und vergleiche die Silhouette mit denen im Buch. Verdammt, da läuft uns tatsächlich ein Truppentransporter vierkant vor den Bug. Ich wollte gerade auf Sehrohrtiefe gehen lassen, da meldet der Ausguck ein weiteres Handelsschiff. Noch ein Truppentransporter. Santa Claus hat wohl einige Weihnachtsgeschenke vergessen und setzt uns präsentiert uns zwei lohnende Ziele auf dem Silbertablett. "Auf Sehrohrtiefe gehen!" und "Besatzung auf Gefechtsstation!". Alles läuft ab wie eine Million mal gemacht.

Cutter, mein I WO, bringt das Boot sanft auf Sehrohrtiefe und hält es dort. Ich gehe in den Kommandoturm und fahre das Sehrohr aus. Ziel anpeilen, Geschindigkeit ermitteln, Lage einstellen, Entfernung bestimmen.
Nach kurzer Zeit überprüfe ich die Ergebnisse. Erst wenn ich mir sicher bin, dass alles stimmt, werden die Mündungsklappen von Rohr 1 geöffnet. Noch ein paar Augenblicke. Meine Hand schwebt über den Abfeuerknopf... Nur noch ein paar Sekunden...
Noch einmal alle Einstellungen überprüft, alles passt. Los geht's; Rohr 1 feuer! Rohr 2 klar machen. Einstellungen vornehmen. 1 Grad nach rechts halten... Und los! Rohr 3 klarmachen! 1 Grad nach links. Rohr 3 Feuer!
Jetzt heißt es abwarten, ob alle Aale ihren Weg finden. Die Zeit scheint endlos zu sein. Das waren doch nur etwa 1.500 yd.
TREFFER!! Eine hohe Wassersäule steigt an der Steuerbordseite hoch und markiert den Einschlagsort des Torpedos. Der Einschlag erfolgt ahtern im Bereich der Schrauben. Die anderen beiden Torpedos gehen vorbei. Ich muss dringend mehr übern. Der Transporter verliert an Fahr
und nimmt reichlich Wasser. Langsam kippt er über's Heck und geht auf Tiefe. 9.630 t auf unser Konto.
Die Jungs im Bugtorpedoraum laden schnell nach. Da der nachfolgende Transporter dem getroffenen Vordermann ausweichen muss, kann ich nur schwer eine Leitlösung ermitteln.

Ich lasse hart wenden, um wieder in eine gute Schußposition zu kommen. Lage, Entfernung, Geschwindigkeit... steht! Erneut feuere ich einen Dreierfächer ab. Treffer mittschiffs! Leider gehen wieder die beiden restlichen vorbei. Den Treffer mittschiffs steckt der Transporter weg, fährt mit 9 kn weiter ab. Noch mals zielen. Abstand, Lage und Geschwindigkeit... steht. Hoffentlich klappt's diesmal besser. Feuer! Warten... Warten... Die Zeit läuft ab... Vor meinem geistigen Auge sehe ich die beiden Aale knapp vorbei gehen.
Jetzt wird mir das aber zu blöd. Ich lasse auftauchen und das Deckgeschütz besetzen. Feuer frei! Mit gewaltige Trommelschläge schickt die 4"-Kanone ihre Liebesgrüsse an den Japaner. Jeder kleine Lichtblitz markiert einen Treffer, und mit jedem Treffer wird sein Schicksal mehr und mehr besiegelt. Nach etwa 20 Schuß erleuchtet eine helle Explosion den Himmel.

Nüchtern vermerkt I WO die Ergebnisse im Logbuch: 07.06.1942 12:30, Japansicher Truppentransporter versenkt, 9.630 t; 12:56, Japanischer Truppentransporter versenkt, 9.380 t.
Nicht schlecht, fast 19.000 t, und das, bevor wir im Operationsgebiet sind. Ich lasse den Funker einen SitRep abesetzen. Vielleicht können die Jungs in Pearl Harbor mit der Info etwas anfangen. Die Besatzung wird von Gefechtsstation entlassen, die Torpedorohre werden noch alle voll bestückt. Beide Maschinen kleine Fahrt, zurück auf den Transitkurs.
Gut gemacht, Jungs!

