PDA

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Feindfahrt der U-135



Edgtho66
20-07-05, 13:41
N´Abend z´samm!

Da sich Wassergott ohne seinen II.WO hoffnungslos im Atlantik verirrt zu haben scheint, dachte ich, eine Parallelgeschichte zu konstruieren. Naja, fast konstruieren. Halb bediene ich mich eines Buches, halb SH3! http://forums.ubi.com/infopop/emoticons/icon_smile.gif
Wem´s nicht gefllt, einfach nicht mehr reingucken.
Wenn Wassergott wieder da ist, stelle ich das hier sofort wieder ein. Bis dahin ..... viel Spass! http://www.ubisoft.de/smileys/2.gif http://forums.ubi.com/infopop/emoticons/icon_biggrin.gif
Geschrieben aus der Sicht des I.WO´s Werner Techand!

----------------------------------------------

29.06.42 22.15h

4 Tage war es her, das ich mit unserem Boot den Hafen in Kiel verlassen hatten. Ich, OLTzS und I.WO Werner Techand. Dies hier sollte meine letzte Fahrt auf U-135 werden hatte es geheissen. Auf Kommandantenlehrgang sollte ich gehen, wenn wir wieder heimatlichen Boden unter den Fssen haben.
Endlich mein eigenes Boot. Nicht zuletzt hatte ich das auch dem "Alten" zu verdanken, der mit seinen Beziehungen nach Kiel meine Leistungen der letzten FF´en an entsprechenden Stellen gut verkauft hatte. Und auch nicht ganz unberechtigt.

AM 77 hiess der uns durch den BdU zugewiesene PQ. Mit gemischten Gefhlen waren einige von uns in See gestochen. Vor allem unser Alter, KptLt. Friedrich Hermann Praetorius. Auch seine letzte Fahrt sollte es werden, wie sich spter heraus stellte, aber das wusste bis dato noch niemand.

AM77! Bevor wir ausliefen, bekamen wir noch auf dem Obergefreitendienstweg die Info, das KptLt. Friedrich Hfer, Kdt. auf U-92, seit nunmehr 4 Wochen sich genau von dort das letzte mal gemeldet hatte. Ausgerechnet Friedrich, ein Freund vom "Alten". Kennengelernt hatten die beiden sich auf einem Kommandantenlehrgang in Kiel vor 5 Jahren. Einweisung in die neue VII´er Baureihe inklusive. So manchen Abend hatten beide im Offiziersheim verbracht, Erfahrungen ausgetauscht und sich so kennen und schtzen gelernt.
Ein Ruf der Brckenwache bringt mich wieder zurck ins Boot.
Der II.WO Geissler meldet Land in Sicht. Fern ab an Backbord tauchen die Shetlands aus dem Dunst auf. Die schroffen, vielgezackten, wilden Felseninseln im Norden Englands. Hier beginnt unser Jagdgebiet.

Die Nacht sank nicht ganz so schwarz ber das Meer, wie wir es erwarteten. Gegen Mitternacht entwickelte sich in hohem Fcher intensives Nordlicht. Blulichbleich und ultrahell leckte es in fliessenden Balken und Bahnen am nchtlichen Himmel empor und goss ein khles, dnnes Licht ber die Wellen. Es tauchte das Boot in silbrig schillernde Schleier. Das Schauspiel der Natur erweckte eine sehr zwiespltige Freude in uns. Schliesslich waren wir kein Vergngungsdampfer auf Polarfahrt. Die Silhouette des Bootes musste gegen diesen Horizont meilenweit zu sehen sein. Die See war ruhig wie ein Spiegel.

Bei dieser Beleuchtung in die Passage zu gehen wre Selbstmord gewesen. Jeder klapperige Fischdampfer im Schlagschatten der Felswnde htte uns mit drei Kanonenschssen in die ewigen Jagdgrnde geschickt.
Ab und an und sehr selten blitzten in den Bergstcken spukhafte bunte Feuer auf, um nach fnf Minuten wieder zu verlschen. Es waren Leuchtsignale der britischen Kstenschifffahrt. Sehen die uns oder sehen sie nichts? Das war die Frage. Aber kein Kiel rhrte sich da drben.
Ich verschwand fr ein paar Stunden in meiner Koje.

Edgtho66
20-07-05, 14:56
30.06.42 05.09h

Als ich aufwachte, war Alarm. Wir tauchten schon. Man meldete einen sich nhernden Dampfer mit Positionslaternen in grosser Nhe. Die eine Laterne wre klar zu erkennen gewesen. Der "Alte" nickte.
Ich raste in den Turm. Ich fuhr mit dem Seerohr Karussell. Die See aber war leer. Im Osten dmmerte das erste schmale Licht. Ich fand keinen Dampfer. Ein Matrose der Brckenwache, MStGefr. Max Schendel, der den Kahn gesehen haben wollte, gab die genaue Gradeinstellung an. Ich stellte sie ein.
Die Spannung lste sich in schallendem Lachen.
"Boot hat ein vorzgliches Alarmtauchen vor einem Stern durchgefhrt. Es handelt sich um die Venus. Auftauchen!" Wolf Degen, unser Stabsbootsmann und erster Wachgnger, schttelte betrbt sein blondes Haupt: "Die Weiber, die Weiber ...". Von da ab waren wir ruhiger.

U-156
20-07-05, 15:21
Immer fleiig in die Tasten hauen, lese immer gerne gut geschriebene Feindfahrtabenteuer!

Der Anfang ist ja schon sehr vielversprechend...

Gre,

U-156

Edgtho66
20-07-05, 16:30
Danke U-156! http://forums.ubi.com/infopop/emoticons/icon_smile.gif
-------------------------------------------

01.07.42 08.30h

Die See lag glatt und hell da wie auf einem Reiseprospekt. Wir sahen die Shetlands wieder. Sie schwammen blau und trumerisch im Westen. Wir hatten warme, wohlgenhrte Buche vom Kaffee und von den Spiegeleiern. Die Nordsee lag hinter uns. Jetzt gab es keine Einschrnkungen und Verbote mehr. Alles war klar.
Der Gefreite Massmann legte die Sonn- und Feiertagslieblingsplatte der Besatzung aufs Grammophon: "Onkel Jonathan", besungen von Rosita Serrano. Jetzt fehlte uns bis zum Mittagessen nur noch ein kleiner Happen zum Versenken. Dann sollte unser Glck vollkommen sein.
Im Ausguck auf der Brcke stand u.a. der Matrosengefreite Ebert. Er war ein ebenso netter wie merkwrdiger Junge. Er wurde einmal gefragt, wie viele Geschwister er denn htte. "Drei", antwortete er. Und dann verbesserte er sich: "Nein, stimmt nicht, sind nur zwei." Er wurde darauf hingewiesen, dass er bei solchen Frage doch schlielich kein Irrtum mglich sei. "Es sind nur zwei", erwiderte er sachlich und ungerhrt, " als ich das letzte Mal zu Hause war, war einer gestorben." Worauf die Reihe, leicht verwirrt zu sein, an dem betreffenden Vorgesetzten war.
Ebert stammte aus dem Kohlenpott an der Ruhr und uerte niemals so etwas wie Familiengefhle oder Heimweh. Aber er war - frisch, fix und immer zur Stelle - en vorzglicher Seemann. Und er hatte, wie sich herausstellte, die schrfsten Augen an Bord. Es war nur gerecht, dass er an diesem Sonntag Vormittag eine dnne winzige Dunstwolke ber der Kimm im Nordosten entdeckte.

Der "Alte" enterte die Brcke. Wir waren angenehm gespannt und zufrieden ber die schnelle Erfllung unseres leisen Wunsches. Langsam stieg ein dnner Mast und dahinter ein Schornstein ins Blickfeld. Und nach und nach schob sich der ganze Dampfer heraus.
"Das ist mal ein dicker Kasten", knurrte Degen zufrieden. Das Schiff sah annhernd gewaltig aus.
Je weiter es sich allerdings auf den Teller schob, um so mehr schrumpfte es zusammen - das ist eine allgemeine Erscheinung, mit der man sich nach einiger Zeit abfindet -; unter der Wasserlinie zeigte der Kerl zum berfluss roten Anstrich. Er hatte nichts geladen. Und mehr als 900 BRT war er nicht wert. Unscheinbar und missmutig kam er herbergewackelt.
Mittlerweile hatte ich auf Befehl des "Alten" das Boot auf 12m eingependelt. Gerade als der II.WO nach dem ffnen der Mndungsklappen fragen wollte, kam aus dem Turm schon Entwarnung. Die Flagge wies den alten Kahn als Schweden aus. Mist, ein Neutraler. So hatten wir uns den ersten Kontakt nun denn doch nicht vorgestellt.
Obwohl wir rechtzeitig getaucht waren, musste der Skipper aber unser Sehrohr gesehen haben, denn er fing an, wie wild zu zacken. "Ganz schn nervs, der Bengel", raunte der "Alte".
Er entschied, noch eine Stunde getaucht zu bleiben, um dem Schweden nicht unsere geplante Route zu verraten. Schlimm genug, das er wusste, das wir hier waren.

Edgtho66
21-07-05, 11:19
01.07.42 09.43h

Und dann pltzlich ein englischer Bomber am Himmel. Der "Alte" bekam ihn ins Seerohr, wie er ein paar Mal um den Schweden kreiste. Die hatten doch tatschlich Flaggensignale gesetzt. Der RAF-Pilot las sie und kam auf uns zu.
Der "Alte" zog das Seerohr ein und lies sofort tauchen. Dieser Miesmuschelschwede arbeitete also mit den Tommies zusammen. Wir hatten pures Glck, das die englische Patrouillenmaschine nicht frher erschienen war. Die Sache war abgekartet. Der Tommy schmiss eine ganze Bombenserie ins Wasser. Sie lag ungefhr 100m weit weg. Es donnerte wie beim zweitjngsten Gericht.
"Mit uns scheinen sie sich unbedingt in den Luftkrieg einlassen zu wollen, wir mssen so eine Art Flieger-Sex-Appeal haben", stellte unser Geissler trocken fest.


01.07.42 11.43h

Der Englnder blieb zwei Stunden am Himmel. Er suchte wahrscheinlich nach unseren Luftblasen. Er wollte uns verrcheln sehen. Als sich das Gewitter gelegt hatte, gingen wir wieder hher.
" ´runter, L.I., wieder runter !" brllte der "Alte".

Jetzt waren zwei Englnder da oben. Der erste wurde abgelst. Sie tanzten wie die Mcken tief ber dem Wasser. Sie suchten uns immer noch.
Es war Nachmittag gegen vier, als wir auftauchen konnten. Wir hatten grosse Lust, dem Knckebrotesser nachzusetzen und ihm ein paar Rohre voll Eisen um die ungewaschenen Ohren zu hauen. Wir fluchten gotteslsterlich - der "Alte und ich standen in dieser alten Seemannskunst gewhnlich im scharfen Wettbewerb -, und die Beulenpest war noch das mindeste, was wir der dreckigen Schmutzkrte in ihr klapperndes Gebein wnschten. Aber der zerlumpte 900 Tonnen Pirat stand schon zu weit nahe der englischen Kste. Es ging nicht. Der brchige Kutter lohnte auch keine Gefahr. Mochte er mit seinem stinkendem Klabautermann auf irgendein Riff laufen. Fr uns begannen bessere Jagden.


02.07.42 12.00h

Ausser ein paar unbedeutenden FT´s kam in den letzten 24 Stunden nicht viel rein. Sichtkontakte, Fhlmeldungen etc., das bliche halt. Der "Alte" las laut seine Eintragungen ins KTB vom Vortag vor:
" Von 09.43h bis 16.12h vor Flugzeugen getaucht. Whrend des Manvers auf 65m zwei Fliegerbomben. Bomben lagen gut. Keine Ausflle. Nach S abgelaufen. Um 16.12h aufgetaucht, lange Dnung, gute Sicht. PQ AN12."
Der Smutje trug Schweinebraten mit Rosenkohl auf und zum Nachtisch gab es einen Apfel. Wir sahen rosiger in die Zukunft und wnschten uns fr den Fnfuhrtee einen Brocken zum versenken. Und der Brocken kam.
Zuerst in Form eines 3-fach verschlsselten FT´s . Der "Alte" gab uns spter bekannt, das wir einen neuen Einlaufhafen zugewiesen bekommen hatten - St. Nazaire. Bekanntlich Sttzpunkt der 7. U-Flotille unter KK Herbert Sohler.
Wir gingen wieder auf Generalkurs.

Hmmm Sohler - hatte ihn seinerzeit mal bei einem Empfang in Berlin kennen gelernt. Unangenehmer Mensch .... so ein hundertprozentiger, dem man nicht geschenkt nachts begegnen wollte.
Ich schttelte mich innerlich. Mein Funkmaat riss mich aus meinen Erinnerungen.
Er meldete mir, das unser neuestes Spielzeug, das FuMo29 Schwierigkeiten machte.


03.07.42 9.41h


Seit Montag abend hatten sich die Wolken dunkel und klumpig am Himmel zusammen geschoben. Vor den Orkneys, die irgendwo westlich lagen, wehten dicke, schrge Regengardinen. Launische Ben trieben sie durcheinander. Nach und nach entwickelte sich der Sturm.
Drei Tage lang war die blanke Mistress, das Meer von allen Gttern verlassen. Niedrige Wolkenfetzen jagten atemlosber das weissgraue, wtende Wasser. Dazu herrschte eisige Klte. Wir steckten im lzeug. Nur die Augen hatten einen freien Schlitz. Sie brannten vom Peitschen des Windes und der scharfen Lauge der See. Das Boot schlingerte wie im Veitstanz. Wir mussten uns festhalten. Alle paar Minuten schrie einer, der es herankommen sah, "Wahr Schau !!"; und eine ganze See schlug lang ber den Turm, die einen mit Riesenkrften auszuheben und nach hinten zu schleudern versuchte. Wir waren festgegurtet. Aber es kommt vor, dass die Gurte reissen.

Man muss auch in diesem Wetter mit pltzlichem Alarm rechnen. Das Turmluk bleibt einen Spalt offen, damit die Brckenwache sofort hinunter kann. Durch diesen Spalt schwappt ununterbrochen Wasser ins Boot. Der Rudergnger, der auf halber Hhe sitzt, bekommt hufig einen dicken Segen auf den Sdwester. Und die Mnner in der Zentrale kmpfen mit gelten Lappen, um die Apparate trocken zu wischen und Sicherungen abzudichten, damit es nicht Kurzschlsse blitzt.
Die Maschinisten und Heizer werden auf ihren Stnden hin und her geworfen; und wenn Reparaturen sind, mssen sie hllisch balancieren, dass keiner in ein Getriebe gert.
Den Mnnern, die an den Torpedos arbeiten, fliegen bei pltzlichen Schlgen an das Boot die Werkzeuge aus den Hnden. Es gibt kein sicheres Gehen mehr. Wenn man durch die Schotten aus einem Raum in den anderen kriecht, rennt man sich meistens eine Beule in den Kopf. Und unablssig surren die Pumpen, um das unter den Stiefeln platschende Wasser aus den Bilgen zu holen.
Es ist restlos ekelhaft. Beim Essen schwappt die Suppe aus dem Teller. Sie ist etwas fetter als gemeinhin im brgerlichen Leben. Da man Lederzeug trgt, macht es nichts aus. Aber man htte die Kalorien lieber im Magen.

An tiefen, erholenden Schlaf ist bei den epileptischen Schttelserien des Bootes nicht zu denken. Die Freiwachen wlzen sich in den Kojen. Es gibt kein Ausruhen. Der und jener entwickelt sich langsam zu Lebensknstler. Man entdeckt Rezepte. Zum Beispiel muss man die Knie gegen die Wand und den Achtersteven gegen das Plschgitter vor der Koje drcken, um zu einer reglosen Haltung zu gelangen.
Aber viel besser wird der Schlaf dadurch auch nicht. Ausserdem tun einem nach geraumer Zeit doch die Knie weh.
Wenn so ein Wetter lange dauert, geht es auf die Nerven. Man ist gereizt, unsicher und missmutig. Und genau das gilt es in der Enge eines U-Bootes zu verhindern. Eine Ablenkung wre der Rundfunk. Aber es kracht und gurgelt im Lautsprecher und vieles kommt verstmmelt an. Bestndig in dieser Zeit ist nur der ewig auf und ab sirrende Sirenenton der Hauptlenzpumpe. Er ist hartnckig wie in Sommernchten die Mcken im Schlafzimmer.


05.07.42 13.41h

Alle zwei Tage pflegt man bei solchem Wetter fr ungefhr 4 Stunden auf Tiefe zu gehen. So auch jetzt im Moment. Hier unten ist es grabesstill. Man sitzt wie unter einer hermetischen Metallglocke und rundherum ist nichts. Alles, was nicht an der Maschine oder am Horchgert sein muss, sinkt erlst in die Kojen. Man ist heilfroh, dass nun Ruhe ist und schlft sich einen kleinen Vorrat zusammen. Man verpasst auch oben nichts. Bei derartigem Seegang hat es keinen Sinn zu schiessen.
Als einziger hat der Mann am Horchgert eine schwache Verbindung zur Aussenwelt. Er sitzt, die Kopfher bergespannt, vor der Gradscheibe in seiner Kajte, er dreht den Zeiger um die dreihundertsechzig Grad und spannt, ob er das langsame tuckern von Kolbenmaschinen, das Rattern von Dieseln oder das Gerusch von Turbinen ht.
Der Horcher auf "Westward-ho" war der Obermaat Zirfas aus Kln, ein grosser, immer gelblich blasser Junge mit einer Sattelnase und einem seltsam nach aussen wachsenden Mongolenbart. Er war still und einfach, gute oder schlechte Laune kannte er fr seine Person nicht. In den Tauchpausen setzte er sich immer selbst unter die Kopfher, damit die anderen besser schlafen konnten. Er hatte eh die besten Ohren.

Edgtho66
21-07-05, 14:08
09.07.42 05.36h

Mit Beginn des sechsten Tages flaute der Sturm ab. Morgens in der ersten Dmmerung ging ich auf den Turm. Es ist die Tageszeit der berraschungen. Da kann einem pltzlich einer vor der Nase stehen und es ist besser, man sieht ihn sich selbst an. Als es heller wurde, war nichts auszumachen. Ich kletterte wieder hinunter. Die See blieb rau und es triefte immer noch alles vor Nsse.
Als ich grad wieder bei meinen Rudergngern stand und nach oben rief, die Wache solle auf die Sonne achten, damit wir unseren Standort bestimmen knnten, meldete Fhnrich Bauer: "Da ist irgendwas, Herr Kapitn." Der "Alte" setzte sich sofort in Gang und kletterte hinauf.
In die Wolkendecke waren ein paar blaue Lcher gerissen und die Kimm war ziemlich klar. Unser Fhnrich im Ausguck hatte Mastspitzen entdeckt. Doch ehe der "Alte" sie fand posaunte der Ausguck "Achtaaus Fliejaaa!"
Die Mnner jagten ins Turmloch, dem letzten stand der "Alte" auf den Schultern. Die Wespe surrte schon hoch oben. Bei dem Sexappeal, den wir aus der Vogelperspektive offenbar hatten, war es das einzig Mgliche, schnell und ruhmlos zu trmen. Wir warteten.
Diesmal rummste es nicht.

Der hatte uns in der rauen See bersehen. Seine Aufmerksamkeit galt wahrscheinlich den Schiffen, deren Masten wir gerade entdeckt hatten.
Das Boot war an diesem Morgen noch nicht eingetrimmt, so rutschten wir noch ein Stck abwrts, um es nachzuholen.
Was fr Masten sind das gewesen? Das war die Frage. "Knnte ein Kriegsschiff gewesen sein", stellte der Unteroffizier am Tiefenruder fest. Gewiss, das knnte es sein. Wir hatten alle dasselbe gedacht. Wir mussten hoch, um das klarzubekommen. Nach einer Viertelstunde war ich mit meinen Tanks im Gleichgewicht und wir kletterten auf Seerohrtiefe. Da waren die Masten wieder. Es musste ein Kriegsschiff sein. Die Bume hatten keine langen Spitzen. Sie fingen gleich mit einem dicken Knuppel an. Es waren Gefechtsmarsen fr Artilleriebeobachter. Da gab es keinen Zweifel.
Das Schiff schob sich schnell in unsere Richtung heran. Jetzt waren Aufbauten zu sehen. Aber das Seerohr wurde dauernd von Wasser bersplt. Das Boot torkelte im Seegang und war, obwohl das Tiefenruder von hart zu hart ging, kaum zu halten. Wir mussten ununterbrochen hohe Fahrt laufen, damit wir nicht berhaupt ausgehoben wurden, und das Seerohr zog oben sicher eine milchweisse Schaumspur. Zwischendurch sah ich den Kasten wieder. Es waren immer nur Sekundenbruchteile. Wir nherten uns langsam.
Es war ein englisches Kriegsschiff. Und wir wrden bald in Schussnhe kommen.


Da wurde das Boot nach unten gedrckt. "Alle Rohre klar" befahl der "Alte". Die Aale lagen fertig zum Losmachen. Wir hatten Wasser vor dem Seerohr. Immerhin mussten wir, wenn wir hochkmen, abdrcken knnen. So dicht waren wir jetzt.
Dachte der "Alte"!
Als wieder etwas zu sehen war, stellte er fest, dass der Brocken abgedreht hatte. Er fuhr in Schlangenlinien mit Generalkurs Scapa Flow. Wir versuchten ein paar Mal, ihm den Weg abzuschneiden und heranzukommen. Es klappte und klappte nicht.
Der Englischmann hatte uns merkwrdigerweise nicht abgehorcht. Da oben passte einer nicht auf. Unsere Maschinen machten allerhand Krawall. Der "Alte" berlegte, ob er auftauchen und mit usserster Kraft nachsetzten sollte. Er liess es.
Das hatte keinen Zweck. Gesehen htte er uns bestimmt. So schmerzlich es auch war, wir mussten ihn laufen lassen. Es war ein Schlachtschiff der Royal - Oak - Klasse.

----------------------------------------------

So, bis hierhin und gut. Die Fortsetzung folgt frhestens Samstag abend. Bin morgen auf ´ner Party. http://www.ubisoft.de/smileys/22.gif http://www.ubisoft.de/smileys/37.gif
Danke fr euer Interesse.

Gru von unne
Edi

U-156
21-07-05, 15:27
Na dann sieh mal zu, dass Du Dir nicht so sehr die Lampe verbiegst, dass Du am Samstag keine Fortsetzung schreiben kannst http://forums.ubi.com/images/smilies/53.gif
Es gibt hier ja bestimmt einige, die sich auf eine Fortsetzung freuen!

So lange heit es warten
http://www.ubisoft.de/smileys/1womo.gif

Gre,

U-156

http://img306.imageshack.us/img306/2214/u1564cp.th.jpg (http://img306.imageshack.us/my.php?image=u1564cp.jpg)

Edgtho66
23-07-05, 09:55
09.07.42 15.15h

Am Nachmittag sichteten wir in grosser Entfernung einen Kreuzer. Obwohl es bei dem Seegang nicht sehr aussichtsreich war, versuchten wir, auch an ihn heranzukommen. Aber der Bursche lief sehr schnell. Es war eine entsetzliche Fahrerei. Dabei passierte das, was wir im Grunde schon lange erwartet hatten: das Tiefenruder hielt´s nicht aus.
Wir wurden von einem Wellenberg hochgerissen und mit langem Satz auf die Oberflche geschnellt. Das Boot taumelte hilflos und blind im Tageslicht.
Es dauerte eine qulende und endlose und gefahrvolle Minute, ehe ich es wieder zum Tauchen brachte. Wir hatten Glck. Auf dem Kreuzer hatten sie wieder nicht aufgepasst. Oder der wtende Gischt hatte uns ausreichend getarnt.
Unsere Gemter gerieten an diesem Abend, durch die drei Sturmtage schon leicht ramponiert, in ein dsteres und grenzenloses Tief. Als die Dunkelheit anbrach, herrschte Trauer am Ort. Wer Zeit hatte, ging schlafen.
Aber das Wetter klarte dann endgltig auf. Wir steuerten in grossem Bogen um die Orkneys und hatten westlich Irland wieder eine klare Brise und normale Sicht. Nachts tauchten ein paar Mal die verhungerten Schatten englischer Bewacherpaare aus der Finsternis, kleine Fischkutter, die zum Versenken zu mager sind, von denen man sich selbst jedoch nicht blicken lassen darf, weil sie sofort Zerster oder Flugzeuge heranfunken .Wir schlngelten uns zwischen ihnen weg und gingen weiter nach Sden.

Edgtho66
23-07-05, 14:05
10.07.42 06.00h

Dienstag frh gingen wir zum Spiegeleieressen in die Tiefe. Die Offiziersmesse bot noch immer ein Bild wie der Keller eines Eigenheims. Unter der Decke schaukelte eine Hngematte mit Konservenbrot. Unter den Tischen standen Scke mit Kartoffeln und Mehl. Daneben war eine Kiste mit Strohwolle und Eiern. Und rundrum klemmten die vier Offiziersschlafkojen an der gebogenen Wand.
Zum runden Abschluss durfte nach dem Frhstck jeder mal kurz raus und sich eine Zigarette gnnen.

In den nchsten 3 Tagen vernderte sich nicht viel an der Gesamtsituation. Ausser das wir dem uns zugewiesenen PQ bis auf 14 Stunden Wegstrecke genhert hatten.

Edgtho66
24-07-05, 04:40
14.07.42 08.56h

Der Fhnrich weckte mich mit einem an ihm noch nie gesehen Mass an Nervositt. Gut, verstndlich. War ja auch erst seine 2. te FF und dies hier sollte sein erster Konvoi sein. Im spitzen Winkel vor uns wurden die ineinander fliessenden Qualmfahnen eines Geleitzuges sichtbar. Es war soweit. Wir tauchten. Fr eine Fhlungsmeldung waren wir eindeutig zu nah an der engl. Kste. Auch komisch, das uns nichts aus dem Funkraum gemeldet wurde. Msste doch eigentlich ............ vermutlich immer noch kaputt, dieses FuMo-Dingens.
Der "Alte " war sichtlich angespannt. Der erste Geleitzug seit wir unterwegs waren. Selbiger zackte nichtsahnend in Marschordnung von vier Kolonnen aus der Biskaya herauf. Seine Rauchwolken stiegen eine nach der anderen wie dunkle Pilze ber die Kimm. Das ruige Dach, in dem sie sich verwoben, wurde hher. Die ersten Mastspitzen krochen wie Stecknadeln nach oben.
Es kamen 14 Dampfer an. Keiner hatte auf den ersten Blick eine kleinere Taille als 5000 BRT.

Der "Alte" berlegte, ob er in den Zug hineingehen sollte. Diese Taktik hat viele Vorteile. Die Schussentfernungen sind krzer. Man kann schneller und besser zielen. Und man wird von den Khnen, die man angreift, zudem noch durch deren Bug- und Heckseen ganz gut gegen Sicht geschtzt.
Der Nachteil ist, dass man in grausige Wohnungsnot kommen kann, weil die Schiffe kreuz und quer fahren. Man muss scharf aufpassen, dass man dabei nicht gerammt wird. Und das Aufpassen ntzt manchmal gar nichts.
Bleibt man auerhalb des Geleitzuges, hat man auf alle Flle ein ruhigeres Schiessen. Aber man ist weiter weg und luft Gefahr, durch Begleitzerster frhzeitig entdeckt und abgedrngt zu werden. Zudem stehen in den Geleitzgen aussen gewhnlich die mden Dampfer und die fetten Brocken sind mittendrin, die Truppentransporter, die Tanker und die Schiffe mit dem besten Kriegsmaterial.

Also wie am besten ........ ? Die Englnder enthoben uns einer Entscheidung. Der Geleitzug hatte mittlerweile einen Zack nach der Seite eingeschaltet. Wir gerieten, ob wir wollten oder nicht, zwischen die zweite und dritte Reihe des anrckenden Trosses.
Leise und sachte legte ich das Boot auf Befehl des "Alten" quer, damit wir sowohl von den Heckrohren als auch von den Bugrohren die Ziele angehen konnten.

U-156
24-07-05, 05:29
Na jetzt wird´s ja spannend!
Dann lass mal hen wie sich U-135 geschlagen hat!

Gre,

U-156

Boby.GeR
24-07-05, 07:57
bin auch schon gespannt was kommt http://forums.ubi.com/infopop/emoticons/icon_wink.gif

Edgtho66
24-07-05, 12:47
Huch, ich hab ja mind. 2 Fans! Angenehm berrascht ich bin! http://forums.ubi.com/infopop/emoticons/icon_wink.gif Danke dafr! http://forums.ubi.com/images/smilies/11.gif
Ok, dann will ich euch mal nicht enttuschen. Here u are:
----------------------------------------------

14.07.42 09.15h

Achtern kam ein bemerkenswert langer, grau gestrichener Dampfer mit 4 Masten an. Er transportierte anscheinend Truppen. Ausserdem rutschten bei ihm die Signalwimpel nur so rauf und runter. "Na also, das Schiff des Geleitzugkommodores" murmelte der "Alte". Wir drehten das Boot. Die Herde sollte ihren Leithammel loswerden. Zunchst rauschte jedoch genau ber uns einer der Bewachungszerster weg. Der Kapitn zog das Stielauge ein. Wir saen still wie ein Kaninchen. Als er das Rohr wieder nach oben schob, tat er es nur soweit, das er gerade die Mastspitzen der Englnder sehn konnte. In ebenfalls sehr aussichtsreicher Position sah er einen Tanker. C3 Klasse. ber 11.000 BRT! Na wenn das mal kein Grund zur Freude war.
"Bisschen hher" rief mir der "Alte" zu. Er hatte pltzlich nur grne See vorm Blick. Es war nichts auszumachen. Nur grnes Wasser, Aquarium, Einmachglas mit Apfelmus.
"Hher L.I, hher" knurrte er. "Ich krieg das Boot nicht hoch" brummte ich zurck. "Schweinerei das" kam postwendend die Antwort aus´m Turm. "Ich hoffe, das das gleich wieder klar ist".

Oben fuhr der Geleitzug.

Es klappte, gottlob, noch rechtzeitig. Wir standen dicht unter der Wasseroberflche. Der lange graue Leithammel kam wunderschn ins Fadenkreuz. In langgezogenem, sonoren Ton kamen mit 10sekndigem Abstand die Anweisungen aus dem Turm: "Auf Gefechtsstation / Rohre 1 bis 5 bewssern / Mndungsklappen ffnen". Der II. WO spitze noch mal seinen Bleistift. Jetzt galts. Wenn er die Daten aus dem Turm falsch berechnete bzw. zusammenstellen wrde, wrde das heissen, das wir gleich jede Menge Reichsvermgen fr nichts in den Atlantik entlassen. " Gegnerfahrt 4 / Bug links, Lage 80 / Entfernung 800 / Tiefe 8,5 / Torpedogeschw. 30 ".
Mit gelassener Stimme wiederholte Geissler alle Angaben. Als wie wenn er seit Jahren nichts anderes getan htte als ausschliesslich den TDC zu fttern. "Fcherschuss Rohr 1 u. 3 / Streuwinkel 2? "

"Gegnerfahrt 4 / Bug links , Lage 60 / Entfernung 1100m / Tiefe 11, 5 / Torpedogeschw. ......." . Es folgten die Daten fr den zweiten Brocken, den C3. "Fcherschuss Rohr 1 u. 3 sowie 2 u. 4" Streuwinkel 3, Rohr eins bis vier klar zum Unterwasserschuss" gab Geissler zurck.

"LOS" befahl der "Alte". Wir hten die Aale unseren Bauch verlassen. Zuerst der Tanker. So das mglichst gleichzeitig unsere Aale ihr jeweiliges Ziel erreichen. Jetzt kam ich wieder in Schwei. Durch das Fehlen des Gewichtes von 4 Aalen vorne drohten wir hecklastig zu werden. Gerade hatte ich das Boot wieder ausgependelt, hten wir den dunklen berstenden Lrm der Explosionen. Hatten gesessen. Auch die zweite Salve ging sicher ins Ziel.
Der "Alte wollte sich gerade mit den Zielen im Heck befassen, als er aus dem Schlagschatten des Truppentransportes einen anderen Frachter auf uns zubrauste. Er lag in guter - fr uns schlechter - Position zum Rammen. Also mussten wir auf grssere Tiefe gehen. Und wir verholten uns nicht zu frh in den Gotteskeller. Wir waren kaum unten, da brubbelte er dicht ber unsere Kpfe hinweg.

"Boot fllt" gab ich dem "Alten zu verstehen. "20 ... fllt ... 25 fllt ....". "Bei 40m abfangen" kam es aus dem Turm zurck.

http://www.eu-clan.net/uploads/shps.jpg

Boby.GeR
24-07-05, 13:08
ach is das geil, mehr mehr mehr! http://forums.ubi.com/infopop/emoticons/icon_biggrin.gif

Edgtho66
25-07-05, 13:39
14.07.42 09.45h

Jetzt erfuhren wir die Nachteile der Position im Geleitzug. Wir konnten nicht mehr auftauchen, ohne uns in Gefahr zu begeben, gerammt zu werden. Wir lagen ca. 20 min fest und hten zu, wie die dicken Englnder ber uns von dannen rauschten. Wir gingen auf 90m, denn erschwerend dazu fing es auch an, Wasserbomben zu regnen. Der "Alte" manvrierte das Boot nach seiner Erinnerung vom Anmarsch des Geleitzuges unter die Masse der Dampfer, weil es ihm dort am sichersten zu sein schien. Wir zhlten 50 Biertonnen und es war ein Hllenspektakel. Anscheinend waren die Leute da oben aber so aufgeregt durch den Zwischenfall, das sie sich keine grosse Mhe mit dem Zielen zu geben schienen. Sie dampften geradezu ber ihre ASDIC-Signale hinweg, als bruchten sie es gar nicht.

Zum Schluss war auf einmal ein drhnendes Poltern, dann ein unheimliches Schurren und dann ein dissonantes, widerliches Kreischen unmittelbar an der Aussenhaut unseres Bootes zu hen. In Wirklichkeit denkt man in solchen Augenblicken nichts. Man ist erschreckt und zieht hilflos den Kopf zwischen die Schultern. Was wir nicht sahen war, das der Zerster, der auf uns anlief, sich selbst am im Sinken befindlichen Tanker die komplette Seite aufgeschlitzt hatte.
Rechtmssig htten wir denken mssen, es sei nun die letzte Sekunde da. Da drauen schlug entweder ein Netz oder ein Schleppseil mit Sprengkpern, die nicht explodierten, oder sonst ein Teufelswerk gegen uns an.
Mit dem Kreischen war das Konzert beendet. "Auf Tiefe! Runter, runter, runter. Bloss weg"! Der "Alte" schrie, was seine Kehle hergab. Vielleicht war das die Rettung gewesen. Oder bei den Englndern hatte irgend etwas nicht so geklappt, wie sie es sich gedacht hatten. Es brauchte ja nicht nur uns so zu gehen.

Zeffus
25-07-05, 15:50
Na, du hast ja ein paar seltsame Metaphern in deinem Programm ...
"Das Boot taumelte hilflos und blind ...";
"die verhungerten Schatten englischer Bewacherpaare" - fast surreal.

"in grausige Wohnungsnot", " 50 Biertonnen "

"Unsere Gemter gerieten an diesem Abend, durch die drei Sturmtage schon leicht ramponiert, in ein dsteres und grenzenloses Tief. Als die Dunkelheit anbrach, herrschte Trauer am Ort. Wer Zeit hatte, ging schlafen." - geradezu morbid.

Aber weiter so!

Edgtho66
25-07-05, 16:31
Dein Wunsch ist mir Befehl! http://forums.ubi.com/infopop/emoticons/icon_biggrin.gif Und wart mal, es kommt noch besser! Aber heut´ nicht mehr. Nur noch ein kleiner Nachschlag.
--------------------------------------------

14.07.42 10.23h

Als wir das Seerohr wieder herausschieben konnten, war nicht mehr viel da. An der Versenkungsstelle lagen drei kleine Zerster. Sie bargen offenbar die Schiffbrchigen. Sie waren zu mager, als das es sich gelohnt htte, sie anzugreifen.
In ndlicher Richtung sahen wir, das der Geleitzug gesprengt war. Der Leithammel war weggeschossen worden und nun lief die Herde auseinander. Sie kreuzten und schlngelten sich und trmten in alle Richtungen.
Uns am nchsten - einige Seemeilen entfernt - schwamm ein schwerflliger Tanker. Die mden und kleinen aus diesem GL blieben unter dem Schutz der Zerster versammelt, whrend die Solos - fett, erstrebenswert und schnell - auf eigene Faust nach Norden abdampften. Den Solos hngten wir uns, als die Dmmerung hereinbrach und wir eine berwasserfahrt riskieren konnten, an die Schrauben.

Edgtho66
26-07-05, 12:22
15.07.42 01.12h

Gegen ein Uhr meldete uns die Brckenwache einen Schatten Backbord voraus. Ich ging zum "Alten" auf den Turm. "Da ist einer", sagte er laut. Wir liefen halbe Fahrt, um keinen allzu unntigen Lrm zu machen. Es dauerte fast eine Minute, ehe ich die schwache Silhouette entdeckte. Es war stockfinster. Die Augen brauchten, vom elektrischen Licht im Boot geblendet, lange, um sich daran zu gewhnen. Wir scherten sachte auf den Unbekannten zu.
Um einen lohnenden Fall fr unser Versenkungsgeschft konnte es sich nicht handeln. Dafr war der Schatten zu klein. Ein Fischdampfer oder sonst ein Vorpostenboot war es auch nicht. Dafr waren wir nun auch wieder zu weit ab von der Kste. Aber fr ein Rettungsboot war der Schatten zu gro.
Schliesslich brachte Matrosengefr. Ebert es heraus. Die komplette Brckenwache sprte dieses Kribbeln in den Nackenhaaren. Wir waren also um eine Neuerung reicher, doch um eine alles andere als angenehme.
"Tsch, Herr Kap´tn, dat scheint mir wie ein U-Boot", flsterte Ebert. Keine Antwort! Was sollte man auch sagen? Nachts im Kriege weit drauen im Ozean ein fremdes U-Boot zu treffen ist eine ebenso spannende wie ungemtliche Sache. Franzose oder Englischman? Dann mssten wir ihn jetzt unmittelbar pltten. Wenn der andere erst mal Lunte riecht, gibt es ein Duell mit beinahe gleichen Waffen. Das wre zwar edel, aber unzweckmig.
Ist es einer von unseren Haien? Es gibt kein greres Vergngen als irgendwo in der Wasserwste Kameraden zu treffen. Aber wie sollte man das feststellen? Mein Blick ging aus den Augenwinkeln heraus rber zum "Alten". Was er wohl jetzt dachte? Ich brauchte keine Glaskugel, um in ihm den Gedanken an seinen Freund Friedrich von U-92 zu erkennen.
Der andere ist vermutlich genauso ahnungslos. Oder hat er eine Meldung ber uns? Und dazu die Gewissheit, das er von seiner Fakultt der einzige in der Gegend ist. Bei den Englndern und Franzosen sind die Unterseeboote sehr wahrscheinlich nicht so dick gest.

Der andere hatte uns auch gesichtet. Wir erkannten uns gegenseitig als Freunde. Firmament, Ges und Nhgarn, was zum Teufel treibt der BdU da? Oder ist jetzt auer dem FuMo auch das Funkgert im Nirvana? Wo ist mein Funkmaat? Wieso sagt uns kein Aas Bescheid, das hier 2 Boote im selben Sektor rumkrebsen? Stimmt unsere Position berhaupt?
Anstatt mit Kanonen sprachen wir uns erleichtert durch die Flstertten an. Wir teilten uns die Namen und den Grad der Erfreutheit mit.

Boby.GeR
26-07-05, 16:09
weiter so! http://www.ubisoft.de/smileys/3.gif

Edgtho66
27-07-05, 13:00
15.07.42 01.31h

Das erfreute Lcheln im Gesicht des "Alten" blieb, trotzdem sah ich ihm seine Enttuschung an! Er htte alles dafr gegeben, Friedrich hier drauen wiederzusehen. Es war U-90, was uns da gegenber lag. Das Boot von KL Hans-Jrgen Oldp. Sie waren unterwegs zum PQ BC 2661. Sie sollten vorgeschobene Fhlung zur Konvoiroute SC und HX Halifax - Liverpool halten.
Sie hatten die Explosionen geht und verharrten seither auf ihrer Position, um nicht unglcklich in eine WaBo Verfolgung zu geraten.
Wir sollten sie heute nacht zum letzten Mal sehen. U - 90 wurde am 24.07.42 im PQ BC6221 von einem kanadischen Zerster und einer britischen Korvette versenkt. Es gab keine berlebenden.


15.07.42 07.09h

Kurz nach sieben machte der Ausguck im Morgengrauen drei Schiffe aus. Sie waren unbewaffnet und wir blieben ber Wasser. Eine halbe Stunde spter mssten wir sie haben.
Die Englnder hatten uns jetzt auch entdeckt. Einer funkte, was die Morsetasten hergab:
"SOS ... chased by submarine ... SOS ... position ... SOS ... chased by submarine ... ". Er war zu weit entfernt, um ihm mit einer Granate die Antenne zu zerschlagen. Aber er war uns sicher. Er msste unglaubliches Glck haben, wenn hier in der unmittelbaren Umgebung bewaffnete Englnder wren. Die drei Schiffe lagen massig und hilflos flchtend backbord voraus. Wir brausten mit ussester Kraft hinter ihnen her. Die Luft war dnn und kalt. Die Bugseen gischteten wei bis an den Turm. Das Boot bebte leise von seiner Kraft. Es war eine schne Fahrt in einem guten Revier und die Opfer standen uns schon vor der Nase.
"Unter Deck auf Tauchstationen!" kommandierte der "Alte". "Geschtzbedienung sich klarmachen" hie die nchste Order. Im Westen sackte die scheidende Nacht in einer pechschwarzen Wolkenwand hinter der Kimm zusammen. Im Osten kndigte ein rtlicher, von grnblauer Helligkeit abgesetzter Streifen die Sonne an. Es war ein seltsames, sauberes, junges Zwielicht. In fnf Minuten wrden wir schiessen knnen.

