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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Eine noch nicht ganz fertige Geschichte...



JohnMcArthur
27-04-05, 16:33
Ich wurde darum gebeten noch mal eine Geschichte zu veröffentlichen. Vielleicht setzte ich sie auch fort. Es kommt drauf an ob ich dafür Zeit finde oder nicht.

Viel Spass beim lesen!

Es war vor einem Jahr als mein Großvater 82 Jahre alt geworden ist. Er hatte eine schwere Lungenentzündung überstanden und meine Mutter hat sich sehr große Sorgen um ihn gemacht. Sie hatte ihren Vater sehr gerne, eine Liebe die ich nie so recht nachvollziehen konnte. Sicher er war ein sehr erfolgreicher Mann gewesen. Pädagoge, später Rektor einer Schule, dann sogar ein höherer Beamter im Kultusministerium. Er war wie viele Menschen seiner Generation, arbeitsam und ruhig, fleißig und beobachtend. Ich mochte ihn nicht sonderlich, hatte ich doch bei meinen Großeltern oft Schwierigkeiten mit ihm, unter anderem durfte ich nie das sehen was mich interessierte. Erwischte mich mein Großvater beim sehen einen amerikanischen Actionfilms brüllte er mich an und schaltete den Fernseher aus. Auch sonst war er streng und unnahbar. Ich tat es beleidigt als Macke eines alten Zausels ab. Ich mochte ihn nicht und er mochte mich nicht, so einfach war das. Meine Großmutter war traurig, dass es eine Barriere zwischen uns gab, doch hatte sie es nie geschafft ihren Mann toleranter zu stimmen. Nun ist mein Großvater tot.....und habe einen Stapel Blätter vor mir liegen. Ordentlich getippt, in alter deutscher Rechtschreibung.

Lieber Uli!

Du wirst Dich über das was ich Dir hinterlasse werde wundern, doch will ich Dir so eine Erklärung dafür geben, warum ich Deine Interessen nie födern oder verstehen wollte. Du bist jetzt zwanzig, hast Dein Leben in der Hand und vor Dir, kannst werden was Du willst und leben wie und wo Du es willst. Zu meiner Zeit war das anders, ich lebte im damaligen Großdeutschen Reich und war ein junger, fanatisch an den Führer glaubender Deutscher.
Wir zogen mit Lust und Freude auf Abenteuer in den Krieg und kamen als mentale und köperliche Wracks wieder heraus, wenn das Schicksal uns überleben ließ. Zusammengeschrieben aus meinen Tagebüchern gebe ich Dir einen Eindruck davon, war wir erleben und durchleben mussten....


Angefangen hat es für mich im Jahre 41. Ich wurde ganz normal als einfacher Schütze in einer Infanteriedivision ausgebildet. Es war eine sehr harte Zeit, wir wurden vierzehn bis fünfzehn Stunden am Tag geschliffen und für die Front fertig gemacht. Einige unter uns sind in dieser Zeit innerlich gebrochen, wir anderen später. Wir schwammen auf den Erfolgen der Wehrmacht und traten zu einer Zeit in den aktiven Krieg ein, als Hitlerdeutschland auf dem Höhepunkt seiner Macht war. Während wir durch Drahthindernisse in einem großen Kasernengelände bei Berlin robbten, bereitete die deutsche Generalität Babarossa vor. Wir waren fünf auf unserer Stube, die unterschiedlichsten Menschen die man sich vorstellen kann. Alfred, war Sohn eines Juristen der schon in den zwanziger Jahren Prozesse für die Nazis geführt hat. Er selbst war uninteressiert an Politik und erzählte oft, wie sehr er sein Fähnleinführer in der HJ gehasst hat. Mir hat er später auf dem Rückzug durch Polen anvertraut, das er eine jüdische Freundin hatte. Sie wurde schon 1940 in das Protektorat deportiert, zusammen mit ihrer Familie. Später hat er erfahren, dass sein Vater der Initiator des ganzen Ablaufs war. Er ist Anfang 45 auf der Ostseite der Oder gefallen. Regelrecht geschlachtet vom polnischen Untergrund, Rache nehmend für viele Verbrechen die andere begingen.
Hermann, Spitzname Reichsmarschall, war Maurersohn. Er las ständig schmutzige Heftchen und malte nackte Frauen in anzüglichen Posen. Er nahm nie etwas ernst und grinste auch während er, die vom Feldwebel befohlenen, hundert Kniebeugen absolvierte. Er bekam sie natürlich wegen unverschämten Grinsens gegenüber eines Vorgesetzten. Sein Lächeln ist ihm vergangen, aber es kam von Herzen und ging somit zu einem Zeitpunkt als es für uns nur noch einen Dämmerzustand in der Hölle gab.
Fritzel, war Ostmärker und Hitler gläubig. Während er alles und jeden kritisierte, war ihm der Führer heilig. Er bettete zu ihm vor einem gerahmten Bild und hoffte auf ihn bis zu Schluss. Ich mied ihn und sprach wenig. Auch später an der Front hatte ich kaum Kontakt zu ihm. Er ist kurz nach unseren Einmarsch in Russland gefallen. Wie weiß keiner genau.
Georg, war mein Kumpel. Wir waren ein Gespann wie Castor und Pollux. Standen einander bei, und boten allem erfolgreich die Stirn. Er ließ sich später, wie ich auch versetzen, in der Hoffnung, dass wir den Krieg bei der Luftwaffe überleben könnten. Während ich allerdings das Glück hatte an der Ostfront zu bleiben, ging sein Stern über dem Reich, in einer Horde Thunderbolts unter.