Gerade eben lasse ich mich auf meinen Bock nieder und starre an die Decke. Hoffentlich wird diese Sardinenbüchse nicht mal unser Grab. Viele Kameraden sind von den Japsen versenkt worden. Meine Gedanke fleuchen hinfort, an mein Mädchen in San Fransisco, meine Eltern, meinem Bruder, der sein nasses Grab auf der USS Arizona gefunden hat bei dem feigen Angriff der Japaner. Gerade sind mir meine AUgen zugefallen, da kommt aus dem Lautsprecher "Kommandant in die Zentrale!". Ich schrecke auf, stoße mir wie häufig meinen Schädel an diesem verfluchten Rohr. Haben diese Ingenieure, die das Boot konstruiert haben, eigentlich jemals einen Tag auf einem
U-Boot verbracht. Mit dröhnendem Schädel wanke ich in die Zentral. Der II WO, der mittlerweile die Wache übernommen hat, stürzt mir aufgeregt entgegen. "Sehen Sie, Sir. Wir haben diese Kontaktmeldung über eine Einsatzgruppe bekommen. Die können wir abfangen. 2 Stunden große Fahrt Kurs eins-acht-null, dann mit zwo-sieben-null auf deren Weg legen und warten. SIr, das ist nicht bloß ein Konvoy, dass ist eine Einsatzgruppe. Vielleicht sind da ein paar dicke Brummer drin!". Ein Heisspron, dieser II WO. Aber er hat recht. Also gut, Kurs eins-acht-null, beide Maschinen große Fahrt. Schauen wir uns das mal an. Ich werde mir mir vorher eine Pause gönnen.

Etwa 17:00 Uhr. Der Smut klopft vorsichtig an der Tür. "Sir, wir sind gleich da. Kaffee?" "Danke, nein". In der Zentrale nehme ich das Mikrofon vom Intercom und erkläre der Besatzung, was sie erwartet und das es diesmal auf jeden ankommt, 110% zu bringen. Das ist nicht nur ein Konvoy, wir haben mit
einem Einsatzverband zu rechnen und... Da unterbricht mich der Ausguck: "Kriegsschiff in Sicht, große Entfernung!". Ich haste auf die Brücke. Mit dem Fernglas suche ich den Horizont ab. Ein... zwei Zerstöer. Die Spitze des Verbandes. Ich nutze die Gelgenheit und ermittle die Geschwindigkeit. 12 kn. Tauchen!
Auf 200 Fuß gehen. Beide Maschinen ein Drittel Fahrt voraus. Mein Plan ist, unter eine Thermalschicht zu gehen, die Spitze über mich wegziehen zu lassen, auf Seerohrtiefe und dann lohnende Ziele herausfischen.

Gesagt, getan. Unterhalb des Layers lasse ich beide Maschinen stoppen. Eine scheinbare Ewigkeit vergeht, bis die Vorhut endlich unsere Stelle passiert hat. "Besatzung auf Gefechtsstation! Auf Sehrohrtiefe gehen!". Mein Adrenalin pegel steigt. Langsam durchbricht das Sehrohr die Meeresoberfläche und gibt die Sicht frei. Wahnsinn! Schlachtschiffe, große Kreuzer, kleine Kreuzer, Zerstöer, Händler... alles was das Herz begehrt. Aufgeregt wie ein Kind zu Weihnachten gehe ich Kontakt für Kontakt ab. Die Kongo, die Kugami... die anderen sind zu weit weg. Und da... das ist doch. Ich schaue zwei, drie, viermal hin. Das ist die Yamato! Der Stolz Japans!! Mit ihren neun 46-cm-Geschützen, der größten auf einem Schiff eingesetzten Artillerie, ist sie eine ernsthafte Bedrohung für unsere Schiffe und unsere Jungs. "Die Yamato!" flüstere ich leise und wie ein leises Echo setzt sich dieser Satz im Boot fort, dass auch jeder weiß, was uns da draußen erwartet. Entweder schreiben wir heute Geschichte, oder wir sind Geschichte.