Edgtho66
27-07-05, 15:05
15.07.42 07.28h

Pltzlich krochen aus der nachtdunklen Dunstkulisse im Westen Zerster. Wie ferne, bsartige Spielzeuge rckten sie herauf. Sie qualmten aus vollen Schloten, aber ihre Fahnen waren vorher nicht auszumachen gewesen. Funktionierte hier eigentlich berhaupt irgendwas, was mit Radiowellen arbeitete? Verdamm´ nich noch. Seit die uns in Kiel dieses angebliche Wunderhubchen Alberich verpasst haben, spielten alle elektronischen Gerte auerhalb des Bootes scheinbar verrckt.
Jede Sekunde wurde jetzt kostbar. Wir mussten die Frachter da vorne holen. Wir wrden es gerade noch schaffen, rechnete ich, und dann den Zerstern vor der Nase wegtauchen. Zwei Minuten spter schossen die Kerle schon. Wir sahen ihre Mndungsfeuer wie Streichhlzer in der Schwrze des Himmels aufblitzen.
"Hoffentlich sehen die uns nicht gleich", sagte Degen, der unverwstliche Optimist. Er hatte kaum zu Ende gesprochen, da glitschten und schwappten rundum die Granaten ins Wasser. Wir waren gemeint. Zweifelsohne. Naturschnheiten knnen ihre Nachteile haben. Die Englnder hatten unseren Schattenriss sich gegen das verrterische Morgenrot abheben sehen. Wir lagen als Zielscheibe fr sie vor dem neuen Tag.
Sollten wir nicht versuchen, wenigstens ein Schiff zu versenken? Degen wrde das, wenn es berhaupt mglich war, schaffen. Er hatte uns mit seiner Kanone bisher nicht enttuscht.
Es hatte keinen Sinn. Fnf Minuten Fahrzeit mussten wir noch haben. Die lieen uns die Zerster nicht. Die hatten wohl auch einen Degen an Bord, und die Farbspiele am Osthimmel wurden nicht schwcher.

Edgtho66
28-07-05, 12:55
15.07.42 07.45h

Wir mussten tauchen. Wir gingen, da hier im Augenblick doch nichts zu tun war, sofort auf Tiefe und wechselten um ein "kurzes" Stckchen unsere Position. Wir warteten, was geschehen wrde. Selbst konnten wir nicht viel tun, schon gar nicht sich im Zickzack-Kurs herannahende Zerster angreifen. Die ersten 7 Minuten liefen wir AK, um dann unmittelbar in Schleichfahrtmodus berzugehen. Der "Alte" lie nochmals um 5? nach Backbord abdrehen. Wir lagen wieder wie das Kaninchen im Teich.
Nach einer Viertelstunde waren sie da. Der "Alte" stieg zu Zirfas in den Horchraum und schnallte die Kopfher ber, um sie kommen zu hen. Sie machten jetzt langsame Fahrt und pingten, was die Gerte hergaben.
Es ist ein ruhiges und in seiner unschuldigen Gleichmigkeit sehr gehssiges Gerusch.
Plitsch - plitschplitschplitschplitsch - - plitschplitschplitsch - - plitsch - - plitsch - - plitsch - - plitsch -- . So ungefhr. Zirfas sah mich bedeutungsvoll an. Die stoppen da oben, sollte es heissen. Ich wischte mir mit dem Handrcken einen Hauch Schweiss von der Stirn. Gut, wir hatten eine gewisse Distanz erreicht, aber 800m bei drei Verfolgern sind nicht gerade das, was man im Allgemeinen als sicheren Abstand bezeichnen wrde. Jetzt bloss nicht den Erbseneintopf verdauen. Mucksmusschenstille war´s im Boot.
Nur das dezente Surren vom Batterieantrieb war zu vernehmen.
Sehr weit weg wrden die Bierfsser nicht fallen. Das war vorauszusehen.
Mit einem Mal und ganz unvermittelt gingen die Zerster wieder auf hohe Fahrt. Wir atmeten auf. Anscheinend hatten sie Kriegsrat abgehalten und hatten sich auf die verkehrte Massnahme geeinigt. An unserer Pechstrhne fehlte der letzte Zentimeter. Als die Englnder anfingen, ihre Bierfsser zum zweiten Mal zu werfen, waren sie weiter ab. Sie hatten keine Spur gefunden.

Edgtho66
29-07-05, 10:15
15.07.42 09.45h

Als es nach circa zwei Stunden ruhiger zu werden schien, versuchten wir, wieder hochzukommen. Vorsichtigst schob der "Alte" das Spekuliereisen ber die Wasserlinie. Die Zerster waren noch da. Ausserdem kreisten Flugzeuge am Himmel.
Es dauerte nochmals zwei Stunden, ehe wir uns wieder an der Oberflche blicken lassen konnten. Wenigstens die neuen AkA - Batterien schienen zu halten, was man uns versprochen hatte. Gerade mal 10% ihrer Kapazitt hatte uns dieses Unternehmen gekostet.
Der Konvoi war verloren. Es machte keinen Sinn, ihm jetzt noch nachjagen zu wollen. Wir htten ihm noch gern ein paar Tonnen mehr aus dem gesprengten Verband geschlagen.

Die englischen und amerikanischen Zeitungen verffentlichten in diesen Tagen ganze Spalten voller sublimer nautischer Weisheiten ber die Rudeltaktik der deutschen U-Boote. Sie vermuteten dies und jenes und dokumentierten alles in allem, wie unangenehm ihnen die neuen Methoden geworden sind, deren Geheimnis vorlufig weder sie noch die Geleitzugfahrer zu ergrnden vermgen. Die vom OKW verffentlichten Versenkungsziffern illustrierten ihre diesbezglichen Sorgen sehr anschaulich.
Wir nahmen uns vor, die Sache beim nchsten Mal besser anzufangen und gingen mit neuem Optimismus weiter nach Sden.
Die Freiwachen fingen an, Skat zu spielen. Manchmal liess sich der "Alte" als vierter Mann kdern. Wenn er verlor, ging ein hoffnungsvolles Geraune durch´s Boot: "Der Alte hat Pech mit den Karten. Dann haben wir im Wasser Glck. Morgen kriegen wir was vor die Rohre."
Das Orakel hatte fters gelogen, aber es bsste nicht an Glaubwrdigkeit ein.

Edgtho66
30-07-05, 06:40
17.07.42 11.33h

Es war "Saure Gurkenzeit" hier. Als wie wenn wir aus dem Maul stinken wrden. Auer ein paar neutralen Ptten nicht die kleinste Feindberhrung. Der "Alte" entschied sich, etwas Abstand zum englischen Festland zu gewinnen, um einige externe Aale nachzuladen. Die See lag ruhig und beschaulich vor uns, sodass wir ohne grosse Probleme nachladen konnten.


19.07.42 06.58h

An diesem Nachmittag - wir schwammen, ohne etwas erlebt zu haben oder ein einziges Mal geschossen zu haben - stieg ich auf den Turm, um frische Luft zu schnappen. Ich hatte geschlafen und war ein bisschen vertorft im Kopf. Auf die Dauer ist Skatspielen auf seine Art anstrengender als die Sprengung von Geleitzgen. Ich hielt die Nase in den Wind und wlbte den Brustkasten und schaukelte voll Behagen rund um das Turmluk, um den Horizont zu betrachten.
Mit einem Schlag war ich dann munter. Ich versetzte einem der Beobachter, der wahrscheinlich intensiv ber einen Grand mit vieren nachdachte, einen milden Tritt zur Aufmunterung in den Achtersteven.
"Alarm - ! Fluuuten!!"
Backbord achtern rauschte ein Zerster mit Volldampf genau auf uns zu. Er sah schon verdchtig gross aus. Er musste vor mindestens fnf Minuten ber die Kimm gekommen sein. Er war von der "Enseigne-Gabolde"-Klasse. Knapp, ehe er uns ins Auge stossen konnte, hatten wir die ntige Tiefe. Der Gabolde raste ber uns hinweg.
Er behielt Fahrt. Das war merkwrdig. Er legte sich nicht auf die Lauer. Dann warteten wir auf das Pauken der Wasserbomben. Es blieb komischerweise auch aus. Vermutlich hatte er keine an Bord. Es war ein franzsischer Zerster, der wohl in England ein neues Zuhause gefunden hatte.
Bei denen schien heute etwas in Unordnung zu sein, im allgemeinen waren sie beachtlichere Gegner als die Briten. Wir gingen von uns aus nicht zum Gegenangriff ber. Dafr war der Braten nicht fett genug.

Sollte es das gewesen sein? 4 Tage ohne anstndigen Happen auf dem Meer rumzukreuzen? Der "Alte" legte einen neuen Kurs zu einem neuen PQ fest, der uns mehr oder minder auf halbem Heimwege vorgegeben war. Der rmelkanal!
Dem BdU kam diese Massnahme nicht ungelegen. Er besttigte die Absicht des "Alten" in einem kurzen FT. Hatte doch der Geheimdienst Meldungen zugespielt bekommen, nachdem die Alliierten im August einen Landungsversuch an der franzsischen Nordkste unternehmen wrden. Also ging man dazu ber, einige Boote nahe der franzsischen Nordkste zu positionieren. Unsere Anreise zum neuen PQ war alles andere als bequem. Immer dieselbe Leier. Tauchen, Auftauchen, Tauchen, Auftauchen. Irgendwas war hier faul.

Edgtho66
31-07-05, 06:28
03.08.42 09.13h

Hier nun erhoffte sich der "Alte" etwas mehr Erfolg, denn hier kamen dann doch fters Geleitzge aus dem Mittelmeer. Aber unser "Mundgeruch" schien anzuhalten. Aber auer ein paar Neutralen lie sich kein Aas sehen. Wir tauchten vor jedem. Wenn die Neutralen uns nicht unter Wasser drckten, taten es die englischen Flugzeuge, die von Sdwales aus in Schwrmen patrouillierten. Wir kamen uns - auftauchen, runter, auftauchen, runter - vor wie in einem Exerzierquadrat in der Ostsee.
Auffllig war auch - zumindest hatte es fr uns den Anschein - das die Flieger uns mit erstaunlicher Przision zu finden schienen. Selbst bei schwersten Wolkendecken sprten sie uns anscheinend ohne grere Probleme auf.
Wir warteten gespannt auf etwas, das endlich kommen musste. Aber es kam tagelang nichts. Erst spter erfuhren wir, das zum einen fast alle verfgbaren Zerster zur Geleitsicherung im Mittelmeerraum unterwegs waren und zum zweiten, das man versuchte, in englischen Hfen wenigstens unter den verbliebenen Ptten die "wertvollsten Schiffe" mit Radar auszustatten, so auch fr das geplante Unternehmen Jubilee.

Edgtho66
31-07-05, 09:57
10.08.42 21.15h

Aus dem verstreuten Mondlicht heraus kroch ein in grau gemalter, abgeblendeter Dampfer heraus. Am Bug sah einer der Brckenwache eine Kanone stehen. Die Persenning war etwas herunter gerutscht und das Rohr starrte leer und bsartig ber die See.
De war uns sicher. Wir hielten uns in vorsichtigem Abstand und fuhren neben ihm her. Es erschien dem Kapitn nicht besonders ratsam, in gleich zu versenken. Er wollte ihn etwas weiter drauen im Atlantik, sonst wrde es uns eventuell nachkommende Opfer scheu machen.
Die Wolkenlcher zogen sich zu und die Nacht wurde schwrzer. Es wetterleuchtete eine gute halbe Stunde und dann grollte auch ein leiser Donner. Der Wind wurde scharf. Ab und zu rauschten Regenben herunter.
Wir qulten uns stundenlang neben dem lichtlosen Schatten vorwrts. Unsere Position war ein paar Mal miserabel, aber der "Alte" blieb bei seinem Plan, erst mal nicht zu schiessen.
In der Geisterstunde flackerten St. Elmsfeuer aus der Finsternis. In knisterndem, magischem, grnlichem Blau sprangen ihre Flmmchen ber das Rohr unseres FLAK-MG´s, auf das Seerohr, auf den Turm. Wenn wir die Hand hochhielten, tanzten sie kribbelnd und khl ber die Fingerspitzen.
Die See wurde zusehends rauer, was sich aber bis zum Morgen glcklicherweise legen sollte.


11.08.42 10.31h

Wir tauchten und holten uns den grauen Herrn ins Fadenkreuz. Er wurde regelrecht erschossen.
Der Torpedo surrte davon. Zehn Sekunden spter flog das Schiff in Fetzen in die Luft. Es war eine haushohe, weirote Explosionsflamme da und schattenhaft davonspritzende Planken, Aufbauten, ein rotierender Schornstein, wegknickende Masten.

http://www.eu-clan.net/uploads/munpott.JPG
"Das klingt wie ein Tannenbaum!" stellte einer meiner Rudergnger fest.
"Fahren sie das zweite Seerohr aus!" rief mir der "Alte" zu. In einer Viertelminute hatte ich es oben. Aber da war auch schon nichts mehr zu sehen. Jetzt braute eine dicke, verhllende Wolke im Morgengrauen ber dem Wasser. Das Schiff war in seiner eigenen Munition hochgegangen.
Zwischen den Wrackstcken, die sich losgerissen hatten und vereinzelt herumtrieben, schwammen Menschen Einer winkte mit einem Kalziumlicht, das sich bei der Berhrung mit Wasser entzndet. Der hatte wohl von vornherein eine bse Ahnung gehabt und hatte vorgesorgt. Das kleine, magere Licht tanzte klagend und hilflos auf dem morgendunklen Wasser.
Wir glaubten, drei Mnner deutlich zu erkennen. Sollten wir die Kerle rausholen und an Bord nehmen? Es ging nicht, denn aus der Wolke heraus kam noch ein Dampfer. Ein kleiner Fischkutter, der spter damit begann, die englischen Matrosen aus dem Wasser zu fischen. Kein wirklich lohnenswertes Ziel. Wir blieben unter Wasser und liefen nach Osten ab. Die paar berlebenden da drauen wrden sich an den Wrackstcken oben halten. Sie taten uns leid, aber es war ihr persnliches Risiko, in dem sie jetzt badeten.
Krieg ist etwas grauenvolles.

Edgtho66
01-08-05, 10:01
18.08.42 17.27h

Es war, wie der "Alte" es befrchtet hatte. Die englischen Frachter mieden dieses Gebiet jetzt wie die Pest. Eine Woche ohne zhlbaren Erfolg dmpelten wir vor uns hin.
In diesem Moment verlieen ca. 240 Schiffe die verschiedensten englischen Kanalhfen. Gemeldet wurde dies von einem deutschen Konvoi, der zwar schnell aufgerieben wurde, aber vorher noch die entsprechenden FT´s abzusetzen vermochte.
http://www.eu-clan.net/uploads/konvoi1.JPG
Den letzten Meldungen des BdU zufolge waren noch 3 weiter Boote im selben Sektor zugange. Namentlich waren das U-765, Werner Wendt, U- 953, Karl-Heinz Marbach und U-84 von Horst Uphoff.
Eine unglaubliche Armada, die sich da auf die franzsische Nordwestkste zu bewegte. Jetzt wussten wir auch, warum die Ausbeute in den letzten Wochen so gering ausgefallen war. Die meisten Ptte waren fr diesen Tag in den sdenglischen Hfen vorbereitet worden.
Die Entfernung jedoch zu diesem Konvoi war fr unser Boot erheblich. Im Schnitt 2700m.
http://www.eu-clan.net/uploads/konvoi2.JPG

An ein Auftauchen, um mit den Dieseln eine halbwegs erfolgsversprechendere Position einzunehmen, war nicht zu denken. Am Himmel wimmelte es nur so von Squadrons, Libertys und Sunderlands, von der nicht ganz unwichtigen Anzahl von Begleitzersten mal zu schweigen.
Also mussten wir Wohl oder bel unser Heil in der Entfernung suchen, bevor wir in eine noch schlechtere Position kommen wrden. Wir konnten nur hoffen, das die anderen Boote nicht zu frh mit ihren Anlufen begannen, woraus nur resultieren wrde, das der Konvoi das "Zacken" anfangen wrde. Ich manvrierte das Boot nach Anweisung des "Alten" in Stellung.
http://www.eu-clan.net/uploads/konvoi4.JPG

Der "Alte" bermittelte dem II. WO alle Daten fr 2 ausgesprochene Schmuckstcke in diesem Konvoi. Zwei in dritter Linie fahrende C2 Cargo- Schiffe. Die ersten Reihen bildeten ausschliesslich Landungsboote.
Der "Alte" legte fest, das auf die zwei C2 zuerst jeweils ein T II G7e abgefeuert werden sollte, gefolgt von je einem T I G7a pro Ziel, so das alle vier Aale mglichst gleichzeitig einschlugen. Er hoffte, das damit der Angriff bis zum ersten Aufschlag mglichst unerkannt bleiben wrde.

Voyager532
01-08-05, 11:14
Ich finde Deine Arbeit groartig und es ist bewundernswert wie Du das durchhlst.
Deine Updates kommen fast tglich, aber die Resonanz ist leider noch zu wenig.

Ich finde Deine Geschichte ist es wert oben gehalten zu werden.

Danke dafr! http://forums.ubi.com/images/smilies/11.gif http://forums.ubi.com/images/smilies/11.gif http://forums.ubi.com/images/smilies/11.gif

Edgtho66
01-08-05, 16:29
@ Voyager532: Oohh, na dann sag ich mal "Danke schn". http://forums.ubi.com/images/smilies/11.gif Zuviel der Ehre! http://www.ubisoft.de/smileys/bath.gif http://forums.ubi.com/infopop/emoticons/icon_smile.gif
Eigentlich sollte der Bericht ja bald enden, aber mal schauen, vielleicht gibt´s ja noch ´ne 2´te FF mit Werner Techand als dem "Alten"! http://forums.ubi.com/infopop/emoticons/icon_wink.gif


@ Suedwester: Wie wr´s mal wieder mit einem kleinen Zwischenbericht aus dem Pariser Bro? http://forums.ubi.com/images/smilies/16x16_smiley-wink.gif


Ach ja, als Info an alle Historiker unter uns. Die von mir zu diesem Wolfrudelangriff in die Story implementierten Boote haben sich zu diesem Zeitpunkt (genaugenommen war berhaupt kein U-Boot an diesem Tag im Kanal) ganz woanders aufgehalten. Habe sie einfach nur mal Kraft eigener Arroganz so eingebaut!

Als Quelle fr "Unternehmen Jubilee" hab ich mich dieser Seite (http://de.wikipedia.org/wiki/Jubilee) bedient.

btw, ist hier unter uns vielleicht noch einer, der eine Parallelgeschichte konstruieren knnte? Das wr doch mal was. So knnte man sich die Blle gegenseitig zuschieben ... bis hin zu einem gemeinsamen Wolfsgeheul! http://www.ubisoft.de/smileys/read.gif http://www.ubisoft.de/smileys/5.gif http://www.ubisoft.de/smileys/3.gif http://www.ubisoft.de/smileys/tv_horror.gif

so long Kameraden! <--- (bezieht sich nur auf die hier anwesende Leserschaft!!!! Nicht das einige gleich wieder anfangen, falsches Gedankengut dahinter zu vermuten. http://forums.ubi.com/images/smilies/mockface.gif Heutzutage gleicht das ja einer Christenverfolgung, wenn man auch nur Ansatzweise was falsches sagt!)



Gru von unne
Edi

Edgtho66
02-08-05, 06:51
18.08.42 18.01h

Die Aale surrten ab. Wir zhlten. Wir zhlten. Und zhlten weiter. Lippe schielte aus der Zentrale misstrauisch in den Turm herauf. Jetzt haben wir dich um halb Europa gefahren, Alter, damit du ein paar feindliche Schiffe in den Grund bohrst, und jetzt schiet du prompt vorbei. Das etwa sollte der Blick wohl heien. berall in der Stille des Bootes lag dieses Mittelding aus Frage und Feststellung. Es war zum Verrcktwerden.
Wahrscheinlich hatte der "Alte" die falschen Zahlen nach unten weiter gegeben oder Geissler hat Mist gebaut. Nach meiner Schtzung waren die Aale vorbei gegangen und schon jetzt ber die Kurslinie des Dampfers hinaus. "Vater hat wohl vorbei geschossen, meine Herren", kam es aus dem Turm.
Es blieb still im Boot.
Ich klemmte mich hinter das zweite Seerohr. Die Dampfer schwammen ungestt. Wir hatten danebengehauen. Es musste irgendein Fehler passiert sein.
Ich pfiff den II. WO an. Nach meiner Meinung lag die Schuld an ihm. Seine Rechnung stimmte, behauptete er. Er gab mir die Tabelle.
"Wenn jetzt alles klar wre", pfiff ich weiter, "mssten die Aale doch jetzt ...".
Genau bei dem Wort "jetzt" rummste es. Wir sahen durch die Seerohre eine hohe, spitze Qualmwolke aus grauweier ber den Frachtern hochsteigen. Ein paar dunkle, wirbelnde Fetzen flogen in der Watte herum.

http://www.eu-clan.net/uploads/konvoi5.JPG

Der Plan des "Alten" ging voll auf. Alle vier Aale schlugen fast zeitgleich in den C2´s ein. Auch eine mathematische Meisterleistung unseres II. WO´s Geisslers. "Wenn es dafr nicht ein EK2 geben sollte, dann wei ich´s auch nicht." schoss mir als erstes durch den Kopf. Mit letzter Puste hatten die Aale ihre Bestimmungsorte erreicht.
Die Dampfer knickten auf seltsame Art in der Mitte zusammen. Durch den Druck der Detonationen waren die Mitteldecks wohl angelftet worden und brachen nun langsam ein.

http://www.eu-clan.net/uploads/konvoi6.JPG

http://www.eu-clan.net/uploads/konvoi7.JPG

Zwei Dinge sollten wir auf jeden Fall mit in Richtung neuen Heimathafen nehmen. Erstens, ein Angriff auf Distanz steigerte um ein Vielfaches die berlebenschance des eigenen Bootes, denn die Zerster suchten erfahrungsgem erst mal im Umkreis von 500m bis 600m der zerstten Frachter. Zeit genug, sich vom Ort des Geschehens abzusetzen. Und als zweites wre es doch nicht schlecht, auch im getauchten Zustand kurzfristig auf Dieselbetrieb fahren zu knnen. Nur ........ Wie?

Boby.GeR
02-08-05, 07:22
mit einem schnorchel natrlich! http://forums.ubi.com/infopop/emoticons/icon_biggrin.gif

Grauer_Wolf2005
02-08-05, 11:54
Mein Respect Herr Kaleun,

wirklich ERSTE SAHNE.

Auch dir mchte ich das Angebot machen, und Fragen, ob ich deine Geschichte im Word Format hosten darf, so fern, mein Hoster nicht wieder ein Strich durch die Rechnung macht???

Gru
Der graue Wolf

Edgtho66
02-08-05, 13:38
Originally posted by Grauer_Wolf2005:
Mein Respect Herr Kaleun,

wirklich ERSTE SAHNE.

Auch dir mchte ich das Angebot machen, und Fragen, ob ich deine Geschichte im Word Format hosten darf, so fern, mein Hoster nicht wieder ein Strich durch die Rechnung macht???

Gru
Der graue Wolf

Gern! Mach ruhig. http://forums.ubi.com/infopop/emoticons/icon_smile.gif Nett, das du nachfragst. Gibt´s heut´ kaum noch! http://www.ubisoft.de/smileys/3.gif
Freut mich, das es dir/euch gefllt!

Gru
Edi

Grauer_Wolf2005
02-08-05, 14:34
Feindfahrt der U-135 (http://www.webhosting4free.biz/grauer_wolf/FeindfahrtderU-135.doc)

Gru
Der graue Wolf

Edgtho66
02-08-05, 15:11
19.08.42 06.51h

Insgesamt hatten unsere vier Boote gemeinsam Laderaum im "Wert" von rund 75.000 BRT versenkt. Nicht eingerechnet die englischen Verluste durch das Feuer der Kstenbatterien und der deutschen Jagdflieger. Ein Erfolg auf ganzer Linie, der aber auch teuer bezahlt wurde. Unter anderem kehrte eines unserer Boote von dieser FF nicht mehr nach Hause zurck.
Kurzfristig hatte der "Alte" die Idee, nochmals einen Angriff zu wagen. Aber die Idee blieb eine solchige, denn auftauchen, um eine Verfolgung aufzunehmen, konnten wir angesichts der zahlreichen Flieger nicht. Und getaucht waren wir einfach zu langsam. Auerdem wrde es zuviel Energie aus den Batterien saugen, so das wir bei eventuellen Verfolgungsjagden nicht gengend Saft mehr zur Verfgung stehen wrde. Das wir Teil eines groen Ereignisses geworden waren, wurde uns erst spter richtig bewusst.

Am 19. August 1942 fand der Dieppe Raid oder das Unternehmen Jubilee statt: Alliierte Truppen, insbesondere aus Kanada, versuchten in einer Strke von etwa 6.000 Mann am Strand von Dieppe zu landen. Dieppe war zu diesem Zeitpunkt von deutschen Truppen besetzt. 907 Kanadier und mehrere Hundert Soldaten anderer Nationen (Briten, Amerikaner und Deutsche) fielen; 119 alliierte Flugzeuge gingen verloren (davon mit 106 Stck der hchste Tagesverlust in der Geschichte der RAF), ungefhr 2.000 Mann kamen in deutsche Gefangenschaft. Von den 4.963 Kanadiern kehrten 2.210 nach dem Einsatz zurck, viele davon verwundet.

JensBoeckmann
03-08-05, 06:18
Seht gut he nur nicht auf wie der Wassermann

Edgtho66
03-08-05, 09:09
23.08.42 09.45h

Den Heimweg anzutreten, war notwendig geworden. Obwohl noch einige Aale an Bord, ging uns zum einen der Treibstoff langsam aus, denn die vielen Sturmtage hatten uns viel Sprit gekostet. Zum anderen machten die Zeitweisen Aussetzer der Gerte uns zu schaffen. Und die Verpflegung hatte die vielen feuchten Sturmtage auch nicht verziehen. Wenn man kaum zum durchlften kommt, dann gammelt das Zeug schon mal etwas schneller weg.
Am Horizont sahen wir sie liegen, unsere neue vorlufige Heimat St. Nazaire! Geradezu majesttisch lagen die Dcher der Stadt im Morgendunst, aus dem souvern der Kirchturm herausragte. Ruhig und beschaulich lag sie da. Nur der Sperrbrecher, der uns vor einer Stunde in Empfang genommen hatte, vernebelte uns zeitweise etwas die Sicht.
Unter dem Empfangskomitee, das uns an der Mole erwartete, war neben dem Chef der 7. U-Flottille, KK Herbert Sohler, auch berraschender Besuch aus Paris. Korvettenkapitn Gnter Hessler, Verbindungsoffizier BdU Operationsabteilung (BdU op) in der Avenue Marechal Maunoury, stand da und schien sichtlich erleichtert.
uerst fhiger Mann, der sich sehr engagiert fr die Belange der Mnner der U-Boot-Waffe einsetzte. Und der BdU hte ihm immer sehr genau zu, galt er doch neben einigen anderen als Koryphe auf diesem Sektor. Es folgten eine kurze Berichterstattung und Erfahrungsaustausch.

Danach war erst mal war Kperpflege angesagt. Diese beinhaltete auch eine Untersuchung durch den zustndigen Marinearzt auf dem Sttzpunkt. Da der gerade Fronturlaub hatte, bernahm eine franzsische Kollegin seinen Part. Die junge, hbsche Frau, dich mich gerade musterte, war mir schon beim Einlaufen in den Hafen aufgefallen. Etwas abseits stand sie da am Kai mit groen, erwartungsvollen Augen. Sie und ihr enttuschter Blick, als sie unser Boot erkannte. Uns hatte sie wohl nicht erwartet. Der Maat im Vorzimmer nuschelte mir spter auf Anfrage, wer sie denn sei, ihren Namen zu: "Sandrine Maillefert. rztin aus Brest!"
Aus Mangel an eigenen rzten ging die Marinefhrung zeitweise dazu ber, sich der lokalen skulap-Vertreter zu bedienen. Selbstverstndlich nicht ohne sie vorher durchleuchtet zu haben.
"Hat wohl eine Romanze mit den Kapitn von U-92", raunte er mir noch zu. Meine Stirn legte sich in Falten. Ach du heilige Sch....., wenn das Praetorius erfhrt.

Edgtho66
04-08-05, 03:16
24.08.42 10.00h


Einen Tag spter dann ein Gesprch unter 8 Augen in den Strassen von St. Nazaire. Sohler, Hessler, Praetorius und ich.

http://www.eu-clan.net/uploads/Gespraech.JPG

Denn selbst in seinem Bro war man nicht sicher von unerwnschten Gasthern.
Wir sprachen unter anderem auf die in der letzten FF gemachten Erfahrungen bezglich Angriff auf Distanz und Einsatz von Dieseln unter Wasser. Wirklich berrascht waren wir nicht, als sie uns offenbarten, das man daran bereits arbeite und es schon beachtliche Erfolge zu verzeichnen gab. Htte mich auch gewundert, wenn unser Boot das erste gewesen wre, das solche Erfahrungen macht. Zum Schluss gab es auf die unvermeidliche Frage von Praetorius, die ihm schon auf der Zunge brannte, seit wir in St. Nazaire festgemacht hatten, ob es etwas neues von U-92 gebe, nur ein kollektives Kopfschtteln. Ich konnte seine Enttuschung fmlich spren!
Am Schluss bergab man mir meine Papiere, denen zufolge ich mich in Lorient bei FregKpt. Scheer zu melden hatte.
Das hatte ich mir freilich auch anders vorgestellt. Meine Familie hatte ich seit Monaten nicht mehr gesehen.

Unser Boot, U-135, wurde vom II.WO Geissler bernommen. Der Glckliche. Wenn ich in Lorient mein Boot bernehmen sollte, dann hoffe ich, auch eine so zuverlssige Mannschaft zu haben, wie es diese auf U-135 ist. Seinen Berechnungen war unser letzter Erfolg zuzuschreiben. Das er U-135 bernehmen durfte, war bestimmt auch diesem Ereignis zu verdanken. Was der "Alte" da wieder gedreht hatte. Ich musste unwillkrlich in mich hineingrinsen. Was den "Alten anging, Praetorius wurde Ausbildungsoffz. in St. Nazaire. Was Sandrine betraf, so hielt ich die Klappe. Ich wusste nicht warum, aber irgendwas sagte mir, das schon noch alles irgendwie in Ordnung kommen wrde.
Ich begab mich auf Reise nach Lorient. In der Tageszeitung berichteten sie von der begonnenen Schlacht um Stalingrad.
Mein Gott, wo soll das alles noch enden?!

Shadow31513
05-08-05, 06:29
Alle Achtung und nen riesesn Kompliment!!!!!

Ich glaube, dass wenn Du daraus nen Buch machen wrdest wrde ich es mir glatt kaufen!!!

http://forums.ubi.com/images/smilies/11.gif

JensBoeckmann
05-08-05, 07:45
Super diese Zusammenhnge mit dem Wassermann

Edgtho66
05-08-05, 08:10
Danke schn! http://forums.ubi.com/images/smilies/11.gif Freut mich, wenn´s euch gefllt.
Update kommt heut noch, allerdings etwas spter. Muss heut noch etwas lnger arbeiten!


bis denne

Gru
Edi

Edgtho66
05-08-05, 11:38
Stellungnahme des Befehlshabers der Unterseeboote zum Kriegstagebuch "U-509" vom 01.09.42 - 19.09.42

Erste Untersuchungen des Kommandanten KptLt. W. Techand mit neuem Boot Ixc. Trotz des erfreulichen Erfolges, der unter einfachen Abwehrverhltnissen in sdafrikanischen Gewssern erzielt wurde, sind noch eine grere Anzahl von Erfolgsmglichkeiten nicht voll ausgeschpft worden.
Die Einzelheiten der Unternehmung wurden eingehend vom Befehlshaber besprochen, so das eine besondere schriftliche Stellungnahme entfallen kann.
Die Frische des noch jungen Kommandanten nach der Unternehmung war besonders mit Rcksicht darauf erfreulich, das er als frisch gebackener Kapitnleutnant einer der dienstltesten zum Fronteinsatz gelangende U-Boots-Kommandant der Kriegsmarine ist.
Deswegen wird KptLt. Werner Techand bis auf weiteres als Kommandant auf U-509 seine vaterlndische Pflicht erfllen.

Fr den Befehlshaber der Unterseeboote
- Der Chef der Operationsabteilung -


KK Gnter Hessler

Edgtho66
05-08-05, 11:42
Feindfahrt U-509 (Typ IXc)


21.09.42

In Lorient lag "mein" Boot schon im Bunker. Kondensmilchbchsen, Wrste, Zigarettenpakete und Konserven stapelten sich auf dem Pflaster. l- und Torpedoprhme whlten sich durch das schmutzige Wasser.

http://www.eu-clan.net/uploads/lorient2.JPG

Motoren heulten auf und vergurgelten. berladene Lastzge rangierten mit Getse von Land herber. Nachts tauchten die schiefen Gestngekegel der Krne schwerfllig kreisend aus dem Zwielicht in die berhellen Scheinwerfer auf den Booten. Dumpf schlugen Kisten auf und leere Ketten klirrten befreit in die Finsternis zurck. Es roch nach Benzin, Eisen, Schwei und Brackwasser.
Dazwischen jagten sich Besprechungen. Leuchtfeuerverzeichnisse wurden ausgewechselt. Die Kstenwache war mobilisiert. Vorpostenboote patrouillierten vor den Buchten. Die neuen Codes wurden ausgegeben. Mit einem Schlag war wieder alles verndert.
Es gab kaum noch Schlaf. Spannung, Zigaretten und Kaffee hielten uns wach. Man nahm sich kaum Zeit, die neuesten Meldungen zu hen.
Niemand hatte Zeit, in die Stadt zu gehen. Das Boot musste in der befohlenen Zeit kriegsfertig sein. Das war wichtig. Es durfte kein Fehler unterlaufen, nichts vergessen werden, keine Kontrolle versagen, kein Durcheinander entstehen. Hier war ich zum ersten Mal dankbar, das wenigstens mein L.I. und meine 2 Oberbootsmnner wussten, auf was wie wo und wann zu achten war. Nur die 3 hatten schon U-Boot Fronterfahrung. Gute Mnner wurden rar. Zu viele hatten wir in letzter Zeit verloren.

Edgtho66
06-08-05, 08:58
22.09.42 12.00h


Hier stand ich nun. Auf der Brcke von U-509. Ein Typ IXc Boot. Nach Wochen der Unterweisung in Aufgaben und Pflichten eines Kommandanten, die einher ging mit der Einweisung in die neue U-Boot Generation.

Die Klasse von Booten, mit denen man den alliierten Schiffen Einhalt gebieten wollte. Die ultimative Wunderwaffe im Kampf gegen die in letzter Zeit immer strker bewachteren Geleitzge, die England erreichten. So zumindest die Erwartungen aus Berlin. Das aber gerade mal alles in allem knapp 250 Boote fronttauglich waren und diese sich auch noch auf alle Weltmeere verteilten, hatte man wohl in Berlin bersehen.
Die ersten Testfahrten Anfang des Monats bis nah an die Kanarischen Inseln waren durchaus vielversprechend verlaufen. Selbst meine neue Crew, die sich zum grten Teil aus Mnnern zusammensetzte die noch keine FF hinter sich hatten, meisterte die ihr gestellten Aufgaben mit grtem Pflichtbewusstsein und Engagement. Kamen sie doch fast alle frisch von der Schule.

Zum KL hatte man mich auch befdert, nicht zuletzt auch wegen des Erfolges bei Unternehmen Jubilee. Ekelhaft, wie die Propaganda das Ausschlachtete. Sie feierte dies als den Sieg ber die lange vermutete, bevorstehende Invasion. Als wie wenn 6000 Mann eine Invasion einleiten knnten.

Viele Neuerungen hatte man in dieses Boot implantiert. So auch ein neues Enigma Walzenmodell M4. Das warf die englischen Codeknacker in Blechtley Park wieder an den Anfang zurck. Dnitz hatte geahnt, das das 3 Walzen Modell nicht so dicht war, wie er es gerne gehabt htte. Und aus Grnden der Rudelfhrung wollte man nicht auf den Funkverkehr verzichten.
Wie nah er mit seiner Vermutung an der Wahrheit lag, sah man allein schon unter Bercksichtigung der bernahme von U-110 und U-570 durch die Englnder.
Des weiteren waren in letzter Zeit erhhte Verluste deutscher Boote durch Flieger zu verzeichnen. In einer ausfhrlichen Sitzung mit dem Chef des Marine-Nachrichtendienstes wurden neue Plne ausgearbeitet. Die in Paris ansssigen Firmen Metox-Grandin und Sadir lieferten in greren Mengen UKW-berlagerungsgerte, und als Behelfslsung wurde eine ber ein einfaches Holzkreuz gespannte Antenne verwendet. Dieses Biskaya-Kreuz, wie wir es nannten, wurde jedes Mal beim Tauchen mit ins Boot genommen.
Und als besonderes Schmankerl hatte man uns eine Tuschkperanlage eingebaut. Mit diesen BOLDs konnte man den feindlichen Zerstern bzw. deren Ortungssystemen fr ca. 5min ein Druckluft verlierendes U-Boot vorgaukeln.
Selbst die letzten Neuentwicklungen, was Aale angeht, sollten wir bekommen. Akustikgelenkte Torpedos, mit dem Spitznamen Falke. Flchensuchende FAT´s und lagenunabhngige LUT. Doch der Nachschub stockte. Die Resistance hatte irgendwo zwischen Paris und Lorient die Bahngleise gesprengt, so das der Zugverkehr fr einige Tage erst mal zum Erliegen kam. Die Aale sollten ihren Bestimmungsort nicht mehr rechtzeitig erreichen und warten konnten wir nicht. Die von Dnitz geforderte lckenlose berwachung war ohnehin eine Farce. Viel zu wenig Boote hatte man uns dafr gegeben. Die Zeit drngte, woraufhin wir mit den alten, aber bewhrten T II und T III auf Jagd gehen mussten.
Trotzdem ..... welch ein Luxus. Wir waren mit den neuesten Geschenken deutsch/franzsischer Entwicklerkchen unterwegs. Irgendwie!
Nur die neue Schnorcheltechnik war noch nicht so ausgereift, als wie das man sie in Serie htte gehen lassen knnen.
Morgen sollten wir auslaufen.

Edgtho66
07-08-05, 04:44
Sorry Jungs und Mdels!

Heute kein update. Its a long way for me to Frankfurt! Eintracht and the Call of Duty! http://www.ubisoft.de/smileys/horsie.gif

Morgen abend abba widda! http://forums.ubi.com/infopop/emoticons/icon_biggrin.gif


Gru
Edi

Wyckoff
07-08-05, 07:20
Herzlichen Glckwunsch zur Befderung und natrlich auch zum neuen Boot. http://www.ubisoft.de/smileys/1.gif
Ich mute meine "glorreiche" Karriere leider unterbrechen und wurde zur Agru-Front versetzt, um endlich richtig Torpedoschiessen zu lernen http://forums.ubi.com/infopop/emoticons/icon_biggrin.gif .
Daher erwarte ich weitere Berichte mit grter Spannung.
Und was Frankfurt angeht: Gute Jagd und fette Beute!

Edgtho66
08-08-05, 02:29
Danke danke fr die Blumen. Lassen wir die unntigste 1:4 Versenkung, die ich je erleben durfte, mal schnell hinter uns und wenden uns wieder dem Wesentlichen zu.

--------------------------------------------

23.09.42 20.50h

Wir verlieen Lorient nur mit langsamer Fahrt.

http://www.eu-clan.net/uploads/lorient.JPG

Durch dieses Hafenlabyrinth war an eine hhere Geschwindigkeit ohnehin nicht zu denken. Ich nahm das Befehlsmikrophon an den Mund, an das alle Bordlautsprecher angeschlossen sind.
"Frage Verstndigung!"
"Verstndigung klar."
"Alles herhen! Es ist folgender Befehl an uns eingelaufen:

BdU an U-506

------------------
- Erreichen Sie PQ DN 37 und patrouillieren sie dort fr mind. 24 Stunden.
- Meiden Sie Angriffe auf brasilianische Schiffe.
- Achtung, mit vermehrter Grundminenlegung in seichten Gewssern ist zu rechnen.
An Tauchverbot innerhalb der Kstengewsser wird erinnert.
------------------

Auf der Brcke standen meine Offiziere. Oberleutnant Totenhagen, der 1.WO, ein sachlicher, gelassener Nrnberger, sah kurz auf und zuckte mit den Schultern. "Na also", sagte er trocken.
Dann ging er nach unten und beugte sich ber seine Karten. Er studierte die Grenze der Hoheitsgewsser. Wirklich berraschend war der Auftrag nicht. Fr die Einsatzgebiete rund um England wren Boote dieser Art wirklich etwas zu gro.
Udo Hartenstein, der lange blonde Leutnant (mein 2.WO) mit seinen kessen blauen Augen und einem in guter Ordnung befindlichen Mundwerk, lftete zufrieden die Mtze: "Jetzt rentieren sich endlich mal die vielen Steuern." Sein Bruder, erzhlte er, war Leutnant bei der Panzertruppe; der war vor 14 Tagen schon mit Ziel Ostfront in Marsch gesetzt worden. Es gab wohl mehr Widerstand als erwartet in Stalingrad.

Wir erreichten den offenen Atlantik. Das Wasser rundum war leer. Es splte in graugrnen ruhigen Wellen auf die franzsische Bucht zu. Hoher Himmel war darber und die Sonne stand leicht verschleiert hinter einer Steppdecke warmer Wattewolken. Eine neue Art Bewusstsein klappte in einem auf. Irgendwo da drauen wrden wahrscheinlich wieder neue Minengrtel gelegt. Jede Mastspitze, die ber die Kimm kam, jede Rauchwolke, jeder weie Schaumstrich hinter einem Seerohr konnte den Feind ankndigen.
Ich stieg in die Zentrale zu meinen Mnnern.
"Was sagt ihr nun?"
"Wollen mal sehen, Herr Kap´tn", antwortete Hartenstein fr die anderen, "dat wird schon klar gehen. Wir werden denen beipoolen. Die sollen uns mal vor die Rohre kommen.
Es war keine Hurrastimmung mit Blumenkorso und Wacht am Rhein. Die Mnner waren ruhig, zuversichtlich und sehr selbstbewusst.
Ich blicke meinen 1.WO an. Zeit fr den ersten Probealarmtauchgang. Bei den ersten Erprobungsfahrten von Mannschaft, Boot und mir hatten wir noch Zeiten um 45 Sekunden gebraucht, das musste besser werden.

Edgtho66
09-08-05, 11:54
23.09.42 18.09h


Gegen Abend saen die Freiwachen, die Kpfe aufgesttzt und lautlos mit den Lippen und Zeigefingern mitlesend, ber den Bchern unserer kleinen Bordbibliothek. Sie bestand aus den U-Boot-Bchern vom Weltkrieg.
In diesen Bchern war die Stimmung der Feindfahrten, und vielleicht konnte man sich fr diese oder jene Situation diesen oder jenen Schlich bei den alten Herren abgucken: ein Schlagwort fr mulmige Stunden, etwas ber die Technik, sich einen Bart wachsen zu lassen, einen kleinen Tip ber die beste Tarnbemalung des Bootes oder so.
Der Kommandant kann es mit den kleinen Dingen halten wie er will. Er ist selbststndig. Der BdU machte da keine Vorschriften. Auf dem Boot - das liegt in der Art der Waffe - hat sich die Persnlichkeit durchzusetzen. "Wat shall wi moken?" fragten die Mnner. Der Kommandant musste es wissen.

