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D4ene
28-02-13, 18:23
Eine Geschichte von Kyle Morgan 22.11.2010:

Klebrige Finsternis....
Eine Stimme, Welten entfernt...

"Ich rufe Euch her aus sehendem Schatten!"

Singende Stimmen - ein Lied, das schmerzvoll in den Knochen widerhallt...

"Illuminatoren der Finsternis, ich rufe Euch!"

Die Grabesstille durchbrechend - nagend an ewiger Müdigkeit.

"Zerstörer des Lichts - Euch gebiete ich"

Warum dieser Zwang? Warum die Augen öffnen, die auf ewig geschlossen wurden?

"Im Namen dessen, der mir ward gegeben, erwache, was keine Ruhe findet, ich rufe Euch im Namen von Aerendur Tirn!"

Ein lautloser Schrei, der sich vo ihren Lippen windet, macht dem Rufen ein Ende. Doch es ist geschehen. Lady Mirwen ist erwacht. An diesem Ort, wo sie einst im Namen einer unsterblichen Liebe fiel, dem Ort, der hernach nur noch raunend als Heldengrab von Mund zu Mund ging, hier wurde ihr Grab geöffnet.
Doch es ist nicht Leben, das wiederkehrt - Nichtleben ist es, das sie erfüllt.

Was bleibt übrig von Mirwen Nimros des vergangenen Zeitalters? Erst die Zukunft wird es ihr sagen.
Sie öffnet die Augen und erblickt eine Welt, die in graue Schatten getaucht ist.Und jemanden, der sich zu ihr herabbeugt.
Es ist ein Mann und er ist vom Leben gezeichnet. Eines seiner Augen ist blind, ein Arm verkrüppelt, doch seine Stimme so stark und zwingend, dass sie sich nicht entziehen kann.

"Ich brauche Eure Hilfe", sagt er. "Also erhebt Euch aus diesem Grab."

Lady Mirwen nickt. Er hat den Namen genannt und ein uralter Schwur tritt in Kraft - stark genug, sie sogar von den Toten zurück zu holen. Einst hat sie geschworen, alles zu tun, um zu verhindern, dass es anderen so ergeht wie ihr. Dass wahre Liebe erneut in Wahnsinn und Tod führt.
"Wie heißt sie?" Langsam steigt sie hinauf - die Bewegung seltsam gleitend und mühelos. Sie erinnert sich, einst furchtbar ungeschickt und unbeholfen gewesen zu sein - in einer anderen Welt, einem anderen Leben.
Er schluckt. Er hat die Kraft bewiesen nach Heldengrab zu ziehen und den Tod selbst anzurufen, ihm zu trotzen, doch von seiner Liebe zu sprechen berührt ihn tiefer als alles andere, erschüttert ihn bis ins Mark.
"Meine Frau heißt Ekaterina, hieß ... sie wurde ein Opfer meiner Studien." Grimm packt ihn nun. "Meiner Forschungen und Experimente in Dunkelmagie. Ich kann damit nicht leben. Ich brauche sie zurück. Ihr müsst mir helfen."
Lady Mirwen nickt. Noch sind es nur wenige Erinnerungen, die zurück kommen, aber das weiß sie. Sie muss helfen. Und doch ist etwas anders. Da wo einst ihre Gefühle waren, ihr Wohlwolloen, ihr Mitleid, ist nichts mehr. Leere erfültt sie und eine schreckliche Ruhe. Sie blickt den Mann an.
"Man kann nicht jemanden von den Toten zurück holen, ohne ein Opfer zu bringen."
Der Mann wird bleich. Er glaubt zu verstehen. "Ich biete Euch mein Leben", krächzt er "Nehmt es, aber bringt meine Frau zurück."
Plötzlich ist er da. Der Hunger, geweckt von dem bereitwilligen Opfer. Nichts kann diesem Hunger widerstehen - auch Lady Mirwen nicht. Ihre Hände greifen den Kopf des Mannes, ihre Lippen suchen die seinen und sie trinkt das Leben, verdurstend wie sie ist. Ein Taumel ergreift sie und trunken sinkt sie auf den Boden, registriert dass sich ihr Körper neubildet - mit weißem kalkigen Fleisch.
Es ist sein Schrei, der sie aufblcken lässt. Noch immer kniet er über ihr, doch seine Augen haben sich schwarz gefärbt. Schwarz vor Hunger, der nun ihn befällt. Und er begreift. Sein Opfer war es nicht, das sie meinte. Es ist ein Opfer, das der Tote bringen muss, der zu untotem Leben wird. Der Verlust aller Gefühle, physischer wie emotionaler, den er nun bei sich selbst erkennt. Ein Opfer, das seine Frau noch bringen muss, wenn sie wieder erweckt wird. Es ist dieser eine Moment der Klarheit, auf dem schmalen Grat zwischen Leben und untotem Dasein, der es ihm bewusst macht und ihn vor bitterem Leid aufschreien lässt, bis auch dieses Leid nicht mehr ist. Dann wird kein Mitgefühl ihn mehr daran hindern können, sein Vorhaben weiterzuführen.

Der Moment der Grausamkeit ist vorüber und es bleibt der Hunger, der ihn sich zitternd umsehen lässt. Sein Blick fällt auf die Männer, die er mitgebracht hat, und die ihn entsetzt anstarren.
Er steht auf und hebt seinen verkrüppelten Arm. Der Arm bewegt sich geschmeidig, kein Schmerz ist mehr in ihm.
"Ich bin es, Kyle Morgan. Flieht nicht!" Seine Stimme hat den selben Zwang wie vorher und die Männer blicken ihn ängstlich an, bleiben aber stehen. Er geht zu ihnen. Er kann nicht anders. Der Hunger ist zu groß...

12 einfache Bauern und 5 Bogenschützen sind dem Wüten von Kyle Morgan entkommen.
Lady Mirwen ruft in die verlassenen Gänge der Burg hinein und sie kommen. Die wenigen, die ihr so treu ergeben waren, dass sie ihr über den Tod hinaus folgen.
13 Zombies schlurfen ihr entgegen, 19 Skelette von ehemals machtigen Recken und das leise Raunen von 6 Gespenstern sind zu hören.
Es dauert nur Minuten, die Flüchtigen zu finden. Gerade mal drei Zombies sind gefallen.

Die Burg ist sicher.

"Lady Mirwen, die Arbeiten sind abgeschlossen." Morgan sieht müde aus. Das dürfte nicht sein. Schlaf ist etwas für die Lebenden, nicht die Toten.
Sie steht am äußeren Rand des Gemäuers und blickt in das Land, das von heftigen heulenden Winden heimgesucht wird.. Das löcherige Laken, das sie sich als Gewand um den Körper geschlungen hat, flattert lautstark.Heldengrab bietet nicht viel Komfort, auch keinen gut gefüllten Kleiderschrank, doch das wird sich ändern, verspricht sie sich.
Die letzten 24 Stunden waren von emsiger Arbeit geprägt.
Taverne, Friedhof, Marktplatz und Stadthaus sind instand gesetzt worden. Sie selbst hat die kleine Armee aus Untoten, die ihr zur Verfügung stand, in die umliegenden Gebiete geführt und die vier alten Produktionsstädten zu geisterhaftem Leben erwachen lassen. Es war Morgans Aufgabe gewesen, sich um jede der Produktionsstädten zu kümmern und sie zu optimieren.
Erfolgreich, wenn sie das geisterhafte Glühen an den Minenhängen korrekt interpretiert.
"Ihr habt gute Arbeit geleistet, Morgan, aber es bleibt noch viel zu tun. Nehmt die Zombies und Skelette und zieht an den Südhang. Viele Schlachten haben dort in der Vergangenheit stattgefunden und die ruhelosen Seelen stören unsere Arbeiten. Das muss aufhören.
Ich werde mich indes in die Taverne zurückziehen. Es sind einige Vorbereitungen zu treffen, wenn wir Eure Frau zurückholen wollen."