Wir wahren zum Zeitpunkt unserer Grundausbildung naiv wie noch mal was. Wir wurden in der HJ heiß gemacht auf den Krieg, haben schon Jahre vor 39 in den Heimatwäldern den Gegner versucht einzukreisen. Der Führer war Gott und während Erinnerungen an die "žweggezogenen" Juden der Nachbarschaft verblassten, verfolgten wir in der Wochenschau den Siegeszug der deutschen Wehrmacht. Sie war eine Macht, zerschlug einen Gegner innerhalb weniger Wochen, an dem sich eine andere junge Generation deutscher Jugend, wenige Jahrzehnte vorher zu Tode gerungen hatte. Wir bejubelten Manstein, lasen von Rommel und seiner Gespensterdivision, verfolgten die Luftschlacht um England mit ihren Helden Galand und Mölders. Das was heute Jung und Alt bei einer Fußballweltmeisterschaft empfinden, haben wir damals genauso erlebt, bei jeder erfolgreich geschlagenen Schlacht unserer feldgrauen Sieger.
Doch dann kam die Realität. Irgendwann einige Woche nach dem Einfall in Russland wurden wir an die Front verfrachtet. Ein Zug brachte uns in ein Feldlager, gelegen an einer russischen Kleinstadt. Wir wurden abgeladen, wurden verpflegt und machten uns auf den Marsch. Wir sangen Lieder und füllten das von weit vorauseilenden mechanisierten Truppenteilen eroberte Land. Der Feind war nicht sichtbar, abgesehen von vier russischen Doppeldeckern die unsere Kolonne angriffen. Wir schossen mit allem zurück was wir hatten, und berichteten später stolz, dass wir ganz sicher getroffen hätten. Zurück ließen wir sechs Tote, die nach kurzem Zeremoniell im Straßengraben verscharrt wurden. Vier Verwundete wurden nach hinten gebracht. Einem wurde das Bein amputiert, wie ich später erfuhr. Ansonsten marschierten wir, bis uns die Beine unter dem Leib die Arbeit versagten. Geschwollene Füsse, von Blut und Eiter aus Blasen eingesaute Stiefel, schlechtes Essen und Durchfall waren unser Lohn. Viele beklagten sich und fanden den Siegeszug im Osten nicht mehr so lustig. Auch vier am Straßenrand aufgehängte Kommissare der roten Armee ließen manchen erschaudern, doch hatten sie nicht die russischen Soldaten zu Fanatikern aufgehetzt? So wurde ihr Tod jedenfalls begründet, ungeachtet der Tatsache das auch sie ein Nationalzeichen trugen an einer russischen Uniform. Wir kamen auch an russischen Gefangen vorbei, doch konnten wir keinen Unterschied zwischen ihren von Entbehrungen und Not gezeichneten Gesichtern feststellen und unseren eigenen.
Dann folgte unser erster wirklicher Einsatz. Wir wurden an einen Kessel eingesetzt. Vier verzweifelte russische Divisionen versuchten den Ausbruch nach Norden. Das Dilemma für uns? Man hatte logischer Weise mit einem Ausbruch nach Osten gerechnet und unsere Division musste nun den überlegenen Gegner am Ausbrechen hindern. Wir lagen an einem Graben am Waldrand. Vorzüglich getarnt in Stellung gegangen, warteten zwei Kompanien auf die Russen. Vier Infanteriegeschütze, zwanzig MG´s und ein paar hundert Gewehre warteten nun auf die rote Flut. Zwei Infanteriegruppen lagen noch in der alten Stellung vierhundert Meter voraus und schossen jetzt auf ein paar russische Späher. Diese zogen sich zurück und ließen den Plan unserer Stabsoffiziere aufgehen. Es regnete Granaten aus Granatwerfern und Haubitzen und ließen uns mit Erschauern daran denken wie es uns ergangen wäre, wenn wir noch in diesen Gräben gelegen hätten. Auch die beiden letzten Gruppen hatten sich zurückgezogen, ließen aber Uniformteile und Helme zurück. Noch einmal kamen russische Späher, wurden aber wieder durch vereinzelte Schüsse verjagt, die sie zufrieden stellen mussten. Was dann folgte sprengt die menschliche Vorstellungskraft. Die einzigste Entschuldigung für dieses Gemetzel war, dass der Feind auch auf uns schießen konnte. Tausende russischer Soldaten wurden auf uns zu getrieben, wir ließen sie nahe rankommen, bis sie genau zwischen unserer alten und der neuen Stellung waren. Granaten aus den Stummeln (Infanteriegeschütz 75mm) rissen sie auseinander, MG- Garben raffte Trauben von ihnen nieder, ein Mensch der auf meinem Korn aufsaß, sank einen Augenblick später tot in sich zusammen oder krauchte verletzt über den Boden herum verzweifelt nach dem Leben suchend. Auch die Luftwaffe beteiligte sich nun an der Vernichtung des Gegners, warf Bomben zwischen die Fliehenden und denjenigen die immer noch versuchten aus den Kessel zu entkommen. Nach einer dreiviertel Stunde war Ruhe. Wir konnten froh sein, denn wir waren fast restlos verschossen. Trotz einer großen Reserve, hatte jeder von uns nur noch ein paar Patronen. An diesem Tag wurde ich zum ersten Mal zu einem Menschentöter. Wie viele weiß ich nicht. Wir sahen auf die Leichenberge vor unserem Graben, doch keiner wollte von uns als erstes hinausgehen und sich das Grauen ansehen. Später wurden Bewohner der umliegenden Döfer zusammengetrieben um die Toten zu verscharren. Noch jetzt muss ich das Weinen und Heulen der Frauen höen, die gezwungen wurden tausendfach junges russisches Leben in einem Massengrab zu verscharren.