Die Brckenwache plumpste polternd im Turm herunter: "Fluten, fluten! - Flieger! Fluuuuten!!"

http://www.eu-clan.net/uploads/sunderland.jpg

Ein Tommy kippte aus den Wolken. Das Boot hatte kaum die Wasserlinie durchschnitten, da rummste die Bombe. Sie machte einen satanischen Krawall. Es war ein brllender, dumpfer, trockener Ton. So, als ob uns Neptun mit einem Riesenhammer in voller Fahrt auf das Turmluk schlge. Das Glas in den Gerten klirrte leise und die Uhren tanzten erschrocken. Mittlerweile hatten wir an Tiefe gewonnen. 37 Sekunden! "Ach guck an", dachte ich so bei mir, "geht doch".
Die zweite Bombe fiel weiter weg.
Das wir so die Feuertaufe erhielten, ohne einen erreichbaren Gegner zu haben war Pech, aber die junge Besatzung bekam so schon mal einen dezenten Vorgeschmack auf die Dinge, die da noch vor uns lagen.


23.09.42 22.00h

Seit 10 Minuten fuhren wir wieder aufgetaucht. Die Wolken hatten sich im Verlaufe des Abends dunkel und klumpig am Himmel zusammen geschoben. So wie die Wetterverhltnisse jetzt lagen, sollten wir wohl fr die nchsten Stunden etwas Ruhe haben vor diesen englischen Schmeifliegen. Bei dem Sturm wrde freiwillig keiner auf den Atlantik raus fliegen. Mein L.I. hatte das Kommando bernommen, damit ich auch mal eine Mtze voll Schlaf kriegen konnte. Fit sein, um im entscheidenden Moment keine Schwchephase erleiden zu mssen, die vielleicht meine Mnner, das Boot und mich das wertvollste kosten knnte, was wir haben .... unser Leben.
Aber irgendwie klappte es nicht. Also knipste ich die alte Funzel neben mir an und studierte die Begleitpapiere der Mnner meines Bootes. Bei meinem Oberbootsmaat, Karl Breitner, mit EK I und U-Bootabzeichen, der ersten Wachmannschaft stutze ich kurz. Ich stutze noch mal. Das wre ja ein Zufall. Ich las die Personalakte erneut. Nee, das kann nicht sein. So langsam glaube ich nicht mehr an Schicksal. Mein Blick schweifte in die Ferne. Ich wrde mal mit ihm reden mssen.

CptMike1963
10-08-05, 12:18
Moin,
das ist eine wirklich spannende Geschichte die Du da schreibst! Ist packender als alles von Tom Clancy!!
Bitte weiter so!
Ich bleibe am Sehrohr und verfolge weiter

Edgtho66
10-08-05, 14:29
Vielen Dank fr die Blumen! http://forums.ubi.com/images/smilies/11.gif
Gleich geht´s weiter. http://forums.ubi.com/infopop/emoticons/icon_smile.gif

Edgtho66
10-08-05, 14:31
24.09.42 08.13

So schnell, wie der "Sturm" gekommen war, war er auch wieder weg. Ruhig und klar lag die See wieder vor uns. Und wie auf Kommando ging das Theater von vorne los. Unser FuMo29 meldete Kontakt.

Eine Short-Sunderland schickte sich an, unsere nervliche Belastbarkeit und Reaktionsfhigkeit zu testen. Sie kam aus der Wolkendecke heraus im Sturzflug auf uns zu. Noch ehe wir im Ansatz zum Tauchen kamen, flog sie ber uns hinweg und erffneten das Feuer mit ihren Bordkanonen.
Aber irgendwas fehlte.
"Der schmeit ja gar nichts!" bemerkte Ebe Fischer, ein Gefreiter der Wachmannschaft, trocken. Mein I.WO bemerkte dies ebenfalls und lie, mit meinem Einverstndnis, die FLAK´s klarmachen. Dem L.I. gab ich zu verstehen, das er das Boot im vorgefluteten Zustand weiter auf Kurs halten sollte.
Wir erhhten unsere Geschwindigkeit und erffneten ebenfalls das Feuer. Im zweiten Anflug flog die erste Maschine genau in das Feuer unserer neuen 37mm Zwillingsflak.

http://www.eu-clan.net/uploads/fliegerangriff2.JPG

Die Mannschaft johlte. Und genau so schnell verstummte sie auch wieder. Denn hinter der ersten kamen sechs weitere.

http://www.eu-clan.net/uploads/fliegerangriff1.JPG

Viele Jger sind bekanntlich des Hasen Tot und deshalb befahl ich sofort "Nottauchen!". Und wer gedacht hatte, das jetzt das groe Bombardement losgehen wrde, der sah sich getuscht. Komischerweise hatte wohl keiner der RAF-Herren die ntigen Abwurfinstrumente dabei, um uns vom Tauchen abzubringen.
Bei 70m, die wir auf Grund unserer hohen Geschwindigkeit schnell erreich hatten, lie ich durchpendeln, ohne die Geschwindigkeit herabzusetzen. Fr mich war es nur eine Frage der Zeit, bis hier die Verstrkung in Form von Zerstern auf dem Wasserwege eintrudeln wrde. Und da wollte ich schon weg sein.
Auerdem galt es, den Verwundeten zu versorgen. Und das ging am besten im getauchten Zustand. Ebe Fischer war durch einen Querschlger einer Kugel der Sunderlands an der rechten Schulter verletzt worden. Klaus Sauer, der Sani, war bereits bei ihm und tat, was er konnte.
Ich ging in den Bugraum, um mir ein Bild von der Lage zu machen.
"Kein Problem, Herr Kaleun" grinste er mir zu, "den krieg ich wieder hin. Ist ein sauberes Loch geworden. Die Kugel hat nichts wichtiges getroffen. Nur ein bisschen Fleisch fehlt".

Er behielt Recht. Nach 2 Wochen war der Bengel fast wieder der Alte. Bis auf weiteres sollte er aber dem Smutje helfen. Zumindest solange, bis er seinen Arm wieder bewegen konnte, ohne das seine Gesichtszge gleich wieder entgleisten. Den so war er auf der Brcke bei Sturm mit Feldstecher im Anschlag noch nicht zu gebrauchen.
Den Hammer an Frechheit in meinen Augen leistete sich jedoch der BdU. 2 Stunden nach Absetzen des FT´s ber den Angriff und Abschuss einer Sunderland sowie der Verwundung eines Kameraden kam lediglich die lapidare Rckmeldung: "Seien sie aggressiver".
Diese Sesselpuper, diese ..... ( Und was man bei so feierlichen Gelegenheiten halt denkt ). Ich war sauer. Richtig sauer. Ich fluchte, das selbst die Mannschaft im Dieselraum mich hte.
Was auch immer meine Mannschaft von mir zu diesem Zeitpunkt gedacht hat, sie hat es sich nie anmerken lassen. Ich sprte nur, das sie wussten, das ich mich wirklich um jeden auf diesem Boot kmmern wrde, unabhngig von Rang und Namen. Sie hatten mich ob dieser im Grunde eigentlich geringen Aktion endgltig als "Ihren Alten" akzeptiert.

Edgtho66
11-08-05, 14:06
29.09.42 11.21h

Wir passierten die Azoren rund 30km in NW ´licher Richtung. Selbst der Atlantik lag in dieser Zeit wie ausgestorben vor uns. Seit Tagen keine Kontakte. Selbst von den anderen Booten war seit Tagen nichts gemeldet worden. Nicht mal Standortmeldungen wurden abgegeben. Sollten wir mit unseren Gerten hier an Bord etwa auch dasselbe Problem haben wie ich seinerzeit an U-135?

In den ersten Tagen der Ausfahrt sind die Boote berfllt. Wrste, Schinken und frische Speckseiten hngen ber den Torpedorohren. In freien Ecken stehen Konserven und Gerte herum. Die Mannschaften rumen ihre Spinde ein - Spinde, kaum breiter als Zigarettenkisten, nicht viel tiefer und auch nicht sehr hoch - und reien mit pfiffigen Gesichtern ihre raffiniert gefalteten und gestapelten Kunstwerke wieder auseinander, weil ihnen eine noch patentere Verstauung eingefallen ist. Und das Bild der Braut darf auch nicht gequetscht werden.
In den Gngen stehen Kartoffelscke, Kisten mit Butter und Kse und Kanister voller l. Unser dunkel gelockter Smutje, ein Schlachter von Beruf, turnte gelenkig ber und unter seinen Schtzen entlang und teilte sie im Geiste in wochenlange Speisezettel auf.
Im Hauptmannschaftsraum - im Bug - ist der schmale Streifen Fuboden mit Torpedos parkettiert. Es werden zwar Persenninge und Bretter darber gelegt, damit man sich bewegen kann, aber unter der Leinewand sehen die feuerwehrroten Kpfe der Aale hervor, und das Dasein ist, bis man sich drauf eingerichtet hat, wenig komfortabel.
In der runden Enge des Turmes hngen die dicken grauen Blechrhren mit Torpedogerten. Lschgerte, Tauchretter, Sicherungen, Schwimmwesten und Kalipatronen fllen jeden halben Quadratmeter, der den Verdacht erwecken knnte, freier Raum zu sein. Dicht unter dem Luk liegt griffbereit - zur Versenkung bei Gefahr - der metallbeschwerte Sack mit den Geheimpapieren.
Das U-Boot-Fahren enthllt in den ersten Tagen schon seine weltanschauliche Seite.
Der Mensch braucht Bewegungsfreiheit. Er braucht ein paar Meter Platz, die fr ihn nicht lebensnotwendig sind und die er vielleicht gar nicht in Anspruch nimmt. Aber er muss das Bewusstsein haben, dass sie ihm zur Verfgung stehen. Er braucht, auch wenn er sparsam und bescheiden ist, an irgendeiner Stelle einen kleinen und unntigen berfluss. Er muss, auch wenn er ihn nicht benutzt, einen Auslauf fr seine Gefhle und Gedanken in der Nhe wissen. Er schliet die Schotten - der konkreten und bertragenen Art - nur, wenn er wei, dass sie wieder zu ffnen sind. Das erst gibt ihm die Gewissheit, frei und er selbst zu sein.
Im Unterseeboot sind dies paar Meter Platz - im rumlichen und bertragenen Sinn - nicht vorhanden. Wer an Bord kommt, muss sich beschrnken und verzichten.
Auf langen Fahrten, so wie diese eine werden sollte, werden diese Fragen psychologisch entscheidend. Du bist auf deine Mnner, und deine Mnner sind auf dich angewiesen. Da kann sich keiner drcken und tarnen. Wenn ein Versager dabei ist, besteht eine Mglichkeit, ihn auszuschalten. Das Boot trgt 56 Mann und die disziplinierte Gemeinschaft der 56 Mnner trgt das Boot. Der kperliche, geistige und seelische Raum ist bis auf den letzten Zentimeter ausgenutzt. Es mssen ganze Kerle an Bord sein, die ihn beherrschen, die das vertragen, die eine sichere Haltung gaben und in der Enge ihre Gewecktheit und Aktivitt nicht verlieren. Da gibt es keine Lippenkameradschaft mehr. Da zeigt sich der Mann.

crusher_VIIb
12-08-05, 03:04
moin sailors....

maximum respekt vor diesem bericht.. http://forums.ubi.com/images/smilies/11.gif http://forums.ubi.com/images/smilies/11.gif http://forums.ubi.com/images/smilies/11.gif
vielen dank fr diesen bericht, auf dem hoffentlich noch einiges folgt....

gute jagd und fette beute....

Edgtho66
12-08-05, 14:48
16.10.42 07.38h

Vor fnf Minuten haben wir unser durch den BdU zugewiesenes PQ erreicht. Mein 1.WO machte sich gleich wieder ber die Karten her und steckte ein fr uns passables Patrouillengebiet ab. Es viel etwas grer aus als am Anfang zu vermuten war. Noch vor Antritt der Reise hatte sich mein L.I. fr den Einbau und die Verwendung eines Kapselgeblses der Germania-Werft ausgesprochen. Es sei zwar nicht so krftig wie das Buchigeblse von MAN, aber es spare Sprit bei im Vergleich zu vernachlssigender Leistungsdifferenz. Dem war wohl auch so. Trotz des langen Anfahrtsweges besaen wir noch knapp 70% unseres Brennstoffvorrates. Dies ermglichte uns einen erweiterten Aktionsradius in unserem Sektor.
Um 07.40h enterte ich die Brcke, wo Karl Breitner Wache hatte. Es war ein heller Vormittag; Sicht 10. Die Ausgucks wussten, wonach sie Ausschau zu halten hatten; nach dnnen Rauchsulen, die fr gewhnlich das erste waren, was man von einem Dampfer sah; nach Masten, die sich an klaren Tagen in 10-12 km Entfernung abzeichneten; und nach Punkten und Flecken am Himmel, die sich schneller als gedacht in Flugzeuge verwandeln konnten. Sie wussten, dass man in der Nacht ein wenig ber den Horizont halten musste, wollte man den Schatten eines verdunkelten Schiffes ausmachen. Sie wussten aber auch, wie einen die Seelandschaft zum Narren halten konnte; durch irrefhrende Wolkenanhufungen, Luftspiegelungen, Treibgut, Walfontnen, Wolkenschatten und Meeresleuchten in der Dunkelheit und zeitweise Blindheit, wie sie auftrat, wenn man vergessen hatte, vor der Nachtwache die rotgetnte Brille aufzusetzen.

Edgtho66
12-08-05, 15:24
19.10.42 13.11h

Seit nunmehr drei Tagen waren wir im PQ DN 37 auf Patrouille. Aber weder auf, geschweige denn unter Wasser war auch nur der Hauch eines Schiffes auszumachen. Sollten wir etwa ohne einen Aal verschossen zu haben wieder nach Hause zurckkehren? Es hatte fast den Anschein, denn unser Brennstoff wurde langsam knapp.
Ich lie den Funker ein FT absetzen, indem ich um Genehmigung bat, den Rckweg entlang der Konvoiroute UGS/UGF/GUF/GUS zu nehmen. Auf dieser Route zwischen New York und Casablanca bzw. Gibraltar sollte wohl auch fr uns was drin sein. Ich hoffte dies nicht nur um meinet Willen, sondern auch um dem Gemtszustand meiner Mnner wieder etwas mehr Auftrieb zu verleihen. Die Stimmung war nahezu auf dem Nullpunkt.
Eine Stunde spter bekam ich das gewnschte Antwort-FT mit der Besttigung des BdU´s. Allerdings mit der Auflage, noch weitere 24 Stunden hier zu verharren, bis das Entsatz in Reichweite wre. Entsatz in Form von U-123, Hardegens Boot, das sich auf seiner zweiten FF befand.
Ich wies Hartenstein an, den Kurs auf der Karte zu fixieren und weihte meine Mnner ein.

Edgtho66
13-08-05, 14:30
<span class="ev_code_RED">Rckblende Teil 1:</span>

---------------------------------------------

<span class="ev_code_YELLOW">01.02.40 19.38h

Einzelne Wolken fegten am Himmel der Februarnacht ber die Nordsee dahin. Unser U-Boot zog seinen Kurs. Ringsumher war alles ruhig, kein Licht, kein Schiff. Der Mond, nur ab und zu von Wolkenschatten verdrngt, strahlte sein helles Licht auf das Nordmeer herunter.
Ich kam gerade aus dem dumpfigen Maschinenraum. Meine Wache war beendet; die Ohren drhnten noch vom Rattern der Motoren, vernahmen noch nicht das Nachtlied der Nordseewellen.
Das Brckenpersonal suchte mit Nachtglsern das Meer ab, es war auf stndiger Wacht und stetem Ausguck nach Lichtern und feindlichen Flugzeugen. Kamen dann und wann einmal die Mnner aus der Maschine nach oben, so lieen die Kameraden am Ausguck sich dadurch nicht in ihrer Aufmerksamkeit sten.

http://www.eu-clan.net/uploads/VII.JPG

Das friedliche Bild jener Stunde lie meine Gedanken in die Heimat zurckkehren, wo liebe Menschen an mich dachten. Nur noch ein paar Torpedos warteten auf Beute. Wenn wir Glck htten und uns ein paar Schiffe vor die Rohre kmen, knnten wir bald die Rckreise antreten.
Da riss mich der Ruf eines Brckengastes "Lichter an Backbord!" aus meinen Gedanken. Sofort begann auf dem Boot das gewohnte Leben. berall ertnten Befehle, Maschinentelegrafen rasselten und schon wurde der neue Kurs aufgenommen. Die Dieselmotoren liefen mit uerster Kraft. Wir mussten in Schussrichtung kommen. Die Torpedomechaniker waren emsig an den Rohren beschftigt, um sie fr den Schuss klar zu machen. Allmhlich waren die Umrisse eines groen Frachters zu erkennen, auf dessen Mittelschiff wir zuhielten.
Doch die drben mussten schon erkannt haben, was ihrem Schiff bevorstand. Mit bloem Auge konnte ich sehen, wie oben auf dem Deck die Mannschaft aufgeregt herum rannte und Rettungsboote klargemacht wurden. Die Pflicht rief mich wieder in den Maschinenraum zurck. Unten wartete die Mannschaft auf den Torpedoschuss, der jeden Augenblick erfolgen musste. Damit wir nicht ganz ohne Miterleben den entscheidenden Augenblick abzuwarten brauchten, hatte unser Smutje die Rolle eines Nachrichtengngers bernommen und gab so schnell wie mglich bekannt, was in der Zentrale geschah.

Es folgte eine leichte Erschtterung , die wir alle kannten: der Torpedo hatte das Rohr verlassen. Im Stillen zhlten wir 21, 22, 23, ... und warteten auf die Explosion, die kommen musste. Der Lrm der gewaltigen Detonation bertnte alles. Das war ein Treffer. Wie unser Smutje vom Brckenpersonal hte und uns berichtete, bekam das Schiff sofort Schlagseite und sank in wenigen Minuten.

http://www.eu-clan.net/uploads/frachter2.JPG

Es schien eine glckliche Nacht fr uns zu werden. Schon wieder waren Lichter aufgetaucht. Und ehe es dem Mond gelang, sich die ersten Wolkenschleier noch nher ran zu holen, hatten wir ein weiteres Schiff unserer Versenkungsziffer zufgen knnen.

http://www.eu-clan.net/uploads/nachtjagd1.JPG

Noch immer war es so hell, dass wir im Mondlicht schon von weitem die Beute feststellen konnten. Jene Nacht war unser Verbndeter, so schien es: schon wieder mussten wir uns fr einen Angriff fertig machen. Die Heizer liegen mit lkannen herum. Die schnell laufenden Maschinen wollten mit grter Aufmerksamkeit bedient werden. Aber obgleich wir vollauf mit unserer Arbeit beschftigt waren, gingen die Gedanken zu den Kameraden auf der Brcke. Wann wurde der nchste Aal los gelassen?

Der Smutje, der uns in jener Nacht bei den Angriffen auf dem laufenden gehalten hatte, war wohl anderweitig beschftigt. Na, wir wrden ja bald merken, was anlag.
Ja, wir merkten es ...</span>

Edgtho66
14-08-05, 04:13
<span class="ev_code_YELLOW">01.02.40 22.38h

Pltzlich schrillten die Alarmglocken! Lichtflackerreliefs gingen in Ttigkeit. Das hie : Alarm! Tauchen! Jeder wusste sofort, worum es ging. Da Boot musste schnellstmglich auf Tiefe gebracht werden. Es war Gefahr im Verzuge. Jeder spritze an die Ventile, die er zu bettigen hatte.
In ganz kurzen Abstnden folgten zwei Explosionen am Achterschiff. Wir wussten sofort, was los war. Kurze Zeit spter wurde es uns aus der Zentrale besttigt: ein Flugzeug, wahrscheinlich angelockt von dem Feuerschein der von uns brennend in die Tiefe geschickten zwei Dampfer, hatte sich wohl ber der Wolkendecke herangepirscht, war pltzlich aus den Wolken hervor gestoen und hatte zwei Bomben auf unser Boot losgelassen.
Aber das Brckenpersonal, das nicht nur nach steuer- und backbord, voraus und nach achtern Ausschau hielt, hatte den anfliegenden Feind gesehen. Sofort gab der Kommandant Befehl zum Alarmtauchen.

Obgleich wir nun unter Wasser waren, nahmen wir weiter Kurs auf den Kahn, den uns der Tommy nicht gnnte. Vorerst aber hie es beobachten, ob das Flugzeug noch ber uns war. Der Kommandant lie ein paar Mal das Nachtangriffsperiskop ausfahren. Damit konnten wir auch nach oben sehen. Aber der Tommy war allem Anschein nach verschwunden, er wurde jedenfalls nicht bemerkt. Eine Zeitlang wartete der Kommandant noch unter Wasser ab, dann kam das Kommando: "Pressluft in alle Tanks"; die Verfolgung unseres Wildes sollte wieder ber Wasser fortgesetzt werden. Da meine Freiwache noch nicht um war, tauschte ich mit einem Brckenposten und hielt fr ihn Ausguck. Ich wollte gar zu gern wieder einmal eine Versenkung von der Brcke aus miterleben. Dazu bot sich gerade fr uns Mnner von der Maschine nicht allzu oft Gelegenheit. Zwar konnte man wohl ab und an etwas frische Luft schnappen gehen, aber auch das durfte nur in beschrnktem Mae geschehen. Fr den Fall des Alarmtauchens - und der konnte jeden Augenblick eintreten - durfte die Brcke nur mit wenigen Mann besetzt sein. So stand ich, statt zu schlafen, oben und hielt Ausschau.
Wir waren unserer Beute schon betrchtlich nher gerckt. Der feindliche Frachter bemerkte uns erst, als wir so nahe herangekommen waren, dass wir wieder alles an Bord ausmachen konnten. "Mensch, det Ding lohnt sich nicht!" rief ein Brckengast neben mir. Er hatte Recht. Dem Kommandanten war ein Torpedo fr diesen Pott von nicht einmal tausend Tonnen zu schade. Das machte aber nichts - denn wenn wir das kleine Ding hier auch fahren lassen mussten, obgleich ein paar Granaten es schnell in die Tiefe geschickt htten, wir hatten ganz in der Ferne fettere Happen gesichtet. Da hie es, sich vorsichtig in gute Position manvrieren. Wir sahen noch, wie der kleine Dampfer wieder Fahrt aufnahm, dann hielten wir auf die Lichter zu, die uns hinten an der Kimm einen ganzen Geleitzug ankndigten.
Leider war meine Freizeit herum. Ich musste wieder unter Deck. Wir waren alle mit Spannung geladen. Lange konnte es nicht mehr dauern, dann wrden wir an den Geleitzug heran sein, und dann wrde unser Kommandant sich den fettesten Brocken herauspicken. Doch es dauerte noch Stunden, ehe wir erfuhren, dass man in der Zentrale dreizehn Handelsschiffe ausgemacht hatte, die von fnf Zerstern geschtzt wurden.</span>

Wings12
14-08-05, 06:39
Hallo Edgtho66,

Bin gerade auf deine Story gestossen.
Muss sagen Respekt super geschrieben.
Mach bitte weiter so.

cu Wings12

Edgtho66
14-08-05, 16:35
Na das ist doch Wasser auf der alten Mhle. Danke schn! http://forums.ubi.com/infopop/emoticons/icon_smile.gif
Und weiter gehts. Wir haben noch viel vor! http://forums.ubi.com/infopop/emoticons/icon_biggrin.gif
------------------------------------------

<span class="ev_code_YELLOW">02.02.40 03.40h

Jetzt war es also soweit. Wir in der Maschine erlebten alles, wenn auch nur durch Berichte, in allen Einzelheiten mit. Der Kommandant hatte sich als erstes Opfer einen Zerster gestellt und versuchte, unser Boot in gute Schussposition zu bringen. Aber wegen eines geringen Kupplungsschadens just in diesem Moment waren wir gezwungen, unsere Fahrt etwas zu vermindern. Gerade jetzt! Der L.I suchte uns sofort im Maschinenraum auf. "Breitner" rief er, "wie lang brauchen sie dafr?" "Zehn Minuten, L.I" rief ich zurck.
Da wir aber nahe genug heran waren, fhrte der "Alte" trotzdem den Angriff durch. Wir sprten, das uns wieder ein Aal verlassen hatte. Wieder war alles in voller Erwartung.
Jetzt musste die Detonation kommen ... immer noch nicht ... nein ... vorbei! Wahrscheinlich hatte der Zerster einen pltzlichen Kurswechsel vorgenommen. Oder hatte er uns bemerkt?
Die Antwort kam prompt. Zum zweiten Mal in dieser Nacht schrillten die Alarmglocken. Eiligst strebte unser Boot der Tiefe des Meeres zu. Dort schien die Sicherheit am ehesten gewhrleistet. Um nicht geht zu werden, befahl der "Alte" Schleichfahrt. Wir hten die Zerster des fteren ber unsere Kpfe hinweg brausen. Die suchten uns, fanden uns aber nicht. Abermals nherten sich Schraubengerusche. Jetzt, direkt ber uns, und .... schon kam der Segen. Es regnete fmlich Wasserbomben. Wer sich nicht schon bereits in der Hocke oder im Liegen befand, der tat es sptestens jetzt, so wurden wir durchgeschttelt. Der "Alte" lie sofort den Grund ansteuern. Das Meer war hier an dieser Stelle 130m tief. Dann wurden die Maschinen abgestellt. Jetzt konnte der Tommy horchen, soviel er wollte. Wir lagen hier erst mal sicher und konnten vor allen Dingen daran gehen, den Maschinenschaden zu beheben.
Eine gemtliche Situation war es nicht da unten auf dem Meeresgrund. Die Maschine wieder in Ordnung zu bringen stand auer Frage! Aber wrden die Zerster da oben vorher abdrehen, wenn wir vielleicht doch auftauchen mssten? Vorlufig schienen sie aber nicht die geringste Lust zu haben, anderen Kurs - mglichst weit weg von uns - zu nehmen.</span>

Edgtho66
15-08-05, 09:54
<span class="ev_code_YELLOW">02.02.40 05.01h

Unser Horcher stellte fest, dass die englischen Zerris sich immer noch in unmittelbarer Nhe herum trieben. Whrendessen arbeiteten die Mechaniker fieberhaft.
Pltzlich ein Schrei: "Wasser, Wasser im Boot!" Wer in ausstie, wei ich nicht mehr. War in diesem Moment auch nicht wirklich von Belang. Das hatte uns gerade noch gefehlt. Wir versuchten abzudichten. Es blieb lediglich beim Versuch. Unaufhlich drang das Wasser weiter ins Boot. Ohne Zweifel hatten die Wasserbomben einen greren Schaden angerichtet als zunchst angenommen. "Was peilt er?" kam die Frage aus der Zentrale. Meldung: "Direkt ber uns", schallte es zurck. Von Minute zu Minute wurde es gefhrlicher. Der Augenblick, da das Boot zum Auftauchen zu schwer sein wrde, rckte immer nher. Zwar hatten wir noch die Pumpen, aber wenn die angestellt wrden - was kme dann erst auf uns herab. Der Tommy wrde uns sofort mit Bomben beaasen, ohne das wir wehren knnten.
Das Wasser im Boot stand schon bis an die Flurplatten! Jetzt waren es keine Minuten mehr, die ber das Schicksal unseres Bootes entschieden. Der "Alte" befahl: Pumpen an. Sie ratterten los. Wann kommen die Bomben? Jetzt? Inzwischen hatte das Wasser nahezu den Stand erreicht, bei dem das Auftauchmanver auch schon reine Glckssache bedeutete. Den Tommy hatten wir vergessen, richtiger, nicht mehr beachtet, mochte kommen, was wollte. Hauptsache war jetzt, das die Pumpen es schafften.
Sie schafften es nicht! Es war bei dieser Tiefe kein Wunder, wenn bei dem beschdigten Boot mehr Wasser eindrang, als die Pumpen herausdrckten. Was hatte der Tommy oben auf der Oberflche des Meeres aber vor? Er musste doch unsere Pumpen geht haben.
Wir sollten sehr bald merken, was er mit uns vorhatte!</span>

Edgtho66
16-08-05, 11:26
<span class="ev_code_YELLOW">02.02.40 05.21h

Unten im Boot war das Wasser jetzt soweit gestiegen, dass, wollten wir berhaupt noch hochkommen, sofort gehandelt werden msste. Jedwede kleinste Verzgerung wrde jetzt unser Ende bedeuten. Auf Wiedersehen Heimat!
Allerdings, der Tauchretter blieb uns, aber das Boot - unser Boot?
"Pressluft in alle Tanks!" Da war er, der Befehl, der ber so viele Schicksale entschied. Schon hte man die Luft in die Tanks zischen, die uns retten sollte. Wrden wir noch nach oben kommen? Keiner an Bord, der sich nicht in diesem Moment die Frage gestellt htte. Langsam hob sich das Boot, ganz ganz langsam ging es nach oben.
Ja, es ging nach oben, aber nur mit dem Vorschiff. Bald stand unser Boot fast senkrecht nach oben, mit dem Heck immer noch auf Grund. Da wurde nur noch hinten angeblasen und alle entbehrlichen Mnner nach vorne geschickt. Vorne? Vorne war jetzt: Oben! Wir mussten also wie die Bergsteiger nach oben klettern.
Wir hatten nur noch sehr wenig Pressluft zur Verfgung, wrde unser trimmen etwas ntzen? Ja, es ntze etwas. Langsam zwar, aber es stieg und ging wieder in die horizontale Lage ber. Wir wrden also auftauchen. Jetzt kamen die Gedanken an den Tommy wieder. Der wartete ja da oben auf uns.
"Tauchretter umlegen!"
Wir taten es.
"Schwimmwesten an!"
Wir legten die Schwimmwesten um.
"Schiff klarmachen zum Versenken!"
Wir .... machten es klar.
Unser Boot!
Der Kommandant stand am Luk.
Der erste an Bord - jetzt wrde er auch der erste am Feind sein, denn darber waren wir uns klar, so ganz ohne weiteres wrde der Englnder nicht voraussetzen, dass wir nicht mehr kampffhig waren. Er wrde sofort schieen, ganz bestimmt!
Wir waren oben.
Der Turmdeckel flog nur so hoch. Das Wasser im Boot hatte die Luft darin sehr stark zusammengepresst und entwich nun mit lautem Zischen durchs Turmluk. Wie befrchtet flogen uns sogleich die ersten Granaten um die Ohren, aber noch lagen sie nicht im Ziel. Als erstes warf der Kommandant den Beutel mit den wichtigsten Geheimpapieren wie Karten, Codes usw. ber Bord. Dann galt es, das Boot so schnell wie mglich zu verlassen, bevor es absacken wrde. Dafr war gesorgt. Als letzter an Bord ffnete der L.I. alle Ventile und Lftungen. An Deck war ich schon einer der letzten und sprte, wie das Boot unter mir absackte. Die meisten meiner Kameraden waren schon im Wasser.
Unaufhlich schossen die Tommies ihre Salven. Aber treffen taten sie nicht. Noch nicht.
</span>

Edgtho66
17-08-05, 12:19
<span class="ev_code_YELLOW">02.02.40 06.19h

Das Boot war zum grten Teil schon unter Wasser. Nur die Spitze ragte senkrecht aus dem Wasser. An Bord war keiner mehr. Und die Tommies schossen immer noch.
Das Boot war immer noch zu sehen und immer noch schlugen in unmittelbarer Nhe die britischen Granaten ein.
Unser Boot sackte weg. Die Englnder hten auf zu schieen. Erst jetzt sprte ich den starken Seegang. Sehr schnell wurde ich von meinen Kameraden abgetrieben. Sehr bald war ich in dieser unendlichen Ruhe des Nordmeeres allein. In der Ferne sah ich die Zerster liegen. Sie lagen, wie es schien, festgebannt und machten keinerlei Anstalten, uns zu retten.
Daraufhin schwamm ich in Richtung des mir am nchsten stehenden Zersters. ber mir kreiste ein Albatros. Als ich zum Verschnaufen mal ganz ruhig auf dem Wasser lag, stie er auf mich herunter.
Oh nein, mein Freund, noch lebe ich. Der Vogel drehte ab.

Das eiskalte Wasser kam mir zuerst gar nicht so kalt vor. Erst allmhlich wich das Gefhl aus meinen Hnden und Fen. Wenigstens sah man, das die Zerster jetzt Kurs auf uns nahmen und einige Boote zum Aussetzen klarmachten.
Es wurde auch hchste Zeit. Jede Minute, die wir in dem eiskalten Nordmeerwasser zubringen mussten, konnte verderblich werden.
Ich hatte den Zerster erreicht. An der Bordwand hingen Taue herunter. Ich versuchte heranzukommen und mich hochzuziehen. Vergeblich! Ran kam ich, aber ich konnte mit meinen verklammten Hnden das Tau nicht festhalten geschweige denn an ihm hochklettern. Ich wurde wieder vom Schiffsrumpf weggetrieben, die Wellen warfen mich hin und her und es bestand Gefahr, das ich von der nchsten Welle an die Bordwand geschmettert wrde. Darum schwamm ich etwas abseits und wartete, bis der Zerster die Rettungsboote zu Wasser gebracht hatte. Andere Kameraden versuchten ebenfalls vergeblich, sich an den Tauen hochzuziehen.
Eines der Boote war nun ins Wasser gelassen worden. Ich schwamm drauf zu und erreichte es auch. Obgleich ich noch schwimmen konnte, war jede andere Handlung unmglich geworden. Ich war vllig verklammt, sprte weder Hnde noch Fe. Auch in meinen Kper drang immer mehr die Klte ein. Meinen Kameraden ging es logischerweise genauso. Nur dem dicken Woll- und Lederzeugs hatten wir es wohl berhaupt zu verdanken, dass wir noch nicht vor Erschpfung bewusstlos geworden waren. Drei Mann der englischen Besatzung waren erforderlich, um mich ins rettende Boot hineinzuziehen.</span>

EU-Argus
17-08-05, 18:17
*Brll* Hier treibst Du Dich also tagelang rum, von wegen ausruhen http://forums.ubi.com/images/smilies/10.gif
Mach Dich nackisch Alder http://www.ubisoft.de/smileys/97_2.gif
Cheers
Argus

Edgtho66
18-08-05, 02:28
Moinsen Argus!

Hat ja auch nie jemand behauptet, das ich fr 14 Tage ganz von der Bildflche verschwinde. http://www.ubisoft.de/smileys/2.gif
Aber das allabendliche Schreiben einer kleinen Fortsetzung entspannt mich gerade sehr, vor allem von euch elender Rasselbande! http://forums.ubi.com/images/smilies/16x16_smiley-very-happy.gif http://forums.ubi.com/images/smilies/16x16_smiley-wink.gif http://forums.ubi.com/images/smilies/mockface.gif

Gru von unne
Edi

R6CombatMedic
18-08-05, 09:26
@Edgtho66

Muss schon sagen, gefllt mir gut, mal ein ganz anderer Schreibstil! Ich dachte erst "Oh nein nicht noch ein Wassergott-Kopie Thread" aber du bist kein "Nachschreiber" sondern hast deinen eigenen Stil, deine eigene Story und der Inhalt ist mir nicht aus Filmen oder Bchern bekannt, was sonst oft der Fall ist.

Hut ab, du hast Fantasie und kannst dich in die Rolle gut hineinversetzen, ich hoffe die Fahrt geht noch weiter, an Kreativitt scheint es dir nicht zu mangeln!

Auch die Art und Weise Screenshots (zb. Gesprch unter vier Augen) mit einzubeziehen ist wirklich orginell, nicht immer 0815 Sehrohr Screenshots.

Habs bisher nur grob berflogen, lese es aber bestimmt noch komplett durch.

Weiter so, vielleicht verffentliche ich mein Geschreibsel auch irgendwann mal http://forums.ubi.com/infopop/emoticons/icon_wink.gif

Edgtho66
18-08-05, 11:43
@ R6CombatMedic:

Na dann bin ich jetzt aber mal gespannt, wie deine Story geht! Ich lese auch gern FF´en von anderen Membern, wenn´s nicht gerade die vom Contest sind! http://forums.ubi.com/images/smilies/16x16_smiley-very-happy.gif Nee gut iss, lassen wir das.

Ich sag "Danke" http://forums.ubi.com/images/smilies/11.gif und gleich geht´s weiter!

Gru von unne
Edi

Edgtho66
18-08-05, 11:49
<span class="ev_code_YELLOW">02.02.40 07.43h

Einen nach dem anderen nahmen sie an Bord, bis das Boot voll war. Dann hielten sie auf den Zerster zu, der uns bernahm.
Das Rettungswerk gestaltete sich bei dem schweren Seegang auerordentlich schwierig. Spter erzhlten die anderen Kameraden, dass, als immer wieder Mnner des U-Bootes, die noch nicht von Booten aufgefischt waren, von der Bordwand des Zersters abgetrieben wurden, englische Matrosen ber Bord sprangen und die Kameraden an den Tauen festbanden.
ber eine Stunde waren wir in den Wellen. Auf dem Zerster hatte der Tommy heies Wasser fr uns bereit gestellt, doch die wenigsten von uns waren in der Lage, die Kleider vom Leibe auszuziehen. Die Englnder halfen uns. Manchem mussten gar die Sachen vom Leibe getrennt werden.
Von einem ganzen Kbel mit heiem Wasser, den ich ber mich schttete, sprte ich kaum etwas Wrme. Die kam erst nachher, als ich in Decken gewickelt in der mir angewiesenen Koje lag. Es gab heien Tee und was zu Essen. Ich wollte aber nur trinken und - schlafen.
Die Ruhe wurde uns auch gegnnt. Als ich nach vielen Stunden aus dem tiefen Erschpfungsschlaf erwachte und voller Befriedigung feststelle, dass ich keinen Schaden am Kper erlitten hatte, waren meine ersten Gedanken: Was war aus den Kameraden geworden?
Ich erkundigte mich bei der Wache. Alle waren gerettet, leider aber war ein Kamerad aus seiner Bewusstlosigkeit nicht mehr erwacht. Das eisige Wasser des Nordmeeres hatte sich seinen Zoll geholt.
Mich durchstrmte ein starkes, frohes Gefhl, das die Katastrophe unseres Bootes nicht mehr Opfer gefordert hatte. Drei Zerster waren an dem Rettungswerk beteiligt gewesen.
Natrlich hatten sie schon lngst wieder den Schutz den Geleitzuges bernommen, den wir vor wenigen Stunden - war es tatschlich nur Stunden her - angegriffen hatten.
Das wir uns aber noch in der Gefahrenzone befanden, wussten wir am allerbesten. Wir merkten es aber auch am Zickzackfahren der Zerster.
Ich war heilfroh, als die erste Nacht vorber war. Nach dem Erschpfungsschlaf habe ich auf dem Zerster, einem Veteranen aus dem Weltkrieg, kein Auge zumachen knnen. Bei jedem Zickzack, den das Boot fuhr, wurde ich aus der Koje herausgeschleudert. Das Schiff drehte sich fast auf der Stelle bei dem Manver.

Wir wussten, hier stehen unsere U-Boote auf der Wacht und wir waren auf einem Feindschiff, das jeden Augenblick torpediert werden konnte. Aber die Zerster hatten allem Anschein nach ihren Auftrag erfllt. Sie drehten ab und nahmen Kurs auf die englische Kste. Dort sollten wir, so erzhlten uns die Posten, in einer Stadt abgesetzt werden.
Mir selbst war es in jenem Augenblick nur recht, endlich von diesem Kasten, der wie ein alter Gaul zitterte und in allen Fugen krachte, herunterzukommen.
Der Abend brach herein. Also noch eine Nacht auf diesem Zerster. Nchsten Morgen sollten wir in England sein. In England. Deutsche U-Bootfahrer in England.

Aber mit der Landung sollte es doch noch nicht werden. Der Geleitzug wurde, weil er in erneute U-Boot Gefahr geraten war, zurckbeordert. Daraufhin mussten die Zerster dem Geleitzug wieder entgegen fahren, um ihn zu schtzen. Zwei Tage befanden wir uns nun schon auf dem Zerster. Pltzlich hten wir Geschtzfeuer. Leider konnten wir nichts sehen, denn vor dem Bullauge war die Panzerblende angebracht. Deutlich konnte ich neben dem Geschtzfeuer das entferntere Detonieren von Wasserbomben unterscheiden. Auch unser Zerster warf welche ab.
Und dann - Stille.
Was fr ein Ergebnis diese Schiesserei gehabt hatte, erzhlte man uns nicht. Wahrscheinlich hatten die Tommies wieder einige Schiffe aus dem Geleitzug eingebsst. Den Bewegungen des Zersters konnte ich entnehmen, dass es immer noch kreuz und quer durchs Meer ging.
Es war weit nach Mitternacht, als ich etwas Schlaf fand</span>

R6CombatMedic
18-08-05, 13:04
Originally posted by Edgtho66:
@ R6CombatMedic:

Na dann bin ich jetzt aber mal gespannt, wie deine Story geht! Ich lese auch gern FF´en von anderen Membern, wenn´s nicht gerade die vom Contest sind! http://forums.ubi.com/images/smilies/16x16_smiley-very-happy.gif Nee gut iss, lassen wir das.

Ich sag "Danke" http://forums.ubi.com/images/smilies/11.gif und gleich geht´s weiter!

Gru von unne
Edi

Contest... Achja was htte man da nicht alles gewinnen knnen http://forums.ubi.com/infopop/emoticons/icon_rolleyes.gif

Keine Ahnung ob ich meine Story jemals verffentliche, um so fter mans liest um so unzufriedener wird man. Zudem, du wirst das kennen, lufts ohne die passende Motivation einfach nicht gut. Im Moment bin ich mir auch noch nicht sicher wo "die Reise" hinfhrt, aber schau mer mal... http://forums.ubi.com/infopop/emoticons/icon_wink.gif

Edgtho66
19-08-05, 10:09
<span class="ev_code_YELLOW">05.02.40 08.00h

Am nchsten Morgen lag das Schiff still. Wir durften an Deck. Zum erstenmal. Wo wir uns befanden, lag ja auf der Hand. In einem englischen Hafen. Vor der Hafeneinfahrt ragten die Mastspitzen versenkter Schiffe aus dem Wasser. Auf der anderen Seite: eine riesige Brcke, die den Firth of Forth berspannte.
Also Edinburgh.

http://www.eu-clan.net/uploads/edinburgh.JPG

Die Brcke war durch zwanzig Sperrballone gesichert. Ein paar Meter von uns entfernt lagen andere Zerster, sie waren wahrscheinlich mit uns eingelaufen. Drben auf dem Pier stand eine grere Menschenmenge. Waren wir vielleicht die Ursache von deren Anwesenheit? Stark anzunehmen!