Sie steht noch eine Weile im eisigen Wind und blickt von den Resten der ehemaligen Burg hinab. Obwohl nichts zu hören war, ist sie sicher, dass Kyle Morgan gegangen ist, seinen Auftrag auszufühen. Wie immer ohne Bestätigung. Er tut, was ihm gesagt wird, aber ohne ein Zeichen von Zustimmung oder Unterwerfung.
Ein seltsamer Mann, im Leben wie im Tode...

Die Wolken stehen tief und von der Sonne dringt nur ein matter Schein in die Ruinen. Lady Mirwen schlendert durch das frisch wiederhergestellte Knochenfeld am Südhang. Die Arbeiten konnten deutlich beschleunigt werden, nachdem sich die ruhelosen Toten des Knochenfelds Kyle Morgan unterworfen haben. Im Augenblick ist Morgan draußen bei den Minen und erbaut irgend etwas, um die Produktion zu beschleunigen. Was immer das für ein Apparat sein soll, sie hat Vertrauen darin, dass es zu ihrem Vorteil sein wird.
Sie hält inne und blinzelt in das Licht. Selbst von den Wolken gedämpft, ist ihr das Licht auf der teigigen weißen Haut unangenehm. Sie braucht wirklich etwas vernünftiges zum Anziehen.
Als sie die Augen wieder nach unten richtet, stockt Lady Mirwen mitten in der Bewegung.
"Ihr seid tatsächlich gekommen!"
"Also bist Du es, die mich rief." Eine Feststellung, keine Frage, Mirwen nickt dennoch.
"Hat er also jemanden gefunden, die unverdorben genug ist, dass ihr Ruf mich zurück zwingen kann. Und dann ist das eine untote, alte Schachtel. Wusstest Du, dass er schon auf mindestens ein Dutzend Weisen versucht hat, mich zurück zu bringen? Und jetzt das. Ich werde ihm die Augen auskratzen"
"Wartet." "Wartet - dafür ist es zu spät... Halt! Er hat sein Leben längst für Euch geopfert."
Ihr Blick ist faszinierend. Er wirkt zugleich glühend als auch wie erkaltete Asche. Sie ist jetzt stehen geblieben und starrt auf Lady Mirwen, als wäre sie größer. Doch das Gegenteil ist der Fall.
"Ihr tragt noch zu viel mit Euch herum, Miss Morgan. Ihr müsst die Lasten des Lebens abwerfen." Mirwen hebt eine knochige Hand und fährt mit ihren pergamentartigen Fingern über die schmalen Lippen von der Anderen, die auch einmal eine Frau gewesen war.
Miss Morgan verharrt gelähmt in einem Moment des stummen Entsetzens, als sie die letzten Reste ihrer Menschlichkeit weichen fühlt. Dann sinkt sie urplötzlich kraftlos zu Boden. Mirwen nickt ihr zu.
"Bleibt über Nacht hier. Die verbleibenden Toten werden Euch spüren und sich erheben. Ich erwarte Euch vor Sonnenaufgang mit Eurem Totengefolge vor den Toren. Ihr werdet sie hinaus führen, um dieses Gebiet zu befrieden.." Sie beugt sich zu Miss Morgan hinunter. "Glaubt nicht, dass das Leben nun für Euch vorbei sei. Es geht gerade erst los."
Im Begriff zu gehen, dreht sie sich noch einmal um.
"Um Euch zurück zu bekommen, hat Kyle Morgan etwas geweckt, das stärker ist, als Ihr oder Eure Geschichte. Er hätte auf die Warnungen hören und dem Heldengrab fernbleiben sollen. Selbst ich weiß nicht, wie das, was er geweckt hat, jetzt noch aufgehalten werden kann. Jetzt wo Aerendur nicht mehr ist..."

Irgend etwas treibt mich an, in beinahe fanatischem Ehrgeiz, rast- und ruhelos, wie es nicht möglich wäre bei einer Schar aus lebenden Kämpfern. Vielleicht will ich diesen Teil meines Schicksals hinter mir lasssen und jage meine kleine Truppe deshalb so gnadenlos auf alles, was unseren Weg kreuzt. Vielleicht möchte ich auch nur ihm aus dem Weg gehen und ziehe den Augenblick unserer Begegnung so weit wie möglich hinaus.
Nein - es wird bald dunkel werden und ich weiß nicht mit Sicherheit zu sagen, ob meine Skelettschützen im Dunkeln noch ihr Ziel treffen werden. Deshalb treibe ich die Einheiten so gnadenlos über den Bach vor uns. Es bleibt nicht mehr viel Zeit, um Aufstellung zu nehmen.
"Warum nur muss sich ein einfacher Bach als ein derart schwieriges Hindernis für Skelette herausstellen.? Es muss ihnen doch möglich sein, die paar Knochen zusammenzuhalten!" knurre ich ungehalten. Das Gefühl als würde ein eisiger Luftstoß wiederholt an meine Schulter klopfen, lässt mich umdrehen. Es ist die geisterhafte Gestalt eines - ja Gespenstes. Ich glaube einen der früheren Männer meines Mannes wieder zu erkennen: Dorian Grey, der in seiner Zeit als Wache von Kyle Morgan stets deutliches Interesse an meiner Sicherheit gezeigt hat. Er weist nach rechts auf die kleine Gruppe der anderen Gespenster und auf den Bach.
"Ich weiß, ihr hättet keine Probleme, über das Wasser zu kommen, aber ihr seid nur wenige. Es gibt mehr als fünf mal so viele Skelette und ihr Pfeilhagel hat sich beim Kampf mit den Menschen gut bewährt." Ein kleiner Trupp aus 6 Junkern und 10 Scharfschützen hatte in unseren Wäldern gelagert und schien kaum überrascht gewesen zu sein, plötzlich von einem Trupp Untoter angegriffen zu werden. Sie hatten sich mutig gewehrt, schienen sich sogar Hoffnung auf einen Sieg gemacht zu haben.
"Wie viele Skelettschützen haben diese Scharfschützen erwischt?"
Dorian Grey zeigte eine Faust.
"Zehn? Dann habe ich noch mehr als genug übrig." Ich wende mich wieder der Aufstellung des Trupps zu. Die Nachzügler der Skelette haben es jetzt auf die andere Seite geschafft. Damit dürfte ein Angriff vor Beginn der Dunkelheit möglich sein. Ich habe keine Erklärung dafür, was diese Zauberer hier vorhaben, aber der Kampf wird für mich viel einfacher sein, wenn ich angreife, bevor die beiden Abteilungen sich vereinigen können. Es sieht so aus, als wolle ein Erzmagier mit der Unterstützung von zwei Akkoluthen ein Ritual durchführen. Bewacht werden sie von 12 Obsidiangargoyles und 7 Stahlgolems unter der Führung eines Rakshasa-Radschas. Dort wo der Bach in einen Fluss mündet, tragen auf der anderen Seite 2 Dschinnsultane einen Teppich auf dem 5 andere Ermagier in einem Kreis sitzen und vor sich hin summen. Vielleicht schlafen sie ja. Der Rakshasa Rani, der sie bewacht, hat uns jedenfalls noch nicht bemerkt.
Ich befehle die Skelette zum Angriff noch während die langsamen Zombies ungeschickt in den Bach steigen. In schnellen Salven hageln die Pfeile auf den Gegner. Die sieben Golems sind viel zu langsam und fallen, bevor sie die Skelette ereicht haben, doch der Rakshasa ist zäh. Selbst über und über mit Pfeilen gespickt erreicht er die vorderste Reihe der Skelette und wirft sich einfach mit senem vollen Körpergewicht auf sie.
Für einen Augenblick bin ich beeindruckt von diesem heroischen Akt der Selbstopferung. Natürlich lebt er nicht mehr lange genug, um sich wieder zu erheben, aber die flinken Gargoyles haben die Zeit genutzt, die er ihnen erkauft hat und sich in den Rücken der Skelette begeben. Von dort schlagen sie eine breite Schneise in unsere Reihen. Das ist wirklich sehr unangenehm. Zwar schaffen sie es nicht mehr, sich für einen zweiten Angriff zu formieren, aber ich fürchte, ich habe zwei Drittel der Skelette verloren.
Und jetzt erkennen die Magier, dass ihre Leibwächter ausgelöscht sind und werfen Energipfeile und Feuerbälle auf meine Skelettschützen, die in ganzen Reihen zu Boden gehen. Ich befehle den Skeletten, ihre Schlachtordnung aufzulösen und sich zu verteilen, doch es ist fast zu spät. Die beiden Akkoluthen fallen, doch nun kann ich meine Skelettschützen fast an den Fingern abzählen.
Ich höre ein Geräusch wie Zähneknirschen, doch bei mir sind nur die Gespenster. Vorsichtshalber lege ich eine Hand an mein Kinn und das Geräusch endet, während auch der Erzmagier stürzt.
Ein Skelettschütze schultert seinen Bogen und tut als wäre es das normalste der Welt als letzter auf dem Schlachtfeld zu stehen.
Wieder fühle ich diese eisigen Luftstöße an meinem Rücken.
"Ich weiß, Dorian. Der Kampf ist gewonnen. Ich will, dass ihr loszieht und so viele von den Gerippen zusammenflickt wie möglich. Und wenn ihr die Bogensehnen benutzt, um die Knochen zusammenzuknoten." Dorian Grey hebt seine immateriellen Arme. "Schon gut," seufze ich. "Lass die Zombies das machen. Ich werde über den Kampf nachdenken."