Trotz meines Adrenalins gehe ich alle Punkte ab wie eine Maschine. Rundumblick, Peilung zum Ziel, Entfernung, Lage und Geschwindigkeit. Alles noch mal gegenchecken. Und dann alles raus, was keine Miete zahlt. Drei Tortpedos waren mir nach den Truppentransportern noch in den Rohren verblieben. Alle drei raus und Sehrohr ein. Und wieder diese schier endlosen Minuten bis zum möglichen Einschlag. Da durchbricht eine Donnerschlag die angespannte Stille. "Treffer!" Ein erlösender Jubelschrei erschallt. Ich kann meine Freunde kaum verbergen, aber ein Treffer ist nur ein Mückenstich für so einen Riesen. Bang! Treffer! Bang! Alle drei Torpedos haben ins Ziel gefunden. Sehrohr ausfahren. Ich sehe noch, wie die Wassersäule des letzten Torpedos in sich zusammenbricht. Schnell Sehrohr einfahren und auf Tiefe gehen, Kurs Südwest. Die Zerstöer
sind nun geweckt worden und werden uns ihre Dankbarkeit zeigen. Bin mal gespannt, was unsere drei Aale angestellt haben. Ich will zur Not das weidwunde Opfer unterlaufen und mit den Heckrohren, die noch voll sind, dem Schlachtschiff den Gar ausmachen und den Stolz Japans zerbrechen. Der Plan ist gut, nur funtionieren muss er. Möglicherweise könnten unsere japanischen Freunde andere Pläne haben - insbesondere mit uns.

über Sonar höe ich sie näher kommen. Zerstöer! Aber sie finden uns nicht. Bei ca. 250 Fuß haben wir eine Thermalschicht gefunden und laufen nun bei 400 Fuß Tiefe Kurs Südwest in Richtung Yamato. Sie scheint nicht so schwer getroffen zu sein, dass sie sinkt, aber sie läuft nur noch mit etwa 6 kn. Die Jagd ist noch nicht zu Ende. Beide Maschinen große Fahrt voraus! Die Zerstöer werden uns wahrscheinlich höen, aber in dieser Tiefe kann ich den WaBos ausweichen. Ich lasse uns unter die Yamato manövrieren und nutzen den Brummer als Schutzschild. Dann, wenn sie meinen, mich verloren zu haben, komme ich aus meinem Vesteck hervor und setze ihr den Gnadenstoß. Guter Plan, funktionieren muss er nur.

Wieder und wieder laufen die Zerstöer an und lassen uns ihre Dankbarkeit spüren. Zum Glück alle weit entfernt, keine Schäden am Boot. Ich manövriere das Boot unter die Yamato. Plötzlich erkenne ich eine Lücke. Hart Steuerbord, Kurs 270! Auf Sehrohrtiefe. Nun muss alles ganz schnell gehen. Die Zerstöer haben sich so positioniert, dass sie mir eine Lücke für einen Angriff offen liessen. Keine große, aber eine Lücke! Sehrohr ausfahren. Schnell nehme ich alle Zielparameter auf und schicke drei weitere Torpedos auf diesen stählernen Koloss. Sehrohr ein und schnell auf Tiefe, 400 Fuß. Haltet euch fest, Männer, jetzt wird's ungemütlich. Ein Zerstöer stürmt heran und hat mich schon ins Visier genommen. Ich weiche seinen WaBos erfolgreich aus, nur kleinere Schäden, die schnell repariert werden. Bang! Treffer! Bang! Bang!
Alle drei im Ziel. Ich will die Yamato wieder als Deckung nehmen. Mal sehen, was die Treffer bewirkt haben. Ich messe anhand der Sonarpeilungen die Geschwindigkeit. Sie ist antriebslos! Sie treibt tot im Wasser. Sie sinkt zwar nicht, liegt aber auf dem Präsentierteller. Zwei Aale sind noch übrig.