Ein Fhrboot hielt auf die anderen Zerster zu und bernahm von jedem etwas, was ich aber nicht zu erkennen vermochte. Dann legte es bei uns an, um uns an Bord zu nehmen. Auf dem Boot waren schon die Kameraden, die von den anderen Zerstern gerettet worden waren. Es war trotz allem ein frohes Wiedersehen, das nur davon berschattet wurde, das einer von uns fehlte.
Als wir angelegt hatten und ber die Pier wollten, mussten uns die englischen Soldaten erst einen Weg durch die Menschenmenge bahnen. Zwei Omnibusse warteten auf uns, sie brachten uns sofort zur Bahn. Dort dasselbe wie auch am Hafenpier. Die Menschen hier betrachteten uns als Sensation.
Das Umsteigen ging schnell. Die Bewachung war whrend der Fahrt auerordentlich stark. Je zwei Mnnern von uns war ein Posten zugeteilt. Waren wir jetzt auch noch so gefhrlich? Dem Tommy erschienen wir jedenfalls so. Warum sonst eine so lcherlich starke Bedeckung?

Die Fahrt nach London ging durch einfmiges Kstengelnde. Einmal sahen wir einen Geleitzug fast unmittelbar vor der Kste. Dort mochte er sich im Schutze der englischen Minensperren ziemlich sicher fhlen. Oder waren sie es doch nicht? Dort irgendwo lagen auch zwei Handelsschiffe, beide von mindestens 5000 BRT. an der Kste. Es war mglich, das sie mit den eigenen Minen unliebsame Bekanntschaft gemacht hatten, ebenso war aber auch, dass die das kennen gelernt hatten, was der deutsche Wehrmachtsbericht so oft in schlichten Worten verkndete: "Das Verminen englischer Hfen durch Flugzeuge wurde fortgesetzt."
Jedenfalls lagen die einigermaen fetten Brocken jetzt an der Ostkste Englands fest. Das war die Hauptsache und machte uns Freude.
Gegen Abend wurde London erreicht. Wieder warteten Omnibusse auf uns, in die wir sofort einsteigen mussten. Wohin die Fahrt ging, wussten wir nicht, konnten auch unterwegs nichts feststellen. Als wir dann hielten, sahen wir, dass wir uns vor einem groen, einsamen Landhaus befanden. Der Brite hatte aber nicht die Absicht, uns U-Bootmnner dafr, dass wir ihm die Schiffe auf allen Meeren wegschossen, mit dem englischen Landleben bekannt zu machen. Jenes Haus war durch mehrere Stacheldrahtzune stark gesichert. Es war als Militruntersuchungsgefngnis eingerichtet.
Das war nun mal wieder bezeichnend fr die Englnder. Wahrscheinlich standen ihm keine richtigen Gefngnisse zur Verfgung, in die er uns htte schaffen knnen. Vielleicht waren sie vollgepfropft entweder mit denen, die fr die Freiheit Irlands kmpften, oder die Plutokratenschicht hatte dafr gesorgt, dass die Mosley-Anhnger und auch manche Proletarier, die die Sinnlosigkeit dieses Krieges vielleicht zu sehr betont hatten, hinter Schloss und Riegel gesetzt und somit angeblich unschdlich gemacht wurden. Als knnte man eine Regierung, die nicht im Herzen eines Volkes verankert ist, dadurch retten, dass man Menschen, die sich gegen sie auflehnen, ins Gefngnis oder Zuchthaus steckt.
Wenn es also auch ein Landhaus war, so galt es als Untersuchungsgefngnis. Schon im Weltkriege wurden deutsche U-Bootmnner in schmachvollster, gemeinster Weise durch britische Gefngnisse geschleppt.

Das war ja nun bei uns nicht der Fall, aber Gefngnis blieb Gefngnis. Und einen Gegner, der tapfer gekmpft hat ins Gefngnis zu werfen, ist nicht nur vlkerrechtswidrig, dieses Vorgehen richtet auch die Nation, die solche Manahmen anwendet.</span>

Edgtho66
20-08-05, 04:46
<span class="ev_code_YELLOW">05.02.40 19.00h

Allem Anschein nach war beabsichtigt, uns lngere Zeit dort zu behalten. Das, was wir am ntigsten brauchten, wurde uns ausgehndigt: Unter-, Bett- und Waschzeug, mehr nicht. Es folgte noch eine ganz oberflchliche Untersuchung durch einen Arzt, dann wies man uns unsere Stuben an. Je zwei bis vier Mann erhielten ein Zimmer. Das machte uns stutzig.
Bis jetzt hatte man noch keinerlei Versuche gemacht, uns zu verhen. Das der Brite darauf verzichten wrde, war fr uns vollkommen ausgeschlossen. Es war also klar: er legte uns deshalb zu mehreren zusammen, um - abzuhorchen.
Na Tommy, dachten wir, da kannst du lange warten. Von uns wrde er nichts hen, das war fr alle Kameraden eine Selbstverstndlichkeit. Bei allen Gesprchen bten wir Vorsicht, denn: ACHTUNG! Der Feind hte mit.
Wir klopften auch den Fuboden und die Wnde ab. Verschiedene Hohlstellen wurden ermittelt, das bedeutete: dort waren Mikrofone eingebaut!
Wir lachten. Unseretwegen htte der Tommy die Auslagen fr solche Mtzchen - denn das waren sie fr uns - sparen knnen.
Das Haus war mit Zentralheizung versehen. Da wir mit den Kameraden der anderen Stuben nicht zusammen kamen, wollten wir auf jeden Fall mit ihnen in Verbindung treten. Wir gaben leise Klopfzeichen auf den Dampfrohren. Aber die englischen Posten hten dies ebenfalls verboten es.
Uns machte das nicht viel aus, denn jeder Kamerad wusste sowieso, was er sagen konnte und wo er zu schweigen hatte. Die Hauptsache war, wir wussten jetzt genau, dass sogar alle unsere Bewegungen scharf beobachtet wurden. Die Stuben waren dauernd verschlossen. Wer die Toilette aufsuchen musste, wurde von einem englischen Posten begleitet.
Nur einmal am Tag durften wir auf den Hof, aber nur Stubenweise, und nur fr fnf Minuten gestattete man uns das "Frische Luft" schnappen.
So verging eine ganze Woche, ohne dass irgend etwas Besonderes geschah. Wir vertrieben uns die Zeit, so schlecht es ging. Wollte es einmal gar nicht mehr klappen oder kam sogar etwas wie Heimweh ber uns, dann machten wir den Mund auf und sangen. Deutsche Volkslieder erklangen. Wir sangen Soldatenlieder und - was mag der Tommy dabei gedacht haben, wenn er´s verstand, und davon war auszugehen- das Engelandlied.</span>

Edgtho66
21-08-05, 04:29
<span class="ev_code_YELLOW">Ohne Datum

An einem der nchsten Vormittage wurde ich ganz unerwartet zu einem englischen Offizier befohlen. Ich war einigermaen erstaunt, denn ich war mir nicht bewusst, gegen die Hausordnung verstoen zu haben. Aber egal, ich wrde es ja gleich sehen.
Der Posten fhrte mich in einen greren Raum, der auch nicht im entferntesten erkennen lie, dass wir uns in einem Gefngnis befanden. Der britische Offizier empfing mich auerordentlich korrekt, sogar liebenswrdig. Er bat mich, in einem Klubsessel Platz zu nehmen. Ich war gespannt, was dieses seltsame Plauderstndchen wohl bedeuten sollte.
Ich wunderte mich immer mehr, als der Offizier begann, ganz harmlose Konversation mit mir zu betreiben. Ich kam mir als alles andere vor, nur nicht als Kriegsgefangener. Eher als Kurgast in irgendeinem Badeort, denn der Hotelier - in diesem Falle der britische Offizier - hatte nur die eine Sorge, nmlich die, ob es mir auch gefiel oder ob ich noch Wnsche htte. Wnsche hatte ich zwar, aber von denen sagte ich lieber mal nichts. Genau genommen sprach ich berhaupt nichts, und das wieder rum schien meinem englischen Gegenber berhaupt nicht zu behagen.
Ob das Essen gut wre, fragte er weiter. Es knnte reichlicher sein, entgegnete ich vorsichtig und fgte hinzu, ob er es nicht veranlassen knne, dass wir Schwarzbrot bekmen, von dem gelieferten Weibrot wrden wir lngst nicht satt. Leicht erstauntes Blicken auf der mir gegenber sitzenden Seite. Er kann ja doch reden!
Der Gentlemen mir gegenber im Klubsessel hatte vollstes Verstndnis fr die Magenfragen eines deutschen Soldaten. Er versprach mir, dass er sofort einen Bcker veranlassen wolle, Schwarzbrot zu backen.
Ich grinste in mich hinein, aber so, dass er nicht bemerkte und dachte: So lockt man Dumme hinter dem Ofen hervor, aber bei mir wirst du kein Glck haben.
Der Englnder schien jetzt aber selbst zu bemerken, dass er sich ein bisschen lcherlich macht mit seiner Taktik, einen deutschen Soldaten auszuhorchen. Jedenfalls wechselte er pltzlich das Thema und stellte mir militrische Fragen:
"Wie viele Torpedos hatten Sie an Bord?"
"Das wei ich nicht!"
Er guckte mich nur schief an.
"Operierten Sie mit mehreren U-Booten?"
"Das wei ich nicht, ich bin Techniker, ich sehe nur die Maschine, nicht das Meer und was da vor sich geht."
Die Vernehmung war bis dahin also mal ein glatter Leerlauf. Der Mann mir gegenber schien aber gar nicht enttuscht. Er versuchte es mit direkten Fragen ber militrische Dinge, die ich wissen musste. Da bekam er eine von mir ebenso unverblmte wie ehrliche Antwort: "Das sind militrische Geheimnisse, und die verrat ich nicht!"
Damit schien er sich erst mal zufrieden zu geben, stellte aber weitere Fragen:
"Hatten Sie ein U-Boot-Begleitschiff bei sich?"
"Das wei ich nicht!"
"Aber wie viele Dampfer sie versenkt haben, das werden Sie ja wohl wissen!"
Zum Kummer des Briten jedoch, auch das ahnte ich nicht einmal.
"Wie hieen die Schiffe, die ihr Boot versenkte?"
Ich konnte ihm nicht helfen. Englische Namen interessieren mich nicht. Da der Englnder mit seinem Verh nicht weiter kam, wechselte er zur Politik ber. Er schlug dabei die alte Leier, sang mir die Schauermrchen vor, die die Emigranten oder ausgewanderte Deutsche seit Jahren in der auereuropischen Welt verbreiteten.
Die deutsche Bevlkerung knne doch damit nicht einverstanden sein, das Volk wrde ber kurz oder lang hungern mssen, die lvorrte wrden bald verbraucht sein usw.
Meine Antworten behagten dem Englnder gar nicht. Trotzdem wagte er sich noch an die fr England so heiklen Themen wie Polen, Danzig, Sudetenland und die Tschecho-Slowakei heran.
Meine Antworten waren dementsprechend.
Drei Stunden dauerte das Palaver bereits, als der Englnder endlich einsah, dass es fr ihn verlorene Stunden waren. Er beendete die "Vernehmung" und lie mich von zwei Posten wegbringen.

Nun, so dachte ich, wrde ich ja meinen Stubenkameraden berichten knnen, wie man versuchte, uns auszuquetschen, aber Pustekuchen. Ich kam nicht mehr in meine alte Stube zurck. Ich wurde in ein Zimmer gebracht, in dem schon Kameraden saen, die ebenfalls ein Verh hinter sich hatten. Nach einigen weiteren Wochen wurden wir dann, sechs Mann, mit all unseren Habseligkeiten in einen Omnibus verladen, der mit uns eine Rundfahrt durch London machte. </span>

Edgtho66
22-08-05, 11:11
<span class="ev_code_YELLOW">Ohne Datum

Wochen spter saen wir wieder in einem Omnibus. Wohin es ging, erfuhren wir, als es eine Rampe hinauf ging, vor der ein Zug wartete. Nach Manchester. Jeder von uns bekam - was hatten die immer noch Angst vor uns - einen bewaffneten Begleiter zur Seite gestellt.
In Manchester angekommen, ging´s wieder in einen Bus. Nach einer halben Stunde fuhren wir durch einen kleinen Ort: Old Ham.
Und dann standen wir vor unserem Lager. Ein trostloser Anblick! Es war eine alte Spinnfabrik. Vor dem Eintritt in das alte, aber feste Gemuer wurden wir wieder ziemlich genau nach Waffen und hnlichen Dingen durchsucht, die uns eventuell zur Flucht hilfreich sein knnten. Dann wurden wir eingekleidet und nummeriert.
Auf beiden Hosenbeinen des Gefangenenanzuges und auf dem Rcken des Rockes waren weie Flecken eingelassen. Das war, wei Gott, nicht unauffllig gemacht. Mir wurde dann die PoW-Nummer 204 aufgezwungen. Damit mussten alle Kleidungs- und Gebrauchsgegenstnde bezeichnet werden.

Der Tommy hatte natrlich, da er es traditionsmig vorzog, mglichst nicht in Feindberhrung zu kommen, nur eine ganz geringe Zahl von deutschen Gefangenen. Zu jener Zeit ab es allem Anschein nach berhaupt nur das Lager (Camp) Nr. II, das war unseres, und das Lager Nr. I, das in Mittelengland lag, aber nur fr Offiziere bestimmt war. Eine Verbindung irgendwelcher Art gab es zwischen den Lagern nicht. Ende 1939 zhlte das Lager II noch nicht einmal hundert Kriegsgefangene. Es waren ausschlielich U-Boot- und Fliegerkameraden. Andere Wehrmachtsteile waren nicht vertreten.
Als wir nun an jenem Mrztage des Jahres 1940 in ihrer Mitte erschienen, gab es ein groes Hallo. Sie wussten, dass sie Zuwachs erhielten und hatten entsprechende Vorbereitungen getroffen. Wir wurden von dem Kameraden, die am lngsten in Gefangenschaft waren und die sich scherzhaft "Obergefangene" nannten, empfangen und in den groen Fabriksaal gefhrt. Dort warteten die anderen.
In der Mitte des Saales war ein groes Podium aufgebaut, auf dem eine Mikrofonattrappe auf uns als Berichterstatter wartete.
Einer der alten Kameraden hie uns herzlichst willkommen, "taufte" uns mit Wasser und versetzte jedem der Neuankmmlinge mit einem groen Holzhammer einen Schlag auf den Kopf. Dann erst waren wir "vollwertige" Mitglieder der Lagergemeinschaft und durften, nein, mussten unsere Erlebnisse schildern. Es war vollkommen ruhig im Saal, als wir unsere teils traurigen, teils abenteuerlichen Schilderungen vortrugen. Keiner war unter den Zuhern, der nicht verstanden und mitgefhlt htte, was er jetzt hte. hnliches hatte jeder von ihnen selbst erlebt.
Als wir mit dem Erzhlen zu Ende gekommen waren, gab es noch ein gemtliches Beisammensein - was man halt schon so gemtlich nennen kann in einem kalten englischen Fabriksaal. Aber die seelische Gemeinschaft all derer, die das Unglck hatten, in englische Gefangenschaft zu geraten, glich vieles aus. Und das war mehr Wert als diese Umgebung. Voller Freude stellte ich fest, dass ich einige Kameraden schon von der Heimat her kannte. Da wollten die Fragen und Antworten natrlich kein Ende nehmen.</span>

Edgtho66
23-08-05, 11:48
<span class="ev_code_YELLOW">Ohne Datum

Bis spt in den Abend hinein musste ich ihnen von der Heimat erzhlen. Von der Heimat und der Front. Beide Begriffe sind ja in diesem Kriege zu einem zusammen geschmolzen, es gibt keine Trennung mehr; alles geht zusammen, auch der "Prisoner of War" ist und bleibt der Kamerad der Heimat, Kamerad der Front. Gefangen, arbeitend oder kmpfend, alles bindet zu einer seelischen Gemeinschaft.

Die letzte Nacht hatte ich glcklich hinter mir. Wir schliefen ganz primitiv, aber es ging. Auf zwei kleine Bcke wurden drei Bretter und auf diese ein Strohsack gelegt. Decken sorgten fr die ntige Wrme. Im Felde hatten es viele nicht so gut.
Um sieben Uhr morgens fand dann der "Roll-Call" statt, der Gefangenenappell. Alle mussten der Reihe nach an- und mit "Hier"-Rufen einen Schritt vortreten, so wurden alle Gefangenen gezhlt. Htte einer gefehlt, wre es sofort aufgefallen.
Dann machte ich mich erst mal daran, alle Rume unserer Unterkunft zu besichtigen. Es waren sechs groe Fabrikhallen. Da der Tommy kaum Gelegenheit hatte, mit deutschen Soldaten in Gefechtsberhrung zu kommen, waren fnf Sle vollkommen leer. Dafr hatte er aber den Raum, in dem wir untergebracht waren, in einer Form gesichert, die einfach lcherlich wirkte. Oder hatte der Tommy auch vor U-Boot-Mnnern ohne U-Boot und Fliegern ohne Flugzeug Angst? Anscheinend schon, denn innerhalb unseres Aufenthaltsraumes war ein Stacheldrahtviereck angebracht. Zwischen dem Stacheldraht und den Wnden patrouillierten Tag und Nacht Posten mit geladenen Gewehren. Nachts beleuchteten an der Decke angebrachte Tiefstrahler die gefhrlichsten deutschen Gefangenen. Sogar zur Toilette durften wir nicht allein gehen. Stets begleitete uns dabei ein Posten. Das war auf die Dauer ein unhaltbarer Zustand. Wir versuchten, durch unseren Lagerltesten eine Erleichterung der strengen Vorschriften herbei zu fhren. Vergebens. Besonders lstig war das Anstrahlen bei Nacht. Erst als durch das Eintreffen neuer, kleiner Transporte unser Raum zu klein wurde, bequemten sich die Englnder zu menschenwrdigerer Behandlung der Gefangenen.
Allerdings, sie selbst taten natrlich nichts, sie gaben lediglich die Erlaubnis, dass wir es uns in gemeinsamer Arbeit in jenem den Fabrikgebude etwas gemtlicher machen durften. Der Stacheldraht wurde aus dem Saal heraus gerissen. Feldwebel, Unteroffiziere und Mannschaften konnten in verschiedenen Rumen untergebracht werden. In jedem Saal teilten wir mit Decken kleine Rume ab, die als Spielzimmer dienten. Dort fand man in Zukunft all die Spiele, die den Kameraden aus der Heimat geschickt wurden, es wurden spter sogar an Sonn- und Feiertagen Preisskate und Schachturniere ausgetragen.
Zu dem Fabrikgebude, das jetzt durch einen doppelten Drahtzaun "geschtzt" war, gehte auch ein Stckchen Land.
Alles, was die Kche gebrauchte, wurde von uns selber gepflanzt. Sogar die sumpfigen Stellen des Landes wurden fachgem drainiert und sogar ein Fuballplatz wurde eingerichtet. Nur ... Sportgerte hatten wir noch nicht.</span>

Edgtho66
24-08-05, 10:02
<span class="ev_code_YELLOW">Ohne Datum

Im Erdgeschoss unserer Fabrik richteten wir einen tadellosen Luftschutzkeller ein. Wir befanden uns natrlich im Gefahrengebiet, denn mit deutschen Bombern war trotz allem jederzeit zu rechnen. Sandscke wurden zu hohen Mauern aufgeschichtet. Auerdem richteten wir noch die verschiedensten Werksttten ein. Tischlerei, Schuhmacherwerkstatt, Schneiderei, Friseurstube und natrlich auch eine Kochkche, in der es leider aber gar nicht zunftgerecht und ppig zugehen konnte. Mit Ausnahme der Kche belieferten uns die Englnder fr die Werksttten mit ausreichend Material.
Aus den Bchern, die wir vom "Roten Kreuz" und von Angehigen bekamen, wurde eine Lagerbibliothek zusammen gestellt. So war eigentlich fr alle Bedrfnisse gesorgt. Wir brauchten nicht zu bitten und zu betteln, sondern konnten selbst soviel schustern, schneidern und tischlern, wie wir Lust hatten.
Oben auf dem Boden wurde eine Revierstube eingerichtet, wo alle Leichtkranken von uns selbst betreut wurden. Es war aber auch ein englischer Arzt da. Nur mit dem Zahnarzt war das so eine Sache. Aber Schmerzen brauchte keiner lange zu leiden. Wessen Zhne nicht in Ordnung waren, wurde zu einem Zahnarzt auerhalb des Lagers gefhrt. Nur hatte der die schreckliche Angewohnheit, keinen Zahn zu plombieren, sondern jeden Schmerz in den Zhnen dadurch zu beseitigen, in dem er den betreffenden Zahn einfach zog. Vielleicht konnte er auch gar nicht plombieren, aber das "Ziehen" jedenfalls besorgte er grndlich.
Mit der Neueinrichtung des Lagers waren auch die Posten innerhalb des Raumes verschwunden. Nur hier und dort sah man noch einen, doch auch die wurden spter eingezogen und wir waren wenigstens hinter dem Stacheldraht eigene Herren im Lager.
Aber so ganz selbstlos hatten die Englnder, wie sich sehr bald herausstellte, doch nicht gehandelt, als sie uns gewisse Freiheiten einrumten und Verbesserungen zulieen.
Es sollte, wie wir erfuhren, eine Besichtigung durch einen britischen Kommandeur stattfinden. "Kommandeur" war brigens eine sehr ungenaue Bezeichnung. Wovon Kommandeur? Von Gefangenenlagern?
Doch das ging uns letztendlich nur sehr wenig an. Wir richteten befehlsgem die Bettpritschen haargenau aus, legten Decken in die befohlenen Falten und waren auch gehorsam, als es hie: die Zahnbrsten drfen nur nach links liegen, wenn der Herr Kommandeur kommt.
Das Gute hatte jedenfalls dieser Besuch. Man belie uns unsere Freiheit innerhalb des Lagers. Eines Sonntag Nachmittags wurde sogar ein Ausmarsch durch die umliegenden Ortschaften angesetzt. Es wurde darum "gebeten", das sich recht viele daran beteiligen mchten.
Was der Zweck des ganzen war, liegt ja auf der Hand. Man wollte so mit uns Propaganda machen.
Bitte, die sollte er haben. Ausgiebigst sogar!</span>

Edgtho66
25-08-05, 12:34
<span class="ev_code_YELLOW">Ohne Datum

Es war ein wunderschner Tag, als wir abmarschierten, wir weigefleckt gekennzeichneten PoW! Aber wie auf dem Kasernenhof daheim nahm jeder Vordermann und hielt Richtung. Was da durch die Umgebung von Manchester marschierte, das waren nicht demoralisierte Truppen la Dnkirchen, Marvile, Pirus und so weiter, das waren deutsche Soldaten in Reih und Glied mit einem frohen Lied auf den Lippen.
Fenster und Tren waren besetzt von englischen Bewohnern, Mnner, Frauen und Kindern, die zu uns herber sahen, als wir singend durch das Land marschierten.
Es war uns ja nicht ausdrcklichst verboten worden, also sangen wir, was die Kehlen hergaben. Und so war es kein Propagandamarsch fr die englische hhere Strategie geworden .... eher alles andere.
Wir waren verdammt noch Mal Stolz drauf.

Die Wochen und Monate vergingen wie im Flug.
Sogar mit Theater spielen hatten wir begonnen. Da wir mit solchen Vorbereitungen beschftigt waren wie Kulissen und Kostme schneidern, Stcke schreiben usw. hatten all diese Tage wenigstens einen Inhalt.
Ostern bekamen wir Besuch von einem englischen Pfarrer bekommen, der mit uns einen Gottesdienst abhielt. Am Schluss bedankte sich der Pfarrer immer wieder. Noch nie htte er so aufmerksame Zuher gehabt. Und so kamen wir endlich an das begehrteste aller Spielgerte - einen Fuball.
Zwei FC´s hatten wir gegrndet. Von den Unteroffizieren der "Goldflake" (so hieen die Zigaretten, die wir bekamen) und von den Feldwebeln der Klub "Blaue Apfelsine" ( so hie ein fantastischer Kriminalroman). Jeder Spieler bekam einen komischen Spitznamen. Die Klubs fertigten Urkunden aus, die vor dem Spiel verlesen wurden, und dann begann das Spiel.
Bald zeigte sich "Goldflake" der "Blauen Apfelsine" berlegen. Das war zwar disziplinwidrig (nach Meinung der Apfelsinen), aber es ntzte nichts. Die gegnerische Mannschaft wurde nicht nur besiegt, sie wurde auch sofort von den Zuschauern in "Pflaumenmannschaft" umgetauft.

Wir durften whrend der Gefangenschaft in England zweimal in der Woche Briefe schreiben, aber nicht mehr als je vierundzwanzig Zeilen. Auch Pckchen aus der Heimat erhielten wir hier. Jedoch wurden Gegenstnde, die in Fettpapier eingeschlagen waren, beschlagnahmt. Man befrchtete Mitteilungen in chemischer Schrift auf dem Papier. Aus dem gleichen Grund wurden auch Bonbons und hnliches ausgewickelt.</span>

Edgtho66
26-08-05, 11:41
<span class="ev_code_YELLOW">Ohne Datum

Von Neuankmmlingen und den Zeitungen, die man uns zur Verfgung stellte (Times und Basler Nationalzeitung), erfuhren wir die neuesten Ereignisse, so auch von der Weserbung Nord, die Besetzung Dnemarks und Norwegens durch deutsche Truppen.
Das ganze gipfelte dann darin, als wir durch zwei Neue (Fallschirmjger aus Narvik) erfuhren, das die deutschen Truppen auch vor Paris stehen wrden.
Die Englnder waren sichtlich getroffen, denn in ihren Augen galt Frankreich als mchtigster Gegner Deutschlands. Als gar noch Italien in den Krieg eintrat, war es ganz rum. Einige befrchteten nun, das jetzt wohl bald der Versuch gestartet wrde, deutsche Truppen auf englisches Festland zu bringen.

Die Zeitungen beschftigten sich von jetzt ab nur noch mit der bevorstehenden deutschen Invasion. Auch wir waren der Meinung, das diese unmittelbar bevorstnde.
Wir sahen mit eigenen Augen, wie die Englnder Befestigungsanlagen errichteten und viele MG-Stellungen um unser Lager ausbauten, die im Falle einer Invasion ein Ausbrechen von uns verhindern sollten. Selbst Bume am Lagerplatz wurden abgesgt, um freies Schussfeld zu haben.
Whrend dieses nervsen ueren Treibens wurde die Betreuung unseres Lagers von den Englndern vollkommen auer Acht gelassen. Auf keinen Fall konnte das Lager die erhhte Zahl der Gefangenen fassen, die mittlerweile von den alten Fronten aus Holland, ganz Skandinavien und Frankreich zu uns stieen. Erschreckenden Mngel machten sich berall auf allen Gebieten bemerkbar.

In Rumen, die hchstens zweihundert Gefangene fassten, wurden wir so zusammengepfercht, dass die doppelte Anzahl hinein ging. Unsere Schlafgelegenheit, die aus drei Brettern bestand, wurde zu einer wackeligen Angelegenheit, denn da die Englnder unter Holzknappheit litten, mussten wir jeweils ein Brett abgeben, um neue Betten zu bauen.
Auch Wassermangel herrschte in unangenehmer Weise. Die Leitungen gaben nicht soviel her, wie die groe Anzahl Menschen brauchte.
Unsere Kchenkameraden entwickelten wahre Zauberknste, um berhaupt noch was fr uns kochen zu knnen. Selbst den englischen Soldaten hatte man die Rationen um die Hlfte gekrzt. Selbst wenn am schwarzen Brett "Bohnensuppe" stand, so galt dies schon als Raritt. Wer sich eine Portion holte, bettigte sich sogleich als "Minensucher" in derselben.</span>

Edgtho66
27-08-05, 10:00
<span class="ev_code_YELLOW">Ohne Datum

Es kam, was kommen musste. Smtliche Lagerinsassen mussten antreten. Vierhundert Namen wurden verlesen und vierhundert Kameraden erhielten den Befehl, sich innerhalb weniger Stunden fertig zu machen. Aus unserer Lagerbewachungsmannschaft wurde eine Kompanie zur Begleitung des Transportes abgestellt. Hintenrum erfuhren wir, das sie nach Kanada verschifft werden sollten.

Als am 27. Juni 1940 der dritte und letzte Transport aus unserem Lager zusammen gestellt wurde, sahen wir unsere Gelegenheit zur Flucht um ein vielfaches gestiegen. Am Vormittag wurden wir verladen und erreichten gegen Abend Glasgow. Den Bahnhof bekamen wir aber nicht zu Gesicht. Wir wurden gleich zum Hafen weiter geleitet, so das wir nur wenige Schritte vom Eisenbahnwagen zur Pier machen mussten. Wir peilten natrlich sofort die Lage und erkannten weit drauen auf der Reede einen Dreizehntausend-Tonner vor Anker liegen, der die polnische Flagge fhrte.
Scharf hob sich die Silhouette des Dampfers in den Abendhimmel hinein, whrend die Sonne die niederen Berge an der Bucht noch hell anstrahlte. Doch nicht lange fand ich Zeit zur Betrachtung der Landschaft. Es gab fr mich berhaupt kein Verweilen oder Umsehen des augenblicklichen Eindrucks wegen. Aufmerksames studieren alles dessen, was um mich herum vorging, gehte zu meinem Plan, jede Gelegenheit zur Flucht zu benutzen. Ein grerer Fhrdampfer hielt aus der Bucht auf die Pier zu und legte bei uns an.
Bevor wir auf ihn berstiegen, wurde nochmals durchgezhlt. Obgleich der Fhrdampfer jetzt auf uns wartete, begann das Durchzhlen seitens der Briten. Von lteren Kameraden hatte wir schon fters geht, das sich die Englnder mit dem Addieren manchmal schwer taten.
Nach dem bersteigen nahm der Fhrdampfer sofort Kurs auf den polnischen Dampfer. Kaum angekommen, wurde abermals durchgezhlt. Ich kam mit etwa 100 Kameraden auf dem Achterschiff des als Truppentransporter hergerichteten Schiffes ein groes, ganz gut eingerichtetes Wohndeck angewiesen, das auf beiden Seiten Bullaugen hatte.
Wir richteten uns schnell ein und ich sah mich aufmerksam um, denn ich war nie strker mit meinem Fluchtgedanken beschftigt gewesen als gerade jetzt. Ich war fest entschlossen, bei jeder sich bietenden Gelegenheit auszurcken, wenn nur einige Erfolgschancen winkten.
Die Bullaugen befanden sich etwa vier Meter ber dem Wasserspiegel, aber sie waren fest verschlossen. Ohne Schlssel konnten sie nicht geffnet werden. Als der Abend hereinbrach, wusste ich zweierlei: das Wohndeck war wie geschaffen zur Flucht, die verschlossenen Bullaugen kein Hindernis, denn auf irgendeine Weise wrde ich sie schon ffnen. Und die Besatzung hatte aus Versehen auch noch ausgeplaudert, das es nach Kanada gehen sollte.
Die Gedanken an Flucht bannten den Schlaf. Immer wieder berlegte ich, ob ich es jetzt versuchen sollte oder nicht, denn wenn ich durch´s Bullauge ginge wrde wohl keine der Wachen mich jetzt vermissen. Je weiter jedoch die Nacht voranschritt, um so weniger wollte es mir scheinen, dass ein berbordgehen hier auf der Reede von Glasgow der richtige Anfang einer Flucht war. Das schien mir zu aussichtslos. Und so entschloss ich mich dann, es nicht hier zu versuchen, sondern, wenn es tatschlich nach Kanada ging - und das wrde man ja durch Kursverfolgung feststellen knnen - , unter Land von Kanada ber Bord zu gehen, um nach Durchquerung des kanadischen Kstengebietes in die Vereinigten Staaten zu gelangen. Der Plan war eben gefasst, als die Maschinen des Schiffes zu arbeiten begannen. Die Anker wurden gehievt.</span>

Edgtho66
28-08-05, 06:58
<span class="ev_code_YELLOW">Ohne Datum

Am nchsten Morgen war, bei gutem Wetter, immer noch die Kste Irlands in Sicht. Ich schaute mich um, sah weit herum von den Kste weg zur Kimm. Die See war ziemlich ruhig.
Wir fuhren im Konvoi. Querab von uns zackten noch zwei groe Brocken rum. Englnder. Auerdem zahlreiche Geleitschiffe, einen Schlachtkreuzer, zwei kleine Kreuzer und mehrere Zerster. Ein reichlich groes Aufgebot fanden wir.
Von dem Augenblicke an, in dem der Geleitzug das freie Wasser erreicht, wurde nur noch Zickzackkurs gefahren. U-Boot-Gefahr. Htte ich doch in Manchester die Flucht wagen sollen? Egal, nun war´s zu spt. Auf jeden Fall hielt der Konvoi grob in Richtung Westen zu. Quebec oder Montreal sollten wir einlaufen. Ich kam durch Zufall auf diesem Schiff an einen kleinen Kartenschnipsel, der die amerikanische Ostkste in unwahrscheinlich kleinem Mastab wiedergab. Diesen studierte ich eingehenst, denn nichts beschftigte mich mehr als die Flucht. War das mir bekannt gewordene Ziel - also Quebec oder Montreal - nur eine Finte, so konnte ich an Hand meiner neu erworbenen Kenntnisse von der Beschaffenheit der Kstenlandschaft mit groer Wahrscheinlichkeit feststellen, ob wir uns tatschlich Kanada nherten oder nicht. Die Ortungspunkte nach der Karte waren zu markant, als dass mir da ein Irrtum unterlaufen konnte. Also nahm ich vorerst einmal als sicher an, dass wir Quebec ansteuerten, und baute meinen Plan darauf auf. War Quebec das Ziel und kam vorher Land in Sicht, so mussten wir die Enge zwischen der Halbinsel Neu-Schottland und der Insel Neu-Fundland passieren. Die Fahrt wrde dann im St.-Lorenz-Golf, der Mndung des St.-Lorenz-Stromes, weiter- und dann diesen selbst hinauf bis zu dem unbekannten Endhafen gehen.
An dieser Stelle des St.-Lorenz-Golfes nhert sich die Grenze des zu den USA gehenden Staates Maine bis auf etwa 60 bis 70 Kilometer der Kste. Dieser weit in kanadisches Gebiet vorspringende Zipfel des amerikanischen Grenzstaates hat keine groe Ausdehnung. Ich musste ihn aber mglichst genau bestimmen und - vor allen Dingen - spter auch erreichen. Wenn ich an einer anderen Stelle landete, so konnte sich fr mich die Entfernung bis zum rettenden amerikanischen Gebiet verdoppeln oder gar verdreifachen.
Darum war also eine genaue Berechnung erforderlich, die aber wiederrum erst vorgenommen werden konnte, wenn wir unter Land angekommen waren und ich dort Gelegenheit hatte, Richtungspunkte anzupeilen.
Der Kartenschnipsel zeigte mir, dass die Entfernung von der Mitte der Enge zwischen Neu-Fundland und Neu-Schottland bis zu dem Punkt, an dem ich das Schiff verlassen musste, etwa 800km betrug. Der Frachter machte ungefhr 13kn in der Stunde, die 800km wrden also in etwa 38 Stunden zurck gelegt sein. Somit hatte ich gengend Zeit zur Verfgung, die Vorbereitungen zum "Aussteigen" zu treffen.

Ich kannte weder Amerika noch Kanada, noch viel weniger war ich mit der Beschaffenheit des Landstriches vertraut, an dem ich in wenigen Tagen zu landen gedachte. Vorsichtshalber musste ich mich also auf eine lange Wanderung einrichten und konnte daher nicht einfach, wie ich ging und stand, ber Bord gehen.
Wir hatten Gefangenenzeug an, das heit, unsere Kleidung war so auffllig markiert worden, dass ich mich damit nicht auf kanadisches Gebiet wagen durfte. Es musste also ein unaufflliger Anzug "besorgt" werden. Fr das Bullauge, durch das ich steigen wrde, musste jetzt unbedingt ein Schlssel beschafft werden und auerdem eine Strickleiter von etwa vier Meter Lnge. Diese war unbedingt ntig, denn ich konnte ja nicht mit einem eleganten Hechtsprung durchs Auge den Englndern entfliehen.</span>

Edgtho66
29-08-05, 10:18
<span class="ev_code_YELLOW">Ohne Datum

Da ich mich unbedingt auf eine lange Schwimmstrecke einzurichten hatte, musste ich auerdem meinen Seesack mitnehmen, in dem ich Proviant und alle anderen Sachen verstauen musste. Also sollte der Sack, damit er mir nicht absoff, auch noch imprgniert sein. Eine Uhr oder gar einen Kompass besa ich nicht mehr. Solche unentbehrlichen Hilfsmittel auf dem Schiff zu beschaffen, war vollkommen aussichtslos. Es musste also ohne Uhr und Kompass ber Wasser, und spter Land, gehen.
Ich fing also jetzt energisch an, mich auf dem Schiff nach den notwendigen Dingen umzusehen. Dabei kam mir der Umstand, mit dem ich gar nicht gerechnet hatte, sehr zustatten. Die ganze Besatzung des Schiffes bestand aus Polen, nur die Bewachung war englisch. Zuerst sah ich in der polnischen Besatzung die grte Schwierigkeit, da ich ja unter deren Augen meine Streifzge machen musste.

Zu meiner berraschung erwiesen sich aber die Polen als gar nicht feindlich gesinnt, im Gegenteil, die hatten durchweg eine hllische Wut auf ihre englischen Bundesgenossen. Grund genug hatten sie auch. Viele Polen sprachen deutsch, und so erzhlten sie folgendes:

Als der Krieg ausbrach, befand sich ihr Schiff auf See. In der festen Hoffnung auf die Vertragstreue der Englnder liefen sie einen englischen Hafen an; denn, so erzhlten sie weiter, Polen htte die deutschen Forderungen ja nur deshalb abgelehnt, weil es den Versprechungen der Briten vertraute. Doch habe man sie klglich im Stich gelassen und es sei zum Kriege gekommen, weil England die ehemaligen deutschen Kolonien nicht rausgerckt htte. Auch wenn deren Argumente nicht von der Hand zu weisen waren, so wusste ich es doch besser, warum und wieso deutsche Truppen in Polen einmarschiert waren, so von wegen "Gewinnung von Lebensraum im Osten", aber ich hielt es fr besser, mal wieder die Klappe zu halten.
Es folgten noch einige persnliche Erlebnisse der Besatzung im Umgang mit den Englndern. So auch die Absetzung des polnischen Kapitns und die Besetzung dieser Position durch einen englischen. Alles in allem gingen die Englnder mit ihren polnischen Verbndeten nicht gerade "Lady like" um. Ich hte mir das alles sehr interessiert an um dann, als die Polen mit ihren Schilderungen fertig waren, eine harmlose Bitte vorzubringen. Ich wrde mir gern meinen Regenmantel wasserdicht machen, ob sie mir nicht dabei helfen knnten.
Ein Teil der Erzhlungen erfolgte an einem Ort, an dem ich nur meinen Arm kurz auszustrecken brauchte, um ein weiteres wichtiges Stck an mich zu bringen. Es war nicht einfach, aber an diesem Abend hatte ich neben der wasserabdichtenden Lsung auch einen Schlssel fr das Bullauge.</span>

Edgtho66
30-08-05, 10:03
<span class="ev_code_YELLOW">Ohne Datum

Jetzt ging´s an die Besorgung eines Taues fr die Strickleiter. Dabei kam mir zugute, dass gerade dort, wo Taue vorschriftsmig in allen Strken aufgeschossen herumlagen, ein Zugang mglich war. Es war nur eine groe Schwierigkeit zu berwinden. Ich musste das Tauende, das ich brauchte - und das war nicht klein - unter aller Augen am hellen Tage verschwinden lassen und sicher verstauen. Nachts wurden wir in unserem Wohndeck eingeschlossen. Englische Wachtposten waren den ganzen Tag um uns. Das passende Seil hatte ich sehr bald ausfindig gemacht. Es war eine Sache fr sich, unauffllig sechs Meter Tau von etwa zwei Zentimeter Durchmesser ab- und wieder aufzuschieen, ohne dass jemand Verdacht schpfte. Aber auch das gelang, nur - ich hatte leider eben nur das passende Stck gefunden, aber noch lange nicht an einen sicheren Ort gebracht!
Um mich herum lagen die Kameraden an Deck und sonnten sich. Die englischen Soldaten liefen herum und passten auf, das keiner der ihnen Anvertrauten einen Sonnenstich bekam. Whrend sich die anderen sonnten, zog ich mir einfach meinen Mantel ber. Bitte, wen ging das etwas an? Ein spleeniger gefangener deutscher Bootsmann unter spleeniger englischer Bedeckung, etwas anderes war´s doch nicht. Geschwitzt hab ich frchterlich, und das nicht nur wegen Sonne und Mantel. Aber als ich abends wieder im verschlossenen Wohndeck war, hatte ich auch diese kniffelige Situation gemeistert. Fr den Ausstieg war also alles vorhanden, nun kam die Beschaffung der eisernen Rationen dran.

Es war verboten, von den Mahlzeiten irgend etwas mitzunehmen. Whrend des Essens waren stndig Posten anwesend, die sich zwar an den Tren aufhielten, trotzdem alles berwachen konnten. Trotzdem wurden Reserven sichergestellt, wenn´s auch meinem Magen nicht recht war und er manchmal das Knurren anfing.
Ein khner Griff durch irgendein Bullauge brachte mich in den Besitz von unaufflligem Arbeitszeug, einer Jacke und Hose. Wie zufllig hatte ich wieder meinen Mantel an, whrend andere sich von der Sonne braten lieen.
Es wurde auch viel ber Flucht und so weiter gesprochen, aber ich bezweifelte, das unter all den hundert Mnnern hier einer dabei war, der seinen Worten auch Taten folgen lassen wollte. Auerdem hatte man bei der Zusammenstellung des Gefangenentransportes die buntesten Truppenteile gemischt und so konnte man nicht sicher sein, ob sich hier vielleicht nicht auch ein Spitzel unter uns befand. Ich hielt es weiterhin fr das richtige, erst mal alleine weiter zu planen.
Noch ein wichtiger Punkt war zu beachten. Da ich auf dem Achterschiff untergebracht war, konnte mir bei dessen Verlassen unter Umstnden der Sog gefhrlich werden. Um da Bescheid zu wissen, warf ich vom Oberdeck aus kleine Holzstckchen ins Meer und konnte sehen, wie sie auf der Backbordseite von der Schraube direkt angesogen, auf der Steuerbordseite hingegen vom Schiff weggetrieben wurden. Damit war fr mich auch klar, auf welcher Seite ich das Schiff zu verlassen gedachte.
Wenn meine Kameraden schliefen, begannen meine Vorbereitungen. Nacht fr Nacht schlich ich mich davon, um an heimlicher Stelle aus dem Tau eine Strickleiter zu knoten, den Sack zu imprgnieren und alles auszuprobieren. Mein "besorgter" Schlssel passte auch. Mit ihm lieen sich sowohl Bullauge als auch Panzerblende ffnen. Aber ebenso stellte ich auch fest, das ich allein ohne Hilfe nicht ohne weiteres mit Sack und Pack durch´s Bullauge passte. Ich msste mir also Hilfe holen.