Natürlich haben die Erzmagier auf der anderen Seite nicht geschlafen. Obwohl ich einiges über den Kampf mit Skelettschützen gelernt habe, wird es mir vieleicht nicht mehr von Nutzen sein.
Ich werde ich nicht mehr die Zeit haben, bis zum Morgen zu warten. Das Gefühl von eisigen Luftstößen an meiner Schulter weist mich darauf hin. Ich habe Schwierigkeiten, das Gespenst in der Dunkelheit zu erkennen, aber es kann nur Dorian Grey sein.
"Wie viele Verluste?" Zwei Fäuste - also Zwanzig. Ich blicke zu den Skeletten hinüber. Eines, das wirklich mies mit Bogensehnen zusammengebunden ist wird von einem Zombie aufrecht gehalten. "Sagen wir 21. Wie soll ich mit solchen Verlusten die Erzmagier da drüben besiegen?" Wieder das Klopfen eisiger Luftstöße.
"Du willst kämpfen? Also gut - nimm ein paar Gespenster und flieg über den Fluss. Ihr müsst sie solange beschäftigen bis die Zombies drüben sind. Ich fürchte die Skelette werden zu lange brauchen, um mit ihrem geringen Gewicht den Fluss zu überqueren."
Lautlos verschwinden ein paar Gespenster und ich mache mich daran, die Zombies und Skelette in den Fluss zu jagen. Wenn dieser Kampf überstanden ist, werde ich in die Stadt zurück kehren, sage ich mir. Ich kann ihm nicht ewig aus dem Weg gehen.
Das magische Donnerwetter, das die Erzmagier da drüben plötzlich veranstalten, beeindruckt auch mich. Früher wäre ich wohl in Deckung gegangen, doch die Zeiten ändern sich. Statt dessen treibe ich meine Einheiten gnadenlos über den Fluss.

Und dann kann ich nur noch zusehen.
Als der Kampf vorbei ist, sehe ich immer noch gut 40 Skelettschützen ihre Bögen schultern. Offenbar können sie doch im Dunkeln schießen. Das sollte ich mir merken.
"Wie viele diesmal?" Als keine Antwort erfolgt blicke ich mich suchend um. Ich sehe ein paar Gespenster sich sammeln, doch sie schütteln den Kopf auf meine unausgesprochene Frage. Für Dorian Grey hat sich der Kampf erledigt. Obwohl ich mich wirklich bemühe, kann ich keine Trauer über den Verlust eines alten Bekannten empfinden. Ich mache eine Faust mit der linken und dann mit der rechten Hand.
"Ein Verlust wie zwanzig, Dorian - gehe in Schönheit, Dorian Grey!" Aus irgendeinem Grund weigern sich meine Hände die Faust wieder zu öffnen, also stehe ich in der Finsternis und warte, bis es vorbei ist...