Bei 350 Fuß gehe ich auf Schleichfahrt und setze mich von dem Pulk Zerstöer ab, die mir den Tod wünschen wollen. Langsam, ganz langsam schleiche ich mich fort. Grund zur Eile besteht nicht. Die Zerstöer haben mich verloren, und während ich unter der Yamato warte, verlieren die Japaner das Interesse an mir und setzen mit hoher Fahrt ihrem angeschlagenen Verband nach. Als diese außer Höweite sind setze ich mich in eine Schußposition, die meine Heckrohre vierkant auf das riesige Ungetüm aus Stahl ausrichtet. Sehrohrtiefe! Peilung, Abstand, Lage, Geschwindigkeit. Alles ohne Hast. Ich sehe durch das Sehrohr. Wie ein angeschossenes Reh liegt
dieses über 260 m lange Monster vor mir. In wenigen Augenblicken werden fast 2.800 Mann ein nasses Grab finden. Doch wieviele Amerikanern und Alliierten werde ich das Leben retten. Eine Antwort ist Spekulation, doch mit meinem Druck auf den Feuerknopf schaffe ich Tatsachen. Die Yamato wird keine Bedrohung mehr sein. Hoffentlich versagen die Torpedos nicht. Rohr 8 los! Durchs Sehrohr sehe ich die Blasenbahn, die der Mk 14 hinter sich herzieht.
In dem Moment, als sich die Linie der Blasenbahn mit dem Rumpf des Schiffes traf, erwartete ich eine Explosion. Nichts! "Torpedoversager! Torpedo ist nicht explodiert, Sir!" Nicht jetzt. "Rohr 9 klarmachen!" Zieldaten eingeben und "Rohr 9 los!".
Wieder beobachte ich angespannt die Blasenbahn. BUMMM! Da steigt eine enorme Wassersäule an der Schiffswand empor. Wieder ertönt ein Jubelschrei im Boot. War das der finale Schuß. Angestreengt beobachte ich die Wirkung im Ziel. Achtern schlagen Flammen hervor, dann mittschiffs. Und dann zerreißt eine gigantische Explosion die Spannung im Boot.

Die Yamato kippt zur Backbordseite ab und sinkt langsam übers Heck. Zahlreiche Rettungsboote sind alles, was von diese Schlachtschiff übrig geblieben.

Mit zittrigen Händen notiert II WO die Versenkung im Schiffstagebuch. Ich formuliere einen SitRep an SomSubPac und lasse Kurs Pearl Habor steuern. Alle Torpedos verschossen, 2 Truppentransporter und ein Schlachtschiff vesenkt: 82.210 t.

Unterwegs werden wir wieder häufig durch Flieger gestöt. Wenn wir zu Hause sind, wird's ein großes BBQ geben, Einlaufbier gibt's bei uns leider nicht. Prima Jungs.

Ich lege mich auf meinen Bock und versuche eine Mütze Schlaf zu bekommen. Verdammte Flieger...

http://img128.imageshack.us/img128/5239/sh4img362007102857531id6.th.jpg (http://img128.imageshack.us/my.php?image=sh4img362007102857531id6.jpg)
http://img464.imageshack.us/img464/3453/sh4img362007125614796se6.th.jpg (http://img464.imageshack.us/my.php?image=sh4img362007125614796se6.jpg)
http://img138.imageshack.us/img138/5122/sh4img362007125626875oe3.th.jpg (http://img138.imageshack.us/my.php?image=sh4img362007125626875oe3.jpg)

Cpt_Gardiner
03-06-07, 10:27
Mai 1942:
Ich erhalte den Einsatzbefehl für unsere dritte Feindfahrt. PATROUILLE VOR DER INSEL HONSHU! Schon wieder.
Hoffentlich finden wir dieses mal einen lohnenden Konvoy. Das miese Wetter bei der letzten Feindfahrt macht
einem das Zielen durch's Periskop nicht gerade einfach. Und wenn einem dann wieder nur diese kleinen oder mittelgroßen Einzelfahrer vor das Torpedorohr laufen, muss jeder Schuss sitzen. Es ist schon frustrierend, drei oder vier Aale auf einen Händler abzuschiessen und nur zwei treffen. Der Umgang mit der Zieloptik und dem Zielrechner ist noch ungewohnt.

Zumindest das Wetter scheint uns dieses mal wohl gesonnen zu sein: Ententeich. Ich lasse Lt j.G. Stevens den Kurs zu dem von mir in der Karte markierten Einsatzraum abstecken. Beide Maschinen kleine Fahrt voraus - los geht's.

Auf dem Transit keine Vorkommnisse. Laufend treffen Kontaktmeldungen ein - alle zu weit weg. Unsere Jungs da draußen sollen uns etwas übrig lassen. Wir sind schließlich nicht auf Kreuzfahrt-Tour ins Reich der aufgehenden Sonne. Aufgehende Sonne?! Die Sonne mag dort aufgehen, aber spätestens wenn die USS DRUM dort auftaucht, gehen BRT unter. Die Jungs sind heiß und bis in die Haarspitzen motiviert. Eine gute Besatzung! Die Alarmübungen und den Gefechtsdienst ertragen sie ohne zu murren.
Sie haben schließlich am eigenen Leib erfahren müssen was gute Schadensabwehr ausmacht: es rettet Leben, das eigene und das der Kameraden. An Bord gibt es kein ich. Der Mann an deiner Rechten kann morgen schon dein Leben retten.