Nach ganz vorsichtigen Sondierungen bei Kameraden, die ich schon von der Heimat her kannte, stie ich auf offene Ohren. Sie waren bereit, mir die erforderliche Hilfe beim Durchschlpfen durch´s Auge zu leisten. Sie versprachen mir auch, nach meiner Flucht dafr zu sorgen, alles wieder auf null zu bringen, um keinen Verdacht auszulsen.</span>

Edgtho66
31-08-05, 10:42
<span class="ev_code_YELLOW">Ohne Datum

So war ich eigentlich voll Zuversicht, nachdem alles geschehen war, was zur Flucht gehte. Wenn wir auch als Gefangene Albions auf einem polnischen Dampfer einem unbestimmten Schicksal entgegen fuhren, so durchpulste uns doch ein starker Lebensmut.
Am nchsten Tage wurden wir Zeugen eines interessanten Naturschauspiels. Wir nherten uns, wenn auch noch nicht dem Lande selber, so doch der dem Lande vorgelagerten Strmung. Wir fuhren an der Stelle des Atlantiks, an der die kalten ndlichen Strmungen mit den wrmeren sdlichen zusammen treffen. Unablssig stieg der Nebeldampf auf, es sah aus, als koche das Meer. Immer dichter wurde der Nebel. Unser Schiff war vollkommen vom grauen Dunst eingehllt, von den Begleitschiffen sahen wir nichts mehr. Die Nebelhner brllten ihre Signale. Ab und zu tauchte im Nebelschatten in ganz geringer Entfernung ein Zerster auf, um im nchsten Augenblick zu verschwinden.
Das Erlebnis war fr mich sehr eindrucksvoll, denn ich hatte als Seemann einen solchen Nebel, bei dem ich nicht mal mehr das Vorschiff sehen konnte, noch nicht erlebt. Wo der Nebel an Masten und Wanten anschlug, rieselte er als kleiner Wasserbach herunter. Das Schiff verminderte die Fahrt immer mehr. An dieser Situation nderte sich bis zum Schlafengehen nichts mehr. Nachts musste sogar die Fahrt ganz aus dem Schiff heraus genommen werden, denn Nebel und Dunkelheit zusammen verhinderten die Weiterfahrt.
Als ich am nchsten Morgen das Oberdeck betrat, war der Nebel verschwunden. Das Schiff machte wieder volle Fahrt. Das Wetter war scheulich und ungemtlich und gefiel uns sonnenverwhnten berhaupt nicht. Auerdem viel mir auf, das all´ unsere Begleitschiffe nicht mehr zu sehen waren. Sicher konnte das Land nicht mehr weit sein. Der Zeitpunkt, an dem ich handeln musste, war also nahegerckt.

Beim Aufstehen am anderen Morgen stellte ich, ohne die Ursache zu ahnen, sofort eine Vernderung fest. Das Schaukeln und Schlingern, das sonore Stampfen der Maschinen, das einem schon zur Gewohnheit geworden war, fehlte. Was war los?
Die Frage beschftigte alle, insbesondere mich. Ich eilte so schnell wie mglich an Deck. Das Schiff lag vor Anker. Sollte ich etwa den richtigen Zeitpunkt verpasst haben?
Nein, das war ausgeschlossen, das Schiff musste ber Nacht einen anderen Kurs gefahren sein. Die Konturen der Kste waren nicht die, wie ich sie nach meiner Karte zwischen Neu-Fundland und Neu-Schottland htte erkennen mssen.
Das Schiff lag in einer groen Bucht, die nach achtern heraus eine Einfahrt von etwa 1000m Breite hatte. Rings um unseren Transporter wimmelte es von kleinen Fischerbooten. Halbrechts vor mir sah ich eine kleine Stadt am Rande der Bucht, ganz rechts zogen sich Kais entlang. Es war - das sah ich trotz meiner aufkeimenden Besorgnis - ein wundervoller Anblick. Achteraus an der Steuerbordseite hoben sich, unmittelbar aus der Bucht aufsteigend, Berge in den Himmel hinein und an diesen Hngen klebten wie Schwalbennester kleine Huser, die nur vom Boot aus erreichbar waren.
Wir waren das einzige Schiff in diesem groen, natrlichen Hafenbecken, und die Fischer starrten uns an, als seien wir Gespenster. Wir versuchten, uns zu informieren.
In Gesprchen mit Besatzungsmitgliedern erfuhren wir, dass wir uns im Hafen von St. Johns, der Hauptstadt von Neu-Fundland, befanden. Das war ein Schlag fr mich, denn ich musste annehmen, dass dies unser Bestimmungsort sei. Alle Vorbereitungen also umsonst gewesen, all die nchtelange, heimliche Arbeit vergebens. Ich war vllig niedergeschlagen.</span>

Edgtho66
01-09-05, 11:42
<span class="ev_code_YELLOW">Ohne Datum

Doch dann dachte ich: Erst mal die Lage peilen! Von den Angehigen der Besatzung war wenig zu erfahren. Allerdings belebte sich meine Hoffnung wieder ein wenig, als ich hte, dass nur der Kommandant mit wenigen Offizieren an Land gerudert war, angeblich um Informationen einzuholen. Soviel schien mir wahrscheinlich, es stand noch lange nicht fest, das wir hier ausgeschifft werden wrden.
Gerchte besagten, dass, wenn wir hier nicht ausgebootet, die Fahrt nach Quebec aufgenommen werden wrde. Das machte mich wieder lebendig. Zur riesengroen Freude aber steigerte sich mein Gefhl, als ich dann sah, dass der Kommandant zurckkehrte, und ich noch dazu selbst hte, wie er das Kommando zum Anker hieven gab.
Die Maschinen ratterten, das Schiff wendete und nahm Kurs auf die Schmale, kaum fnfzig Meter breite Fahrtrinne der Hafenausfahrt. Noch einmal lie ich meine Augen ber das weite Hafenbecken und die schne Stadt schweifen. Die kleinen Huser schwirrten an mir vorber, dann dampften wir zwischen den mittelhohen Felsen der Hafeneinfahrt hindurch und bald war wieder freies Wasser erreicht.

Unter der Kste von Neu-Fundland entlang zickzackte sich unser Schiff nun immer mehr der Enge entgegen, die sich hinter Neu-Schottland zum Golf des St.-Lorenz-Stromes erweitert. Noch aber war es nicht soweit. Jetzt amsierten sich erst mal zwei Walfische ber den polnischen Kasten, der da seine Linien in den Atlantik zeichnete.
Ja, auch so nahe vor der Kste vermuteten die Tommies meine Kameraden von der U-Boot-Waffe. Aber es war - zugegebenerweise Gott sei Dank - bis jetzt nichts zu sehen von einem Seerohr. Dafr machten die Walfische, allem Anschein nach ein Prchen, uns immer noch Spa mit ihrem Herumquirlen im Wasser. Immer wieder schossen sie ihre Wasserfontnen in die Luft. Als das Schiff aber trotz der Zickzackfahrerei immer weiter nach Sden auswich, wurde es den Walfischen dann doch zu bunt, sie drehten wieder auf ndlichere Breitengrade zu.
Bei dem ewigen Zickzackfahren war es nicht klar, ob wir nun auch wirklich Kurs auf´s Land beibehielten. Am nchsten Tage aber besttigte sich meine Ausnahme. Er war kein Zweifel mehr mglich. Wir nherten uns langsam und unaufhlich dem Land. Immer mehr erkannte ich, dass das, was sich da als Land abzeichnete, das Kstengebiet zwischen Neu-Fundland und Neu-Schottland sein musste. Die Konturen, die ich von der Karte her kannte, hoben sich immer deutlicher hervor. Und einige Zeit spter fuhren wir dann auch tatschlich durch die Strae zwischen der Insel und der Halbinsel. Allerdings hat diese Strae eine solche Breite, dass man kaum eine Kste erkennen kann.</span>

Edgtho66
02-09-05, 11:52
<span class="ev_code_YELLOW">Ohne Datum

In dem Augenblick, in dem wir die Mitte der Strae zwischen den Inseln passierten, sollten fr mich also die letzten 38 Stunden an Bord beginnen. Vorausgesetzt natrlich, dass das Schiff seine bisherige Geschwindigkeit beibehielt. Das war auch der Fall, wie ich durch stundenlange Beobachtungen feststellte. Da die letzten Vorbereitungen unbedingt verheimlicht werden mussten, nur die zwei Kameraden waren eingeweiht, musste ich schon anfangen.
Whrend alles schlief - das Wohndeck war dunkel, nur wenige blaue Lampen brannten -, schlich ich mich aus meiner Koje und packte meinen Seesack. Schuhe, Anzug, Wasser, Brot, Bleistift, Karte, Streichhlzer, Unterzeug und Strmpfe. Meine Bekleidung whrend der Flucht durfte des Bullauges wegen nur aus dem dnnen Unterzeug und einem rmellosen Pullover bestehen. Fr die Fe hatte ich leichte lederne Turnschuhe, die noch aus Deutschland stammten.
Dann begann die wichtigste Vorarbeit. Wie kam ich am besten durch´s Bullauge? Ausprobiert werden musste es jetzt. Die Deckswache durfte aber nichts merken. Meine beiden Kameraden halfen mir. Mit den Beinen zuerst oder mit dem Kopf? Mit dem Gesicht nach oben oder nach unten? Nebenschlich war das nicht.
Nach vielen Versuchen stellte sich heraus, dass es am besten war, mit dem Kopf zuerst und dem Gesicht nach unten durchzugehen. Ich musste waagerecht durchgeschoben werden, konnte mich dabei mit den Hnden an der Strickleiter absttzen, bis mein Becken durchs Bullauge war. Dann mussten mich meine Kameraden an den Unterschenkeln festhalten, damit ich nicht ins Wasser fiel, sondern mich an der Strickleiter wieder hochhanteln konnte. Dann konnte ich herunter klettern und geruschlos ins Wasser gleiten, whrend mir von oben an einer dnnen Leine mein Seesack herunter gelassen wurde.

Der letzte Nachmittag an Bord war gekommen. Dauernd war ich auf Deck herumgetigert und hatte die Lage gepeilt, Ortungspunke gesucht und gefunden. Auch das Wetter schien zu halten. Ich rechnete mir ernsthafte Chancen auf eine erfolgreiche Flucht aus. Grere Inseln, ein Leuchtturm tauchten auf. Aus der Ferne sah ich hier und da eine Kirchturmspitze herbergren. Immer wieder berlegte ich, ob ich auch nichts vergessen htte.
Nach Mitternacht, etwa gegen ein Uhr in der kommenden Nacht, wrde die Hhe des Staates Maine erreicht sein, den ich dann natrlich zuerst schwimmend, dann wandernd zu erreichen suchen msste. Die beiden Kameraden, die mir helfen wollten, glaubten am spten Abend, als wir in die Kojen krochen, nicht, dass ich meine Flucht durchfhren wrde.
Bevor ich mich jedoch hinlegen konnte, war noch allerlei zu erledigen. Ich verhngte das Bullauge mit Mnteln und Decken, so dass ein Posten, der zufllig vorberkam, auf den ersten Blick nichts verdchtiges htte feststellen knnen. Dann baute ich meinen Seesack griffbereit auf, ebenso die Strickleiter. Meinen Kper und die Unterwsche rieb ich dick mit Fett ein, um mich gegen die andringende Wasserklte zu schtzen. An den Hand- und Fugelenken band ich die Wsche mit Bindfaden zu, damit nicht dauern neues Wasser einstrmen und mich durchklten knnte. So prpariert, kroch ich noch fr kurze Zeit in die Koje. An Schlaf war natrlich nicht zu denken.</span>

Edgtho66
03-09-05, 06:40
<span class="ev_code_YELLOW">Ohne Datum

Alle Kameraden um mich herum schliefen ganz ruhig. Auch meine beiden Helfer. Bis jetzt war ich voller Unruhe, als die Stunde "Null" gekommen war, fand sie mich jedoch vollkommen gelassen vor. Bereit und fester entschlossen denn je.
Ich weckte die Kameraden. Die waren mchtig erstaunt, fanden sich erst gar nicht zurecht, waren noch erstaunter, als ich ihnen zuflsterte, dass meine Zeit jetzt gekommen sei. Da waren sie aber gleich auf den Beinen.
Ich hte aufmerksam auf die Schritte der Wachen drauen. Wenn es der jetzt einfiel herein zu kommen? Aber alles ging glatt. Wir schlichen zum Bullauge. Ich ffnete es und hngte die Strickleiter ein. Es klappte wie am Schnrchen; nur musste, was bei der kperlichen Anstrengung nicht einfach war, jedes Schnaufen und jedes Gesprch vermieden werden. Endlich hing ich an der Strickleiter, stie mich etwas von der Bordwand ab und - war im Wasser. Jetzt erst sprte ich den eisigen Fahrtwind und erst jetzt fiel mir ein, dass ich vergessen hatte, mich von den Kameraden zu verabschieden.
Die Nacht war vllig dunkel, ich konnte nichts sehen. Aber in mir war ein freies, glckliches Gefhl, obgleich ich in fremden Gewssern lag und nicht wusste, was die nchste Stunde bringen wrde.
Dann meldeten sich besorgte Gedanken. Ob die Posten oben auf Deck auch nichts gemerkt hatten?
Das Schiff entfernte sich schnell von mir, immer mehr, immer weiter. Nein, wenn sie etwas entdeckt htten, wre schon lngst Alarm geschlagen worden.

http://www.eu-clan.net/uploads/flucht1.JPG

Aber wo zur Hlle war mein Seesack? Den hatte ich ganz vergessen. Die Wellen gingen hoch. Am Himmel stand kaum ein Stern. Als sich die Augen an die Dunkelheit gewhnt hatten, entdeckte ich meinen Seesack - kaum einen Meter von mir entfernt, schaukelte er auf dem Wasser. Ein solches Glcksgefhl kann man mit Worten nicht mehr umschreiben. Da hatten die Kameraden also prompt gearbeitet. Wre dies nicht der Fall gewesen, htte ich den Sack bei dem Wellengang niemals mehr gesehen.
Ich schwamm an ihn heran und legte mir die lange Schnur, die schon vorher an ihn angebunden hatte, um die Schulter. Auerdem hatte ich, falls das Imprgniermittel mit der Zeit versagen sollte, eine Schwimmweste an dem Seesack befestigt, um ihn auf alle Flle schwimmfhig zu erhalten. Notfalls konnte ich sie auch schnell abmontieren und selbst umlegen. Ein Kchenmesser stak griffbereit in der Weste.
Nun war es Zeit, Richtung zu nehmen. Nur nicht ganz so einfach mit der Nase auf dem Wasser. Ich machte dann aber doch Lichter am Ufer aus, deren Entfernung leider nicht annhernd richtig zu schtzen war. So was ist bei Nacht unmglich. Ich schwamm also los und zog meinen Sack hinter mir durchs Wasser.

http://www.eu-clan.net/uploads/flucht2.JPG

Nachdem ich schon lange Zeit geschwommen war, merkte ich, wie eins der Lichter nach dem anderen verlschte. Wie lange mochte ich schon unterwegs sein? Eine Stunde? Zwei? Allem Anschein nach bewies das Verlschen der Lichter, dass dort drben die Menschen zur Ruhe gingen. Zuletzt brannte nur noch ein einziges Licht, auf das ich zuhielt. Dann verlschte auch das und wieder war vollkommene Dunkelheit um mich, nur in meiner unmittelbaren Nhe gab das Wasser einen dunkelglnzenden Schein von sich.
Es war eine groe Einsamkeit rings um mich her. Aber ich schwamm weiter. Der Wellengang war ziemlich stark und beanspruchte meine Krfte. Da, ganz leicht hellte sich links der Himmel auf. Aber dorthin, wo ich wollte, war es noch dunkel. Ich war bestimmt schon zwei Stunden im Wasser.

Nachdem wieder eine lngere Zeit verstrichen war, konnte ich ganz schwach die Umrisse des Ufers erkennen. Der Seesack machte mir schon eine Weile ganz schn zu schaffen. Er schwebte nur noch ber der Wasserflche. Die Wellen schlugen immer hher in der aufkommenden Morgenbrise. Als ich mich wieder einmal umsah, stellte ich mit Schrecken fest, das der Seesack jetzt ganz unter Wasser gegangen war. Ich musste ihn jetzt ziehen, denn preisgeben wollte, durfte und konnte ich ihn auf keinen Fall.

Mit doppelter Willensanstrengung schwamm ich weiter. Aber der Sack wurde immer schwerer. Die Leine schnitt tief ein. Meine Krfte fingen an, nachzulassen. Lange konnte das nicht mehr so weiter gehen, lange wrde ich diese Belastung nicht mehr aushalten. Aber was machen? Ich konnte doch den Seesack nicht absaufen lassen und spter im Unterzeug an der kanadischen Kste auftauchen. Das konnte ja sofort zu meiner Verhaftung fhren. Wohl traute ich mir zu, den Sack noch eine Weile zu schleppen, aber ich wusste nicht, wie weit das Land noch entfernt war.
Unter Wasser montierte ich die Schwimmweste vom Seesack und legte mir sie selber um. Das war ein schwerer Entschluss, aber ich bereute ihn nicht. Mochte ich nun bald halbnackend irgendwo an fremder Kste stehen, irgendwie wrde sich schon Rat finden lassen.</span>

Edgtho66
04-09-05, 06:12
<span class="ev_code_YELLOW">Ohne Datum

Mit frischem Mut ging es weiter im beginnenden Tageslicht der Kste entgegen. Dort konnte ich mit der Zeit jede Einzelheit erkennen. Es war eine Felsenkste. Ich sah Bume, Tannen, es schien alles ziemlich wild. Auerdem bemerkte ich eine starke Strmung.
In einiger Entfernung sah ich Stcke aus dem Wasser ragen. Sah aus wie ein Fischernetz, auf das mich die Strmung direkt zutrieb. Nun hatte ich allerdings nicht die geringste Lust, den gefangenen Fisch zu spielen. Das Netz wurde mir aber gefhrlich. Ich machte mich ganz flach, lag nur noch oben auf dem Wasser und wurde tatschlich ber das Netz hinweg immer mehr auf´s Ufer zugetrieben.
Meine Krfte lieen sehr stark nach, es war nur ein Wunsch in mir: an Land und hinlegen!

Etwa hundert Meter vom Ufer sprte ich Grund. Langsam watete ich zum Strand. Die Sonne ging auf und legte ber alles helles Licht. Und dann, ja dann stand ich in Unterhosen an Land. Kein Mensch weit und breit, trotz der nchtlichen Lichter kein Haus! Die Strmung musste mich ein mchtiges Stck abgetrieben haben. Kein Gedanke mehr an Hinlegen und Ausruhen. Im Gegenteil, fieberhafte Unruhe war in mir. Auf jeden Fall musste ich mir Kleider besorgen, damit nicht die Flucht gefhrdet wrde. Ich wollte heim, heim nach Deutschland, jetzt erst recht, wo´s soweit geschafft war.
Ein Gedanke: wo ein Fischernetz ist, muss auch eine Fischerhtte sein. Ich wandte mich stromaufwrts. 20 Minuten spter unterdrckte ich einen Aufschrei. Da zwischen Tannen versteckt stand tatschlich eine Htte. War sie bewohnt? Vorsichtig pirschte ich mich an sie heran. Die Tr war verschlossen. Ringsum kein Mensch.
Jetzt erst, da ich erneut handeln musste, sprte ich, wie schwach ich war. Die Tr htte ich nicht aufbrechen knnen, hinein wollte ich aber. Zwei Meter hoch war an einer Seitenwand ein Fenster, das ich eindrckte. Ich war vollkommen ermattet, durchnsst und frchterlich durchkltet durch mein vierstndiges Bad. Trotzdem schaffte ich es irgendwie, mich dort hinein zu zwngen.
Wer kann meine Freude ermessen, als ich an einem Nagel eine blaue Hose und ein blaues Hemd, typisch kanadisches Arbeitszeug, hngen sah!
Flux riss ich mir die nassen Sachen vom Leibe, zog den Arbeitsanzug an - er passte gut - wrang mein eigenes Zeug aus, machte daraus ein Bndel, und schon stand ich auch wieder an der Tr. Durchs Fenster wollte ich nicht mehr, das war mir zu anstrengend. Also brach ich die Tr auf, ging schleunigst hinaus, denn jeden Moment konnte der Besitzer dieser Htte auftauchen.
Dann begann meine Wanderung auf kanadischem Boden, begann mein Marsch in die Freiheit!</span>

Edgtho66
05-09-05, 09:58
<span class="ev_code_RED">Zurck auf U-509</span>


21.10.42 16.10h

Hardegens Boot war da. Am 20.10. traf es ein. Nach kurzem Erfahrungsaustausch berlieen wir uns wieder den Launen des Atlantiks und wnschten uns gegenseitig gute Jagd und fette Beute, auch wenn es in diesem Sektor nicht viel zu holen geben wrde. Ich gab den Befehl zum Rckmarsch ber und auf die bekannten Konvoirouten.
Ich lie kurz vor dem Abendessen die gesamte Mannschaft sich an Deck versammeln. Ich gab ihnen Gelegenheit, ein Vollbad im Atlantik zu nehmen. Wetter, Tageszeit, Stimmung und Temperatur luden uns fmlich dazu ein. Mit groem Hallo wurde dieses von meinen Mnnern begrt und unter groem Gejohle strzten sie sich ins angenehme Nass. Hier in PQ DO 14 waren wir doch schon relativ sicher, was amerikanische Schmeifliegen anging. Und wer wei, was uns das Wetter morgen bringen wrde. Wenn uns schon der Erfolg im Kampfe versagt sein sollte, so sollte doch wenigstens die Stimmung wieder etwas positiven Zuspruch finden.
Nach einer Stunde war alles wieder vorbei und wir machten uns auf den Rckmarsch mit Umwegen.

Am 23.10 bekamen wir via FT die Meldung, das Operation Theseus gescheitert war. Die Briten starteten unter Montgomery einen Gegenangriff, der das deutsche AFK zum Ausweichen zwang. Ohne Nachschub, dessen Wege stndig von britischen Verbnden von Malta aus ge- und zerstt wurden, konnte es sich nicht lange halten.


27.10.42 01.51h

Eben kam wieder ein FT rein. Meldung von U-125, KptLt. Ulrich Folkers Boot. Er hatte einen Frachter gesichtet in DE 47. Er befand sich auf dem Rckmarsch, weil er total leergeschossen war, konnte somit nicht angreifen. Von unserer Position aus war der Frachter rund 220km weit weg. Trotzdem entschied ich mich, unser Boot auf Abfangkurs zu bringen. Hartenstein ermittelte alle notwendigen Daten. Nach seinen Berechnungen zufolge mssten wir in knapp neun Stunden dort sein. Ein gewagtes Unternehmen auf diese Entfernung, das uns wieder eine beachtliche Menge an Treibstoff kosten wrde. Trotzdem entschied ich mich dafr, den Kahn zu finden, anzugreifen und zu versenken.
Selbst wenn wir ihn nicht finden sollten, so war doch wenigstens fr ein paar Stunden meine Mannschaft wieder voll dabei. Nach Wochen des Dahinvegetierens endlich wieder mal ein vermeintliches Ziel.

Edgtho66
06-09-05, 02:31
27.10.42 09.48h

Wir waren da. Hier an diesem Punkt sollten sich unsere Wege kreuzen. Ich lie das Boot auf 25m einpendeln, um mir erst mal einen berblick durch Rundhorchen zu verschaffen.
Zu hen war nichts. Also lie ich das Boot auftauchen und auf Gegenkurs gehen. Wir waren wohl zuerst am Treffpunkt angelangt. Mit jetzt kleinster Fahrt fuhren wir auf dem vermeintlichen Kurs dem Frachter entgegen. Nach jeder Stunde lie ich tauchen, um wieder horchen zu lassen. Um 11.51h kam die Meldung, das der Schwarzmeerhafen Constantza den deutschen maritimen Einheiten jetzt zur Verfgung stehen wrde. Aber dafr hatten wir jetzt verstndlicherweise berhaupt kein Interesse.


27.10.42 12.05h

"Herr Kaleun, Kontakt auf 340, groe Entfernung", lie mich mein Horchmaat Carl Kreutzer wissen. Ich grinste tief in mich hinein. Ich sah die groe Erleichterung in den Gesichtern. Anerkennend klopfte ich meinem II.WO auf die Schultern. "Gut gemacht, Junge!" Er nickte sichtlich erleichtert und drehte sich mit einem leichten Lcheln wieder um.
Wir tauchten wieder auf und nahmen Kurs. Ich lie OLt.Adolf Carlewitz und die zweite Wachmannschaft auf die Brcke hoch. Ich brauchte jetzt eine frische ausgeruhte Wache da oben. Nicht das uns so kurz vor dem ersten Schuss noch ein unvorhersehbares Ereignis wie ein berraschender Flieger uns um unseren verdienten Lohn bringen wrde. Ich ging ebenfalls "auf Brcke".


27.10.42 13.01h

Der Wachgnger Klaus Wolfbauer, ein nahezu schmchtig anmutender Stuttgarter, dem aber die schwbische Grndlichkeit ins Gesicht geschrieben stand, entdeckte ihn zuerst.
"Schiff gesichtet, Herr Kaleun. Peilung 076, groe Entfernung."
"UZO auf Brcke" gab ich nach unten weiter. Erst mal feststellen, mit wem wir uns hier einlassen und vor allem, wie weit ist er noch weg.
Es war ein kleiner, unter britischer Flagge fahrender Frachter, der mit 9 Knoten auf sein Verderben zusteuerte. Noch waren wir weit genug entfernt, ca. 4100m, aber trotzdem konnte man an seinen Aufbauten entdecken, das er eine Kanone auf dem Achterschiff hatte. "Auf Seerohrtiefe gehen" gab ich nach unten weiter. Dann rumten die erste Wachmannschaft und ich die Brcke. Zugegeben, viel wrde uns dieser kleine Happen da nicht bringen, aber er war auch gro genug, um sich einen Torpedo zu verdienen. Vor allem nach so einer langen Durststrecke, wie ich sie mit meinen Mnnern hinter mir hatte.
Wir lagen querab 900m von seiner vermutlichen Kurs, so er nicht berraschend zacken sollte. Eine nahezu perfekte Entfernung mit erstklassigem Winkel. Der musste einfach sitzen.

Edgtho66
07-09-05, 13:18
27.10.42 13.13h

"Frage Peilung?" rief ich nach unten; "Kurs 56, Entfernung 1000" kam es zurck. Ich fuhr das Seerohr aus.
Um 13.15h gab ich nach unten durch: "Entfernung 725 / Lage 68 Bb / Gegnerfahrt 8 / Rohr eins bewssern. Einzelschuss."
Kreutzer meldete prompt zurck, das Rohr eins bewssert und fertig zum Unterwasserschuss sei.
Jetzt galt´s!
"Rohr eins los!"
Eine leichte Erschtterung ging durchs Boot. Der Aal war raus. 40 Sekunden der Ungewissheit standen uns jetzt bevor. Ich lie aus reiner Vorsicht auch Rohr zwei klar machen.

http://www.eu-clan.net/uploads/frachter3.JPG

Aber das war nicht mehr ntig. Wir hatten ihn achtern voll erwischt. Sein Heck ging sofort in Flammen auf. Der Maschinenraum war faktisch nicht mehr vorhanden. Sehr schnell nahm der Dampfer Wasser auf. Fr die Besatzung an Bord blieb kaum Zeit, die Rettungsboote ins Wasser zu bringen, geschweige denn, noch ein SOS abzusetzen. Dies kam uns natrlich wiederum sehr gelegen. So wrde man nicht zu schnell auf uns aufmerksam werden. Bereits 4 Minuten spter war der Spuk vorbei. Nur eine llache zwischen den Rettungsbooten erinnerte noch daran, das hier vor 5 Minuten noch ein Frachter der HMS Flotte seine Bahn gezogen hatte. Wir blieben getaucht und drehten uns wieder mit langsamer Fahrt auf den alten Kurs ein. Fr die nchsten Stunden blieben wir getaucht. Positiv zu vermerken war auch das schnelle Nachladen im Bugtorpedoraum. Nur ganze 8 Minuten hatte es gedauert, bis der neue Aal an seinem Bestimmungsort war. Die Jungs da vorne leisteten auch ganze Arbeit.
Auch wenn es nur ein "kleines" Erfolgserlebnis war, so lie ich doch eine Flasche Becks an jeden meiner Mnner austeilen. Die Mannschaft hatte es sich redlich verdient! So diszipliniert nach Wochen des Wartens, das war anzuerkennen, wenn auch erst mal nur im kleinen Rahmen.

Edgtho66
08-09-05, 13:36
30.10.42 06.55

Der Sturm, durch den wir seit 2 Tagen fuhren, machte uns sehr zu schaffen. Windgeschwindigkeiten von bis zu 15m/s aus SSO verlangten uns und dem Boot alles ab. Wir machten kaum noch Fahrt ber Grund, weswegen ich mich entschied, erst mal fr eine Weile von der Oberflche zu verschwinden.
Bei 61m lie ich die E-Maschinen abstellen.
Der Groteil meiner Mnner war stehend k.o. Bei dem Wetter war nicht im geringsten an irgendeine Form der Erholung fr die dienstfrei habende Besatzung zu denken. Wer auch nur irgendwie entbehrlich war, wurde in die Kojen geschickt.
Einfach nur Ruhe!

Um 18.24h gab ich den Befehl, auf Periskoptiefe zu gehen. Nicht das unser Horchmaat etwas geht htte, nein, aber in der Beziehung hatte ich aus der Vergangenheit gelernt. Erst mal einen kleinen Rundblick durch das Luftzielseerohr. Nichts zu hen und nichts zu sehen. Ich lie auftauchen.
"Erste Wache sich klar machen" rief ich nach unten. "Jawoll, Herr Kaleun" kam´s zurck.

Das Meer hatte sich wieder beruhigt. Sanft wie eine Decke lag es vor uns in seinem zarten Blau. Heute morgen noch wollte es uns mit Mann und Maus verschlingen, jetzt lud es uns zu einer kleinen Spazierfahrt ein. Nicht mal der Hauch eines Lftchens strich uns ber die Hupter.
Was zum Henker machten wir hier eigentlich?


30.10.42 18.37h

Wir standen in DE 37 mit knapp ber 50% Treibstoff an Bord. Zwei berlegungen gingen in mir vor. Erstens, ein Umweg ber Gibraltar nehmen, sich dann aber der uneingeschrnkten Luftaufklrung der Englnder aussetzen oder ..... legen wir uns noch etwas vor dem rmelkanal. Da gab´s zwar auch Luftraumberwachung, aber nicht in dem Mae wie vor Gibraltar. Dort htte unsere Luftwaffe, so sie denn von Brest aus starten konnte, ein Wtchen mitzureden. Wenn auch die Einstze unserer Luftwaffenkameraden nur noch sporadisch zu verzeichnen waren. Ihre Anzahl hatte sich damals nach der aufgegebenen Luftschlacht um England nahezu halbiert, da sie fr Unternehmen Barbarossa gebraucht wurden. Und unter chronischem Spritmangel litten mittlerweile alle Teilstreitkrfte.

Nur mit groen Tauchtiefen wre es dann Essig. Und die brauchte man bedingungslos. Gerade wenn man mit Booten solchen Ausmaes unterwegs war wir es taten. Oftmals war es berhaupt die einzige Rettung, die Tiefe. Tiefen von 232m sollen erreicht worden sein, so einige Kameraden damals im Offiziersheim in St. Nazaire.
Zu holen gab es an beiden Stellen immer etwas. Also was tun? Im Unterbewusstsein vernahm ich , wie mein L.I. die zweite Wache anwies, sich fertig zu machen.

Edgtho66
09-09-05, 13:33
<span class="ev_code_RED">Rckblende Teil 2</span>


<span class="ev_code_YELLOW">Ohne Datum

Ich stie zuerst auf Tannenwald und kam, da er wenig Unterholz hatte, gut vorwrts. Die Mdigkeit war zwar nicht vergessen, aber doch vorlufig berwunden. Nach etwa anderthalb Stunden kam ich an einen Feldweg und sah auch bald die ersten Huser. Da es aber noch frher Morgen war, traf ich keinen Menschen.
Dann kam wieder Wald. Der Hunger meldete sich. Im Weitermarschieren raffte ich ein paar Hnde voll Brombeeren von den neben dem Wege stehenden Bschen und a sie voller Behagen. Erdbeeren fand ich auch. Beides wuchs dort in ungeheuren Mengen. Verhungern wrde ich also nicht.
Ich marschierte weiter.
Die Sonne stieg hher.
Endlich, gegen Mittag, schien es mir, dass ich wohl eine kleine Rast einlegen knnte. Ich musste ja befrchten, dass mein Einbruch in der Fischerhtte bereits entdeckt worden war und dass unter Umstnden schon Verfolger hinter mir her wren. Die gebndelte nasse Unterwsche breitete ich an einer einsamen Stelle aus und legte mich daneben in die Sonne. Die Mittagsruhe sollte so lange dauern, bis die Sachen getrocknet waren. Das war nach ungefhr einer Dreiviertelstunde der Fall. Ich zog die Wsche unter und konnte jetzt frei und ledig weiterwandern.
Dfer, die mir auf meinem Wege nach Sdosten in die Quere kamen, durchwanderte ich frech und gottesfrchtig. Was konnte mir schon in meinem zunftgerechten kanadischen Arbeitszeug geschehen? So ganz echt war meine Wurstigkeit aber natrlich nicht, bei jeder Begegnung wurde mir doch ein bisschen ngstlich zumute.
De erste Bewohner eines Dorfes, dem ich begegnete, begrte mich zu meinem Erstaunen nach deutscher Sitte freundlich mit einer Handbewegung und mit einigen franzsischen Worten. Obgleich ich nichts davon verstand, tat ich genau das gleiche, hob die Hand und murmelte hnlich klingende Laute.
Unbehindert passierte ich das Dorf.
Bei der nchsten Ortschaft machte ich es anders. Wenn Leute vor der Tre oder an den Gartenzunen standen und mich ansahen, so war ich der erste, der sie mit einer Handbewegung und einigen franzsischen Lauten grte.
Mir war in wenigen Stunden dieser kanadische Gru so vertraut geworden, dass ich ihn ganz ohne Scheu anwandte. Ich fhlte mich auch ziemlich sicher. Die Richtung, in die ich wandern musste, stand fest, zu fragen brauchte ich nicht.
Die Mahlzeiten schenkte mir der kanadische Wald. Darum brauchte ich also auch keinen Menschen zu bitten. Und wenn ich nach meinem selbst gepflckten Brombeer- und Erdbeergericht auch nicht das Gefhl hatte, von einer gut besetzten Tafel aufgestanden zu sein, so hatte ich doch nach jeder Mahlzeit das Bewusstsein, meinen Hunger leidlich gestillt zu haben.
Dann nahte der Abend. Es wurde Zeit, dass ich Umschau nach einer einsamen Waldhtte hielt. Ich musste meinem Kper nach den Strapazen der Nacht und des Tages Ruhe gnnen.
Ich fand bald, was ich suchte, eine Scheune unmittelbar am Wald. In einer Ecke des Schobers lag ein wenig Heu, was noch fehlte, musste ich mir aus allen Ecken zusammenkratzen. Ich legte mich in die Mitte des Haufens und deckte mich ganz mit Heu zu. So hatte ich ein warmes Nest und war gleichzeitig gut getarnt.
Natrlich hatte ich beim Anschleichen an die Htte alle Vorsicht walten lassen. Ich war sicher, dass mich kein Mensch gesehen hatte, und so wollte ich ruhig schlafen. Erst als ich lag, merkte ich, wie hundemde ich war. Gerade wollte mich einnicken, da raschelte es unter mir.</span>

Edgtho66
10-09-05, 05:04
<span class="ev_code_YELLOW">Ohne Datum

Ratten! Das war nun nicht gerade sehr angenehm, auerdem hte es sich an, als bewegten sich die Biester geradewegs auf meinen Kopf zu. Ich hob ihn hoch. Stille. Dasselbe Spiel wiederholte sich noch ein paar mal , bis ich vor Mdigkeit einschlief und die Ratten Ratten sein lie.
Ich schlief wundervoll ruhig und tief, wachte aber mit dem Hellwerden auf und verschwand sofort aus der Scheune.
Wieder begann der Marsch durch Wlder und Dfer, wieder nahm ich dankbar die Mahlzeiten, die mir entgegen wuchsen, an.
Besonderes geschah nicht an jenem Tage.
Gegen Abend setzte langsamer Regen ein, der immer strker wurde, je nher die Nacht kam. Das war mehr als unangenehm. Ich kehrte darum, nachdem ich bemerkt hatte, dass der Regen doch nicht aufhen wrde, zu einer Htte zurck, an der ich vorher schon vorbei gekommen war. In ihr verbrachte ich die Nacht verhltnismig ruhig. Frh am anderen Tage sollte es weiter gehen, aber daraus wurde nichts. Es goss immer noch wie aus Kbeln. Der Himmel war dunkel von Wolken, es war kein Ende abzusehen. Da die Wassermassen die Wege im weiteren Verlauf des Tages in reiende Bche verwandelten, wre es sinnlos gewesen, in das Unwetter hinaus zu wandern.
Natrlich war ich ber diesen erzwungenen Aufenthalt alles andere als erfreut, denn wer konnte wissen, was fr Nachteile er mir bringen mochte.
Um wenigstens einen Vorteil vom Regen zu haben, legte ich mich wieder hin, um im Schlaf Krfte auf Vorrat zu sammeln. Aber auch aus dem Schlafen wurde nichts. Der Regeln trommelte mit solcher Wucht auf das platte Dach herunter, dass mir die Ohren drhnten. Ich stand wieder auf, guckte durch die ffnungen der Htte nach allen Himmelsrichtungen, ob sich nicht irgendwo ein heller Streifen entdecken lie. Aber auch das war zwecklos. Wenn es denn mal heller wurde, kam sogleich wieder eine dunkle Wolke machte meine Hoffnungen zunichte.
Trotz allem verging die Zeit recht schnell. Es war schon Nachmittag, als ich mich, getrieben von Unruhe und immer strker werdendem Hunger, doch wieder auf den Weg machte.
Es wurde ein regelrechter Kampf mit der Waldstrasse. Der Lehmboden war zhe und saugte meine leichten Schuhe an. Schritt fr Schritt musste ich mir erkmpfen. Schon nach wenigen hundert Metern musste ich ausruhen. Doch ein zurck gab es fr mich nicht. Gerade wollte ich weiter - Motorengerusch.
Ich wandte mich um und sah schon in ziemlicher Nhe einen Lastwagen heran brausen. Ganz instinktiv hob ich die Hand zum Zeichen, dass ich mitfahren wollte, und - tatschlich, der Fahrer hielt, ffnete die Tr und fragte mich etwas, was ich nicht verstand. Ich beachtete es gar nicht weiter, sondern sprang einfach hinten auf den leeren Wagen. Der Fahrer war ziemlich verwundert und sprach weiter in franzsischer Sprache auf mich ein. Ich merkte, dass er mir klarmachen wollte, wohin er fhre und von mir nun wissen wollte, wohin ich denn wollte. Ich antwortete ihm mit ein paar englischen Brocken und zog mich so aus der Affre. Der Kerl sollte doch nur fahren und nicht fragen. Er fragte aber doch noch einmal. Ich verstand:" Diesen Weg, Sir?" und antwortete mit stoischer Ruhe: "All right!", worauf er befriedigt seine Tr zumachte.
Sicherlich hat er angenommen, einen frechen Englnder vor sich zu haben, den er am besten ohne Wiederspruch mitnahm. Mir konnte das nur sehr Recht sein.
Jedenfalls war ich froh, als der kanadische Franzose seinen Diesel wieder anwarf und los fuhr.
Es war entschieden angenehmer, vom Wagen herab die vorbei sausende kanadische Landschaft zu betrachten und dabei seinem Ziel nher zu kommen, als zu Fu be die Landstrasse, zumal ich es ja auch noch sehr eilig hatte, Kanada zu verlassen. Obwohl es hier wunderschn war.</span>

Edgtho66
11-09-05, 08:19
<span class="ev_code_YELLOW">Ohne Datum

Der Wagen hielt zu meiner Freude immer noch die von mir gewnschte Sdostrichtung ein. Dann bog er scharf links in eine andere Chaussee ein. Doch auch das war mir trotz der Kursnderung recht. Je schneller ich recht weit weg von der Kste und der erbrochenen Fischerhtte wegkam, um so lieber war mir das, denn wenn der Fischer die Polizei benachrichtigt hatte, wre es ja fr die ein Kinderspiel gewesen, mich als Tter zu identifizieren.
Mein Chauffeur sah sich des fteren durch das Rckfenster nach mir um. Sicher wollte er sich davon berzeugen, ob ich noch da war. Es wre mir aber, selbst wenn ich gewollt htte, unmglich gewesen auszusteigen. Vielleicht wollte er aber auch nur feststellen, ob ich ihn nicht zum Halten auffordern wrde. Ich verkroch mich in eine Ecke und richtete mich dort gemtlich ein, so dass er merken musste: der will noch eine Weile bleiben.
Langsam wurde es Abend. Das Wetter wurde besser, der Regen lie nach. Ich merkte, dass wir uns einer bewohnten Gegend nherten, und beobachtete alles mit doppelter Aufmerksamkeit.
Die ersten Gebude eines einsamen Dorfes tauchten auf. Schnell schtze ich etwas ber vierzig Huser mit einer Riesenkirche, war aber noch beim zhlen, da hielt das Auto schon mitten im Dorf.

http://www.eu-clan.net/uploads/Apolline.JPG

Der Fahrer wollte allem Anschein nach tanken, denn er hatte den Wagen vor dem einzigen Laden zum Stehen gebracht, in dem man alles bekommen konnte: vom Benzin bis zur Eiscreme.
Wir hatten kaum gehalten - der Fahrer war ausgestiegen und machte sich an seinem Benzintank zu schaffen -, da kamen aus dem Laden schon ein paar neugierige Kinder heraus gesprungen, denen ein Mann und eine Frau folgten.
Der Chauffeur verlangte Benzin.
Whrend das Benzin hinein gepumpt wurde, berlegte ich schnell, wie ich mich verhalten sollte. Ich sprang vom Wagen herunter und ging sofort ins Geschft hinein, wo mich Kinder und Erwachsene freudig begrten. Ob sie in mir einen solch guten Kunden witterten? Wahrscheinlicher war´s doch, dass in dieser einsamen Gegend jeder Neuankmmling so begrt wurde, weil er etwas Abwechslung in das ewige Einerlei brachte.
Einem Knaben, der im Laden bediente, versuchte ich klar zu machen, dass ich eine Karte von dem Gebiet haben wollte, in dem wir uns befanden. Es wurde fr mich allerhchste Zeit, genau festzustellen, wo ich mich eigentlich befand. Mein ganzer Fluchtplan war bisher lediglich auf "Berechnungen" aufgebaut. Bis jetzt hatte ich noch keine Mglichkeit gehabt, mich zu orientieren.
Ich wusste nicht, wie weit mich die Strmung im St.-Lorenz-Golf abgetrieben hatte, wusste nicht, wie viele Kilometer noch bis zur amerikanischen Grenze zurckzulegen waren. Ich wusste nur, dass ich mich irgendwo in Kanada befand und welche Richtung ich einschlagen musste.
Leider war eine Verstndigung zwischen dem Knaben und mir unmglich. Er sprach nur franzsisch. Ich dagegen radebrechte nur englische Brocken und hoffte, dass der Junge sie verstnde.
Er verstand sie aber nicht, obgleich ich sah, wie er sich abmhte, den Sinn meiner Worte zu erfassen.