Der Hof dieser Ruine ist wirklich schlecht für mein Vorhaben geeignet. Das Unkraut wächst ungehemmt in den gewaltigen Fügen und das was einmal Pflastersteine gewesen waren, ist entweder verwittert oder geborsten, Jeder Schritt wird hier zur Stolperfalle, wo ich mich mit dem kleinen Zombietrupp als Infanteriekommandantin übe.
Bei einem Dutzend Malen habe ich aufgehört zu zählen, wie oft ich umknicke. Anscheinend ist es meinen Fußgelenken sowieso egal. Einer der Vorteile, wenn man tot ist. Wie auch das Fehlen von Schweiß. Ich vermisse das Schwitzen wirklich nicht. Ich meine - nicht einmal wenn ich in der Lage wäre, etwas zu vermissen - das Schwitzen würde ich nicht vermissen.
Aber meine Gedanken gallopieren davon; ich sollte mich auf das hier konzentrieren. Das kommt wohl davon, wenn man mit Zombies trainiert. Die sind so langsam, dass man die meiste Zeit mit Warten verbringt. Wenigstens sind sie zäh.
Da - es ist schon wieder passiert. Ich schüttele den Kopf, als könne ich damit die treibenden Gedanken loswerden und da sehe ich ihn. Er steht an dem Turm und betrachtet das Training - nein, er beobachtet mich. "Warum nicht jetzt?" murmele ich und lasse die Zombies alleine weitermachen. "Irgend wann muss das ja mal passieren..."
Meine Schritte kommen schnell. Ohne ein Zögern erkennen zu lassen, laufe ich über den Hof und weiche wie von selbst allen Stolperfallen aus. Er erwartet mich regungs- wie emotionslos, steht auf den obersten Stufen der Treppe, die aus diesem Hof hinauf führen.
Etwas greift nach meinem Fuß, lässt mich taumeln und schwer mit dem Kinn auf die Stufen krachen. Was für ein Abschluss meines furiosen Auftritts. Ich sehe einen Zahn davon springen und eine Hand, die herunterschnellt und ihn auffängt.
"Wenn Du laufen willst, lauf." Seine Stimme dröhnt mir bis ins Mark. "Es ziemt sich nicht für eine untote Schreckensherrin über Treppen zu fallen und Zähne zu spucken." Er reicht mir die Hand und öffnet die Faust. Mein Zahn liegt darin.
Ich schlenkere meinen Fuß, um ihn aus der Schlingpflanze zu befreien, doch es tut sich nichts. Ich blicke hinunter und da ist nichts. Mein Fuß ist frei. Doch bin ich sicher, dass etwas nach ihm gegriffen hat
Mit der Kraft einers Gedanken bin ich über ihm, meine Linke umfasst seinen Hals wie ein Schraubstock, die Rechte angelt sich noch im selben Augenblick meinen Zahn.
"Du hattest nicht das Recht, mich wiederzuholen, Kyle! Meine Zeit war abgelaufen. Ich war hinter dem Licht angekommen. Warum konntest Du es nicht dabei belassen?"
"Ist dir aufgefallen, dass Lady Mirwen sich wieder davon gestohlen hat? Es passiert immer häufiger, dass sie klammheimlich verschwindet. Du weißt nicht zufällig was sie vorhat?"
Kein 'ich weiß besser, was gut für dich ist'? Keine Entschuldigung, kein Zurückweichen, kein Flehen? Und seine Stimme ist von ungebrochener Kraft! Sinnlos mein Versuch, einen Toten zu erwürgen. Ich lockere den Griff und lasse mich neben ihm auf die Stufen sinken.
"Ffie ffird unff nifft in ihre Plähne einffeihen," murre ich, während ich versuche, den Zahn wieder einzusetzen.
"Diesmal sind auch vier Ladungen Erz verschwunden."
Ich antworte nicht und probiere statt dessen mit übertriebenem Schmatzen und verwegenen Grimassen aus, ob der Zahn hält, nachdem ich ihn wieder eingesetzt habe. Da er mich danach immer noch anstarrt, unterdrücke ich den Wunsch, ihm die Zunge rauszustrecken und meine stattdessen: "Lass die alte Schachtel doch mit ihren Steinen machen, was sie will. Wahrscheinlich sitzt sie in irgendeinem Kellergeschoss und kaut darauf rum." Ich deute hinter uns auf den Turm. "Warst Du schon da drin? Kann man den Turm wieder betreten?"
"Ja." Er steht auf. "Es genügt, um ein paar Taschenspielertricks zu erlernen."
Auch ich erhebe mich. "Und? Wollen wir uns ein paar Tricks aneignen?"
Er ignoriert meine ausgestreckte Hand. "Nein."
Ich ziehe die Brauen hoch. Als ich noch lebte, hat der Trick mit den Augenbrauen immer funktioniert. Diesmal nicht.
"Ich bin noch nicht soweit. Vielleicht niemals wieder."
Er dreht uns den Rücken zu. Es ist wahrscheinlicher, dass der Turm deswegen beleidigt ist, als dass ich es bin, also schweige ich vorsorglich.
"Geh ruhig hinein, aber vergiss niemals, dass es Türme wie dieser waren, die uns in diese Lage gebracht haben, in der wir jetzt sind. Auf mich wartet andere Arbeit." Damit geht er. Einfach so.
Ich warte, bis er mich nicht mehr hören kann. "Geh Du nur! Der Tod ist geduldig, die Schlacht ist es nicht. Ein paar Tricks sind da nicht zu verachten. Ich gehe in den Turm!"
So sage ich. Doch es dauert eine ganze Weile, bis meine Beine endlich tun, was ich ihnen Stunden vorher befohlen habe.

"Euer Plan läuft aus dem Ruder."
"Hm."
"Die Vorzeichen waren von Anfang an schlecht. Allein, dass sie sich Miss Morgan nennt, zeigt, dass sie sich von Euch distanzieren will."
"Hm."
"Ihr solltet handeln. Früher als geplant."
"Hm."
"Ich kann Euch die Macht zur Veränderung geben. Ihr müsst nur fragen."
Mit einer Armbewegung lässt Kyle Morgan den lästigen Schatten verstummen. Wie es die Natur von Schatten ist, ist auch dieser nicht loszuwerden. Es ist allerdings verwirrend, dass dieser beständig auf ihn einredet. Er fragt sich, ob alle Menschen, die ein Leben als Untoter führen, von ihrem Schatten verfolgt werden.
Er blickt hoch, als ein Zombie einen weiteren Stapel an Büchern in seine kleine Kammer schleppt.
"Wie es scheint muss ein Baumeister genau so viel lesen wie ein Zauberer!"
Ohne Antwort zu geben, steht der Zombie noch immer da. Kyle sieht genauer hin. In dem verwesenden Fleisch verbirgt sich das, was von einer kleinen Frau übrig geblieben ist. Regungslos erwidert der Zombie seinen Blick.
"Ich mag es nicht, wenn man mir nicht antwortet. Geh und melde dich bei den Felsstechern im Steinbruch zum Arbeiten. Und - lass die Bücher hier."
Ohne die Reaktion abzuwarten, geht er an das kleine Fenster mit dem bemoosten Eisengitter und blickt hinaus. Tag für Tag kehrt seine Frau mit weniger Einheiten zurück. Mit dem was übrig ist, kann sie unmöglich das gesamte Tal befrieden. Zumal die Zauberer immer neue Trupps schicken. Da ist es gut, dass die Arbeitszombies endlich soweit sind, die faulende Krypta freizulegen.
Tatsächlich kehrt auch Miss Morgans kleiner Trupp gerade wieder von einem Gefecht zurück. Offenbar haben sie erfolgreich das kleine Fort am Pass niedergemacht. Miss Morgan hat sich eine Rüstung aus der Kriegsbeute umgeschnallt, deren Verderbnis Kyle bis in seine kleine Kammer hinein spüren kann.
Sie stellt sich an das Stadttor und beaufsichtigt die Zombies, welche die gefallenen Menschen in die faulende Krypta hinab tragen. Bald schon wird sie ihren Trupp mit Nachschub versorgen können.
Doch das ist es nicht, was Kyles Aufmerksamkeit erregt. Er beobachtet den Schatten seiner Frau, der vom Fackellicht unregelmäßig herumgescheucht wird...

Die Bäume in dieser Schlucht wachsen krumm und nicht besonders hoch. Das Licht des Tages scheint nur kurz in diesem kühlen Abgrund. Der Wechsel der Jahreszeiten bewirkt zudem, dass die Plätze, die vom Sonnenlicht errecht werden, im Laufe des Jahres wandern. Ein Baum, der dem Licht hinterher wächst, muss also zu jeder Jahreszeit die Richtung ändern. An Feuchtigkeit mangelt es jedoch nicht und saftiges, stets nasses Moos wächst auf den Felsenkanten.
Miss Morgan ist nicht ohne Grund hier. Seit Stunden steht sie regungslos unter dieser verkrüppelten Rotbuche und wartet. Wartet, während in immer wieder neuen Bahnen das Regenwasser auf sie herunter tropft. Wartet darauf, dass das Menschenweib, dem sie hierher gefolgt ist, weitergehen wird.
Um sich die Zeit zu vertreiben, hat sie begonnen, zu raten, welcher Teil von ihr als nächstes nass werden wird.
Vielleicht ist sie ja bereits am Ziel. So lange wie jetzt hat das Weib vorher bei keinem Mal Pause gemacht. Andererseits hat es auch eine gefährlich steile Stelle erreicht, wo es sich hingehockt hat und schweigend das Bündel in seinen Armen wiegt
Miss Morgan weiß, dass das Kind in dem Bündel tot ist. Bei dem Angriff auf das Menschenfort haben sich einige der geflohenen Zivilisten infiziert, als sie den Pestzombies zu nahe kamen. Ein ausgewachsener Mensch wird diese Krankheit überleben, für kleine Kinder stellt es jedoch eine tödliche Gefahr dar.
Das ist auch der Grund, weshalb sie dem Weib folgt. Die Menschen kennen einen Ort, den sie Seuchenbruch nennen und dorthin schaffen sie ihre rettunglos Kranken und Verstorbenen.
Wieder gibt ein Teil des Laubs dem Regen nach und ein kleiner Schwall Wasser ergießt sich auf ihren linken Stiefel. Zufrieden betrachtet sie die langsam im Boden versickernde Pfütze. Sie hatt auf einen Stiefel getippt. Zwar nicht den linken, aber 50% richtig ist ihre bisher beste Quote.
Als sie wieder aufblickt, ist das Weib fort. Nicht etwa weitergegangen, nein - verschwunden. Sie weiß, was das bedeutet und beginnt in die Tiefe zu klettern. Die Gespenster, die bei ihr waren kehren derweil zurück, um die Skelette und Pestzombies in die Schlucht hinunter zu führen.