Verdammte Flieger! Geht den diesen Japsen nie das Flugbenzin aus? Eugene Stone an der Flak heizt denen zwar ordentlich ein, schießt ein paar Betties, Flugboote und Zeros ab, aber diese Biester sind nicht zu unterschätzen, vor allem wenn sie plötzlich aus den Wolken im Sturzflug auf einem zu kommen. Hoch die Fahrt und hart das Ruder. Hoffentlich erschwert ihnen das das Zielen und geben Eugene die Chance, ein paar 20mm-Geschosse zu platzieren und den Piloten Badechance zugeben.

Juni 1942:
Wir kommen in die "heiße Zone". Die Kontaktmeldung sind zwar noch weit weg, aber lange dauert es nicht mehr. Es ist diesig.

07.06.1942:
Der Ausguck meldet "Handelsschiff in Sicht, weite Entfernung". Ich eile auf die Brücke und schnappe mir das Fernglas. Es ist verdammt diesig, aber dann zeichnen sich die Umrisse eines Schiffes ab. Das sieht doch aus wie... Das war kein übliches Handelsschiff, wie sie anscheinend zu Tausend hier herumschippern. Ich schnappe mir das Erkennungsbuch und vergleiche die Silhouette mit denen im Buch. Verdammt, da läuft uns tatsächlich ein Truppentransporter vierkant vor den Bug. Ich wollte gerade auf Sehrohrtiefe gehen lassen, da meldet der Ausguck ein weiteres Handelsschiff. Noch ein Truppentransporter. Santa Claus hat wohl einige Weihnachtsgeschenke vergessen und setzt uns präsentiert uns zwei lohnende Ziele auf dem Silbertablett. "Auf Sehrohrtiefe gehen!" und "Besatzung auf Gefechtsstation!". Alles läuft ab wie eine Million mal gemacht.

Cutter, mein I WO, bringt das Boot sanft auf Sehrohrtiefe und hält es dort. Ich gehe in den Kommandoturm und fahre das Sehrohr aus. Ziel anpeilen, Geschindigkeit ermitteln, Lage einstellen, Entfernung bestimmen.
Nach kurzer Zeit überprüfe ich die Ergebnisse. Erst wenn ich mir sicher bin, dass alles stimmt, werden die Mündungsklappen von Rohr 1 geöffnet. Noch ein paar Augenblicke. Meine Hand schwebt über den Abfeuerknopf... Nur noch ein paar Sekunden...
Noch einmal alle Einstellungen überprüft, alles passt. Los geht's; Rohr 1 feuer! Rohr 2 klar machen. Einstellungen vornehmen. 1 Grad nach rechts halten... Und los! Rohr 3 klarmachen! 1 Grad nach links. Rohr 3 Feuer!
Jetzt heißt es abwarten, ob alle Aale ihren Weg finden. Die Zeit scheint endlos zu sein. Das waren doch nur etwa 1.500 yd.
TREFFER!! Eine hohe Wassersäule steigt an der Steuerbordseite hoch und markiert den Einschlagsort des Torpedos. Der Einschlag erfolgt ahtern im Bereich der Schrauben. Die anderen beiden Torpedos gehen vorbei. Ich muss dringend mehr übern. Der Transporter verliert an Fahr
und nimmt reichlich Wasser. Langsam kippt er über's Heck und geht auf Tiefe. 9.630 t auf unser Konto.
Die Jungs im Bugtorpedoraum laden schnell nach. Da der nachfolgende Transporter dem getroffenen Vordermann ausweichen muss, kann ich nur schwer eine Leitlösung ermitteln.

Ich lasse hart wenden, um wieder in eine gute Schußposition zu kommen. Lage, Entfernung, Geschwindigkeit... steht! Erneut feuere ich einen Dreierfächer ab. Treffer mittschiffs! Leider gehen wieder die beiden restlichen vorbei. Den Treffer mittschiffs steckt der Transporter weg, fährt mit 9 kn weiter ab. Noch mals zielen. Abstand, Lage und Geschwindigkeit... steht. Hoffentlich klappt's diesmal besser. Feuer! Warten... Warten... Die Zeit läuft ab... Vor meinem geistigen Auge sehe ich die beiden Aale knapp vorbei gehen.
Jetzt wird mir das aber zu blöd. Ich lasse auftauchen und das Deckgeschütz besetzen. Feuer frei! Mit gewaltige Trommelschläge schickt die 4"-Kanone ihre Liebesgrüsse an den Japaner. Jeder kleine Lichtblitz markiert einen Treffer, und mit jedem Treffer wird sein Schicksal mehr und mehr besiegelt. Nach etwa 20 Schuß erleuchtet eine helle Explosion den Himmel.