Dann die Idee. Ich nahm einen Bleistift und Papier und zeichnete die Umrisse von Kanada darauf. Jetzt begriff der Bursche, was ich haben wollte und brachte mir eine Autokarte. Er zeigte mir darauf sofort den Ort, in dem ich mich befand. Er hie Ste. Apolline.
Schnell orientierte ich mich weiter und hatte Mhe, meine Freude zu verbergen, denn ich sah, dass ich mich nur etwa zwanzig Kilometer von der Grenze des U.S.-Bundesstaates Maine befand. Also ein knapper Tagesmarsch nur noch und ich war in Sicherheit.
Vorsorglich prgte ich mir aber noch einen Ort ein, der nicht in Richtung auf die amerikanische Grenze lag. Es war das etwa zehn Meilen von Ste. Apolline entfernte Dorf St. Paul du Buton.</span>

Edgtho66
12-09-05, 12:20
<span class="ev_code_YELLOW">Ohne Datum

In meine berlegung hinein sprang das Rattern des drauen wieder angeworfenen Motors. Ich schielte zur Tr hinaus und sah, dass der Laster, der mich hierher gebracht hatte, abfuhr. Mir war es sehr lieb, dass der Franzose sich davon machte, ohne mich weiter zu beachten. Es blieb nur abzuwarten, was die Ladeninhaber von meinem Verhalten dachten. Die mussten doch annehmen, dass ich zur Lastwagenbesatzung gehte.
Um etwaige Zweifel bei ihnen zu zerstreuen, fragte ich so ganz nebenbei nach dem Weg nach St. Paul du Buton. Da mich die Leute ja aber nicht verstanden, war die Situation fr mich doch ziemlich verfnglich. Was also anfangen?
Es wurde schauderhaft ungemtlich; auf keinen Fall durfte ich Misstrauen berhaupt erst aufkommen lassen. Ein zwlfjhriger Junge ri mich aus der Lage heraus. Er betrat den Laden, um etwas zu kaufen. Ehe er aber seine Bestellung machen konnte, rief ihm der Junge, der mir die Karte gezeigt hatte, zu, dass ich Englnder sei. Darber schien der der Neue sehr erfreut zu sein, denn sofort wandte er sich mir zu und probierte seine englischen Schulkenntnisse aus. Der Bengel sprach ein weitaus besseres Englisch als ich. Aber ich wrde mich schon durchlavieren.
Ich war ihm von ganzem Herzen dankbar, weil er durch sein Erscheinen und dann auch durch seine Fragen nach meinem Woher und Wohin mit einem Schlage die verteufelt peinliche Situation beendet hatte. Das ich nach St. Paul du Bruton wollten, hatte ich dem Jungen schon verdolmetscht.
Inzwischen waren neue Kunden angekommen, auch der Ladenbesitzer kehre zurck. Das Brschchen parlierte weiter mit mir - und alle Anwesenden folgten unserem Gesprch mit grter Anteilnahme. Natrlich merkten sie sofort, dass das "Gesprch" nicht so recht klappen wollte. Ich lchelte im stillen, als ich merkte, dass man die Schuld daran dem Jungen zuschob. Der arme Kerl. Er hatte sich vorher gerhmt, so gut Englisch zu knnen, und jetzt, wo ihm ein Englnder gegenber stand, versagte er. Das war die Meinung seiner Landsleute.
Tatschlich gab er sich die grte Mhe, aber ich verstand sein schnes Englisch eben nur brockenweise. Bald aber hatten wir beide einen Modus vivendi gefunden. Fragte er etwas, was ich nicht verstand, so antwortete ich einfach: "Yes!" Gab ich aber einen zusammenhngenden Satz auf Englisch von mir, den er absolut nicht verstehen konnte, so sagte er auch einfach: "Yes, yes!" und verdolmetschte dann den anderen Zuhern irgend etwas, was vielleicht das Richtige, wahrscheinlicher aber das Falsche war.
Diese spaige Unterhaltung wurde dadurch unterbrochen, dass mich der Ladeninhaber zu einem Imbiss im Hause einlud. Komisch, das verstand ich sofort. berhaupt war die ganze Atmosphre beraus gemtlich. Die Sprachschwierigkeiten schienen gar kein Hindernis, im Gegenteil, wir vertrugen uns, so fremd wir uns waren, ausgezeichnet.
Ich lie ihnen bersetzen, dass ich Ire und auf der Wanderschaft nach St. Louis sei, wo ich Bekannte htte. Es wurde ein rundherum herzlicher netter Abend, der darin gipfelte, dass mich die Gastgeber zum bernachten einluden. Angesichts der Tatsache, das es mittlerweile schon weit nach neun Uhr war, nahm ich das Anerbieten dankbar an.</span>

Edgtho66
13-09-05, 03:26
<span class="ev_code_YELLOW">Ohne Datum

Bevor ich nach einem mehr als herzhaftem Frhstck das Haus endgltig verlie, tauschten wir noch herzliche Abschiedsgre und gute Wnsche aus, und dann gab man mir noch einen Jungen mit, der mir den richtigen Weg nach St. Paul du Buton weisen sollte. Mit einem sehr schlechten Gewissen wanderte ich los, hatte ich doch die Finger nicht bei mir lassen knnen und mich um einige ntzliche Dinge bereichern mssen wie einem Bleistift, Papier und ein paar Streichhlzern. Ich verabschiedete bald den Jungen und verlie den Weg nach St. Paul, um die Richtung einzuschlagen, die mich, so hoffte ich, noch am gleichen Tage in die Staaten bringen sollte.
Niemals wieder bin jemals Menschen so dankbar gewesen wie diesen Menschen dort, die mir durch ihr Verhalten so geholfen hatten.
Das Wetter war sehr schn. Schon am frhen Morgen brannte die Sonne. Das Grenzgebiet bestand aus riesigen Wldern mit wundervollem Baumbestand. Ich wollte auf jeden Fall das Gefahrengebiet Kanada noch an diesem Tage verlassen. Darum schlug ich den direkten Weg zur Grenze ein.
Am Nachmittag befand ich mich in einem Ort, der nach meiner Karte der vorletzte von der Grenze war, Ste. Lucie. Da ich den direkten Grenzbergang natrlich schon wegen der Kontrolle vermeiden musste, wollte ich das letzte Dorf nicht betreten, sondern es in einem groen Bogen umgehen und mich dann quer durch den Wald der Grenze nhern, die sich in einer Entfernung von etwa fnf Kilometern Luftlinie durch den Wald zog. Als ich aber, nachdem das letzte Dorf in Sicht gekommen war, den Wald dort anging, wo ich es mir vorgenommen hatte, musste ich meinen Plan aufgeben. Ich htte schon ein greres Buschmesser haben mssen, wenn ich da htte durchdringen wollen.
Ich ging also wieder zur Strasse zurck und wagte es, unmittelbar ins Grenzdorf Lac Frontire hineinzugehen, um dort vielleicht eine gnstigere bergangstelle ausfindig zu machen.
Ich versuchte es erst nach der rechten Seite hin. Kaum aber hatte ich mich soweit an den Wald heran gearbeitet, dass ich einen berblick gewann, da machte ich mich wieder auf den Rckweg, um es auf der anderen Seite des Dorfes zu versuchen.
Also noch einmal durch das Dorf. Ich kam sogar in die Nhe der Zollhuser und schielte das Sternenbanner an, das zu mir herber grte. Mehr wagte ich nicht, denn ich glaubte, dass das offene Hinblicken allein mich schon verdchtig machen wrde. Auerhalb des Dorfes versuchte ich dann zum dritten Mal an diesem Tage mein Heil mit dem Wald.
Aber jetzt war´s noch viel weniger mglich. Jene Stellen waren noch undurchdringlicher und auerdem durch die Nhe des Grenzflusses total versumpft. Ich war mutlos geworden, auerdem wurde es jetzt dunkel. Schweren Herzens musste ich mich entschlieen, noch eine Nacht auf kanadischem Boden zu verbringen.
Die Lage begann gefhrlich fr mich zu werden. Zu vielen Leuten war ich begegnet. Es wurde allerhchste Zeit, dass ich mich unsichtbar machte. Aber auch das wollte mich nicht gelingen. Weit und breit war nirgends eine abgelegene Unterkunftsmglichkeit zu entdecken. So blieb mir nichts anderes brig, als in eine Scheune neben einem Farmerhaus hineinzuschlpfen, und zwar durch die Hinterwand, an der erst noch einige Bretter gelst werden mussten. Drinnen merkte ich, dass der Schober gleichzeitig Kuhstall war. Ich stieg also auf den Heuboden und machte mir ein herrliches Schlafpltzchen zurecht.

Gerade wollte ich die Augen zumachen, als unter mir reichlich lebendig wurde. Anscheinend war gerade Futterzeit, denn die Khe und Schweine machten einen Heidenlrm. Zu allem berfluss hte ich auch noch mehrere Menschen sprechen. Das schien mir dann doch zu gefhrlich und so verzog ich mich auf demselben Wege, auf dem ich gekommen war.
Ich konnte auf keinen Fall abwarten, was da in der Scheune geschah; wenn die Leute Heu herunter geholt htten, wre ich zweifellos entdeckt worden. Ich musste mich also noch einmal auf die Quartiersuche machen und fand auch etwas. Eine alte Mhle, die nur noch als Heuboden diente. Dort verbrachte ich ungestt die Nacht. Die grte Sorge vor dem Einschlafen - und ich war hundemde - war, ob ich auch frh genug wach wurde. Ich musste allersptestens etwa um halb drei Uhr morgens das Grenzdorf passieren, um keinem Menschen zu begegnen und um im Schutze der Morgendmmerung ber die Grenze zu kommen.
Nachdem ich mich mit allen Sinnen auf diesen Zeitpunkt konzentriert hatte, schlief ich sofort ein.

Ich erwachte. In der Mhle war es noch dunkel. Trotzdem - es war Zeit. Ein Blick durch das Fenster zeigte am Himmel das erste leichte Dmmern. Ich war wundervoll erfrischt und vollkommen ruhig. Als ich aufbrach, erfllte das feste Bewusstsein mich: es wird klappen!</span>

Edgtho66
14-09-05, 14:37
<span class="ev_code_YELLOW">Ohne Datum

Ich schlich mich an die Strasse heran. Leichter, aber dichter Bodennebel kroch ber die Strasse und Felder. Ich benutzte ihn als Deckung und kam so an die Stelle, an der es mir gestern aussichtslos erschienen war, in den Urwald eindringen zu wollen. Heute aber, am frhen Morgen, packte ich es mit frohem Mut von neuem an, denn jetzt hie es fr mich: Immer A.K. voraus!
Bald aber merkte ich, an ein Laufen oder auch nur Gehen war hier einfach nicht zu denken. Es wurde nur ein langsames Klettern ber gefallene Stmme hinweg. Lngs der Grenze musste ich noch einen Bahndamm passieren. Er lag frei in einer breiten, abgeholzten Waldstrecke. Zwar war der Boden in der Nhe des Dammes besser geworden, aber auch jetzt konnte ich es nicht wagen schnell zu laufen, denn die Grenze konnte auf sehr langer Strecke von beiden Seiten eingesehen werden.
Ich stand eine ganze Weile in Deckung am Waldesrand und berlegte, wie ich am besten durchkam. Vor mir war ja nicht nur die freie Waldstelle, sondern auch der zwei Meter hohe Bahndamm zu berqueren. Ich musste mich dabei so unsichtbar wie nur irgend mglich machen, denn sowohl diesseits wie jenseits des Dammes musste ich mit der Anwesenheit vom amerikanischen und kanadischen Posten und Patrouillen rechnen. Die aber htten ein berschreiten des Gleises auf weite Entfernung gesehen. Die Sonne war Gott sei Dank noch nicht aufgegangen, immer noch gab der Bodennebel, der allerdings schon leichter geworden war, gute Deckungsmglichkeit. Das musste ausgenutzt werden. Ich warf mich also auf die Erden und robbte ganz vorsichtig ber die freie Strecke bis an die Bschung heran. Hier blieb ich liegen, beobachtete nach links und nach rechts und horchte nach dem ber mir aufsteigenden Bahndamm. Es blieb alles ruhig. Nunmehr nahm ich im Sturmlauf den Damm, hoch an die Bschung, in tiefgeduckter Haltung ber die Schienen, auf der anderen Seite herunter, und schon lag ich schnaufend in - Sicherheit?
Abwarten. Das alles hatte sich blitzschnell, in wenigen Sekunden abgespielt. Hier zeigte sich, dass eine infanteristische Feldausbildung fr einen Seemann manchmal von allergrter Bedeutung werden kann. Mir hat sie jedenfalls geholfen und ich danke meinem Ausbildungsunteroffizier noch heute fr seinen Schliff.
Nach kurzer Beobachtungszeit, in der ich nichts Verdchtiges hte, robbte ich schnell noch bis zum jenseitigen Waldrand, sprang dort in Deckung hoch und drang in das Dickicht ein, immer in Sdostrichtung.
Schon nach kurzer Zeit war es mit dem guten Vorwrtskommen wieder vorbei, wieder musste jeder Schritt nach vorn erkmpft werden. In der hohen, vermodernden Humusschicht dieses Urwaldes fanden meine Fe keinen Halt, oft sank ich tief ein. Wo es ging, balancierte ich auf niedergebrochenen Stmmen und kam dadurch auch etwas schneller vorwrts, denn solche Stmme gab es hier zuhauf. Nach meiner Karte zufolge musste ich mich jetzt schon auf amerikanischem Gebiet befinden.
Das besttigte sich, als ich mich einem Fluss nherte, der, so wies es die Karte aus, bereits vier Kilometer von der Grenze entfernt amerikanisches Gebiet durchfloss.
Dieser Fluss bedeutete fr mich, besonders nach meiner ausgedehnten Schwimmtour im St.- Lorenz-Strom, nur ein geringes Hindernis. Ich wurde aber bald eines Schlechteren belehrt, denn je mehr ich mich dem Fluss nherte, um so mehr vernderte sich der Boden. Das ganze Stromgebiet bis weit hinein nach meiner Anmarschseite war vllig versumpft. Trotzdem versuchte ich vorzudringen, aber gleich bei den ersten Schritten sank ich bis an die Knie ein. Der Wald hatte aufgeht, es gab nur noch Ufergewchs, ganz niedere Bsche, an denen ich keinen Halt finden konnte.</span>

Edgtho66
15-09-05, 15:27
<span class="ev_code_YELLOW">Ohne Datum

Um mir nicht die Kleider zu zerreien und um sie trocken zu halten, zog ich mich aus und konnte so "vollkommen unbehindert" allen Mglichkeiten entgegen sehen. Meine gebndelten Sachen hing ich um den Hals und versuchte mein Heil. Es wurde ein schweres Ringen um jeden Meter Boden, denn ein zurck gab es nicht mehr. Oft sank ich bis an die Hften im Morast ein, aber letztendlich erreichte ich doch das freie Wasser. Ich legte mich sofort hinein und empfand unter wohligem Strecken meiner Glieder ein kstliches Behagen - es war mein erstes Bad nach vier Tagen.
Das Wasser war schn warm und ich schwamm nun langsam zum jenseitigen Ufer. Whrend des Schwimmens hielt ich mein Kleiderbndel mit den Zhnen. Nach berquerung des ruhigen Wassers war das kurze Vergngen beendet, denn erwartungsgem begann nun wieder auch auf jener Seite der Kampf mit dem versumpften Ufergelnde. Es dauerte eine ganze Zeit, ehe ich wieder einigermaen festen Boden fand. Und als ich ihn gefunden hatte, begann wieder die schwere Arbeit mit den Tcken des nordamerikanischen Urwaldes.
Die Sonne stand hoch am Himmel und spendete mir willkommene Wrme; gleichzeitig zeigte sie mir stndig die Fluchtrichtung. Eine Wanderung im fremden Gebiet ohne Kompass ist schon eine Sache fr sich.
Nach meiner Karte konnte ich mich auch nicht mehr orientieren, denn mit dem Fluss, den ich bereits berquert hatte, hten ihre Angaben auf. Die Karte enthielt nur von den kanadischen Gebieten eine genaue Orts- und Lagebeschreibung, das amerikanische Gebiet dagegen war nur eine groe weie Flche ohne Einzeichnung eines Flusses, einer Strasse oder Stadt.
Nach meiner Schtzung war ich bis zu diesem Zeitpunkt, dem spten Vormittag also, erst etwa zehn Kilometer tief auf amerikanisches Gebiet vorgedrungen. Dabei war ich schon ber acht Stunden unterwegs, ohne mir auch nur die geringste Ruhepause gegnnt zu haben.
Nach den Verhltnissen, wie ich sie in Kanada angetroffen hatte, htte ich eigentlich schon lngst auf eine Strasse stoen mssen. Obgleich ich unter grter Kraftanstrengung hohe Bume erkletterte und Ausschau hielt, konnte ich jedoch nirgends etwas entdecken.
Es hatte keinen Zweck, noch weiter in den Wald einzudringen, da ich nicht wusste, ob ich so jemals auf einen Weg kommen wrde. Darum entschloss ich mich zu einer Richtungsnderung.
Gegen Mittag sah ich dann ganz pltzlich die Strasse vor mir. Mein angeborener Richtungssinn hatte mich wieder einmal nicht im Stich gelassen. Eine breite Schneise, deren Fahrweg mit Flusskieseln und Schotter bestreut war. Ich war froh, dass ich nun aus dem Wald heraus war und da ich mich auf amerikanischem Boden vollkommen sicher fhlte, wollte ich jetzt so schnell wie mglich Menschen treffen. Auerdem war ich sehr erschpft, meine Fe stark geschwollen und meine letzte Mahlzeit lag nun auch schon mittlerweile dreiig Stunden zurck.
Ich wanderte also die Waldstrasse entlang, immer in der Hoffnung, recht schnell auf ein Haus oder doch wenigstens auf einen Menschen zu stoen. Doch nichts dergleichen geschah. Jetzt viel mir auch auf, dass ich bis jetzt auch noch berhaupt keinem Auto begegnet war wie ich auch andere Vorstellungen von amerikanischen Strassen gehabt hatte. Selbst eine kurze Rast war mir unmglich, denn die Moskitoplage war einfach unertrglich.</span>

Edgtho66
16-09-05, 10:57
<span class="ev_code_YELLOW">Ohne Datum

Obgleich es nach meinen berlegungen ziemlich aussichtslos erschien, wartete ich doch immer sehnschtiger auf ein Auto, das mich mitnehmen sollte. Ich wartete auf einen Menschen, aber es kam weder das eine noch das andere. Um mich gegen die immer strker drckende Hitze und die Moskitoschwrme etwas zu schtzen, zog ich mein Unterzeug aus. Zu beiden Seiten der Schneise sprang immer wieder eine Quelle auf, die gutes frisches Wasser hatte, meinen Durst konnte ich wenigstens jederzeit lschen. Hier tauchte ich auch meine Unterwsche ein, legte sie mir ber den Kopf, die Schultern und Hnde und hatte nun wirklich etwas Ruhe vor den abertausenden schwirrenden und stechenden Qulgeistern.
Dafr wurde das Hungergefhl immer strker. Da mir das viele Wassertrinken bei dem leeren Magen nur schadete und ich auch nach jedem Trunk immer mehr schwitzen musste, gurgelte ich nur noch, wenn ich Durst versprte.
Pltzlich hte ich vor mir in einiger Entfernung ein ngstliches Tucken. Bei vorsichtigem Nherpirschen sah ich, wie junge Fasanenkcken eiligst im Gebsch verschwanden, whrend die Henne ganz ruhig auf der Strasse sitzen blieb, wohl um die Flucht ihrer Jungen zu sichern. Dieses rhrende Tieridyll htte mich unter normalen Umstnden sehr bewegt, aber hier?! Im Gegenteil, in mir wurden Raubtierinstinkte wach. Ohne lange zu berlegen, nahm ich Steine auf und belegte die Henne mit einem wahren Hagel von Geschossen. Den Braten wollt´ ich mir nicht entgehen lassen. Leider traf ich den Vogel aber nicht. Zu meinem grenzenlosen Erstaunen blieb er mitten auf der Strasse hocken.
Wieder sammelte ich Steine ein und wiederholte das Bombardement, traf aber wieder nicht. Wahrscheinlich war ich so schwach, das ich nicht mehr richtig zielen konnte. Der Fasanenhenne wurde die Sache allem Anschein nach nun auch zu bunt, jedenfalls kam sie hoch und entlief mir in die Bsche.

Das nchste Lebewesen, das ich sah, war ein Stachelschwein, ein schwarzes Biest mit weien Flecken am Bauch und etwa einen halben Meter hoch. Den Rssel immer hin und her bewegend, tappte es plump ber die Strasse; sein Anblick war mir widerwrtig. Das Schwein mit seinen langen Stacheln gar als Braten anzusprechen, kam mir nicht mal Ansatzweise in den Sinn. So gro war die Hungersnot dann doch noch nicht.
Es sollte noch besser kommen, denn kurze Zeit spter trottete mir ein kleines schwarzes Ungeheuer entgegen, das ich nicht gleich bestimmen konnte. Trotzdem setzte ich meinen Weg fort, nahm aber zur Vorsicht einen ordentlichen Knppel vom Wegesrand in die Hand und trat dem Tier mutig entgegen.

Es war ein Br, er schien sich aber jetzt nicht mehr so sicher zu fhlen wie noch vor wenigen Augenblicken, denn er tnzelte noch ein wenig auf der Strasse hin und her und verschwand dann schnell seitwrts ins Dickicht hinein. Die Begegnung machte mir eigentlich erst jetzt klar, welche berraschungen ich bei einer Fortsetzung meiner Urwaldwanderung vom Vormittag noch htte erleben knnen. Zwar fhrte mich noch immer mein Weg, der nach wie vor eine Decke aus Schotter und Kiesel aufwies, er musste also befahren werden, aber wer wei, wie lange noch?
Immer mehr wurde es mir klar, dass ich mich jetzt einer Wildnis nherte, die sich mir schon jetzt in ihren Anfngen offenbarte. Die Bume wurden strker, das Unterholz immer dichter und wilder. Es war ein starkes Erlebnis fr mich, hier als Flchtling allein zu sein. Rings um mich herum nur urwchsige Natur mit all dem Geheimnisvollen, was ein riesiges Urwaldgebiet, etwa von der Gre Preuens, verbarg.
Immer wieder sah ich Waldseen schimmern. Auer meinem Weg gab es nur noch Wildpfade, die frher von Indianern benutzt wurden und die man heute noch Indianerschleichwege nennt.
Spter erfuhr ich, dass hier ein groes Jagdgebiet war, in dem noch Brenjagden veranstaltet wurden. Die Waldseen bargen unermesslichen Reichtum an Fischen. Kurz und gut, ich hatte das El Dorado der reichen amerikanischen Jger durchwandert, ohne es im Augenblick zu wissen.
Von der Gefhrlichkeit dieses Unternehmens hatte ich ja eine leichte Ahnung bekommen, spter wurde mir auch diese Tatsache besttigt.</span>

Edgtho66
17-09-05, 10:56
<span class="ev_code_YELLOW">Ohne Datum

Doch ich fand keine Gelegenheit, allzu lange meinen Trumereien nachzuhngen. Mde und hungrig nahm ich weiter den Weg unter die wunden Fe. Ich konnte die Fugelenke kaum bewegen.
Da - schon wieder, genau wie vor ein paar Stunden - sa mitten auf der Strasse eine Fasanenhenne. Wieder mit ihren Jungen. Diesmal aber sollte mir der Braten nicht entgehen. Schon hatte ich einen Stein in der Faust, schon flog er auf die Henne zu, deren Junge sofort, noch ehe ich warf, im Gehlz verschwunden waren. Diesmal hatte ich Glck, der Vogel lag. Schon war ich heran.
Ich suchte mir scharfe Kieselsteine, die ich als Messer benutzen konnte und fand auch welche. Brennbares Holz war ebenfalls gengend vorhanden und bald loderte abseits der Strasse ein helles Feuer auf. Einen provisorischen Spie herzustellen war kein Problem und so begann ich, den Vogel zu braten. Zwischenzeitlich konnte ich mich etwas ausruhen, zumal das Feuer und der Qualm mir auch die Moskitos vom Leibe hielt.
Bald war die halbe Henne aufgegessen. Geschmeckt hat sie nicht, vor allem weil Salz fehlte, aber ich wurde satt und hatte noch die zweite Hlfte als Vorrat. Ich lschte das Feuer und wanderte gut gestrkt weiter.
Mittlerweile mochte es wohl nachmittags gegen vier Uhr geworden sein, und wenn ich es mir recht berlegte, und falls ich berdies bald Menschen traf, konnte ich eigentlich ganz zufrieden sein. Htte ich geahnt, was mir heute noch bevorstand, ich wre nicht so ruhig und zuversichtlich gewesen.

Sehr bald traf ich tatschlich auf Menschen, und zwar vor einem Wochenendhaus am Wege. Ein Mann war an seinem Auto beschftigt; ich fragte ihn nach dem nchsten Ort. Aber er schien mich nicht zu verstehen. Mit seiner Frau, die er herbei holte, ging es besser. Sie brachte sofort eine Autokarte heraus und war bemht, mir den Weg zur nchsten Ortschaft zu zeigen. Obwohl ich jetzt erfuhr, das kaum vier Stunden entfernt am gleichen Wege die nchste Siedlung sei, interessierte mich doch im Augenblick mehr das Studium der Karte, auf der ich mich sofort zurecht fand.
Das Wochenendhaus lag an einem groen Fluss. Ich war aber nicht wenig erstaunt, aus der Karte zu ersehen, dass der Weg, auf dem ich nun schon so viele Meilen hinter mich gebracht hatte, mitten im Urwald endete; er war nur als Sackgasse etwa siebzig bis achtzig Kilometer in den Wald hineingebaut. Das war fr mich eine bittere Enttuschung, es bedeutete berdies, dass ich sofort neue Entschlsse fassen musste, da es ganz ausgeschlossen war, den Urwald nach rechts oder links zu durchstoen, weil keine andere Strasse mehr vorhanden war.
Es blieb mir nur der Wasserweg auf dem St. John River - so hie der Fluss, an dem das Wochenendhaus stand und der jetzt meine ganze Hoffnung wurde. Wie ich es verwirklichen wrde, wusste ich noch nicht, nur soviel war mir klar: ich musste mit Hilfe eines Floes oder etwas hnlichem den Fluss angehen; auf diese Weise musste ich einmal eine Strasse erreichen, die diesen Staat mit den anderen der USA verband.
Ich konnte aber heute nichts mehr beschlieen, zuerst musste ich unbedingt etwas Ruhe finden. Darum verabschiedete ich mich von der freundlichen Frau und ihrem Manne und suchte so schnell wie mglich die auf der Karte verzeichnete Siedlung zu erreichen.
Abends, etwa gegen acht Uhr, sah ich die vier Huser dieses "Dorfes", die alle einem Besitzer gehten, endlich vor mir. Auf der Karte war es als Clayton Lake bezeichnet. Ich traf auch den Besitzer an, sprach mit ihm und bat um Unterkunft. Ohne weiteres wurde mir nicht nur ein Zimmer, sondern auch Essen angeboten. Ich war wirklich sehr glcklich, als ich in meinem Zimmer untergebracht war. Bevor ich mich jedoch schlafen legte, wollte ich mich unten am Brunnen waschen. Gerade war ich dabei, meine wunden Fe zu behandeln, da kam ein Polizeiauto und hielt.</span>

Edgtho66
18-09-05, 06:20
<span class="ev_code_YELLOW">Ohne Datum

Obgleich ich so tat, als ob ich den Wagen gar nicht bemerkte - ich wusch ruhig meine Fe weiter - sah ich, dass zwei Polizisten und eine Frau das Auto verlieen. In mir tauchte ein kleiner Hoffnungsschimmer auf, denn wenn eine Frau dabei war, befanden sich die Polizisten auf einer Spazierfahrt. Ich sollte nicht lange im unklaren bleiben. Schon trat einer der Polizisten auf mich zu und fragte mich etwas. Ich antwortete nicht und tat, als ob ich gar nicht wusste, was er von mir wollte. Da holte der Beamte seine Frau und, wie ich erst jetzt sah, auch seine Tochter. Die Frau schien etwas Deutsch zu knnen, denn berraschenderweise fragte sie mich auf Veranlassung ihres Mannes in unserer Heimatsprache: "Sprechen Sie deutsch?"
Ganz verblfft gab ich in der gleichen Sprache die Antwort: "Ja, etwas!" Nun wollte sie wissen, ob ich Papiere htte, ich solle sie doch bitte vorweisen. Was sollte ich anderes sagen als die Wahrheit, dass ich nmlich keine htte? Woher ich kme, fragte sie sodann. Da war guter Rat teuer, in der kurzen Zeit, die mir zur berlegung blieb. Ich erfand aber schnell eine plausible Ausrede: ich sei Hollnder und kme von der Kste, von Bangor in USA.
Ob sie das nun glaubten oder nicht, ich wre in jedem Fall verhaftet worden. Da mich die Beamten, die das Zollhaus an der Grenze bewohnten, nicht beim regulren Grenzbertritt gesehen hatten, musste ich ihrer berzeugung nach irgendwie anders hereingekommen sein. Das stimmte ja nun zwar, ging aber die Beamten vorlufig nichts an.

Jedenfalls wurde nichts aus meiner Nachtruhe in Clayton Lake. Ich musste zu den Beamten und der Frau ins Auto steigen und mit zum Zollhaus. Da war ich also am spten Abend genau da, wo ich von der anderen Seite der Grenze her am frhen Morgen die Lage gepeilt hatte. Unterwegs fragte mich noch die Frau, wie ich denn hierher kme, worauf ich ihr antwortete, ich htte eigentlich nach Boston wollen, htte mich aber verirrt. Nach meiner Ankunft im Zollhaus lie man mir nicht nur meine Ruhe, sondern wies mir auch ein Zimmer mit einem Bett an und gab mir zu Essen. Alles in allem wurde ich recht gut aufgenommen. Ich schlief ziemlich unruhig und legte mir whrend der Nacht immer wieder eine Geschichte zurecht, die ich morgens erzhlen wrde, wenn man mich vernehmen wollte. Das wollte "man" denn auch wirklich, und zwar auch grndlich, aber doch auch wieder korrekt und hflich.

Ich hatte die feste Absicht, auf keinen Fall zuzugeben, dass ich aus Kanada kam, da ich dann bestimmt den Kanadiern wieder ausgeliefert worden wre. Darum erzhlte ich dem verhenden Beamten nun einen recht glaubhaften Schwindel, wobei ich mir teilweise meine wirklichen Erlebnisse zunutze machte:
Ich sei als Hollnder auf einem hollndischen Dampfer gefahren, behauptete ich. Da der Hollnder aber von Englndern zu Fahrten gepresst worden sei, htte ich das nicht mehr mitmachen wollen und wre ber Bord gesprungen, dicht an der Kste. Dabei htte ich alle meine Papiere und mein Geld verloren; ich wollte zu Verwandten nach Boston. Unterwegs htte ich zwei Leute mit einem Lastkraftwagen getroffen, die mich zu einem Glas Bier einluden. Das htte ich angenommen. Bei der Unterhaltung mit den beiden habe sich heraus gestellt, dass sie denselben Weg hatten und dass sie mich deshalb mitnehmen wollten. Das htte ich selbstverstndlich auch angenommen. Ich htte mich hinten in das Lastauto gesetzt und sei nach den Strapazen sehr fest eingeschlafen. Der Wagen sei die ganze Nacht gefahren. Am nchsten Tage htten mich die beiden kurz vor dem Wochenendhaus abgesetzt.</span>

Edgtho66
19-09-05, 14:29
<span class="ev_code_YELLOW">Ohne Datum

Der Polizeibeamte meinte nun, dann htte er mich aber unbedingt beim Grenzbergang sehen mssen, das wre jedoch nicht der Fall gewesen. Also?
Auf diesen Einwand aber war ich vorbereitet. Ich erwiderte, ich htte so fest auf dem Lastwagen geschlafen, dass ich von einer Kontrolle oder auch nur von einem Aufenthalt nichts gemerkt htte. Wahrscheinlich wre also wohl, das er mich ebenfalls nicht auf dem Wagen entdeckt htte bei der Kontrolle. Dabei hatte ich inzwischen die Beobachtung gemacht, dass die Beamten beim Grenzbergang nur die Papiere der Fahrer und der Begleitung des LKWs kontrollierten, nicht aber den Wagen selbst. Der Beamte gab die Mglichkeit, dass er mich bersehen htte, zu. Damit war fr mich ungeheuer viel gewonnen, denn nunmehr bezweifelte der Amerikaner wenigstens nicht mehr meine hollndische Nationalitt. Wie mich denn die Leute hier htten absetzen knnen, wenn ich doch auf dem Weg nach Boston wollte und ihr Weg der gleiche gewesen wre, wollte er noch wissen.
Ja, sagte ich, wahrscheinlich haben sie mich falsch verstanden, und ich als Landfremder konnte ja nicht wissen, wo ich mich befand, als ich den Lastwagen verlie.

Damit war fr den Beamten die ganze Angelegenheit vorlufig erledigt. Ich hatte Ruhe vor polizeilichen Fragen und durfte mich nunmehr vollkommen frei als dreiviertel Gast in seinem Hause bewegen. Nach auen hin tat ich ganz unbekmmert und leistete der hbschen und freundlichen Tochter Janet Gesellschaft. Sie spielte Klavier, wir machten Brettspiele zusammen, versuchten uns im Kartenspiel, und gut zu Essen bekam ich auch.
Ein hbsches Intermezzo, an das ich gerne zurckdenke, und das um so mehr, als mich die Frau des Polizisten stndig auf dem laufenden hielt, was mit mir geschehen wrde.
Ich habe die Vermutung, dass sie ahnte, ich sei Deutscher. Sie erklrte mir, dass ich vorlufig noch nicht freigelassen werden knne. Erst mssten meine Personalien festgestellt und meine Angaben nachgeprft werden. Das knne aber nicht hier erledigt werden, sondern msse in einer greren amerikanischen Stadt geschehen. Sodann benachrichtigte sie mich frh genug davon, dass am Nachmittag zwei kanadische Polizisten kommen und mich im Wagen nach einem anderen Grenzbergang bringen sollten. Dort wrden sie mich dann wiederum an amerikanische Polizeibeamte abliefern, die mich weiter zur nchstgreren Stadt transportieren mussten. Einen anderen Weg als den ber kanadisches Gebiet gab es nicht zur nchsten greren amerikanischen Stadt. Darum bestand fr solche Flle eine gewisse Union zwischen den Polizeibehden beider Lnder.

Und richtig, am spten Nachmittag hatte mein Idyll in dem Grenzhaus ein Ende. Zwei Cowboys mit Riesenhten und Breeches erschienen mit einem Auto vor dem Hause. Es waren die zwei Kanadier, die mir angekndigt waren. Und Mounties obendrein.</span>

Edgtho66
20-09-05, 05:52
<span class="ev_code_YELLOW">Ohne Datum

Die Kanadier konnten mich aber nicht erschrecken. Ich gab ihnen bei jeder verfnglichen Frage die Antwort: "Das wei ich nicht, ich habe geschlafen."
Mochten sie das nun glauben oder nicht, jedenfalls wurde ihre Neugierde, die mir sehr unbequem war, durch meine Ausreden abgestoppt. Misstrauisch blieben die Burschen aber doch.
Als wir endlich ins Auto stiegen, war es bereits Nachmittag. Sehr angenehm war es fr mich nicht, als wir nach kurzer Zeit wieder kanadisches Gebiet befuhren. Auf wundervoller Strae, immer entlang der Grenze, sausten wir im 140 Kilometer-Tempo dem Ziel entgegen, der nchsten groen Grenzbergangsstelle. Ob es bergauf oder bergab ging, die rasende Fahrt wurde nicht herabgemindert. Obgleich ich mich festzuhalten versuchte, machte mein Schdel immer wieder schmerzhafte Bekanntschaft mit der Wagendecke.
Den Fahrern schien es aber eine gewohnte Sache zu sein, so durch die Gegend zu rasen, denn sie versuchten immer wieder sogar noch eine Unterhaltung mit mir in Gang zu bringen. Daran lag mir aber verstndlicherweise nicht das geringste. Meistens tat ich, als verstnde ich die Fragen nicht. Und wenn´s gar nicht anders ging, gab ich verquere Antworten. Mochten sie doch denken, was sie wollten. Hauptsache war doch, dass sie mich so schnell wie mglich von diesem "feindlichen" Gebiet herunterbrachten. Auch eine Zigarette, die sie mir gaben, machte mich nicht gesprchiger. Zwar nahm ich dankend an und rauchte sie gensslich, aber geflliger machten sie mich damit nicht; ich hatte ja auch hinreichend zu tun, um mir den Weg einzuprgen, den wir fuhren. Wer wusste, was mir noch bevorstand? Da war es auf alle Flle angebracht, in diesem Landstrich mglichst gut Bescheid zu wissen.
Voller Freude bemerkte ich, dass wir uns dem Grenzposten nherten. Der Wagen hielt auf der kanadischen Seite der Grenze, drben wartete schon ein amerikanisches Auto und neben ihm zwei amerikanische Polizisten. Gott sei Lob und Dank! Wenn ich nur schon drben wre! "Drben" bedeutete fr mich endlich Sicherheit, hier bestand immer noch die Gefahr, dass ich wieder gefangen genommen oder gar als deutscher Kriegsgefangener erkannt wurde. Jeden Augenblick konnte bei den kanadischen Posten das Signalment des geflohenen Kriegsgefangenen Karl Breitner eintreffen. Lange genug war ich von Bord. Und wenn meine Kameraden auch alles tun wrden, im meine "Abwesenheit" so lange wie mglich zu verheimlichen, so musste ich doch annehmen, dass das polnische Schiff inzwischen seinen Bestimmungshafen erreicht hatte und damit meine Flucht den Kanadiern bekannt geworden war.
Voller Ungeduld, nach auen aber ruhig und phlegmatisch wie nur je ein Hollnder, beobachtete ich den Austausch der Formalitten zwischen meinen vier Zerberussen kanadischer und amerikanischer Nationalitt.
Endlich, mir schienen es Ewigkeiten, bergaben die Mounties den amerikanischen Beamten die Papier, die sich auf meinen Fall bezogen. Ich musste, nun schon auf amerikanischen Boden und damit in vorlufiger Sicherheit, in deren Wagen Platz nehmen, und fort ging´s, hinein in das Land der angeblich unbeschrnkten Freiheit! So richtig sicher fhlte ich mich noch nicht, waren wir , fr mein Empfinden, immer noch zu nahe an kanadischen Territorium.
Auch den Amis traute ich nicht so richtig, wusste ich doch, wie englandfreundlich die amerikanische Regierung zu diesem Zeitpunkt war.</span>

BeckusIX
20-09-05, 08:56
Hi, ich muss echt mal meinen Respekt zollen! JEDEN Tag ein Update! Echt der Hammer!!! http://forums.ubi.com/images/smilies/11.gif http://forums.ubi.com/images/smilies/11.gif http://forums.ubi.com/images/smilies/11.gif

Weiter so Edgtho!!! http://forums.ubi.com/images/smilies/heart.gif

Viele Gre!

Dughor
21-09-05, 03:26
Hab mir lange verkniffen, hierzu was zu schreiben, da ich den Lesefluss nicht unterbrechen wollte.

Die Geschichte ist einfach nur klasse zu lesen.
Ich freue mich jeden morgen auf eine neue Episode http://forums.ubi.com/infopop/emoticons/icon_smile.gif

Edgtho66
21-09-05, 09:29
Freut mich ehrlich zu hen. Ich dachte erst, der Einschub um die Vorgeschichte vom StabsOberbootsmann Karl Breitner wrde sten, aber wenn´s euch gefllt, umso besser! http://forums.ubi.com/infopop/emoticons/icon_smile.gif

Wenn ich die Story beendet habe, gibts eh nochmal eine korrigierte, berarbeitete Version mit Deck- und Titelblatt als *.zip zum dl.