"Wahrscheinlich hast Du deinen Mann bei den Kämpfen verloren." Miss Morgen hat den Boden der Schlucht erreicht, wo die Frau nach ihrem Sturz im Sterben liegt.
"Und nachdem auch Dein Kind an der Zombiepest verstarb, hast Du keinen Sinn mehr in deinem Leben gesehen." Sie zieht ihre Kapuze zurück und entblößt das Zeichen, dass sie in der letzten Nacht von Lady Mirwen empfangen hat, Die einstige Pracht dunkler Locken ist einer verschlungenen Tätowierung gewichen, die einen grünen Jadestein einrahmt. Sie fährt mit der Fingerkuppe über den glatten Stein, der jetzt schon nass vom Regen ist, während schwache Bewegung in das sterbende Menschenweib kommt. Offenbar hat es die vor ihm stehende Miss Morgan bemerkt.
"Es ist das Privileg von Menschen, Fehler zu machen und auch Du wirst davon nicht verschont. Hättest Du dich dem Leben in seiner Traurigkeit gestellt, wäre Dir das hier erspart geblieben." Das Weib versucht etwas zu sagen, doch es kommt nur ein Schwall Blut aus ihrem Mund. Miss Morgan hockt sich zu der Frau und beugt sich vor, um etwas zu hören. Fast scheint es ihr, als würde sie zögern, ihren Auftrag zu verrichten.
"sss..schhh."
"Sasha? So soll es sein. Ich gebe Dir den Namen Sasha." Miss Morgan hat genug gezögert. Sie entfesselt die Kraft des Steins, während sie in das Gesicht der Frau blickt. Ein fades grünes Licht spiegelt sich in den schreckgeweiteten Pupillen.
"Es erwischt Dich auf der Schwelle zum Tode, Sasha. Das macht aus Dir etwas ganz Besonderes." Das Weib beginnt konvulsiivisch zu zucken, während es in dem grünen Licht gebadet wird. Dann ist es vorbei
Wie Lady Mirwen vorausgesagt hat, kommt Leben in den Seuchenbruch. Zahlreiche Skelette erheben sich oder graben sich aus dem Boden. Das Weib hat auch aufgehört zu zucken. Seine Augen sind nun schwarz vor Hunger. Miss Morgan bedeutet ihm aufzustehen.
"Ich mache Dich zu meinem Vampir, Sasha. Dem ersten in unserem Trupp.
"Jawohl." Sashas Stimme ist tonlos. Der Hunger lässt ihre Lippen zittern.
"Komm jetzt. Wir werden tiefer in die Schlucht gehen und noch mehr Tote in unsere Reihen rufen."
Nach ein paar Schritten blickt Miss Morgan sich um. Sasha steht noch immer da, vor ohnmächtigem Hunger bebend, doch ihr Blick ist auf einen Felsspalt mit einer dunklen Lache gerichtet. Ein kleines Bündel liegt dort, dem kalten Wind und Regen ausgesetzt. Miss Morgan wartet.
Die Skelette sind längst nicht mehr zu sehen, als Sasha sich abwendet und den Skeletten in die Schlucht folgt. Das Bündel bleibt zurück. Für immer...

Miss Morgan öffnet die knarrende Holztür und betritt die Taverne. Noch ist hier nicht viel los, doch Lady Mirwen scheint der Meinung zu sein, dass sich das ändern wird. Sie hat den Innenraum mit Holztischen und -stühlen eingerichtet, einige Holzsärge bieten Schlafmöglichkeiten für Vampire und die Wände sind voller Haken, um Skelette daran aufzuhängen. Hunderte von Kerzen sorgen für die Beleuchtung und im Moment geht Lady Mirwen von einer zur nächsten, um sie alle zu entfachen.
Miss Morgan bleibt in der Tür stehen und mustert das Kleid von Lady Mirwen. Es ist in blutigem Rot gehalten und zeigt nachtschwarze Verzierungen. Hüften und Busen werden betont, während es nach unten unten weich fällt und weit genug ist, um nicht in der Bewegung zu behindern.
"Ihr seht - beeindruckend aus, Mylady."
"Vielen Dank, Miss Morgan. Kommt doch herein und nehmt Platz. Ihr seht so aus, als hättet Ihr ein heftiges Gefecht hinter Euch."
Miss Morgan klopft nachlässig den Staub von ihren Stiefeln und nimmt an der auf Hochglanz polierten Bar Platz. Mirwen schnippt mt den Fingern und sofort schlurft ein Zombiekellner im Frack mit Fliege herbei. Miss Morgan ignoriert die Fliegen, die den Toten umschwirren und schielt in den steinernen Napf, der vor ihrer Nase platziert worden ist. Es ist Blut darin.
"Lecker!"
"Lasst es Euch schmecken, meine Liebe."
"Wie seid Ihr an dieses prächtige Kleid gekommen, Mylady?"
Mirwen lächelt geheimnisvoll. "Kyle Morgan leistet hervorragend Arbeit. Irgend etwas musste mit dem ganzen Überschuss an Resourcen geschehen."
"Dann seid Ihr deswegen so oft fort gewesen? Finden sich denn tatsächlich Wagemutige in den Königreichen dieser Gegend, die mit Euch handeln?"
Mirwen nickt mit einem geheimnisvollen Lächeln auf den Lippen.
"Wichtiger ist jedoch, wie gut Ihr dabei vorankommt, dieses Gebiet zu brefreien, Miss Morgan."
Miss Morgan verzieht ihre Mundwinkel. "Ihr habt nicht erwähnt, dass die Toten, die ich herbeirufe, uns angreifen könnten. Ein Skelettdrache hat mich so heftig mit seinem Schwanz erwischt, dass ich mir nicht sicher war, ob ich mich jemals wieder auf den Hintern setzen können würde."
Lady Mirwen setzt sich zu Miss Morgan und entzündet eine Kerze, die sie direkt zwischen ihr und Miss Morgan aufstellt.
"Ich sagte Euch, Ihr sollt das nur beginnen, wenn Ihr einen überlegenen Trupp mit Euch führt," meint sie leise. "Natürlich ist es schade, dass diese Toten sich nicht unterworfen haben, aber Ihr könnt die Macht des Jadesteins mit einem Saphir ausbauen, wenn Ihr wollt."
Miss Morgan schüttelt den Kopf. "Nein danke, ich hasse Überraschungen."
Mirwen mustert sie eine lange Zeit, dann nickt sie. "Ihr macht einen erstaunlich emotionalen Eindruck für eine Tote, ich hätte Euch im Leben nicht begegnen wollen."
Miss Morgan rümpft die Nase und leert dann ihren Blutnapf mit einem vielsagenden Blick. "Wo ist der nutzlose Kyle?"
"Irgendwo in den Goldschächten. Er gräbt mittlerweile sehr tief nach Rohstoffen." Mirwen hebt die Hand und berührt Miss Morgan sanft am Arm, während sie zur Tür nickt..
Miss Morgan schaut zurück und gewährt Sasha in der Tür stehen. "Das ist Sasha - sie ist der erste Vampir in unseren Reihen."
"Wie schön." Mirwen wendet sich an den Kellner."Bring Sasha etwas zur Stärkung und einen weiteren Krug für Miss Morgan. Sie werden bald wieder aufbrechen müssen."
Alarmiert blickt Miss Morgan zu ihr herüber. "Was ist los?"
"Bewegung auf dem Pass zu Laternenwacht. Offenbar hat sich Paladin Geoffry entschieden, aktiv zu werden."
Schon lange ist der Paladin, der mit seinem Erzengel einen der Ausgänge aus dem Tal bewacht, Miss Morgan ein Dorn im Auge. "Ich werde ihn nicht entkommen lassen, Lady Mirwen!" Sie lässt das zähflüssige Gebräu aus ihrem zweiten Krug die Kehle hinunter laufen und leckt sich anschließend die Lippen. "Wirklich sehr lecker, ich sollte öfter vorbeikommen - Sasha, ruf die Skelettschützen und Pestzombies. Es gibt Arbeit."
Mirwen verabschiedet die beiden untoten Frauen mit einem leisen Lächeln. Dann erhebt sie sich und geht hinter die Bar. Zufrieden lauscht sie dem leisen Rascheln, mit dem ihr Kleid über das Holz der Stühle gleitet, die sie passiert.
"Bald - bald schon werden die Trommeln des Krieges ertönen," murmelt sie.