Nüchtern vermerkt I WO die Ergebnisse im Logbuch: 07.06.1942 12:30, Japansicher Truppentransporter versenkt, 9.630 t; 12:56, Japanischer Truppentransporter versenkt, 9.380 t.
Nicht schlecht, fast 19.000 t, und das, bevor wir im Operationsgebiet sind. Ich lasse den Funker einen SitRep abesetzen. Vielleicht können die Jungs in Pearl Harbor mit der Info etwas anfangen. Die Besatzung wird von Gefechtsstation entlassen, die Torpedorohre werden noch alle voll bestückt. Beide Maschinen kleine Fahrt, zurück auf den Transitkurs.
Gut gemacht, Jungs!

Gerade eben lasse ich mich auf meinen Bock nieder und starre an die Decke. Hoffentlich wird diese Sardinenbüchse nicht mal unser Grab. Viele Kameraden sind von den Japsen versenkt worden. Meine Gedanke fleuchen hinfort, an mein Mädchen in San Fransisco, meine Eltern, meinem Bruder, der sein nasses Grab auf der USS Arizona gefunden hat bei dem feigen Angriff der Japaner. Gerade sind mir meine AUgen zugefallen, da kommt aus dem Lautsprecher "Kommandant in die Zentrale!". Ich schrecke auf, stoße mir wie häufig meinen Schädel an diesem verfluchten Rohr. Haben diese Ingenieure, die das Boot konstruiert haben, eigentlich jemals einen Tag auf einem
U-Boot verbracht. Mit dröhnendem Schädel wanke ich in die Zentral. Der II WO, der mittlerweile die Wache übernommen hat, stürzt mir aufgeregt entgegen. "Sehen Sie, Sir. Wir haben diese Kontaktmeldung über eine Einsatzgruppe bekommen. Die können wir abfangen. 2 Stunden große Fahrt Kurs eins-acht-null, dann mit zwo-sieben-null auf deren Weg legen und warten. SIr, das ist nicht bloß ein Konvoy, dass ist eine Einsatzgruppe. Vielleicht sind da ein paar dicke Brummer drin!". Ein Heisspron, dieser II WO. Aber er hat recht. Also gut, Kurs eins-acht-null, beide Maschinen große Fahrt. Schauen wir uns das mal an. Ich werde mir mir vorher eine Pause gönnen.

Etwa 17:00 Uhr. Der Smut klopft vorsichtig an der Tür. "Sir, wir sind gleich da. Kaffee?" "Danke, nein". In der Zentrale nehme ich das Mikrofon vom Intercom und erkläre der Besatzung, was sie erwartet und das es diesmal auf jeden ankommt, 110% zu bringen. Das ist nicht nur ein Konvoy, wir haben mit
einem Einsatzverband zu rechnen und... Da unterbricht mich der Ausguck: "Kriegsschiff in Sicht, große Entfernung!". Ich haste auf die Brücke. Mit dem Fernglas suche ich den Horizont ab. Ein... zwei Zerstöer. Die Spitze des Verbandes. Ich nutze die Gelgenheit und ermittle die Geschwindigkeit. 12 kn. Tauchen!
Auf 200 Fuß gehen. Beide Maschinen ein Drittel Fahrt voraus. Mein Plan ist, unter eine Thermalschicht zu gehen, die Spitze über mich wegziehen zu lassen, auf Seerohrtiefe und dann lohnende Ziele herausfischen.