Wir erlebten noch viele solcher Gefechte, glaubten an unseren fast errungenen Sieg, stellten zuversichtlich fest, dass viel mehr Russen durch uns umkamen als umgekehrt. Einige machten Kerben in ihren Kolben, ein MG-Schütze prahlte damit dass er mit Sicherheit schon sein erstes Hundert voll gemacht hat. Längst war man an den Anblick der Leichen gewöhnt. Später sollte es nicht mal mehr eine Rolle spielen, von welcher Seite der Tote war. Man kannte dieses unbekannte bleiche Gesicht, hatte es mit der Zeit schon hunderte Male gesehen. Trauern konnte man nur noch über den Kameraden den man kannte, mit dem man eine Erinnerung verband. Dann war sie jedoch ehrlich und oft überwältigend. Man schrieb den Angehöigen tröstende Zeilen, in der Hoffnung dass es jemanden geben würde der das Gleiche für einen selber tut. Oft wurde ein schneller kurzer Tod geschildert, man schrieb er hätte nichts gespürt, eine Kugel traf ihn unerwartet, doch die Realität sah anders aus. Alfred und der Reichsmarschall besuchten einen Kameraden im Divisionslazarett, was sie schilderten war das Grauen pur. Schreien, stöhnen, weinen, wimmern waren die Ausdrücke die sie gebrauchten. Schwer und leicht Verwundete gemischt in einer großen Fabrikhalle, bildeten Schlachthausatmosphäre. Der Feldmarschall, immer noch um seine Fassung ringend, meinte: "žlieber bin ich tot als dort...". Wenige Wochen später wurde er am Kopf getroffen, und genau in so ein Lazarett gebracht. Er überlebte es und genas, doch den Eindruck konnte er nicht mehr aus seiner Erinnerung streichen. Er erzählte immer wieder von den selektierenden Ärzten die entscheiden wer ihre Gnade erfahren darf und wer nicht, die Stunden des Wartens auf Rettung, das Spenden von Trost an andere, die ein schlimmeres Schicksal als man selbst erfuhren....wir konnten es bald nicht mehr höen und baten ihn zu schweigen.
Im Winter 41/42 kam dann die Ernüchterung. Eigentlich schon im Herbst, denn schon dort merkte man in den Nächten was wir vom russischen Winter zu erwarten hatten. Im Oktober gab es Nächte mit minus zehn Grad. Unsere Zeltbahn half wenig und es gab auch schon den einen oder anderen Kältetot in unserer Gruppe. Tagsüber versanken wir im durch Regen aufgeweichten Boden. Kamen teilweise nur noch drei bis vier Kilometer am Tage voran. Fahrzeuge mussten gezogen und geschoben werden, Geschütze aus den Matsch gegraben, in dem sie wenige Meter weiter wieder versanken. Wir weinten vor Erschöpfung und konnten keinen Sinn mehr in unserem Tun finden. Dann im Dezember erlebten wir das erste Mal eine Situation wie wir sie in den darauf folgenden Wochen und Monaten immer wieder erleben sollten. Russische Panzer rollten in unsere Kolonne hinein, schossen mit MG´s und Kanonen, überrollten Menschen, Tiere und Gerät. Verzweifelt halfen wir Panzerjägern eine Pak in Stellung zu bringen, doch das Anklopfgerät der Wehrmacht schien nur höhnisch hell zu knallen, eine Tatsache die von den Tot und Verderben spendenden Russenpanzern ignoriert wurde. Ein Panzer rollte auf uns zu, worauf wir so schnell wie möglich auf ein Dorf zu rannten, das erste von vielen Malen wo wir flohen. Sieben Panzer III nahmen den Kampf auf, konzentrierten ihr Feuer durch Funk gelenkt auf einen russischen T34, konnten ihn aber nur mühsam nach vielen Treffern ausschalten. Wären nicht Stukas gekommen hätten sie unser ganzes Battalion aufgerieben. Auch zwei unserer Panzer blieben brennend auf der Kulisse des Gemetzels zurück. Wir fielen uns in die Arme, froh noch am Leben zu sein. Worte wie, "žkeine Chance", "žzu Wenige" und "žFlucht" wurden mit einer bis dahin nicht bekannten Häufigkeit verwendet.
Doch bald war wieder die Kälte unser größter Feind, verdrängte mit rabiater Konsequenz alles andere und brachte uns den ersten Schnee. Bald versank alles, auch wir selbst unter Schnee und Eis. Leichte Sommermäntel halfen nichts bei minus dreißig oder vierzig Grad, schützen nicht vor dem Eiswind der alles durchdrang. Unsere Stiefel waren genagelt und diese Nägel brachten die Kälte auch ins Innere. Erfrierungen waren Tagesgeschehen. Zehen und Finger vielen der Kälte zum Opfer. Ein Kamerad ist stehend während einer Wache erfroren, weil ein anderer verschlafen hat. Die eigenen Gedanken versuchten sich immer wieder an etwas Schönes zu klammern, an die Familie, die Heimat, die Höhle in der wir als Kinder spielten, das Baumhaus, der Badesee......sogar eine Schneeballschlacht lockte mir, ungeachtet der Ironie, ein Lächeln ins Gesicht.