Wamm. Wamm. Wamm.

Kopfschüttelnd blickt Kyle zu Lady Mirwen hinauf.
„Nichts zu machen.“
Mit einem leisen Lächeln unterbricht Mirwen das Flechten ihrer zu einem Turm geschwungenen weißen Haarpracht. „Sie schläft wie ein Toter.“
„Ihr könnt wirklich noch komisch sein, Lady Mirwen Nimros!“
„Nein - im Ernst. Mit Krach könnt Ihr Miss Morgan nicht wecken. Versucht es mit Blut.“
Kyles Augen werden schmal. Er lässt seinen Blick durch die Gruft wandern und dieser bleibt schließlich an den Fledermäusen unter der Decke hängen. Seine Augäpfel färben sich schwarz und plötzlich ist die Gruft von dunkler Magie erfüllt. Sterbende Fledermäuse fallen wie reife Äpfel von der Decke und die überlebenden schrecken auf. Augenblicklich ist die Luft erfüllt mit panischen Fledermäusen, die einen ohrenbetäubenden Lärm verursachen. Minutenlang kann man nicht die Hand vor den Augen sehen, dann sind die Tiere fort.
Kyle blickt in den Sarg hinunter, wo Miss Morgan noch immer fest schläft und dann wieder zu Mirwen. „Entschuldigt.“
Die ehemals sorgfältig aufgetürmte Frisur der Lady sieht aus, als wäre sie in einen Wirbelsturm geraten. Doch das scheint sie nicht aus der Fassung zu bringen. Irgendwo zaubert sie einen Kamm hervor und beginnt von vorn, ihre Haare zu richten. „Ich sehe, Ihr habt das Studium der Magie wieder begonnen.“
Kyle hebt eines der toten Tiere auf. Mit einem langen messerscharfen Fingernagel verursacht er einen tiefen Schnitt und beobachtet wie das Blut des Tieres Miss Morgan ins Gesicht tropft.
„Schlechte Gewohnheiten sind nur schwer abzulegen, Mylady.“
Die Nasenflügel von Miss Morgan beginnen zu zittern und sie fährt sich mit der langen Zunge über die Lippen. Dann – ganz unvermittelt – schnellt sie in sitzende Haltung auf und schnappt nach dem toten Tier. Rasch bringt Kyle seine Hand vor den scharfen Zähnen in Sicherheit und tritt einen Schritt zurück. Miss Morgans enttäuschter Schrei gellt durch die Halle und sie schlägt die Augen auf, die hellwach wirken. Ihr stechender Blick fällt sofort auf Kyle.
„Blutige Katzenpisse, es ist – unziemlich, so geweckt zu werden.“
Kyle zuckt mit den Achseln. „Es ist auch unziemlich für eine Dame, in voller Rüstung zu schlafen.“
Miss Morgan schnellt aus dem Sarg und entdeckt im letzten Moment Lady Mirwen, bevor sie Kyle an die Gurgel gehen kann. In dem Versuch, ihren rasenden Angriff zu stoppen, gerät sie ins Taumeln und muss zulassen, von Kyles helfendem Arm gestützt zu werden. Sofort nimmt sie eine laszive Haltung an und meint schmollend zu Mirwen: „Ich verstehe auch nicht, warum wir Todlosen immer vollständig bekleidet schlafen müssen.“
Mirwen überlegt nur kurz. „Ich halte es für ein Gebot der Höflichkeit. Wir können nie wissen, wie lange unser Schlaf dauern wird und wer uns möglicherweise aufweckt. Es könnte ja auch jemand sein, der versucht, Eure Brüste mit tiefsitzendem Holzschmuck zu verzieren.“
Miss Morgan löst sich von Kyle und lässt ihn ihre lange Zunge bewundern, was dieser, ohne eine Regung zu zeigen, tut. Schließlich wendet sie sich verärgert ab und fragt: „Warum wurde ich überhaupt geweckt? Marschiert eine Armee durch die Totenmoore?“
„Nein, Liebes. Ihr werdet vielmehr eine Armee hindurch führen. Etwas mehr als zwei Stunden südlich von hier habe ich die Knochenseen entdeckt. Dort liegen vielversprechend reichhaltige Goldvorkommen. Schon in der Vergangenheit wurden so zahlreiche Schlachten darum gefochten, dass der Grund der drei Seen komplett mit Knochen bedeckt ist. Ihr werdet dort unser erstes Blutnest errichten, Miss Morgan.“
Mirwen beendet die Arbeit an ihrem Haar und nähert sich Miss Morgan. Sie greift die Schultern der kleineren Frau mit leuchtenden Augen.
„Heldengrab wird zu klein für unsere Aufgabe. Ihr müsst ganze Arbeit an den Knochenseen leisten, denn unser Blutnest dort wird einmal unser Wichtigstes sein.“
Miss Morgan schielt zu Kyle herüber. „Ist mir nur recht, den Flegel für eine Weile nicht ertragen zu müssen.“ Sie kaut auf ihrer Unterlippe und nickt dann heftig. Eigentlich hätte sie längst auf dem Weg nach oben sein müssen, um ihre Kampftrupps zusammenzustellen. Doch aus irgendeinem Grund wollen ihre Füße sich nicht bewegen, bevor sie eine Reaktion in Kyles Gesicht erkennen kann. Doch der schaut sie nicht einmal an. Sein Blick ist auf den Boden hinter ihr gerichtet, als würde sich etwas in ihrem Schatten verbergen Schließlich gibt sie das Warten auf und stolziert ihren nächsten Schlachten entgegen.