Gesagt, getan. Unterhalb des Layers lasse ich beide Maschinen stoppen. Eine scheinbare Ewigkeit vergeht, bis die Vorhut endlich unsere Stelle passiert hat. "Besatzung auf Gefechtsstation! Auf Sehrohrtiefe gehen!". Mein Adrenalin pegel steigt. Langsam durchbricht das Sehrohr die Meeresoberfläche und gibt die Sicht frei. Wahnsinn! Schlachtschiffe, große Kreuzer, kleine Kreuzer, Zerstöer, Händler... alles was das Herz begehrt. Aufgeregt wie ein Kind zu Weihnachten gehe ich Kontakt für Kontakt ab. Die Kongo, die Kugami... die anderen sind zu weit weg. Und da... das ist doch. Ich schaue zwei, drie, viermal hin. Das ist die Yamato! Der Stolz Japans!! Mit ihren neun 46-cm-Geschützen, der größten auf einem Schiff eingesetzten Artillerie, ist sie eine ernsthafte Bedrohung für unsere Schiffe und unsere Jungs. "Die Yamato!" flüstere ich leise und wie ein leises Echo setzt sich dieser Satz im Boot fort, dass auch jeder weiß, was uns da draußen erwartet. Entweder schreiben wir heute Geschichte, oder wir sind Geschichte.

Trotz meines Adrenalins gehe ich alle Punkte ab wie eine Maschine. Rundumblick, Peilung zum Ziel, Entfernung, Lage und Geschwindigkeit. Alles noch mal gegenchecken. Und dann alles raus, was keine Miete zahlt. Drei Tortpedos waren mir nach den Truppentransportern noch in den Rohren verblieben. Alle drei raus und Sehrohr ein. Und wieder diese schier endlosen Minuten bis zum möglichen Einschlag. Da durchbricht eine Donnerschlag die angespannte Stille. "Treffer!" Ein erlösender Jubelschrei erschallt. Ich kann meine Freunde kaum verbergen, aber ein Treffer ist nur ein Mückenstich für so einen Riesen. Bang! Treffer! Bang! Alle drei Torpedos haben ins Ziel gefunden. Sehrohr ausfahren. Ich sehe noch, wie die Wassersäule des letzten Torpedos in sich zusammenbricht. Schnell Sehrohr einfahren und auf Tiefe gehen, Kurs Südwest. Die Zerstöer
sind nun geweckt worden und werden uns ihre Dankbarkeit zeigen. Bin mal gespannt, was unsere drei Aale angestellt haben. Ich will zur Not das weidwunde Opfer unterlaufen und mit den Heckrohren, die noch voll sind, dem Schlachtschiff den Gar ausmachen und den Stolz Japans zerbrechen. Der Plan ist gut, nur funtionieren muss er. Möglicherweise könnten unsere japanischen Freunde andere Pläne haben - insbesondere mit uns.

über Sonar höe ich sie näher kommen. Zerstöer! Aber sie finden uns nicht. Bei ca. 250 Fuß haben wir eine Thermalschicht gefunden und laufen nun bei 400 Fuß Tiefe Kurs Südwest in Richtung Yamato. Sie scheint nicht so schwer getroffen zu sein, dass sie sinkt, aber sie läuft nur noch mit etwa 6 kn. Die Jagd ist noch nicht zu Ende. Beide Maschinen große Fahrt voraus! Die Zerstöer werden uns wahrscheinlich höen, aber in dieser Tiefe kann ich den WaBos ausweichen. Ich lasse uns unter die Yamato manövrieren und nutzen den Brummer als Schutzschild. Dann, wenn sie meinen, mich verloren zu haben, komme ich aus meinem Vesteck hervor und setze ihr den Gnadenstoß. Guter Plan, funktionieren muss er nur.

Wieder und wieder laufen die Zerstöer an und lassen uns ihre Dankbarkeit spüren. Zum Glück alle weit entfernt, keine Schäden am Boot. Ich manövriere das Boot unter die Yamato. Plötzlich erkenne ich eine Lücke. Hart Steuerbord, Kurs 270! Auf Sehrohrtiefe. Nun muss alles ganz schnell gehen. Die Zerstöer haben sich so positioniert, dass sie mir eine Lücke für einen Angriff offen liessen. Keine große, aber eine Lücke! Sehrohr ausfahren. Schnell nehme ich alle Zielparameter auf und schicke drei weitere Torpedos auf diesen stählernen Koloss. Sehrohr ein und schnell auf Tiefe, 400 Fuß. Haltet euch fest, Männer, jetzt wird's ungemütlich. Ein Zerstöer stürmt heran und hat mich schon ins Visier genommen. Ich weiche seinen WaBos erfolgreich aus, nur kleinere Schäden, die schnell repariert werden. Bang! Treffer! Bang! Bang!
Alle drei im Ziel. Ich will die Yamato wieder als Deckung nehmen. Mal sehen, was die Treffer bewirkt haben. Ich messe anhand der Sonarpeilungen die Geschwindigkeit. Sie ist antriebslos! Sie treibt tot im Wasser. Sie sinkt zwar nicht, liegt aber auf dem Präsentierteller. Zwei Aale sind noch übrig.