So, nu abba ...
-------------------------------------------

<span class="ev_code_YELLOW">Ohne Datum

Das Auto durchraste bis zum Abend eine beachtliche Strecke des Staates Maine, ehe es vor dem Haus des Sheriffs in der kleinen Stadt Jackman hielt. Das war an einem Freitag. Mir wurde in dem Haus des Sheriffs eine Zelle mit einem Bett angewiesen. Zum ersten Mal in meinem Leben befand ich mich hinter vergitterten Fenstern. Es war ein scheuliches Gefhl, aber immerhin konnte ich mich jetzt doch einigermaen in Sicherheit glauben.
Obwohl ich sehr mde war, schlief ich sehr schlecht in meinem Gefngnisbett. In unmittelbarer Nhe meines Gewahrsams durchbrauste der Pazifik-Express das Stdtchen. Da die Bahnbergnge ber die Schienen nicht durch Schranken geschtzt sind wie bei uns, kndigten die Zge ihr Nahen schon von weither durch markerschtterndes Sirenengeheul an. Das trug nicht gerade dazu bei, dass ich ruhiger schlief.
Aber ansonsten war es eigentlich ganz gemtlich in diesem Sheriffhause. Zu den drei Mahlzeiten wurde mir ein Detektiv in Zivil beigeordnet. Ich bekam das Essen nicht im Hause, sondern wurde von diesem Detektiv in ein gutes Restaurant gefhrt. Ich konnte mir bestellen, worauf ich Lust hatte.
Drei Tage war ich Gast beim Sheriff von Jackman. Drei Tage lang hatte ich das Vergngen, immer drei Mal durch die Stadt zum Essen gefhrt zu werden. So stellte ich auch nebenher fest, dass dieses kleine Stdtchen mitten in einem Riesenwald doch alle grostdtischen Errungenschaften aufwies.
Am dritten Tag, einem Montag, wurde ein Protokoll aufgenommen. Auer dem Sheriff war auch noch eine Dolmetscherin anwesend. Ich hielt mich genau an die Aussagen und Ausgaben, die ich den Amerikanern an der Grenze gemacht hatte und berichtigte sie nur in einer Beziehung: ich gab nunmehr meinen richtigen Namen an und erklrte, dass ich Deutscher sei. So erschien mein Sprung ins Meer von dem hollndischen Dampfer noch wahrscheinlicher. Ich sagte noch aus, dass ich mich deshalb als Hollnder ausgegeben htte, weil ich frchtete, als deutscher Seemann ausgeliefert zu werden.
Das Protokoll wurde ausgefertigt und ich unterschrieb es.
Noch am selben Tage wurde ich in das Untersuchungsgefngnis von Bangor, der Hauptstadt Maines, eingeliefert. War man mit mir bisher ziemlich glimpflich umgegangen, so sollte ich jetzt Gelegenheit bekommen, ausgiebige Studien ber das Verbrechertum Amerikas zu machen.
Ich bekam eine blaue Hose und eine gestreifte Hftlingsjacke. Mein eigenes Zeug wurde mir genommen.

So zunftgerecht eingekleidet, wurde ich als geflchteter deutscher Handelsmatrose fr wrdig befunden, in der nchsten Zeit an den Segnungen amerikanischer Gefngniskultur teilzunehmen. Das Gefngnis von Bangor war ein riesiger Bau. Die Zellen - ich wurde noch mit einem Gefangenen, einem Deutsch-Amerikaner, zusammen eingesperrt- konnten mit einem Hebelgriff von der Zentrale aus durch Gittertren verschlossen werden.
Auerdem aber war noch ein groes Rundgitter vorhanden, das jeden Fluchtversuch unmglich machte. Das gesamte Gefngnis konnte von einem Punkt aus genau berblickt und jede Zelle von den Wrtern eingesehen werden.
Obwohl ich mich in Jackman als Deutscher zu erkennen gegeben hatte, wurde ich sehr bald nach meiner Einlieferung hollndischen Mitgefangenen gegenber gestellt, die meine hollndischen Sprachkenntnisse berprfen sollten. Ich erklrte, dass ich Deutscher sei und nicht hollndisch sprechen knne, worauf man mich dann in Ruhe lie.
Dabei hte ich, dass sich viele Deutsche und Italiener als Hollnder ausgaben, da sie sonst zu sehr unter der malosen Deutschenhetze zu leiden gehabt htten. Auch hie es allgemein, dass bei Gerichtsverhandlungen die deutsche oder italienische Nationalitt oft strafverstrkend wirkte.
Um nicht mehr schutzlos allen weiteren Zufllen preisgegeben zu sein, hatte ich von hier aus sofort Nachricht an den deutschen Konsul in Boston gesandt. Natrlich konnte ich in diesem Brief keine nheren Angaben machen. Es hie also: Abwarten!</span>

Edgtho66
22-09-05, 03:07
<span class="ev_code_YELLOW">Ohne Datum

Inzwischen lie ich mich von meinem Zellengenossen, dem Deutsch-Amerikaner, nach allen Richtungen hin belehren. Dieser sa schon ein Vierteljahr in Bangor und konnte noch Monate warten, bis seine Sache zur Verhandlung kam. Wie schnell man in Amerika Bekanntschaft mit einem Gefngnis machen konnte, demonstrierte er mir an seinem Fall.
Er hatte in einem Lokal gesessen und von einem Hndler zwei Paar Schuhe gekauft. Als der Hndler das Lokal verlassen hatte, wurde er drauen von zwei Detektiven in Empfang genommen und verhaftet. Meinen Genossen ereilte, wie er versicherte, kurz darauf das gleiche Schicksal. Er wurde der Hehlerei beschuldigt, fr welches Delikt er wahrscheinlich etwa vierzehn Tage aufgebrummt erhalten wrde.
Nun finden in den USA aber nur ein paar Mal im Jahr Gerichtsverhandlungen statt. Als der Deutschamerikaner die Schuhe kaufte, hatten gerade die Sommerferien des Gerichts angefangen, und nun sa er schon zweieinhalbe Monate ber die Zeit, die er wahrscheinlich als Strafe erhalten wrde. Ja, vor Herbstbeginn wrde seine Verhandlung wohl nicht angesetzt werden.
Grundstzlich aber war jeder Mensch in einem amerikanischen Untersuchungsgefngnis erst einmal unschuldig. Das amerikanische Gesetz schreibt vor, dass das Gericht dem Angeklagten die Schuld beweisen muss. Diese Auffassung lie es denn auch zu, dass die Gefangenen untereinander und miteinander tagsber vollkommen frei verkehren konnten. Die Tren der Zellen wurden morgens geffnet und man konnte besuchen, wen man wollte. Das heit, der uere Gittergrtel rund um den Gang herum machte ein Entkommen unmglich.
Das focht aber die Insassen im groen und ganzen wenig an. Sie hatten Tabak und Zigaretten, hatten Lektre, konnten einen schwunghaften Tauschhandel treiben und politische oder sonst welche Debatten fhren, solange und sooft sie Lust hatten und - solange nicht zu irgendeinem Gefangenen Besuch kam. In diesem Falle mussten alle in ihre Zelle zurck und der Wrter schloss mit seinem Hebel smtliche Tren.
Wie im allgemeinen in den Demokratien mit Geld also alles zu machen ist, so war es auch in diesem Gefngnis mglich. Hast du kein Geld, kannst du noch so unschuldig sein, du musstest bis zur Verhandlung drin bleiben, in Hftlingskleidung hinter geschmiedeten Gittern allen Besuchern zur Schau gestellt.
Hatte nun aber einer von den Untersuchungsgefangenen Geld, dann sah die Sache schon anders aus. Da kam es schon mal vor, das fr die grten Gauner und Ganoven eine Extra-Gerichtsverhandlung anberaumt wurde. Da ich aber weder ber Geld noch ber die richtigen Kontakte verfgte, musste ich hier weiter ausharren.
Die Tage vergingen.
Das Essen war gut, schreiben durfte man, ja teilweise hatten die U-Gefangenen sogar ein Radio in ihren Zellen. Das traurigste an dieser Episode war nur, dass die Amerikaner auch ganz junge Menschen von hchstens sechzehn Jahren mit anderen Gefangenen zusammenbrachten. War so ein junger Bursche vielleicht nur wegen einer vergleichsweise harmlosen Sache festgenommen worden, ein angetrunkener Zustand reichte da schon vllig aus, so lernte er hier, dank der Frsorge des Staates, alle Arten des Verbrechertums kennen. Wo also moralischer Halt fehlte - und das war bei den Jungen durchschnittlich der Fall - da musste dieses wochen-, ja monatelange Zusammenleben mit Mdern und Rubern verderblich wirken. Allem Anschein nach hat diese groe Demokratie die Absicht, den Begriff der persnlichen Freiheit so auszulegen, dass eben auch im demokratischen Verbrechertum jeder nach seiner Fasson selig werden konnte. Egal, ob es sich um ein Trunkenheitsdelikt handelte oder um einen Gangster, der vielleicht morgen schon mit seinem Anwalt einen Termin anberaumen lie, um dann schnell weitere Geldschrnke knacken zu knnen.</span>

Edgtho66
23-09-05, 05:08
<span class="ev_code_YELLOW">Ohne Datum

Eines Tages kam jemand von der Einwanderungspolizei. Ich sollte einen Wisch unterschreiben und bekennen, dass ich unerlaubt die amerikanische Grenze berschritten htte. Dieses jedoch lehnte ich ab mit der Begrndung, dass ich nicht unerlaubt ber die Grenze gekommen wre, sondern gestrandet. Das konnten sie mir ja nicht widerlegen. Jedenfalls verweigerte ich ihnen meine Unterschrift mit der Begrndung, dass ich erst die Antwort meines Konsuls abwarten msse. Damit gab sich der Beamte vorlufig zufrieden und erklrte, dass er dann eben in einer Woche noch mal wiederkommen werde.

Doch es sollte anders kommen, denn an einem der nchsten Tage schon erschien der Sekretr des deutschen Konsuls in Boston. Meine Freude war riesengro. Der Sheriff wies uns ein Zimmer an, lie uns allein und endlich konnte ich mich einem Deutschen offenbaren. Der Sekretr war ebenso erstaunt wie erfreut und erklrte mir, dass man erst geschwankt htte, ob man meinem Brief sofort nachgehen sollte. Im Ausland werden deutsche Konsulate sehr oft von Personen, denen das deutsche Reich aus zwingenden Grnden seinen Schutz versagen muss, brieflich um Hilfe angegangen.
Nun aber schien doch irgendetwas in meinem Brief, der aber keinerlei nhere Angaben enthielt, den Beamten aufgefallen zu sein.
Kurz und gut, auch wenn ich noch im Gefngnis verbleiben musste, so war ich doch mit einem Schlage wieder voller Zuversicht. Ich bekam endlich deutsche Zeitungen und auerdem noch einige Dollar zugesteckt, so dass ich mir einige Erleichterungen verschaffen konnte.
Ehe mich der Konsulatsbeamte verlie, gab er mir noch die Versicherung, dass ich ganz ruhig bleiben solle, von Seiten der deutschen Behden wrden alle Hebel in Bewegung gesetzt, mich so schnell wie mglich aus diesem Gefngnis zu holen.

Einige Tage spter bekam ich wieder den Besuch eines Konsulatssekretrs, der diesmal gleich einen Rechtsanwalt mitbrachte. Schon am gleichen Nachmittag sollte die Verhandlung, die von meinem Anwalt sofort beantragt wurde, stattfinden. Mit Hilfe des deutschen Reiches wurde ich so doch noch als armer Teufel der Segnungen teilhaftig, die das Recht in Amerika sonst nur den Gesetzesbertretern zubilligt, die ber ausreichende Geldmittel verfgen. Man lie uns allein, sodass wir in aller Ruhe alle Mglichkeiten durchsprechen konnten.
Die Rechtslage war nmlich nicht so einfach, wie man annehmen sollte. Zwar besagt die Haager Konvention ber die Kriegsgefangenen ganz eindeutig: "Jeder Kriegsgefangene ist frei, wenn er neutralen Boden betritt". Aber wie schon im Weltkriege wurden die Artikel der Haager Konvention einfach dort nicht zur Anwendung gebracht, wo sie den Feindmchten nicht angenehm oder lstig waren. Das Amerika dieses einfache Menschenrecht nicht beachtete, wurde daran deutlich, das sie deutsche Soldaten, die sie aufgriffen, an Hnden gefesselt auf Befehl Washingtons an Kanada auslieferte.
Es war darum sehr wohl zu berlegen, ob ich mich in der Gerichtsverhandlung als geflohener Kriegsgefangener zu erkennen gebe oder doch lieber bei der Darstellung bleiben sollte, die ich im Protokoll niedergelegt hatte. Tat ich das letztere, so wrde ich wegen unerlaubten Grenzbertritts eine geringe Freiheitsstrafe bekommen, hchstens einige Wochen, dann aber wre ich frei. Wenn ich mich jedoch als deutscher Soldat zu erkennen geben wrde, bestand die Gefahr, dass man mich infolge der Deutschenhetze als Spion festhielt.
Wir einigten uns also nach grndlichem berdenken aller Gegebenheiten dahin, dass ich auch dem Richter meine bisher bei allen Vernehmungen vorgebrachte Geschichte erzhlen wrde. Mein Landsmann vom Konsulat und der Anwalt gaben mir zum Abschied ihre guten Wnsche mit auf den Weg und ich ging in meine Zelle zurck.</span>

Edgtho66
24-09-05, 03:38
<span class="ev_code_YELLOW">Ohne Datum

Nun kam also eine neue Etappe auf meinem Fluchtwege als deutscher Soldat. Es war keine angenehmes Gefhl fr mich zu wissen, dass ich entweder in ein paar Wochen frei sein und meine Flucht fortsetzen knnte oder, dieser Mglichkeit musste ebenfalls ins Auge gesehen werden, ich in diesem "freiesten" Land der Erde fr die Dauer des Krieges interniert werden wrde, weil man mich fr einen Spion hielt und so dem englischen Freund in bersee einen Gefallen tat. Denn wenn der Richter darauf bestand, dass ich das Mrchen meiner Flucht von einem hollndischen Dampfer beschwen msste, dann - so war es zwischen meinen Beratern und mir am Morgen ausgemacht - wrde ich mich als deutscher Soldat zu erkennen geben.
Ich war nicht wenig erstaunt, als der Sheriff, der mich zur Verhandlung fhren sollte, auch meinem Zellengenossen die Handschellen anlegte und ihn ebenfalls mitnahm. Wie Hunde an der kurzen Leine wurden wir durch Bangor zum Gerichtsgebude gefhrt. Ich schmte mich frchterlich, aber den Einwohnern von Bangor schien solch ein Spazieren fhren von Menschen in Strflingskleidung eine alltgliche Gewohnheit zu sein. Mein Mitgefangener sollte als Dolmetscher vor Gericht mitwirken. Dies erschien mir als eine eigenartige Manahme.
Endlich war das Gerichtsgebude erreicht.
Drinnen wurden wir von den Handschellen befreit und sofort in den Verhandlungssaal gefhrt. Ich sprach noch mal mit meinem Anwalt, dann erffnete der Richter die Sitzung. Auer dem Richter waren noch einige Herren anwesend. Sie schienen auch dem Gericht anzugehen, doch wurde mir nicht klar, was fr Funktionen sie hatten.
Wieder einmal sollte ich erzhlen, wie ich in die heiligen Gefilde der USA eingedrungen sei. Ich berichtete und mein Deutschamerikanischer Zellengenosse verdolmetschte meinen Bericht.
Ich blieb dabei, dass ich als Deutscher nicht lnger auf einem hollndischem Schiff, das von Englndern gepresst worden war, Arbeit zu verrichten, die gegen mein Vaterland gerichtet war und so in der Nhe der Kste ber Bord gesprungen sei.
Zwar machte der Richter noch einige Einwnde, aber er schien mir zu glauben. Ganz im geheimen atmete ich auf, es schien zu klappen. Aber zu frh gefreut, denn pltzlich verlangte der Vorsitzende von mir, dass ich meine Aussage beschwen sollte.
Da hatten wir die Bescherung. Mir blieb nur brig, entweder falsch zu schwen oder die Wahrheit zu sagen.</span>

Edgtho66
25-09-05, 06:32
<span class="ev_code_YELLOW">Ohne Datum

Ich gab nun meine Erklrung ab und sagte, da ich ja jetzt schwen solle, ich wolle die Wahrheit sagen. Ich verhielt mich wie mit meinem Berater vereinbart. Ich schilderte dem Gericht in groen Zgen meine Flucht vom polnischen Dampfer und meinem bertritt auf amerikanisches Gebiet. Natrlich waren die Herren vom Gericht erst mal sehr erstaunt. Man lie mich durch den Dolmetscher wissen, dass man mir nicht glaubte. Als ich dann daraufhin einzelne Episoden meiner Flucht ausfhrlich schilderte, nahm das Gericht meine Erklrung als wahr an.
Was wrde geschehen?
Der Richter, immer noch sichtlich berrascht, nahm ein anderes Gesetzbuch zur Hand. Man merkte es deutlich, wie unangenehm es ihm war, bei solch einer Wendung des Falles auf der Stelle ein Urteil fllen zu mssen. Glcklicherweise blieb ihm aber nicht viel Zeit. Die Sache war dadurch, dass das Gericht meine Erklrungen angenommen hatte, spruchreif geworden. Und Gott sei Dank, der Richter aus Bangor hielt sich an die Gesetze, die fr meinen Fall durch die Haager Konvention eindeutig genug vorgeschrieben waren.
Ich wurde freigesprochen!
Das war eine grundstzliche Entscheidung, an der es nichts mehr zu rtteln gab. Ich war frei.
Mir aber war klar, dass ich diesen Freispruch nur einem Zufall zu verdanken hatte - der berraschung, in die ich das Gericht durch die pltzliche Wendung in meinen Aussagen versetzt hatte. Htte der Richter sich nicht in der Zwangslage befunden, sofort ein Urteil fllen zu mssen, so wre der Ausgang des Prozesses mehr als unsicher gewesen.
Das hat ja spter der traurige Fall zweier Kameraden von der Kriegsmarine bewiesen, die nach ihrer Flucht aus Kanada wegen des gleichen Vergehens von einem amerikanischen Gericht wieder in Ketten gelegt und nach Kanada zurck gebracht wurden, entgegen aller Konventionen.
Trotz des Freispruches aber wurde vom Gericht die Hinterlegung einer hohen Kaution gefordert, da man, wie der Richter sagte, die Richtigkeit meiner Angaben noch nachprfen msse. Bis zum Eintreffen der Kaution musste ich noch im Gefngnis bleiben.
Mein Dolmetscher und ich wurden wieder in Handschellen zum Gefngnis zurck gebracht. Das aber berhrte mich nicht mehr, denn ich wusste, ich bin frei.
Mein Anwalt hatte mir die Versicherung gegeben, dass die Kautionssumme sofort vom Deutschen Konsulat in Boston angewiesen werden wrde.
Am nchsten Morgen kam der Sheriff zu mir, um mich noch einmal in die Stadt zu begleiten. Diesmal aber ohne Handschellen, denn, so meinte der Sheriff, da ich nachmittags frei gelassen werden wrde, htte ich ja nun keinerlei Veranlassung, ihm jetzt noch durchzubrennen.
Er wollte mit mir in ein Kaufhaus gehen, damit ich mich erst einmal notdrftig eingekleidet wrde. Meine ganze Habe bestand ja nur aus einem Paar Turnschuhe, einer Garnitur Unterwsche und dem nach meiner Landung aus der Fischerhtte "requirierten" Arbeitsanzug.
Der Einkauf war schnell erledigt und ich kehrte noch einmal in meine Zelle zurck.
Nachmittags waren alle Formalitten zu meiner endgltigen Freilassung erledigt, die Kaution war eingetroffen. Ich wurde noch zum Bahnhof begleitet und dann bestieg ich als freier Mensch den Zug nach Boston.</span>

Edgtho66
26-09-05, 10:19
<span class="ev_code_YELLOW">Ohne Datum

Auf dem Bahnhof in Boston wurde ich schon von einem Konsulatssekretr erwartet. Da inzwischen mein Fall bekannt geworden war, warteten auch Reporter auf meine Ankunft. Aber der Sekretr brachte mich durch einen abgelegenen Seitenausgang, unbehelligt von neugierigen Presseleuten, sofort zum Konsulat.
Hier wurde ich herzlichst begrt und von einem Beamten des Konsulates eingeladen, whrend der Dauer meines Aufenthaltes in den USA Gast in seinem Heim zu sein. Und hier sollte ich auch einige Wochen verbleiben.
Auf Schritt und Tritt wurde ich von Detektiven berwacht. Eine lstige Begleiterscheinung, gegen die sich aber nichts unternehmen lie. Die Moskitoplage in den Wldern damals war schlimmer. So gingen erst mal einige Wochen ins Land. Meine bentigten Papiere wurden mir auch nach und nach durch das Deutsche Konsulat zugestellt.
Inzwischen war die allgemeine amerikanische Wehrpflicht verkndet worden. Jeder, der sich gerade in Amerika aufhielt, wurde registriert. Die Nationalitt spielte dabei keine Rolle. Es sollte damit zum ersten Mal eine Erfassung aller Auslnder gewhrleistet werden.
Es ging auf Ende November 1940 zu. Das Ende des Novembermonats entschied dann auch ber meine nchste Zukunft. Ich konnte endlich Vorbereitungen fr meine Abreise treffen. Das tat ich wegen der dauernden berwachung mglichst unauffllig. Der amerikanische Geheimdienst brauchte ja nicht unbedingt zu wissen, welchen Weg ich nehmen wrde.
Aus bestimmten Grnden musste ich innerhalb von sechs Tagen in Los Angeles sein und von dort mit einem japanischen Dampfer nach Yokohama in See gehen.
Der Abschied von allen Freunden, die ich in der Zwischenzeit gewonnen hatte, fiel mir nicht leicht. Besonders nicht der Abschied von meinem Gastgeber und seiner Familie.
Die Fahrt quer durch die Vereinigten Staaten vom Atlantischen zum Stillen Ozean machte ich in einem bequemen Reiseomnibus. Die Fahrt durch Colorado und Neu-Mexico war besonders abwechslungs- und erlebnisreich, denn dort passierten wir in schwierigen Berg-, Tal- und Passfahrten die gewaltigen Rocky-Mountains.
Einen Tag vor Abfahrt kamen wir in LA an. Ich suchte dort sofort nochmals das Deutsche Konsulat auf und bekam dort dann die letzten Instruktionen und Papiere fr meine berfahrt. Am 01.12.1940 bestieg ich den japanischen Dampfer. Der Auswanderungskommissar berprfte nochmals meine Papiere, also Pass, Ticket und japanisches Visum, dann war ich an Bord. Eine Stunde spter legte der Dampfer vom Kai ab. Das also war mein erster und wohl auch letzter Besuch in den Vereinigten Staaten.

Die sechzehntgige berfahrt war wundervoll. Ich hatte eine schne Kabine I. Klasse, vertrieb mir die Zeit mit Decksport und hatte dabei in einer Japanerin, Tamakasan, eine uerst hbsche Partnerin. Lustig war das erste japanische Essen "suki aki", das zur Unterhaltung serviert wurde.
Wir lagen auf den Knien und aen mit Stbchen. Kam manchmal ein bisschen Seegang auf, der mir nichts ausmachte, so standen mir allein - viele andere Gste waren pltzlich "verhindert" - drei Stewards beim Essen zur Verfgung. Das war ein lukullisches Leben. Beim Passieren des 180. Breitengrades, der Datumsgrenze, war ein Passagier ein bisschen betrbt, weil er seines Geburtstages verlustig ging. Es war einem Mittwoch, Donnerstag hatte er Geburtstag, Donnerstag aber fiel aus und der Mittwoch wechselte gleich in den Freitag hinein.
Bei der Ankunft in Japan war ich ganz ergriffen von der Schnheit des Hafenbildes. Wir kamen abends an und die Lichterflle in Stadt und Hafen erhhte noch den Zauber. Der Zollbeamte revidierte den ersten Koffer meines umfangreichen Gepcks sehr grndlich. Im zweiten sah er obenauf deutsche Bcher liegen. Er fragte: "Deutscher?" Als ich nickte, schttelte er den Kopf. "Warum haben sie das nicht gleich gesagt? Machen Sie ihren Koffer wieder zu!"
Fr mich war die Revision beendet. Drauen am Kai standen die Japaner und begrten die Heimkehrenden mit wehenden Fahnen und bunten Lampions. Es war ein einzigartiges Bild.

Ich wurde von einem Konsulatsbeamten erwartet, der mich durch Yokohama fhrte. Ich schilderte ihm meine Erlebnisse und wurde dann in einem europischen Hotel untergebracht.
Am nchsten Tag meldete ich mich beim Konsul. Ich verbrachte noch einige Tage in Yokohama und fuhr dann zum Generalkonsulat nach Tokio. Fr die Weiterreise mussten Karten und Visa besorgt werden. Da das lngere Zeit erforderte, machte ich ein paar kleine Fahrten, nach dem heiligen Berg Japans, dem groen Buddha von Kamakura, Niko und Atami. Deutsche, die in Japan als Ingenieur ttig waren, machten mich mit japanischen Familien bekannt. So fand ich Gelegenheit, als deren Gast mehrere Wochen ganz nach japanischer Sitte zu leben. Sie fhrten mich auch in japanische Theater. Ich fand sie wundervoll.
Die Wochen in Japan wurden mir zu einem unvergesslichen Quell der Erinnerung und Freude.</span>

Edgtho66
27-09-05, 10:11
<span class="ev_code_YELLOW">Ohne Datum

Aber leider ging der Aufenthalt in Japan viel zu schnell zu Ende, denn alle notwendigen Visa waren jetzt beisammen. Ich nahm Abschied von meinen japanischen und deutschen Gastgebern und fuhr Ende Dezember ab. Die Fahrt ging durch ganz Japan bis nach Shimoneseki und von dort mit dem Fhrschiff nach Fusan auf Korea.
Nach Durchquerung von Mandschukuo erreichte der Zug die russische Grenzstation Mandschuli. Auf diesem kleinen Bahnhof, der tief verschneit war, erwartete uns bereits der Asien-Express.

Ich hatte eine besonders scharfe Pa- und Gepckrevison durch die sowjetischen Grenzzllner erwartet und war daher berrascht, dass der Zug, nach einer sehr flchtigen und hflichen Kontrolle, den Grenzbahnhof sehr bald verlie. Auer mir befanden sich noch zehn weitere Deutsche im Zuge.
Wir begannen, uns auf die lange Fahrt durch die ganze Sowjetunion einzurichten. Ein Vertreter des Reisebros Intourist bot uns seine Dienste als Reisebegleiter an. Er sprach ein vllig akzentfreies Deutsch. Seine Aufgabe, so versicherte er uns, bestehe lediglich darin, uns die Reise so angenehm wie mglich zu machen.
Wenn wir irgendwelche Wnsche htten, so bruchten wir uns nur an ihn zu wenden, er wrde alles auf´s Beste erledigen, ob wir Geld zu wechseln htten, Telegramme aufzugeben oder was sonst auch immer.
Ich hatte zwei grere Koffer, die immerhin mit Leichtigkeit in dem Gepckraum meines Abteils unterzubringen gewesen wren. Der Intourist-Vertreter behauptete jedoch, alle Gepckstcke ber vierzig Kilo Gewicht mssten aufgegeben werden, sonst htte ich bei einer Kontrolle eine schwere Strafe zu gewrtigen. Und das, so fgte er betont liebenswrdig und scheinbar besorgt hinzu, wrde ich doch nicht auf mich nehmen wollen.
Ich hatte in der Tat keine Lust, mit sowjetischen Behden in Konflikt zu geraten und so hatte ich meine Koffer aufgegeben, wofr mir der erstaunliche Preis von fast einhundert Reichsmark abgenommen wurde.
Der Zug hatte die erste sowjetische Stadt erreicht, und hier sollten wir erkennen, dass die hfliche Abfertigung an der mandschurisch-sowjetischen Grenze nur ein Scheinmanver gewesen war. Der Intourist-Vertreter nderte pltzlich sein Benehmen, er war nicht mehr der liebenswrdige Reisebegleiter, sondern forderte uns in befehlendem Ton auf, den Zug zu verlassen und uns zur Gepckrevision zu begeben. Whrend der Kontrolle wurden wir Reisenden nicht einen Augenblick unbeobachtet gelassen. Der Intourist-Vertreter war stndig um uns herum, auerdem eine ganze Anzahl von Sowjetbeamten mit und ohne Uniform. Die meisten von ihnen waren mit Pistolen bewaffnet. Es wre vollkommen unmglich gewesen, eine kleine Bewegung zu machen, die nicht sofort aufgefallen wre. Jetzt dmmerte es mir auch, warum wir an der ersten Grenzstation nur flchtig kontrolliert wurden. Man wollte keine nicht-sowjetischen Zuschauer bei dieser Prozedur dabei haben, der wir jetzt unterworfen waren.</span>

Kaleu1978
27-09-05, 11:12
Auch ich mu dir Respeckt zollen@Edgtho66

Ich bin schon seit anfang von SH3 schon mit dabei im forum,aber nur als "STILLER-LESER".Mu schon sagen alle achtung Kamerad!!!
Dafr hab Vielen,vielen dank.

Mach weiter so und ich wnsche Dir und noch allen anderen hier im forum viel spa und gute Jagd Ihr HimmelHunde

Edgtho66
28-09-05, 08:36
<span class="ev_code_YELLOW">Ohne Datum

Die Durchsuchung des Gepcks dauerte volle vier Stunden. Dolmetscher prften jedes einzelne Stck Papier, jeden noch so kleinen Zettel. Kein Buch blieb unbeachtet, die Taschen aller Kleidungsstcke wurden auf das genaueste durchsucht.
Whrend dieser Kontrolle durften wir uns nicht vom Platz rhren. Als die Sowjetbeamten mit ihrer mehr als grndlichen Durchsuchung fertig waren, wurden smtliche Schriftstcke, Foto-Apparate und Bcher plombiert und selbstverstndlich auch die greren Koffer. Man lie uns Reisenden nur das, was man fr eine siebentgige Reise an persnlichen Gebrauchsgegenstnden unerlsslich war.
Diese bertriebene Freundlichkeit und die geschmeidige Aufdringlichkeit unseres Reisebegleiters war mir bereits bei Reisebeginn sauer aufgestoen, aber was wollte man machen auf fremdem Boden? Bald wurde es fr mich zur Gewissheit, das dieser Bursche ein GPU-Spitzel war.
Er verwickelte mich in scheinbar harmlose Gesprche ber Deutschland und suchte auf diese Weise interessante Einzelheiten aus mir heraus zu locken. Deutschland, sagte er etwa, sei ein schnes Land, er habe ja schlielich dort auch lange gelebt, er kenne es also gut, aber .... und schon stellte er mir wieder eine listige Frage, um etwas ber die jetzigen Verhltnisse dort zu erfahren. Obwohl dieser Spitzel mit seinen Methoden, die er offenbar fr raffiniert hielt, nicht den geringsten Erfolg hatte, war er nicht abzuschtteln. Erinnerungen an mein "Gesprch" mit dem englischen Offizier keimten in mir auf. Und sie waren eindeutig angenehmer!
Es war uns streng verboten, uns bei Aufenthalten auf den Bahnhfen vom Zuge zu entfernen. Man erlaubte uns allenfalls, in unmittelbarer Nhe unserer Abteile ein wenig auf und ab zu gehen. Bei solchen Gelegenheiten zeigte es sich, dass unser Intourist-Mann nicht nur ein gut abgerichteter Wachhund war, er hatte offensichtlich auch recht betrchtliche Machtbefugnisse, denn seine Anordnungen wurden stets prompt ausgefhrt.
Auer den fahrplanmigen Aufenthalten in den greren Stdten hatte der Asien-Express auch solche, die nicht vorgesehen waren. Der Grund dafr war die schlechte Beschaffenheit des Materials. Mindestens drei mal am Tage mussten an den verschiedenen Wagen des Zuges die Lager ausgewechselt werden, weil sie heigelaufen waren.
Bei solchen Aufenthalten auf kleineren Bahnhfen war ich trotz des Verbots gelegentlich entwischt, um in den Warteslen wenigstens ein Stckchen des Sowjet.Paradieses mit eigenen Augen zu sehen.

Die Menschen, die dort herumsaen, hatten zumeist stumpfe und grobe Gesichter und schienen auf einer erschreckend niedrigen Kulturstufe zu stehen. Sie waren durchweg schlecht gekleidet, aber fr eines hatten sie offenbar alle Geld - fr Wodka.
Leider hatte ich keine Gelegenheit zu genaueren Beobachtungen. Als wieder einmal ein heigelaufenes Lager uns einen lngeren Aufenthalt bescherte und ich in den Wartesaal gegangen war, tauchte pltzlich dieser Intourist-Mensch neben mir auf. Ich solle doch sofort in mein Abteil zurckkehren. In scheinbarer Besorgtheit warnte er mich vor derlei Ausflgen - ich wrde sofort verhaftet werden, sollte mich die Polizei erwischen - aber die Drohung in seiner Stimme war unverkennbar, daher unterlie ich, um meine Sicherheit nicht weiter zu gefhrden, in Zukunft solche Expeditionen.
Schon in Sibirien konnte ich feststellen, dass bereist in den ersten Monaten des Jahres 1941 grere Truppentransporte unterwegs waren. Zwar ist die Bahn dort nur eingleisig, so dass ich keine fahrenden Zge sah, aber auf allen greren Bahnhfen standen lange Gterwagenzge. Zwar waren sie alle getarnt, aber man bedurfte keines gro militrisch geschulten Auges, um zu erkennen, dass es sich hierbei um Kriegsmaterial handelte.
So htte es der vielen Wagen mit Soldaten gar nicht bedurft, um mir klar zu machen, zu welchem Zweck die langen Wagenreihen dort zusammengestellt worden waren.</span>

Edgtho66
29-09-05, 14:39
<span class="ev_code_YELLOW">Ohne Datum

Sibirien lag hinter uns, wir erreichten die Wolga. Da mir die erhhte Aufmerksamkeit meines "Schattens" weitere Beobachtungen auerhalb des Zuges unmglich machte, versuchte ich, mich in den Abteilen etwas umzusehen. Es war jedoch fast aussichtslos, mit einem Reisenden anderer Klassen in Verbindung zu kommen. Zwar war es nicht ausdrcklich verboten, mit anderen Reisenden zu sprechen, aber wenn ich wirklich einmal mit einem Bauern oder Soldaten aus der dritten Klasse in ein Gesprch gekommen war, tauchte mein "Schatten" sofort neben mir auf. Auch war er der offenbar der Ansicht, dass ich viel zu hufig aus dem Fenster she. Das hie fr mich nur, dass ich noch vorsichtiger sein musste mit dem, was ich tat. So kurz vor dem Ziel der Heimkehr war ich wirklich nicht mehr ernsthaft daran interessiert, meine Abwesenheit von meiner Heimat knstlich zu verlngern. Trotzdem kam ich nicht umhin, noch die ein oder andere Beobachtung zu machen. Als wir ber die Wolga fuhren, die noch zugefroren war, berquerten gerade groe Truppenmassen den Fluss in Richtung nach Westen. Andere Verbnde hielten im tiefen Schnee Manverbungen ab.

In Moskau wurde der Zug leer. Auch hier wurde ich von zwei deutschen Konsulatsbeamten abgeholt. Bevor ich jedoch mit ihnen gehen durfte, mussten sie sich beim Mann von Intourist als Diplomaten ausweisen, dann erst gab er mich "frei".
In sechs Stunden sollten wir weiterfahren. Diese kurze Zeit benutzten meine Landsleute dazu, mir Moskau zu zeigen. Und ich sie, um ihnen meine Beobachtungen whrend der letzten Stunden im Asien-Express zu schildern. Mir war allerdings zu diesem Zeitpunkt noch nicht klar, welche Dienste ich ihnen damit leistete. Meine Beobachtungen sollten schneller in Berlin landen, als ich es je sein knnte.

Als ich spter zur Abfahrt des Zuges wieder auf dem Bahnhof erschien, erzhlten mir die anderen Deutschen, dass sie sich nur unter Fhrung des uns beigegebenen Intourist-Vertreters in der Stadt htten bewegen knnen. Niemand durfte sich auch nur einen Schritt von der Gruppe entfernen. Es wurde ihnen die bliche Sondervorstellung "Moskau fr Fremde" vorgefhrt, im besten Hotel der Stadt bekamen sie ein ausgezeichnetes Essen und zum Abschluss wurde ihnen dann die berhmte Untergrundbahn Moskaus gezeigt, die in der Tat eine der modernsten Verkehrsanlagen der Welt darstellte.

Kurz vor der Grenze wurde ich noch einmal aus dem Abteil geholt, das Gepck sollte uns wieder ausgehndigt werden. Wieder wurde, wie auf dem ersten Bahnhof, jedes Stck auf das genaueste untersucht, obwohl ja whrend der Fahrt niemand an seine Koffer htte herankommen knnen. Schlielich ging auch das vorber und wir konnten weiterfahren, in der Gewissheit, nun bald in der Heimat zu sein. Ganz zuletzt wurde mir noch streng verboten, aus dem Fenster zu sehen, aber als die Stunde nher rckte, in der wir die Grenze passieren mussten, kmmerte ich mich nicht mehr um das Verbot. Ich konnte nicht anders.
Nun hatte der Zug die Grenze erreicht. Ich erkannte es an den Stacheldrahtverhauen, die in mindestens fnf Reihen hintereinander angelegt worden waren. Im Schein der Laternen sah ich viele Soldaten. Genau um Mitternacht hielt der Zug auf der Grenze. Sowjetische Soldaten eilen herbei und leuchteten unter jeden Wagen. Keine Ahnung, was sie suchten, vielleicht Deserteure, aber das war mir in diesem Moment mehr als egal.
Nach kurzer Zeit fuhr der Zug wieder an und rollte der ersten deutschen Stadt entgegen. Auf ihrem Bahnhof grte ein Schild: "Willkommen in der Heimat!" Es war ein unbeschreibliches Gefhl, endlich wieder auf deutschem Boden zu stehen.
ber Warschau ging es dann meiner Heimatstadt Berlin entgegen. Am Nachmittag kamen wir auf dem Bahnhof Friedrichstrae an und kurze Zeit darauf war ich in meinem Elternhaus. Weiteres erklrt sich hier ja von selbst.

Am nchsten Tage meldete ich mich beim Oberkommando der Marine aus englischer Kriegsgefangenschaft zurck. Nach drei weiteren Tagen, in denen ich den verschiedensten Herren aller Truppengattungen und Abteilungen alles berichtet hatte, bekam ich vom Fhrer der U-Boote das Eiserne Kreuz Erster Klasse sowie das U-Boot-Abzeichen berreicht.
Mit grter Verwunderung nahm man meinen Wunsch zur Kenntnis, mich sofort wieder in den aktiven U-Boot-Dienst zu berufen. Jedoch musste ich eineinhalb Jahre auf der U-Boot-Schule in Kiel meinen Dienst leisten, bevor man meinem Bitten entsprach und mich wieder in den aktiven Frontdienst zurck beorderte.
Eine Woche spter bekam ich meinen neues Boot und meinen neuen Standort zugewiesen. U-509 von KptLt. Werner Techand in Lorient, 2. U-Flottille.</span>

Edgtho66
30-09-05, 12:57
<span class="ev_code_RED">Zurck auf U-509</span>


04.11.42 13.15h

Ich hatte Kurs nehmen lassen auf Gibraltar mit einem kleinen Umweg ber die Kanarischen Inseln. Ein Schnittpunkt verschiedenster Konvoirouten. Da sollte doch was zu machen sein.
Ich ging "auf Brcke".
Da stand er also, StabsOberbootsmann Karl Breitner, mit seinem Fernglas in der Hand, ruhig den Horizont absuchend.

http://www.eu-clan.net/uploads/breitner.JPG

Der Mann, der die Versenkung von U-63 berlebte, in Gefangenschaft geriet, dem die Flucht gelang und schlielich nach einer wahrhaften Odyssee von Reisestationen zurckkehrte nach Deutschland. Tiefer Respekt erfllte mich. Charaktere wie dieser waren selten geworden! Genauso selten wie Mnner um KptLt. Hfer und seiner Besatzung. Der BdU hatte unlngst das Boot als endgltig verloren anerkannt und entsprechende Schreiben an die Familien der Besatzung verschickt. Mit wohl einer Ausnahme ..... eine rztin! Was wohl in ihr vorgehen mochte?

Auch ihm, meinem Wachmaat, wurde durch ein kurzes FT des Schicksales seines Bruders Gewiss. Das dieser mit U-92 wohl auf dem Grund des Atlantiks seinen Frieden gefunden habe. Anfangs wollte ich ihn mehr als blich auf Freiwache schicken, aber dann besann ich mich und deckte ihn zusammen mit meinem I.WO so mit Arbeit ein, dass er kaum noch Gelegenheit bekommen sollte, den Verlust seines Bruders mental zu verarbeiten.
Und es kam uns so vor, als wie wenn er geradezu die Arbeit in sich aufsaugen wrde. Wenn die ihm gestellten Aufgaben nicht reichten, so schien es, dann besorgte er sich selbst welche.
Es lenkte ihn ab, das war die Hauptsache.
Was hatte ihn nur bewogen, sich wieder freiwillig zum Dienst auf einem U-Boot zu melden? Drohte seiner Familie nicht der Verlust eines weiteren Sohnes? Nicht, wenn ich es verhindern knnte.

Abends setzte ich ein FT mit Adresse "Paris" ab. Mein Kamerad KK Hessler wrde da doch was deichseln knnen?! Wurde nicht stndig nach gutem Ausbildungspersonal gesucht? Ich schnaufte zufrieden durch , als die Besttigung des Erhalts aus Paris kam.
Und noch mal zwei Tage spter grinste ich tief in mich hinein. Hessler, der alte Fuchs! Das er so schnell znden wrde, gereichte jeder Patrone zur Ehre. In den Hnden hielt ich den Befehl zur Versetzung des StabsOberbootsmannes Karl Breitner nach La Spezia. Es geht doch!
Die neue U-Flottille, die man dort gerade aufbaute, bentigte hnderingend kriegserfahrene U-Mnner, die den neuen Kameraden mit Rat und Tat all ihre Erfahrung kund tun sollten. Vor allen Dingen die italienischen U-Boot-Mnner hatten enormen Nachholbedarf, was den U-Boot-Krieg anbelangte.
Jetzt musste ich es nur noch "ihm" schonend beibringen.

Edgtho66
01-10-05, 04:30
06.11.42 06.06h

Ein weiteres Problem, mit dem sich unsereins jetzt auseinander zusetzen hatte, war die Tatsache, dass die Englnder, seit sie erfolgreich ihre Truppen in Nordafrika angelandet hatten, wieder die freigewordenen Begleitschiffe aus dem Mittelmeer zurck in die Schlacht um den Atlantik warfen, und man sie zu Hunter-Killer Groups formierte. Der Funkverkehr der letzten Tage brachte mich darauf. Jeder Kapitn, der auch nur halbwegs die Funksprche der anderen Kameraden vom und zum Festland hin verfolgte, musste dies unweigerlich feststellen.
Diese Groups bestanden in der Regel aus einem Begleittrger und 6 bis 8 Zerstern. Ihre Aufgabe war es einzig und allein, U-Boote zu finden, zu jagen und zu versenken. Es gab so nahezu keine einzige berwachungslcke seitens der Alliierten mehr, in denen man ungestt htte jagen knnen.
Im Gegensatz zu den regulren Begleitschiffen, die nach mehr oder weniger kurzen Verfolgungsjagden wieder zu ihrem Konvoi zurck kehren mussten, konnten diese Jgergruppen sich solange der Verfolgung eines gesichteten oder georteten U-Bootes widmen, bis ein vermeintlicher Erfolg in Form von lflecken oder Trmmerteilen auf der Wasseroberflche von der Versenkung Zeugnis ablegten.