Im März 42 schrieb ich zusammen mit Georg das erste Versetzungsgesuch. Wir wollten Piloten werden, angestachelt von Erzählungen die in der Etappe rum gingen. Sogar Puffs sollte es für die Luftwaffenpiloten geben. Zum Glück für uns wurde unser Gesuch dadurch erleichtert, als das unsere Einheit nach Frankreich verlegt worden ist (Auffrischung nannte man es wenn eine Einheit nur noch zwanzig Prozent ihrer Sollstärke hatte) und Georg einen Onkel anschrieb, der für uns, aus höherer Position heraus ein paar Rädchen drehte.
Wir wurden nach einen kurzen Urlaub, in eine Ausbildungsstaffel verlegt, nahmen per Feldpost Abschied von unseren Kameraden und kurvten schon bald mit einer alten Klemm durch den Himmel und lernten mit übelkeit und Flugangst fertig zu werden (Georg musste nach seinem ersten Flug die Maschine putzen).
Oft wurden wir von den anderen Flugschülern über unsere Erlebnisse an der Front ausgefragt. Wir müssten doch froh sein dass der Winter vorbei ist und es nun wieder vorwärts ginge. Doch wir kannten die Realität und hatten längst die Russen als Gegner fürchten gelernt. Ein Eindruck der später in der Luft erst wieder zum Ende des Krieges auftauchte. Wir wurden vom Gruppenführer verpflichtet über unsere Fronterfahrungen zu schweigen, auch wenn es das Wort Wehrkraftzersetzung zu diesem Zeitpunkt noch nicht gebräuchlich war.
So ging unser Flugunterricht schnell vorwärts und wir genossen eine gute und noch ungekürzte Ausbildung. Ich war schlecht in der Theorie und nahm Nachhilfe bei einem der Lehrer. Ich habe leider den Namen vergessen, obwohl ich mit ihm öfter noch, nach dem Krieg, Kontakt hatte. Abends wurden wir von den Mädchen im benachbarten Ort umschwärmt (deine Großmutter war unter ihnen) und wir wurden was Besseres, nämlich Offiziersanwärter.
Der Tag an dem ich zum ersten Mal alleine in eine Emil (Me 109) stieg, werde ich nie vergessen. Es war ein recht stark gebrauchtes Flugzeug, was augenscheinlich auch die Front schon gesehen hatte (man sah kleine Vernietungen am hinteren Rumpfteil was von uns als Einschüsse gewertet wurde). Ich hätte diesen Flug fast nicht überlebt. Kurz nach den Start, wurde uns eingetrichtert, gebt linkes Seitenruder, sonst giert die Maschine nach rechts und ihr macht Bruch. Ich trat nur Zaghaft das Seitenruder durch und überrascht durch die Gewalt mit der die Maschine in die andere Richtung zog, hätte ich beinah mit 250 Sachen den Boden in seiner ganzen Härte kennen gelernt. Dann fing ich sie und brachte sie unter meine Gewalt. Und erlebte die Macht der tausend Pferde. Sah die Landschaft unter mir rasend schnell dahin ziehen und erlag dem Rausch des Unbekannten. Es war eine Wucht, die man vielleicht, mit einer Fahrt im Rennwagen erfährt, nur eben Dreidimensional.