Es ist viele Generationen her, dass hier große Schlachten stattgefunden haben. Aus den blauen Seen von einst wurden die Knochenseen - schwarze Tümpel, deren Gestank die Lebendigen nun auf Abstand hält.

Miss Morgan hat ihre Truppen hierher geführt, doch nun muss sie warten, dass Lady Mirwen ihre Suche beendet. Es gab eine Zeit, da hätten sie die vielen Stunden des Wartens in den Wahnsinn getrieben, doch seit sie tot ist hat sie kein Problem damit, sich die Zeit mit Selbstgesprächen zu vertreiben. Denn das muss es wohl sein, da keines der Schreckensgespenster sich den Anschein gibt, ihr zuzuhören.

"Sollen die Kröten sich an der alten Hexe sattfressen. Sie muss doch wissen, dass das Gold nicht auf dem Grund des Teichs liegt! Wir haben Dringendes zu erledigen und diese Riesengreisin geht auf Tauchstation. Ich werde ihr jedenfalls nicht da hinein folgen und wär ich zweimal tot..."

Es scheint ihr als hätte sie nun doch etwas gehört, denn ein Wind erhebt sich fauchend durch das Tal und verändert die zuvor glatte Oberfläche der Tumpel in eine runzlige Haut aus Teer, in deren Zentrum sich ein rasch ein wachsender Strudel bildet.

"Was...?" Miss Morgan kneift die Augen zusammen und tatsächlich erkennt sie zahlreiche Gespenster, die dort im Kreis herumjagen und den Strudel bilden, in deren Mitte jetzt Lady Mîrwen Nimrôs erkennbar wird. Ihre Augen glühen in furchtbarem, grünem Glanz, als sie von dem Strudel begleitet ans Ufer tritt. Eine lähmende Schwäche ergreift Miss Morgan und nimmt zu umso näher Lady Mirwen kommt. Miss Morgan stürzt in die Knie und ihre Hände suchen Halt in dem fauligen Schlamm.

"Uívelin Lé." Lady Mirwens sonst so sanfte Stimme ist von ruhigem Zorn erfüllt. Wie kann das sein? "Du hältst diese Suche für sinnlos, närrisches Weib?" Miss Morgans Augen trüben sich und die Welt scheint in graue Schatten zu zerfallen. "Was glaubst Du, ist der Grund für deine bescheidene todlose Existenz? Uívelin Lé, der Schwur einer ewigen Liebe, der in zwei Ringe gebunden und mit Elfenmagie gebunden wurde. Einer dieser Ringe muss irgendwo im Moor sein und du wirst niemals Erlösung finden, wenn er nicht gefunden wird!"

Wie kann es sein, dass jemand, der nicht atmen muss, keine Luft mehr bekommt? Plötzlich erinnert sich Miss Morgan daran, wie es ist, nach Luft schnappen zu müssen. Das Klingeln in ihren Ohren wird zu einem Kreischen und dann ist da wieder eine Stimme - seine Stimme! Ruhig durchdringt sie selbst dieses Inferno:

"Was nicht hätte sein dürfen, geschah als Aerendur Tirn seine Liebste bei Heldengrab im Kampf erschlug. Das ewige Band wurde gebrochen und erschuf den Fluch der Totenmoore. Kein Toter kann hier mehr Ruhe finden, wo Lady Mirwen Nimros den geborstenen Ring trägt."

Urplötzlich ist die bleierne Schwere aus Miss Morgans Gliedern verschwunden. Sie hebt den Blick und sieht Kyle bei Lady Mirwen wie er ein Tuch um ihren noch immer nackten Leib legt. "Ihr habt ihn nicht gefunden", stellt er fest.

"Nein." Für einen winzigen Augenblick scheint die Kraft in Lady Mirwen gebrochen, doch der Moment verfliegt ehe Miss Morgan ihn fassen kann. Sie erhebt sich.

"Ist ja nicht so, dass ich unwichtige Nachrichten gehabt hätte", stellt sie mürrisch fest.

"Dann sprich, Liebes." Lady Mîrwen lächelt, als wäre nichts vorgefallen.

"Ich habe die südlichen Länder ausgekundschaftet. Einige Kriegsbosse haben sich unter dem Banner des schwarzen Kreuzzugs zusammengetan und führen gewaltige Truppen gegen die Festungen von Ascendancy und den Assassinen an ihren Grenzen. Diese werden nicht lange standhalten können. Besonders der mächtige Dämonenherr Kor Phaeron überzieht das Gebiet mit Blut und Tod. Wenn diese Festungen fallen, wird der schwarze Kreuzzug in die Totenmoore einfallen können."

"Wie schön, Liebes."

"Aber..."

"Auf jedem Schlachtfeld gibt es immer einen Sieger und das ist stets der Tod, Liebes. Nimm deine Truppen und ziehe nach Süden. Du wirst eine richtige Schlacht brauchen, um zu verstehen, was es heißt, tot zu sein."

"...?"

Lady Mirwen wendet sich an Kyle und ignoriert das Fragezeichen auf Miss Morgans Stirn.

"Doch was führt Euch an die Knochenseen, Kyle Morgan? Solltet Ihr nicht in Heldengrab sein?"

"Ja."

"Ja?"

Ohne den Blick von Miss Morgan abzulassen, zuckt Kyle mit den Schultern.

"Es gibt zwei weitere Burgen in der Nähe von Heldengrab, wo sich die Toten erhoben haben. Sie wollen sich unter einem gemeinsamen Banner vereinigen und haben einen Boten nach Heldengrab geschickt."

"Ist das so?" Lady Mirwen wendet sich nachdenklich nach Süden. "Gebt dem Boten das zugigste Kämmerlein, das Ihr finden könnt und lasst ihm ausrichten, dass er auf eine Antwort warten muss. Es gibt wichtige Angelegenheiten, die mich beschäftigen. Wir werden sehen wie wichtig ihnen dieses Anliegen ist."

Sie zögert einen Moment. "Ich glaube nicht, dass diese Vampirkönige verstehen, was in Heldengrab erwacht ist. Ich habe sie bereits seit längerem beobachtet..."

Als klar wird, dass Lady Mirwen ihren Gedankengang nicht zu Ende führen wird, wendet sich Kyle ohne ein weiteres Wort ab und geht.

Sofort dreht sich Miss Morgan um und stürmt ebenfalls zu ihren Schreckensgespenstern. Sie knirscht schon wieder mit den Zähnen. "Sollen die beiden doch so tun als wäre ich bestellt und nicht abgeholt worden. ich habe auch wichtigeres zu tun", bellt sie eines der Wesen an. Als dieses nicht reagiert, faucht sie: "Vorwärts - schweb hier nicht so herum als wärst Du angewachsen!"

Lady Mirwen bleibt reglos zurück. Dann lässt sie das Tuch fallen und gleitet erneut in die giftigen Tümpel hinein. Die beiden Worte, die sie auf ihren Lippen führt sind schweigende Wehmut und zugleich ein Ruf nach Hilfe und Erlösung.

Uívelin Lé...