Mitten in diesen Gedanken hinein meldete mir die zweite Wache ein Schiff sdstlich unserer Route mit gleichzeitigem Sichtkontakt eines Landstreifens von einer der kanarischen Inseln.
Die Sicht war so gut, das sie die Rauchfahne dieses Pottes schon auf knapp 5.900m gesehen hatten. Nicht mal unser Radar hatte angeschlagen. Diese Dinger standen wohl mit mir auf Kriegsfuss, hatte ich doch bis jetzt noch nie erlebt, dass die mal zuverlssig arbeiteten.
Aber was mich noch mehr wunderte war, kaum das wir uns in die Route des Frachters gedreht hatten, die englische Besatzung schon das Feuer auf uns erffnete. Und das auf die Entfernung. Ihr Radar tat wohl das, was man von ihm erwartete.
Dafr tat der Tommy etwas, was wir nun so nicht erwartet hatten. Er behielt seinen Kurs bei. Gut, er zackte ab und an, aber das war´s dann auch schon. Ich dachte mir weiter nichts bses dabei. Vielleicht hatte seine Ruderanlage irgendwie bei dem schweren Sturm der letzten Tage Schaden genommen oder hnliches. Ich lie Rohr 1 und 2 bewssern und klarmachen zum Unterwasserschuss.

Der T1 G7 schnurrte davon. Ein dampfbetriebenes Kerlchen, aber was fr eins. Mit rund 40kn surrte der Aal auf sein Ziel zu. Bei nur 600m Entfernung hatte der englische Frachter keine Chance.

http://www.eu-clan.net/uploads/u-falle1.JPG

Der Torpedo hatte sie an der Steuerbordseite unterhalb der Brcke getroffen. Die Gewalt der Explosion hatte die Schotten zwischen den Frachttanks und den Mannschaftsquartieren gesprengt und bald floss l in die Quartiere und auch durch das Loch hinaus auf die Wasseroberflche. Die Explosion entzndete das Gas auf dem achtersten Frachttank und bald fing auch das l in den Laderumen Feuer. Es entstand ein wildes, turmhoch in den Himmel emporschieendes Feuer mit so intensiver Hitzeentwicklung, dass selbst die Farbe unter Wasser Blasen warf.

http://www.eu-clan.net/uploads/u-falle2.JPG

Und genauso schnell, wie das Feuer ausbrach, erlosch es auch wieder. Das Schiff begann zu sinken.

Aus dem Augenwinkel heraus vernahm ich eine Bewegung. Ich lugte mit meinem Spargel nach rechts. Fast zeitgleich mit meinem Sichtkontakt kam aus dem Horchraum die Meldung mehrerer Kontakte.
Hinter dem ineinanderklappenden Dampfer schoss ein Zerster hervor, whrend sich von den Inseln her mehrere Motorboote nherten.
Es waren aber keine Rettungsboote. Dafr waren sie zu schnell und zu gro. Am Himmel schnurrte es pltzlich nur so von Flugzeugen. Sie entdeckten schnell unseren Spargel im Wasser und kamen auf uns zu. Unser Boot fiel wie ein Stein in die schtzende Tiefe.
Ich stieg zu Bruno Kalz in den Horchraum. Er hockte unter den Kopfhern und bewegte sich nicht.
"Da oben ist der Teufel los, Herr Kapitn", flsterte er, ohne aufzusehen. "Motorboote in Horch- und Angriffsfahrt. Werden wahrscheinlich vom Flugzeug aus dirigiert. Nehmen sich Zeit. Die wollen wohl sicher gehen. Hier knallts gleich. Bestimmt, die gehen auf sicher."

Es kam dann auch so. Alle drei Minuten lieen die Motorboote eine Serie von vier Wasserbomben ab. Das lrmte, wummerte, peitschte und zerbarst, dass uns die Kpfe drhnten. Die Bomben waren gut gezielt. Und die Boote hatten sich geschickt verteilt, so dass ihnen kein Fleck entging, an dem wir nach ihrer Meinung liegen konnten.

Nach etwa vierzig Bomben legten sie eine Pause ein. Es war totenstill. Wir standen mit einem mal wie unter einer Stahlglocke im Nichts. Wir wunderten uns etwas, dass wir nicht getroffen waren. Niemand sagte etwas. Es gibt eine Art der Stille, die voll qulender Lautheit ist. Sie ist khl und fremd und erfllt von unfasslichem, die Nerven peinigenden Schwingungen.

Edgtho66
02-10-05, 09:48
06.11.42 14.15h

Das Boot ging langsam auf Schleichfahrt. Ich stand mit Totenhagen im Turm beim Rudergnger. Wir lehnten uns mit den Ellbogen auf dem Sttzbrett und sahen uns nicht an. Zuerst hatten wir die Sekunden gezhlt. Die Wasserbomben kamen in bestimmten Abstnden. Dann zhlten wir weiter und weiter, und es geschah nichts mehr. "Boot ist dicht, alles in Ordnung", meldeten die Wachen leise nach jedem neuen Angriff herauf.
Die Meldung blieb nun auch aus. Kein Zischen mehr und keine darauf folgende Explosion. Aber die Wurfboote waren in der Nhe. Wir hten noch ihre Motoren. Wir waren an eine englische U-Boot-Falle geraten.
Die Pause dehnte sich. Es waren schon fnf Minuten, sechs Minuten, sieben Minuten. Ich sah Totenhagen an. Sein Blick ging nach schrg oben, irgendwohin, er sah nichts, er spannte auf das Unbekannte, Unsichtbare, Unheimliche. Selbst das sonore "ping" des weiter ab suchenden Zersters verebbte.
"Totenhagen, schon acht Minuten", flsterte ich.
Er erschrak etwas, als ob er aus einer Trance erwachte. Dann legte er ernst und langsam wie ein Mann auf einem "Feind ht mit !!!" - Plakat den Zeigefinger gegen die Lippen. Beschw sie blo nicht, sollte das heien. Es fehlte nicht viel, dass wir dreimal auf Holz geklopft htten, wie der aberglubische Ritus es vorschreibt. Es war eine verrckte Stimmung.

Nach zwanzig Minuten lie ich die Freiwache wegtreten. Sie sollte sich in die Kojen packen. Man kann nie vorher sagen, wie lange so eine Gefahrensituation unter Wasser sich ausdehnt. Dann wird die Luft langsam knapp. Man muss Sauerstoff sparen. Mnner, die lang liegen, verbrauchen weniger davon als Mnner, die aufrecht stehen und sich bewegen. Ich selbst legte mich dann auch hin.
"Lassen sie das Boot auf Tiefe", sagte ich Totenhagen. Schon das Gerusch der Lenzpumpen htte uns verraten.



06.11.42 15.58h

Nachmittags gegen vier fiel ohne erkennbaren Anlass mit bleichem, schlngelndem Suseln die nchste Wasserbombe in unsere glasgrne Stille hier unten. Sie platzte und drhnte hart am Boot. Wir sprten, wie der Luftdruck uns um ein Stck zur Seite setzte. Es war als verbge sich der Stahl. Es folgte abermals eine Serie. Es waren die lrmendsten, schrfsten, bedrohlichsten Explosionen, die ich je auf einer Feindfahrt erlebt hatte.
Ich stieg wieder zu Totenhagen in den Turm. Wir sahen uns an und zuckten mit den Schultern. Die mussten da oben Spuren sehen, vielleicht Luftblasen oder lflecke. Der Luftdruck mochte einen Tank angeknackt haben. Es lie sich halt jetzt nicht feststellen. Um uns wenigstens einen Lichtblick an Hoffnung zu verschaffen, griff ich zu einer List. In so ziemlich jede Abwurfphase hinein lie ich einen Bold ausstoen. Bei auf 25? Ruder Steuerbord hatten wir praktisch einen schnen groen Halbkreis mit Tuschkpern gelegt, um einen falschen Kurs anzutuschen. Nach zehn Tuschkpern liefen wir mit Ruder hart backbord genau in entgegengesetzte Richtung davon.

"Boot dicht, alles in Ordnung", meldeten die Wachen monoton.
Die Mnner hatten Schwimmwesten um und hielten die Scke mit den Tauchrettern bereit. Ich sah Karl Breitner, der von seiner Erfahrung durch die Versenkung von U-63 voll profitierte und die Mnner auf das Eventuelle einstimmte und vorbereitete. Er machte das so souvern und in einer so stoischen Ruhe, dass es sehr beruhigend auf meine Mannschaft wirkte. Ich brauchte mich also darum im Moment nicht mehr zu kmmern und lie ihn gewhren.
Wir waren ziemlich hilflos. Wir hatten, wenn wir tatschlich Spuren auf der Wasseroberflche hinterlieen, kaum eine Chance. Es war nichts zu tun. Die E-Maschine lief weich und lautlos. Wir setzten die Schleichfahrt fort. Es war nicht sicher, dass das einen Zweck hatte. Vielleicht verriet es uns gerade.
Unsere Luft reichte bis zum nchsten Vormittag. Aber wir mussten versuchen, schon in der Nacht aufzutauchen. Bei Tageslicht htten sie uns an dieser Art Potsdamer Platz im Atlantik sofort gehabt.
Gegen sieben regnete noch einmal ein wster Todessegen von oben. Die Bomben lagen jetzt offenbar etwas verstreut. Es war kein System mehr in den Abwrfen. ber Wasser wurde es wohl gerade dunkel. Wir hten die Motorboote wieder ber uns fahren. Wir schlugen einen langsamen gewundenen Haken und nahmen eine andere Richtung. Wieder grob in Richtung offenerer Atlantik. Denn sollten hier noch mehr Zerster mit Ortungssystemen auftauchen als nur der eine da oben, dann wren grere Tauchtiefen durchaus angenehmer. Viel konnte zwischen uns und dem Grund zum jetzigen Zeitpunkt nicht mehr sein. Wir lagen bei 110m, und vielleicht 200m war der Atlantik hier tief, wenn man den Karten Glauben schenken durfte.
Ich lie Kali-Patronen ausgeben. Die Luft wurde schlechter und wir mussten beim Ausatmen den Stickstoff absorbieren. Die damaligen Kali-Patronen waren umstndliche Weiblechksten mit einem eingebauten Gasmaskenfilter, den man vor den Mund hielt. Nach einiger Zeit wurden sie widerlich warm. Sie sind inzwischen verbessert worden. Bis auf einige gedmpfte Kommandos und das gelegentliche Zischen der Sauerstoffflasche blieb es ruhig im Boot. Wir warteten dreizehn Stunden.

Edgtho66
03-10-05, 08:19
07.11.42 05.03h

Kurz vor dem Auftauchen kontrollierte ich die Schwimmwesten. Ich belehrte meine Mnner, wie sie sich zu verhalten htten, wenn sie in Gefangenschaft gerieten. Dieser und jener von uns, sagte ich, wrde nun vielleicht fallen. Wir wssten nicht, was uns da oben erwartete. Vielleicht wrden wir alle draufgehen. Unmglich war das zum jetzigen Zeitpunkt hier an dieser Stelle nicht. Wir htten unsere Pflicht getan, so gut wir konnten. Wir wrden als Soldaten auch zu sterben wissen. Und da der Mensch erst nach seinem Tode ein Held werden kann, htten wir Aussichten.
Die Mnner schmunzelten vereinzelt.
Es war keine elegische Stimmung. Das soll man nicht denken. Ich habe auch keinen gesehen, der Angst gehabt htte. Wir machten uns vernunftmig klar, dass es in ein paar Minuten soweit sein knnte. Es ist eigenartig, wie neutral gegen sich selbst, wie schicksalsergeben und ruhig der Mensch in solchen Augenblicken ist.
Wir wrden, wenn es mulmig werden sollte, unser Bestes tun, um den Englndern, die unseretwegen einen dicken Dampfer geopfert hatten und den ganzen Tag nichts anderes taten als uns zu suchen, noch einmal durch die Lappen zu gehen. Andere Mglichkeiten gab es nicht mehr.
Kalz horchte mit langen Ohren rund um die Gradscheibe.
"Alles ruhig", meldete er. " Sie knnten auf der Lauer liegen. Fahrt macht keiner mehr."
Ich ging durch die Zentrale.
"Pressluft berall!"
Es pfiff und rauschte in den Tanks. Ich stieg in den Turm, ber den Rudergnger hinaus, und blieb auf der Treppe dicht unter dem Luk stehen. Auf Periskop - Tiefe lie ich kurz verweilen, um einen Rundblick zu nehmen. Totenhagen hing gleichzeitig am Beobachtungsseerohr.
"Ist frei!", meldete er.
Wir tauchten auf. Ich stie das Turmluk auf und sprang auf die Brcke. Hinter mir waren mein Waffenoffz, Lt. Adolf Carlewitz und seine rechte Hand an der Kanone, StabsOberbootsmann Karl Creutz. Wir kamen in eine ruhige, etwas dunstige, leere Mondnacht mit milchiger Luft. Die Geschtzbedienung war sofort an der Kanone. Sie hatten kein Ziel. Die Englnder hatten uns aufgegeben. Vielleicht nahmen sie an, wir wren erledigt.

Im Bauch des Bootes stotterten die Diesel los und liefen bald in gleichfmigen, kraftvollen Umdrehungen. Es war ein beruhigendes Gerusch. Wir machten wieder Fahrt. Es war alles klar.
"Wir wollen uns den Tag merken, Jungens", sagte ich, "es ist unser zweiter Geburtstag. Immer wenn wir an Land sind, wollen wir daran denken und ihn feiern."
Der Vorschlag wurde zum Beschluss erhoben. Kalz setzte das Grammophon mit uerster Kraft in Gang. Es spielte unseren Leib- und Lieblingsmarsch: "Flieg, deutsche Fahne, flieg´!" (http://ingeb.org/Lieder/soldatka.html) Wir sangen und pfiffen ihn aus Leibeskrften mit.
Es war ein groartiger Spa, der ein paar Dutzend Mal wiederholt wurde. So gelungen schien uns das ganze. Der Desperado, der in einem guten U-Boots-Mann auch stecken muss, feierte seinen Sondersieg. In der Kombse setzte der Smutje eine dicke Linsensuppe aufs Feuer. Wir hatten fast vierundzwanzig Stunden lang von Dosenbrot gelebt. Die Freiwachen krochen endgltig in die Kojen. Das Boot schaukelte leise und wohlig vor sich hin.
Keine lebende Seele hte unser befreiendes Spektakel. Das Boot strmte Nord-Ostwrts, in Richtung portugiesisch-spanische Westkste hinauf.

Edgtho66
04-10-05, 04:38
07.11.42 07.58h

Bei Tageslicht sahen wir, dass an der Kanone und an Deck einiges zu reparieren war. Der Bombensegen hatte seine Spuren hinterlassen. Am bedenklichsten war der lverlust. Einer der Tanks hatte einen Riss. Die englischen Motorboote hatten wohl das bluliche Fett hochrinnseln sehen und hatten danach gezielt. Da wir uns in vorsichtiger Schleichfahrt weiter bewegt hatten, waren die meisten Bierfsser hinter uns herabgesegelt. Alles in allem hatten wir unglaubliches, purstes Glck gehabt. An den Erfolg meiner List mit den Tuschkpern glaubte ich nicht so recht. Vielleicht hatte er zur Stung unserer Ortung beigetragen, vielleicht auch nicht. Aber das war mir jetzt egal, wir hatten nun andere Probleme. Unsere Treibstoffreserve war auf 29% gesunken. Wir krochen mit geringer Fahrt, um nicht unntig Brennstoff zu verbrauchen, Richtung Heimat.
Auf der Hhe von Madeira sichteten wir noch einmal eine Rauchwolke. Das war vielleicht was. Wir hatten jedoch so gut wie keine Jagdmglichkeit mehr. Wir mussten den Brocken schwimmen lassen und darauf hoffen, dass er einem Kameraden in die Fnge laufen wrde. Wir wrden auch ohne Umweg nur knapp nach Hause kommen.


08.11.42 08.00h

Jeden Morgen um acht feierte ich mein knigliches Lever nach demselben Zeremoniell. Ich hatte am Abend vorher wie gewhnlich im Skat verloren und rieb mir nun in guten Hoffnungen auf den neuen Tag die Augen. Eventuell, vielleicht, mglicherweise knnte uns doch einer zum Abschuss vor die Kanone kommen. Unbelebt war diese Route ja nun wei Gott nicht. Was konnte man wissen? Wir hatten Krieg und es geschehen oft auergewhnliche Dinge.
Da nherte sich, einen Zettel auf den Hnden wie auf einem Tablett der tchtige Maschinist Becker. Er reichte mir unsere Brennstoffrechnung. Es war eine melancholische Morgenlektre. Die Peilstcke kamen immer trockener aus den Tanks. Die durchschnittliche Marschgeschwindigkeit, die wir jeden Tag auf Grund der Vorrte errechneten, wurde langsamer und langsamer. Es fehlten regelmig achtzig, hundert oder auch hundertzwanzig Meilen gegenber dem Vortag. Es sah aus, als wrden wir uns das letzte Stck im Atlantik schleppen lassen mssen.
"Ist eigentlich schon mal versucht worden, auf einem U-Boot Segel zu setzen?" fragte Hartenstein, der rastlose Sucher. "Bettlaken haben wir. Man msste das mal probieren. Vielleicht ist es eine neuen Methode und wir kommen ins Lexikon."
Totenhagen rechnete ihm vor, wie schwer ein Unterseeboot ist, wie gro die Segelflche, wie stark der Wind und wie dick dementsprechend Mast und Rahen sein mssten. Er brachte sogar eine Formel auf die Beine. Wir verstanden sie zwar nicht in ihrer mathematischen Krausheit, aber die Formel und mein I.WO sahen berzeugend aus.
Mit dem Segeln war es wohl nichts. Das Wetter wurde schlechter und schlechter und wir brauchten immer mehr Kraft.

stratotanke1979
05-10-05, 07:26
Ich mu hier auch meine absolute Bewunderung fr diese feinen Berichte zum Asudruck bringen. Lese schon lange still mit und bin immer auf ein Update gespannt. Absolut top geschrieben! Die packenden FF begeistern mich immer wieder.

Edgtho66
05-10-05, 07:54
Schnen Dank auch! http://forums.ubi.com/infopop/emoticons/icon_smile.gif http://forums.ubi.com/images/smilies/11.gif Tut gut, ab und an sowas zu lesen, dann weiss man wenigstens, dass man nicht alles umsonst schreibt! http://www.ubisoft.de/smileys/tv_happy.gif

-----------------------------------------

08.11.42 19.00h

Am Abend bekam ich die Meldung, einer der Auenbunker sei leck. Die Brennstofflage wurde dadurch abermals lastender. Sie erschien endgltig aussichtslos. Mit einem Tagesdurchschnitt von sieben Meilen trudelten wir dahin. Das Wetter war noch schlechter geworden. Die See brannte in den Augen und wir klapperten vor Klte. Wir hatten kaum mehr trockene Sachen an Bord. Wer Freiwache hatte, ging zunchst nach hinten in den Maschinenraum, weil es dort ein bisschen wrmer war.
Um l zu sparen, schlug ich keine groen Haken sondern hielt geraden Kurs. Die Dreistigkeit rchte sich auf dem Fu. Ein Patrouillenflieger der Tommys hatte uns entdeckt. Von Land her kreiste der englische Kstenbomber, schrg gegen den Wind gelegt und ziemlich tief, ber der aufgewhlten See. Es war allerhand, dass der Junge bei diesem Wind berhaupt vom Rollfeld gestartet war und wir tauchten respektvoll weg. Wenn es gegen ein deutsches U-Boot ging, setzten die Englnder schon damals, ob sie nun Flugwetter hatten oder nicht, eine Maschine und vier Mann aufs Spiel. Das ehrte uns.
Und der Tommy, das musste man ihm lassen, tat, was er konnte. Seine Bombe sa so dicht am Boot, dass unsere schwere Messingkompasshaube aus dem Sitz gerissen und quer durch die Zentrale geschleudert wurde. Wir dachten, uns platzen die Trommelfelle. Das elektrische Licht erlosch, wie in den Birnen die Glhfden zerstt waren.


09.11.42 08.00h

Der Sturm versteifte sich abermals. Rahn und Wiessmann, die Glserputzer im Turm, hatten ununterbrochen zu tun. Kaum hatte man eins der Doppelglser vor den Augen, da erklang das "Wahr schau!", und man musste das Glas als unbrauchbar zum Trocknen hinunter geben.
Die Ste im Boot wurden hrter. Die Mnner taumelten, weil sie das Gleichgewicht verloren, und aus Mdigkeit. An Schlaf war nicht zu denken.
Wir gingen auf Tiefe, weit hinunter, wo nichts zu hen und zu spren ist und warteten auf bessere Zeiten. Wir musterten uns hinter langen, wirren Brten hervor und wussten nicht mehr, was wir reden sollten. Versenkungen, Flugzeuge, Wasserbomben, lknappheit - das alles war Hunderte Male durchgesprochen worden. Es war am besten, man schlief.
Vogler, unser Bordfriseur aus freier Wahl, legte seine Schere und Kmme zurecht, um wenigstens unsere Garbolocken zu kappen. Er hieb einem gewhnlich ein paar Stufen und Kurven in den Haarwuchs, aber er lichtete ihn und man fhlte sich besser.

Edgtho66
06-10-05, 10:08
09.11.42 16.00h
Mit Eintritt vor die Hoheitsgewsser an der spanisch-portugiesischen Westkste wurden die Flieger wieder zahlreicher. Aber komischerweise bemerkte uns selten einer. Wir pinselten meist ungestt und gleichgltig und mde nach Hause. Unser Flieger- Sex- Appeal, wie der damalige II.WO Geissler von U-135 so gern bemerkte, war bei uns wohl vollends abgeblttert. Es gab Appetitlicheres auf See. Wir waren zur Zeit frommes Alter. Wir waren hsslich. So was wie uns belstigte man nicht.
Ich lie fr anderthalb Stunden abermals das Boot auf 40m einpendeln, um in Ruhe die Torpedos zu ziehen und zu lften.
Der Smutje meldete mir gar Sonderbares. Das Brot wurde knapp. Daraufhin lie ich durch den II.WO sofort eine eingehende Proviantsbestandsaufnahme durchfhren. Das Ergebnis war sehr bedauerlich. Nach den vor dem Auslaufen bei der 7. Flottille durchgefhrten Besprechungen sollte pro Kopf und Tag eine Brotmenge von mindestens 400gr zur Verfgung stehen. In der Sitzung war fr eine Unternehmungsdauer von 150 Tagen = 22 Wochen festgelegt:

- 2 Wochen Frischbrot
- 1 Woche Rerupbrot
- 8 Wochen Dosenbrot
- 11 Wochen Mehl zum Selbstbacken

Die Nachprfung ergab, dass 1. die Mehlmengen zu gering bemessen waren und dass 2. das Brotgewicht des Dosenbrotes im Mittel statt 700gr. nur 425gr. betrug.
Hier musste eine ganz groe Schweinerei in der Heimat passiert sein. Die Brotrationen lie ich deshalb mit sofortiger Wirkung auf 210gr. je Tag und Kopf herabsetzen. Die Ausgabe von Keks, Zwieback und Knckebrot lie ich verbieten um diese Mittel als Frhstcksproviant zur Verfgung zu haben.
Ich hielt es fr angebracht, diesen Missstand sofort durch ein FT nach Berlin zu melden, da ich wute, das all´ die Kameraden, die mit uns am 22.09. Lorient verlassen hatten, mit denselben Mengen ausgerstet waren und auch in eine ble Lage kommen konnten. Auerdem musste dieser Schiebung in der Heimat sofort nachgegangen werden.


09.11.42 17.53h

Ich studierte innigst das KTB. Sollte es das gewesen sein? Ein Flieger und zwei im Vergleich doch eher mickrige Frachter? Gerade mal rund 4225 BRT standen auf der "Haben"-Seite. Gut, allemal besser als nichts, aber der Klopper war´s ja nun nicht gerade.
Und als wie wenn man ein paar Kilometer weiter oben unsere Gedanken geht htte, schallte es vom Turm herab: " Frachteeeer! Frachter steuerbord vorauuuss!"
Und nicht nur irgendein Frachter, der irgendwie hier seine Bahnen zog, nein, ein fetter C2 und er hielt auch noch genau auf uns zu. Wir mussten uns nur einen Stock tiefer begeben.
So viele grinsende, unrasierte Mnner hatte ich selten gesehen. Glck, einfach nur Glck!

Wir drehten uns auf 90? zur Fahrtrichtung des Englnders und lieen ihn auf 600m rankommen. Der war sogar gut gewappnet. Zwei Kanonen hatte er an Deck, zustzlich noch zwei 20mm-Kanonen auf jeder Seite.
Ich schoss einen 3-er Fcher mit AZ, um bei diesem Kerl ganz sicher zu gehen. Aber was dann passierte, geht an und fr sich ins Reich der Ammenmrchen. Es passierte nmlich ....... Nichts!
Das war mir seit dem Norwegenfeldzug (Weserbung Nord) nicht mehr vorgekommen. Gleich alle 3? Ich berprfte noch mal alle Einstellungen am TDC, aber ich konnte nichts auergewhnliches finden. Schien alles seine Richtigkeit zu haben. Schweren Herzens mussten wir den fetten Happen ziehen lassen. Erschwerend kam noch hinzu, das der Bruder da drben doch unsere Anwesenheit bemerkt haben musste, denn er begann wie wild zu zacken. Angeklopft hatten die Aale demnach wohl.
Unsere Position durfte also auch gerade ber den ther wandern, was uns fr den Rest des Heimweges auch nicht unbedingt fderlich sein durfte, in Anbetracht unseres doch mittlerweile bedrohlich knapp gewordenen Treibstoffes.

Edgtho66
07-10-05, 08:49
10.11.42 07.00h

Der Smutje brachte mir ´ne Tasse Kaffee. Aber selbst die wollte mir nicht munden. Schmeckte so, als wie wenn die Jungs da hinten eben den Maschinenraum ausgewischt htten.
Ich lie Breitner zu mir kommen und erffnete ihm, was ihm blhen wrde, so wir wieder festen Boden unter den Fen haben sollten.
Seine Begeisterung darber hielt sich zwar in Grenzen, aber die Aussicht auf einen Einsatz, wenn auch nunmehr nur zu Ausbildungszwecken, im Mittelmeerraum stimmten ihn letztendlich doch vershnlich.

12.11.42 13.00h

Wir befuhren seit gestern wieder franzsische Hoheitsgewsser. Wir funkten unseren Standort und unsere momentane Situation Treibstoff, Schadensmeldung und so weiter nach Lorient.
Am nchsten Morgen trafen wir auf einen deutschen Zerster anstelle eines Sperrbrechers.

http://www.eu-clan.net/uploads/Z34.JPG

War uns mehr als Recht, denn in unserem Zustand wre eine alleinige Fliegerabwehr ein leidiges Thema geworden.
Wir meldeten durch Winkflaggen , dass von uns aus 4225 alliierte BRT im Eimer wren. Die ersten deutschen Rufe flogen nach Wochen zu uns herber. Bald wren wir zuhause.
Meinen Mnnern gab ich so eine Art Abschiedsvortrag ber das Benehmen an Land und ber die Geheimhaltung und was es sonst noch am letzten Tag der Feindfahrt an Wichtigem zu besprechen gibt. Sie kmmten sich die Haare glatt und traten vorn im Wohnraum an. In der Nacht kamen die Leuchttrme von Lorient in Sicht.
Und dann geschah das, was wir alle befrchtet, aber doch zu vermeiden gehofft hatten, die Diesel blieben stehen. Aus. Vorbei. Totenhagen und ich sahen uns an.
Die Kameraden vom Zerster hatten unsere langsamer werdenden Fahrt wohl auch bemerkt, zumal sie auch vom knappen Treibstoffbestand bei uns wussten, und signalisierten uns ihre Bereitschaft zum "An die Leine nehmen" zu.
Das kommt ja wohl nicht in Frage. Mein L.I. verstand ohne ein Wort.

Da war vermutlich die leiseste Feindfahrt-Rckkehr, die jemals ein franzsischer Hafen erlebt hatte, aber wir fuhren; Und zwar mit eigener Kraft.
Mit 3kn fuhren wir an unseren Liegeplatz. Selbst mein Freund KK Hessler stand an der Mole, um uns in Empfang zu nehmen.
"Wie lange mssen sie jetzt ausruhen?" fragte er. "Einmal gut schlafen, dann kann´s wieder los gehen!"

Das war zwar etwas prahlerisch, aber unsere Laune war groartig.
Hessler verteilte zehn eiserne Kreuze und 7 U-Boot-Abzeichen an die Besatzung. Mir selbst heftete er das EK1 und EK2 an die Lederjacke. Ich war etwas erstaunt. So beraus Hervorragendes hatten wir meinem Empfinden nach schlielich nicht geleistet.
Glcklich und stolz und landungsungewohnt torkelten wir auf die Mole.

Edgtho66
07-10-05, 08:57
Tja Jungens, das war´erstmal.
Nach nunmehr 2 1/2 Monaten "geschreibsel" brauch ich erstmal Landgang! http://forums.ubi.com/images/smilies/16x16_smiley-very-happy.gif

Der Vollstndigkeit halber soll/muss ich noch folgendes erwhnen:
----------------------------------------------


Nachwort:

Ich distanziere mich in jedweder Form von rechtslastigem Gedankengut!


Zur Erstellung dieser Feindfahrten dienten mir unter anderem als Vorlage bzw. Hilfsmittel zur Recherche:

- Der U-Boot-Krieg (5 Bde) / Rainer Busch + Hans-Joachim Rll / ISBN Gesamtwerk 3-8132-0509-6
- Dem Tommy entwischt / Kurt Reich / Berlin 1942
-Konvoi / Martin Middlebrock / 1976 / ISBN 3-550-07359-3
-Feind im Fadenkreuz / Werner Hartmann / Berlin 1942
- Deutsche U-Boote / David Mason / ISBN 3-8118-4301-X
-Operation Paukenschlag / Michael Gannon / ISBN 3-550-07206-6
- http://ingeb.org/ fr das mp3 file "Flieg, deutsche Fahne, flieg
- http://de.wikipedia.org/wiki/1942
- Mod Frontflotille 2.01
- last but not least Silent Hunter III / Ubisoft patch 1.4b

Danke an die Forumsuser U-92 Wassermann durch seinen Bericht (als Auslser dieser Idee) den er wohl leider nicht zu Ende fhren wird, Forumsuser JG400Pips fr seine Untersttzung via e-mail und all denen, die mir gelegentlich etwas Zuspruch haben anheim kommen lassen hier in diesem Forum.


Bis auf zwei Sreenshots, die ich aus diesem Forum, bzw. aus einer screenshot-Sammlung von http://www.silenthunteriii.com/de/home.php entnommen habe, sind alle Bilder aus einer Kampagne heraus von mir aufgenommen worden, die ich extra fr diese FF gestartet habe. Das Copyright liegt in diesem Falle bei den Erstellern dieser Bilder. Alle restlichen Bilder gehen auf meine Kappe.
Wer will, kann sich jedoch bei uns auf http://www.eu-clan.net/ registrieren und in der Sektion "Downloads" die komplette, berarbeitete und korrigierte FF mit Deckblatt, Seitenzahlen etc. noch mal als *.doc - file ge´rar´t herunterladen.
Diese Freiheit erlaube ich mir, da ich doch gern wissen mchte, ob und wie viele Interessenten es an meiner FF gibt bzw. gegeben hat.
ber einen kleinen Gstebucheintrag wrde ich mich aber noch viel mehr freuen!

Die ganze Story ist natrlich frei erfunden. Sie lehnt sich an tatschliche Ereignisse an, aber auch an frei erfundene. Sie hat also absolut keinen Anspruch auf Vollstndigkeit und Richtigkeit.

Diese FF´en sollen so etwas wie ein Versuch einer Hommage an alle Seemnner, vor allem aber doch an die deutschen U-Boot Fahrer, sein. Unter welchen Umstnden sie lebten und litten, mit welchen ngsten, Strapazen und Widrigkeiten sie zu kmpfen hatten und wie sie auch aus kleinen Erfolgen Kraft schpften, aber letztendlich doch rund 28.000 U-Boot-Mnner in einem aussichtslosen, unsinnigen Krieg ihr Leben lieen!

edit: Schneller findet ihr die FF, wenn ihr oben rechts auf der Hauptseite im Block: "latest updates" guckt. Gleich der erste Eintrag!

edgtho66
(=EU=Garrett)

P.S.: Wer Rechtschreibfehler findet, der darf mich gerne kontaktieren oder sie einfach behalten. ;-)

Ja3Schu1
07-10-05, 23:14
Mein erster Post gleich einmal in den besten Beitrag im Forum. Sehr schoene Geschichte. Habe von Anfang an gelesen und jeden Tag als erstes nachgesehen, ob es denn schon ein Update gab. Ich glaube, du musst nicht befuerchten, dass niemand hier liesst. Die wenige Resonanz liegt wohl eher daran, dass alle erfuerchtig darauf bedacht sind dir nicht die Geschicht zu vermasseln mit uebermaessigen dazwischen geposte. Fazit: U-135 - was braucht man mehr?!

Voyager532
09-10-05, 12:06
Ich bedanke mich herzlich fr die wundervolle Geschichte, die du uns prsentiert hast, und ich bewundere Dein durchhalten bis zum Schluss.

Du hast durch Deine Geschichte dazu beigetragen das Leben im Forum interessant zu gestalten, und das verdient Lob und Anerkennung!

Ein dreifaches Hura auf unseren Literaturknig:

Hurra! Hurra! Hurra!!!

http://forums.ubi.com/images/smilies/11.gif

Edgtho66
09-10-05, 16:33
Nochmals vielen Dank http://forums.ubi.com/images/smilies/11.gif fr eure Worte.

Stimmt, die Resonanz hielt sich in Grenzen. Das es nicht allzuviele downloads geben wrde, war ja vorauszusehen. Aber ber ein paar GB-Eintrge mehr htte ich mich schon gefreut.

Bis jetzt gerade mal ein Eintrag! http://www.ubisoft.de/smileys/tv_horror.gif
Aber vielleicht wird´s ja noch! http://www.ubisoft.de/smileys/horsie.gif


bis denne, Gute Nacht und angenehme Woche euch allen! http://forums.ubi.com/infopop/emoticons/icon_smile.gif


Edi

Fortune20
09-10-05, 16:37
Aber das liegt wohl eher an der Faulheilt einiger sich den FF-Bericht zu saugen bzw. sich dafr registrieren zu mssen. Naja, wird schon, mein GB-Eintrag hast du ja.

MfG Fortune

Rothndle
09-10-05, 17:39
Ich bin ebenfalls ein stiller Leser dieser FF. Groen Respekt!

Normalerweise sind die FF immer nach Schema F: Schiff gefunden versenkt, Zesterverfolgung, nchstes Schiff versenkt, ...

Deine FF ist sehr kreativ, die Idee mit dem Segel zum Beispiel fand ich sehr gut.

So nun zur eigentlichen Motivation dieses Posts: Ich hatte keine Lust, mich zu registrieren, ich mags nicht, mich berall registrieren zu mssen.
Ansonsten htte ich es natrlich gerne schwarz auf wei

Lg Roth

Dughor
10-10-05, 01:26
Das Ende?

http://forums.ubi.com/infopop/emoticons/icon_frown.gif

Was soll ich denn nun morgends machen?
Super, Geschicht. Hat mich echt gefesselt.

Schade, aber doch verstndlich, da es nun erstmal vorbei ist.

Edgtho66
10-10-05, 05:32
Originally posted by Rothndle:
So nun zur eigentlichen Motivation dieses Posts: Ich hatte keine Lust, mich zu registrieren, ich mags nicht, mich berall registrieren zu mssen.
Ansonsten htte ich es natrlich gerne schwarz auf wei

Lg Roth


Nun ja, sieh´s doch mal so:

Registrieren tut nicht weh, dauert hchstens eine Minute und ist doch eine Mglichkeit fr jeden HP-Inhaber, seine Seite von Schmierfinken sauber zu halten, da diese in der Regel genau so reagieren. http://forums.ubi.com/infopop/emoticons/icon_biggrin.gif Was jetzt nicht heissen soll, das ich dich fr einen halte! Aber Registrierungen blocken doch so manchen ab, die mal eben schnell was auf die Seite schmuddeln und dann wieder im Nirwana verschwinden.

Um hier im SH-Forum schreiben zu drfen, hast du dich ja auch registriert. http://forums.ubi.com/infopop/emoticons/icon_wink.gif

Und ich verkaufe auch ganz bestimmt keine E-Mail-Adressen! http://forums.ubi.com/images/smilies/16x16_smiley-very-happy.gif Mchte nur anhand der downloads bzw. anhand der GB-Eintrge mal so in etwa wissen, wieviele Mitleser es gab und/oder gegeben hat.
Dies wrde mich eventuell zu einer Fortsetzung animieren.
Aber lass ma´, verstehen tu ich es irgendwo. Ist alles rein freiwillig.

Gru
Edi http://forums.ubi.com/infopop/emoticons/icon_smile.gif

Rothndle
10-10-05, 09:45
Nabend!

Wenn du als Art Unterschriftensammlung fr ein Sequel verstehst, dann werde ich meine drei Kreuzchen natrlich auch auf die Liste tun. Es ist ja eine gute Sache, die es zu untertsttzen lohnt. So, muss Schlu machen um mich registrieren zu lassen.

Gru Roth

Dughor
11-10-05, 03:19
Ich denke mal die gut 7500 views dieses Threads kommen nicht von irgendwo her.
Wird schon was mit der Leserschaft, und der Menge an Leuten zu tun haben http://forums.ubi.com/infopop/emoticons/icon_wink.gif

stratotanke1979
12-10-05, 05:07
Zustimm. Habe wieder eine Karriere angefangen und mir auch entsprechende Notizen gemacht, um inspiriert von U-135 eventuell auch eine umfassende Geschichte zu schreiben. berlege aber noch am Grobkonzept. Zeiten habe ich schon. Erstmal den roten Faden aufbauen... Mal sehen wie und wann ich anfange.

Edgtho66
12-10-05, 07:39
Originally posted by stratotanke1979:
Zustimm. Habe wieder eine Karriere angefangen und mir auch entsprechende Notizen gemacht, um inspiriert von U-135 eventuell auch eine umfassende Geschichte zu schreiben. berlege aber noch am Grobkonzept. Zeiten habe ich schon. Erstmal den roten Faden aufbauen... Mal sehen wie und wann ich anfange.


Hallali!

Na das bringt mich doch mal wieder auf meine Frage von vor 2 Monaten zurck; nmlich die, wer Lust htte, eine Parallelgeschichte mit mir zusammen zu konstruieren.
Wird mal Zeit fr einen koordinierten Wolfsrudelangriff. http://forums.ubi.com/images/smilies/16x16_smiley-wink.gif

Also wenn du Interesse hast, gib mal Laut! http://forums.ubi.com/images/smilies/10.gif

---------------------------------------------

Was die Anzahl der "clicks" angeht, dann teilt die Anzahl bis zum Ende der FF (ca. 7400) durch die Anzahl der Tage, die ich geschrieben habe ( rund 80 Tage), dann kommt man schon mal auf circa 87,5 "clicks" am Tag, nehmt meine ganzen "clicks" mal weg ( und das hab ich oft getan, bzw. tun mssen), entfernt alle die, die mehrmals tglich draufgeklickt haben, dann drften so "grob ber den Daumen gepault" http://forums.ubi.com/images/smilies/16x16_smiley-very-happy.gif 30 Leser brig bleiben!


Gru von unne http://forums.ubi.com/infopop/emoticons/icon_smile.gif
Edi


p.s.: Vielen herzlichen Dank an all diejenigen, die sich bis dato bei uns im GB verewigt haben!!!!! http://www.ubisoft.de/smileys/read.gif http://forums.ubi.com/images/smilies/heart.gif

stratotanke1979
12-10-05, 11:25
an sich ist das kein Problem. Allerdings wollte ich eine FF ber die Weserbung zu schreiben. Zu dem Zeitpunkt gab es noch kein U-135.

Ansonsten kann man auch eine frei erfundene Geschichte konstruieren, die sich dann beim Rudelangriff berschneidet. Knnte Elemente aus der Weserbung nehmen und umstricken...

R6CombatMedic
12-10-05, 16:10
Schade, war/ist ne wirklich gute Story... Denke es hat sich trotzdem gelohnt, auch ohne solch enormen zuspruch wie bei Wassergott zb...

Viell. teilweise meine Schuld? *g* Ich erinnere an einen gewissen Beitrag im Wassergott Thread *hstl*

Voyager532
17-10-05, 10:41
Sorry Edgtho66, da kommt Nachwuchs. Da mu Platz gemacht werden.

Ich hoffe Du verstehst das.

Edgtho66
18-10-05, 09:29
Das er nicht auf ewig da oben bleibt, war mir von Anfang an klar! http://forums.ubi.com/infopop/emoticons/icon_biggrin.gif

Herzlichen Dank auch fr deinen GB-Eintrag bei uns auffe Seite! http://forums.ubi.com/images/smilies/11.gif
Man soll es gar nicht glauben, wie man sich auch ber solche Kleinigkeiten freuen kann.

Gilt brigens auch fr alle anderen, die es dorthin geschafft haben. http://www.ubisoft.de/smileys/chatten.gif http://forums.ubi.com/images/smilies/11.gif

So, genug ge"auch"t! http://forums.ubi.com/images/smilies/35.gif http://forums.ubi.com/images/smilies/59.gif

Gru http://forums.ubi.com/infopop/emoticons/icon_smile.gif
Edi

p.s.: Vielleicht gibts noch ´ne kleine berraschung?! Ersma gucken, wie sich die laufenden FF´en entwickeln. Vor allem die FF zum Thema "Weserbung Nord"! http://forums.ubi.com/infopop/emoticons/icon_biggrin.gif

morpheus5_5
19-10-05, 08:03
berraschung..., immer gut!
Habe bis jetzt immer alles aufgesaugt, aber habe ich ja schon im GB bei Euch gesagt.

Moin moin aus HH

Edgtho66
20-06-08, 10:09
Aus gegebenem Anlass ( wie z. Bsp. kurzes Probelesen vor dem download) .....
...
...
...
...
...
...
...

*bump*

... ich das hier nochmal nach oben.
DL findet ihr hier:
http://forums-de.ubi.com/eve/forums/a/tpc/f/469102863/m/1081073666/p/2



Gru
Edi