Wir beendeten die Flugschule erfolgreich und mit einem großen Fest. Ich konnte wegen einer Alkoholvergiftung (die auch ein Disziplinarverfahren mit sich brachte) erst zwei Wochen später an die Front folgen und habe so Georgs erste Verwundung nicht miterleben müssen. Es geschah über der afrikanischen Wüste, in einem Luftgefecht mit englischen Hurricans. Georg verlor die Orientierung und damit auch sein Rottenführer, flog unbeholfen umher und wurde von einem der Feindjäger abgeschossen. Er überlebte weil er rechtzeitig abgesprungen ist, später konnte er mir nicht erklären wie er das geschafft hatte, und schlug mit drei Kugeln in Bein, Becken und Bauch in der Wüste auf. Ein Nomadentrupp sammelte ihn auf und versteckte ihn vor den Engländern, die in der Gegend patrouillierten. Er hat bewundernd geschildert wie geschickt die Berber seine Schussverletzungen behandelt haben und war ihnen ausgesprochen dankbar. Er schenkte ihnen einen ganzen Monatssold, ungeachtet der Tatsachen wie wenig sie damit anfangen konnten. Er kam vier Monate später zurück nach Sizilien und so wurden wir gemeinsam nach Russland verlegt. Ich selbst habe Afrika in guter Erinnerung, sicher die Kämpfe waren hart, aber der Gegner war ein anderer. Eine seltsame Erinnerung, denn die Briten kämpften über Deutschland mit tiefer Verbitterung, genau wie auch wir selbst. Ich schoss damals in 66 Einsätzen fünf Briten ab, und wäre damit nach ihren Maßstäben ein Ass geworden. In der Luftwaffe zählte das nicht viel. Ich war sehr kräftig und hatte genug Reserven um mit den Gegnern lange zu kurven, doch erst einmal in Schussposition hatte ich immense Probleme den Gegner zu treffen. Mein erster Abschuss war eine amerikanische P40, die hinter unseren Linien runter ging. Ich fuhr mit unserem Beiwagenkrad hin und stellte beruhigt fest, dass sich der Pilot anscheinend gerettet hat. Die darauf folgende Untersuchung des durch mich besiegten Feindflugzeuges brachte ein überraschendes Ergebnis zu Tage. Vier kleine MG-Löcher und ein Kanonentreffer hatten zwischen Propeller und Motorblock getroffen und die Welle blockiert. Der Pilot wurde dreizig Kilometer entfernt aufgegriffen und der Jäger flog den Rest der Strecke alleine! Meine anderen Abschüsse waren ähnlich schlecht und ich habe meine ganze Munition auf sie verschossen. Das sollte sich bis zum Ende des Krieges nicht bessern, Luftziele waren nicht meine Sache, Bodenziele sollten mir später an der Ostfront besser liegen. Mein damaliger Rottenführer Karlie, nannte mich liebevoll seine Blindschleiche. Ich hätte ihn zweimal beinah abgeschossen, als ich einen Feindjäger an seiner sechs verfolgte. Das wurde mit einem Lächeln im Gesicht, als humoristisches Ereignis weitergegeben. Heute ist mir klar, dass ich ihn hätte töten können.
Jäger sein, ist ein Erlebnis und ich genoss es lange. Das Adrenalin wirkte in meinem jungen Geist und machte mich süchtig nach Gefahr und Kampf. Erst später im Krieg flog die Angst wieder mit, damals über Afrika war es die Lust am Fliegen, Kämpfen und Siegen. Das Töten war nur durch lange Rauchfahnen gekennzeichnet, die Leiche zu anonym um zu belasten.