Bei 350 Fuß gehe ich auf Schleichfahrt und setze mich von dem Pulk Zerstöer ab, die mir den Tod wünschen wollen. Langsam, ganz langsam schleiche ich mich fort. Grund zur Eile besteht nicht. Die Zerstöer haben mich verloren, und während ich unter der Yamato warte, verlieren die Japaner das Interesse an mir und setzen mit hoher Fahrt ihrem angeschlagenen Verband nach. Als diese außer Höweite sind setze ich mich in eine Schußposition, die meine Heckrohre vierkant auf das riesige Ungetüm aus Stahl ausrichtet. Sehrohrtiefe! Peilung, Abstand, Lage, Geschwindigkeit. Alles ohne Hast. Ich sehe durch das Sehrohr. Wie ein angeschossenes Reh liegt
dieses über 260 m lange Monster vor mir. In wenigen Augenblicken werden fast 2.800 Mann ein nasses Grab finden. Doch wieviele Amerikanern und Alliierten werde ich das Leben retten. Eine Antwort ist Spekulation, doch mit meinem Druck auf den Feuerknopf schaffe ich Tatsachen. Die Yamato wird keine Bedrohung mehr sein. Hoffentlich versagen die Torpedos nicht. Rohr 8 los! Durchs Sehrohr sehe ich die Blasenbahn, die der Mk 14 hinter sich herzieht.
In dem Moment, als sich die Linie der Blasenbahn mit dem Rumpf des Schiffes traf, erwartete ich eine Explosion. Nichts! "Torpedoversager! Torpedo ist nicht explodiert, Sir!" Nicht jetzt. "Rohr 9 klarmachen!" Zieldaten eingeben und "Rohr 9 los!".
Wieder beobachte ich angespannt die Blasenbahn. BUMMM! Da steigt eine enorme Wassersäule an der Schiffswand empor. Wieder ertönt ein Jubelschrei im Boot. War das der finale Schuß. Angestreengt beobachte ich die Wirkung im Ziel. Achtern schlagen Flammen hervor, dann mittschiffs. Und dann zerreißt eine gigantische Explosion die Spannung im Boot.

Die Yamato kippt zur Backbordseite ab und sinkt langsam übers Heck. Zahlreiche Rettungsboote sind alles, was von diese Schlachtschiff übrig geblieben.

Mit zittrigen Händen notiert II WO die Versenkung im Schiffstagebuch. Ich formuliere einen SitRep an SomSubPac und lasse Kurs Pearl Habor steuern. Alle Torpedos verschossen, 2 Truppentransporter und ein Schlachtschiff vesenkt: 82.210 t.

Unterwegs werden wir wieder häufig durch Flieger gestöt. Wenn wir zu Hause sind, wird's ein großes BBQ geben, Einlaufbier gibt's bei uns leider nicht. Prima Jungs.

Ich lege mich auf meinen Bock und versuche eine Mütze Schlaf zu bekommen. Verdammte Flieger...

http://img128.imageshack.us/img128/5239/sh4img362007102857531id6.th.jpg (http://img128.imageshack.us/my.php?image=sh4img362007102857531id6.jpg)
http://img464.imageshack.us/img464/3453/sh4img362007125614796se6.th.jpg (http://img464.imageshack.us/my.php?image=sh4img362007125614796se6.jpg)
http://img138.imageshack.us/img138/5122/sh4img362007125626875oe3.th.jpg (http://img138.imageshack.us/my.php?image=sh4img362007125626875oe3.jpg)

skuvpt
14-06-07, 12:54
schön geschrieben http://forums.ubi.com/infopop/emoticons/icon_smile.gif

Palm1970
14-06-07, 15:49
Nette Geschichte und spannend geschrieben. So einen Brummer möchte ich in der Karriere auch mal vor die Rohre bekommen!

Cpt_Gardiner
21-06-07, 10:53
Danke für die Blumen http://forums.ubi.com/infopop/emoticons/icon_rolleyes.gif

Da das wahrscheinlich das erste und letzte mal war, dass ich die Geschichte verändern durfte http://forums.ubi.com/infopop/emoticons/icon_wink.gif, habe meine Eindrücke gleich zu "Papier" gebracht.