Wird auf Wunsch fortgesetzt....

Ist leider noch nicht korrigiert worden, bitte nehmt es also damit nicht so genau.

JohnMcArthur
27-04-05, 16:36
Ach und alter deutscher Rechtschreibung...ähem Scheiß Autokorrektur von Word.

Hubatt
27-04-05, 17:41
Ja. Bitte fortsetzen. http://forums.ubi.com/infopop/emoticons/icon_smile.gif

RogerHawk
28-04-05, 01:42
Bin auch gespannt auf die Fortsetzung.

Abbuzze
28-04-05, 02:39
Also abgesehen davon, dass ich nicht gerade der Rechtschreibungskönig bin, auch wenn es mit alten Regeln geschrieben wurde, gerade als Zeitdokument ist es OK.

Ich würde mich auch sehr über eine Fortsetztung freuen. Danke für deine Mühe!!!

Heba01
28-04-05, 02:50
Hallo John,

auf diese Art von Geschichten hab ich seit der Erzählung über einen Jagdflieger während seiner ersten Einsätze über Deutschland gewartet. Bitte unbedingt fortsetzen.

Gruß Heba01 http://www.ubisoft.de/smileys/plane.gif

JG53_Goetz
28-04-05, 04:31
Jaaa genau, sowas hält das Forum interessant!!

Bitte fortsetzen, John!!!

Bremspropeller
28-04-05, 05:50
In der Tat - ich würde auch gerne mehr davon höen http://forums.ubi.com/images/smilies/16x16_smiley-wink.gif

DrWolle
28-04-05, 06:39
Hi John,
wirklich beeindruckend. Bitte mehr davon.

BenQ-the-Hawk
28-04-05, 06:49
Jan spitze!!!!!!!!!!!

Bldrk
28-04-05, 07:11
Mich würde mal interessieren was die Ursache für seinen beinahe Absturz bei seinem ersten Alleinflug war? Seitenwind, Kreiselkräfte?

JG26_Heinrich
28-04-05, 07:31
meiner meinung nach wurde es erklärt.


Originally posted by Vince85:
Mich würde mal interessieren was die Ursache für seinen beinahe Absturz bei seinem ersten Alleinflug war? Seitenwind, Kreiselkräfte?

II.JG27_cossie
28-04-05, 07:42
Fantastisch! Bitte mehr davon!

Dora-9
28-04-05, 08:26
Exzellenter Beitrag !

Die bemerkenswertesten Zeilen finde ich:

"... unter anderem durfte ich nie das sehen was mich interessierte. Erwischte mich mein Großvater beim sehen einen amerikanischen Actionfilms brüllte er mich an und schaltete den Fernseher aus. ..."

Jemand der die politisch-weltanschauliche Indoktrination und die bösen Folgen davon am eigenen Leibe miterlebt hat, sieht soche wieder "an der Arbeit" bei seinem Enkel und er reagiert. Er kann (darf) sie aber nicht benennen, denn es ist ja "gute Indoktrination", weil sie vom "guten Sieger" kommt.

Es hätte ganze Armeen von solchen Grossvätern gebraucht.

Bitte mehr davon.

JohnMcArthur
28-04-05, 12:56
Tja was soll ich sagen, danke Euch für das Lob. Ich werde sehen das ich bald die Fortsetzung posten kann.
LOL ich könnte jetzt sagen pünktlich in 2 übis.

Yossarian1943
28-04-05, 13:51
Boah http://forums.ubi.com/infopop/emoticons/icon_eek.gif Bitte weiter, nee fertig machen und dann ab in den Druck! Könnte ja sowas wie "Der Verratene Himmel" von Braunburg werden. http://forums.ubi.com/images/smilies/16x16_smiley-wink.gif

Echt gut geschrieben! http://forums.ubi.com/infopop/emoticons/icon_cool.gif

III.Jg27ADLER
28-04-05, 16:06
Ja bitte...to be continued!!!

JG4_Bendwick
29-04-05, 07:30
Lieber Uli!

Du wirst Dich über das was ich Dir hinterlasse werde wundern, doch will ich Dir so eine Erklärung dafür geben, warum ich Deine Interessen nie födern oder verstehen wollte. Du bist jetzt zwanzig, hast Dein Leben in der Hand und vor Dir, kannst werden was Du willst und leben wie und wo Du es willst. Zu meiner Zeit war das anders, ich lebte im damaligen Großdeutschen Reich und war ein junger, fanatisch an den Führer glaubender Deutscher...

Postumer Dank für die Offenheit und Ehrlichkeit an Deinen Großvater. Ich denke, nur die wenigsten aus der Enkelgeneration können auf solche persönlichen Hinterlassenschaften zurückgreifen. Meine beiden Großväter starben leider bereits als ich erst 7 Jahre alt war und somit haben wir uns über solche Themen natürlich nie unterhalten. Allgemein wurde – so die Aussagen meines Vaters und meiner Mutter - über die Kriegsvergangenheit wenig gesprochen. Mit seiner Vergangenheit versuchte wohl jeder, so gut wie eben möglich, allein zurechtzukommen. Auch ich möchte doch stark darum bitten, uns den Rest dieser höchst interessanten Lebensgeschichte zu schildern.

Vielen Dank

BenQ-the-Hawk
29-04-05, 08:08
Originally posted by JG4_Bendwick:
<BLOCKQUOTE class="ip-ubbcode-quote"><div class="ip-ubbcode-quote-title">quote:</div><div class="ip-ubbcode-quote-content">
Lieber Uli!

Du wirst Dich über das was ich Dir hinterlasse werde wundern, doch will ich Dir so eine Erklärung dafür geben, warum ich Deine Interessen nie födern oder verstehen wollte. Du bist jetzt zwanzig, hast Dein Leben in der Hand und vor Dir, kannst werden was Du willst und leben wie und wo Du es willst. Zu meiner Zeit war das anders, ich lebte im damaligen Großdeutschen Reich und war ein junger, fanatisch an den Führer glaubender Deutscher...

Postumer Dank für die Offenheit und Ehrlichkeit an Deinen Großvater. Ich denke, nur die wenigsten aus der Enkelgeneration können auf solche persönlichen Hinterlassenschaften zurückgreifen. Meine beiden Großväter starben leider bereits als ich erst 7 Jahre alt war und somit haben wir uns über solche Themen natürlich nie unterhalten. Allgemein wurde – so die Aussagen meines Vaters und meiner Mutter - über die Kriegsvergangenheit wenig gesprochen. Mit seiner Vergangenheit versuchte wohl jeder, so gut wie eben möglich, allein zurechtzukommen. Auch ich möchte doch stark darum bitten, uns den Rest dieser höchst interessanten Lebensgeschichte zu schildern.

Vielen Dank </div></BLOCKQUOTE>

Blos heißt Jan nicht Uli!!!!


Deshalb ist das ne selbst geschriebene Story! Soviel ich weiß!!!

Schuetz
29-04-05, 09:16
Sehr schöne Geschichte John. Wäre schon noch die Fortsetzung zu höen! http://forums.ubi.com/images/smilies/16x16_smiley-very-happy.gif

@BenQ Könnte ja auch sein, dass er seinen Vornamen nicht preisgeben wollte und deswegen einen anderen genommen hat... http://www.ubisoft.de/smileys/chatten.gif http://www.ubisoft.de/smileys/brush_2.gif

Gruss Schuetz

JohnMcArthur
29-04-05, 12:10
Nein ist frei erfunden. Und hat keinerlei Bezug zu irgend einer Person in meinem Bekanntenkreis.

JohnMcArthur
29-04-05, 12:12
Ich freue mich auf jeden Fall über Euer Feedback. Nächste Woche werde ich durch die Feiertage ein bisschen mehr Zeit haben. Dann schreibe ich weiter.

der_Laszlo
09-03-07, 09:00
Wolltest du nicht weiterschreiben?

BenQ-the-Hawk
09-03-07, 09:29
er hat zurzeit sehr sehr viel um die ohren wegs arbeit and stuff.

riederbirk
09-03-07, 15:33
2 Jahre lang? http://forums.ubi.com/images/smilies/blink.gif

Ist nicht offensiv gemeint

John_Reed
10-03-07, 05:23
"... arbeit und und stuff"?

Hm, ich ziehe Arbeit und http://www.ubisoft.de/smileys/37.gif vor...

http://forums.ubi.com/images/smilies/35.gif

Aber, falls John das liest, http://forums.ubi.com/images/smilies/10.gif

Inhaltlich finde ich die Story gut angelegt, allerdings findet weder die alte, noch die neue Rechtschreibung, Zeichensetzung oder Grammatik in ihr Anwendung, was insofern einen Bruch bedeutet, als dass der erzählende Großvater ja Lehrer und später höherer Beamter in einem der Kultusministerien gewesen ist.

Ich bin noch nicht dahintergekommen, welchen Regeln die Rechtschreib- und Grammatikprüfung von Word genau folgt. Für die Wiedergabe des gesprochenen Wortes jedenfalls scheint sie mir völlig ungeeignet zu sein, da sie zu schematisch und starr ist und zumindest bei komplexeren Texten häufig versagt, weil sie die inhaltlichen Bezüge des Textes schlicht nicht rafft.

Was aber nicht heißt, dass nicht auch das gesprochene Wort, wenn es schriftlich wiedergegeben wird, nicht ebenfalls Regeln, insbesondere in Bezug auf die Zeichensetzung, zu befolgen hätte, wenn es denn ohne ein zweites Lesen des Textes allgemein verständlich sein soll.

Falls du, John, mal weiter schreiben solltest, kommst du wohl um den Einsatz eines Dudens nicht ganz herum, was sich vor allem dann empfehlen würde, wenn du vorhaben solltest, deine Geschichte auch einmal drucken zu lassen.

Aber nicht entmutigen lassen, das Schreiben ist auch nur ein Handwerk und da muss man halt die Werkzeuge, genau wie in jedem anderen Handwerk, beherrschen.

Ich wünsche dir viel Erfolg, die nötige Zeit und Muße, und dann kommen wir alle hoffentlich doch noch zu dem Vergnügen in ein oder zwei Yübis http://forums.ubi.com/images/smilies/88.gif die Fortsetzungen zu lesen.

So long,

says John (der andere)
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Schaefer40
11-03-07, 06:11
Nun, vielleicht sollte jemand zu den Flügen und noch kommenden Einsätzen - Missionen basteln ;-)

Schaefer

moselgott
13-03-07, 10:54
Also ich weiß nicht...die geschichte (ist ohne zweifel super!) klingt sehr realistisch. ich kann mich dem gedanken nicht entziehen, dass da was wahres hintersteckt. so sachen mit dem kultusministerium oder so. wer denkt sich sowas aus? Wie gesagt, es erscheint mir sehr sehr real

BenQ-the-Hawk
13-03-07, 11:35
du kennst unsere Nummer I nicht http://forums.ubi.com/infopop/emoticons/icon_biggrin.gif