Sich durch den Erdboden zu wühlen, gehört an und für sich nicht zu den Lieblingsbeschäftigungen von Lady Mîrwen Nimrôs.Dies ist wohl der Grund für das verägerte Grummeln, als sie sich in gewohnt linkischer Art durch das Loch im zerbrochenen Holzdach des Kirchenturms dieser im Moor versunkenen Kirche ans trübe Tageslicht zurück zwängt.
Wieder einmal liegen feuchte Nebelwolken über dem Moor und dämpfen das Geräusch des Aufpralls, als sie einen Meter tiefer in den schlammigen Untergrund plumpst.
"Uff!" Sie gestattet sich, für einen Augenblick liegen zu bleiben. Es ist kaum wahrscheinlich, dass jemand in der Nähe ist und sie sieht.
"Was gefunden?"
Langsam erhebt sie ihren Oberkörper und blickt sich um. Dann sieht sie den Sprecher. Es ist ein junger Mann, der lässig auf den Überresten der einstigen Tormauer des Friedhofs sitzt und mit etwas herumspielt, das ein metallischer Gegenstand an einer feinen Kette zu sein scheint. Dann wird sie sich dessen bewusst, dass ihre gegenwärtige Position nicht gerade im Zeichen würdevoller Eleganz steht und müht sich langsam auf ihre Füße. Geschicklichkeit gehörte noch nie zu ihren bestechendsten Attributen, doch glaubt sie fest daran, dass sie das mit langsamen Bewegungen verbergen kann.
Sie lächelt den Burschen an. "Nicht gerade, was ich erwartet hatte. Hat Ihre Frau Mutter Euch verloren?"
Irgend etwas an ihr scheint den jungen Mann zu erschrecken und er lässt die Kette mit dem Gegenstand fahren, als er gerade den Mund zu einer Erwiderung öffnet. Eine Sekunde verfolgt er die Flugbahn des Gegenstands mit den Augen, dann klappt er den Mund zu und hüpft hinterher.
"Täuscht Euch nicht, Madam. Ich denke, dass ich es bin, der Euch hier gefunden hat."
"Ich bin Lady Mîrwen Nimrôs, mein Lieber. Wer in diese Moore hineinkommt, hat beste Aussichten, mich zu finden - oder von mir gefunden zu werden"
"Dies ist nicht Heldengrab, Mylady." Der Bursche hat sein Kleinod wieder eingesammelt und lässt es in seinem Mantel verschwinden. Dann blickt er sie mit einem frechen Grinsen an.
"Es ist nur eine Frage von Tagen, bis auch dieses Gebiet unter meinen Einfluss fällt, junger Freund."
"Ich schätze, Ihr habt also das Gold in den Kellern der Kirche gefunden."
"Nicht nur Gold, auch genügend Holz und Erz, um das verfallene Heldengrab wieder herzurichten.Und das bedeutet, dass ich Euch nicht wieder gehen lassen kann." Sie nähert sich ihm langsam aber zielstrebig.
Der junge Mann blinzelt ein paar Mal. Dann hebt er seine Hände und zeigt ihr die leeren Handflächen. "Ihr braucht keine Indiskretion meinerseits zu fürchten, Mylady. Ich habe Euch gefunden, um meine Dienste anzubieten."
Mirwen bleibt knapp ausserhalb von Armlänge stehen und hebt die Augenbrauen. "Ich habe keinen Bedarf für die Dienste der Lebenden."
"Nun ja - es dürfte mir schwer fallen, Euch wieder zu entkommen. Da wollt Ihr Euch vielleicht anhören, was ich zu sagen habe."
Mirwen mustert ihn etwas genauer, nun da sie direkt bei ihm steht. Er hat irgend etwas Vertrautes an sich und das ist irritierend, wenn man seit 500 Jahren tot ist. Seine Kleidung ist in Grün und Braun gehalten, eine gute Tarnung für einen Gang ins Moor und er scheint tatsächlich keine Angst zu haben.
"Wie ist Euer Name?"
"Man nennt mich Crabhan oder die Krähe, Lady Mirwen. Ich komme viel herum und sehe vieles, das verborgen bleibt."
Sie wartet und lächelt. Ein Trick, den sie zu Lebzeiten gelernt hat. Es verunsichert die Menschen, wenn ihre Worte keine Reaktion verursachen, insbesondere Männer, die bei ihrem Lächeln schnell den Faden verloren. Crabhan blinzelt ein paar Mal.
"Also - was sagt ihr dazu?"
"Nichts. Ich höre dir zu." Mirwen ist zufrieden, dass ihr Lächeln noch immer nicht die Wirkung verloren hat. "Du wolltest mir etwas erzählen."
Der Junge macht eine großartige Geste. "Ich bin über Oricon hierher gekommen."
"Ja?"
"Also das ist ein Ort, der etwa auf dem Weg einer riesigen Armee der Toten liegt, die aus diesem Moor gekommen ist und auf die Belagerung bei Ascendancy zuhält."
Nun ist es an Mirwen zu zwinkern. "Das ist mir nicht neu, mein Junge. Darf ich Dich nun töten?"
"Die Toten werden von der Schreckensherrin Miss Morgan angeführt und mussten unweit der Belagerung rasten."
Crabhan spricht nun etwas schneller. Lady Mirwen leckt sich in Vorfreude die Lippen.
"Der grausame und unbesiegte Dämon Kor Phaeron ist zu ihrem Rastplatz aufgebrochen. Die ganze Ebene ist voll mit seinen Höllenrössern und Sukkubi. Euer Heer ist für diese Schlacht nicht gewappnet gewesen."
Mirwen tippt sich nachdenklich gegen die Lippen. "Was ist geschehen?"
"Es kam nicht zu einer Begegnung, Mylady. Ascendancy hat die Belagerung von Innen gebrochen und Eure Heerführerin ist bereits auf dem Rückweg. Etwas sagt mir jedoch, dass Ihr jemanden mit meinen Fähigkeiten sehr gut gebrauchen könnt. Ich bin sehr gut darin, mich unter die Leute zu mischen und Informationen zu sammeln." Crabhans Grinsen wirkt eine Spur aufgelegt.
"...Interessant. Aber unmöglich. Ihr würdet in der Gemeinschaft von Untoten nicht überleben."
Sein Grinsen wird nun wieder jungenhafter. "Ich weiß genug über Zauberei, um auf mich aufpassen zu können, Mylady. Und es gibt keinen Ort, an dem ich meine Studien besser fortführen könnte.."
Mirwen lacht glucksend. "Ich habe ja schon auf die Ankunft von Zauberern der Dunkelheit gewartet. Doch Du bist viel zu jung für einen Totenbeschwörer."
"Ich habe eine steile Lernkurve. Gebt mir eine Chance und Ihr werdet es nicht bereuen."
"Ist das so? Dann sieh einmal gut her."
Mîrwen Nimrôs dreht sich zu dem um, was noch vom Glockenturm aus dem Sumpf hervorragt und beginnt mit plötzlich tonloser Stimme zu sprechen. Es sind Worte einer dunklen Macht, die bereits auf ihren Lippen zerspringen und nur als sinnlose Fragmente an die Ohren von Crabhan dringen. Alles was er vernimmt, sind Laute, die machtvoll auf seinen Geist einhämmern und seinen Herzschlag aussetzen lassen. Eine eisige Kälte kriecht seine Beine herauf und schwarze Flecken tanzen vor seinen Augen. Dann beginnt dieser anhaltende sägende Schmerz und er weiß, dass etwas ganz und gar nicht in Ordnung ist. Lärmend dringt eine Säge durch Fleisch und Knochen und er faltet sich sich stürzend zusammen, umschließt seine Beine schutzsuchend mit den Armen. Die Augen längst blind und er selbst unfähig zu handeln, versucht er verzweifelt, das Herz wieder zum Schlagen zu überreden. Erfolglos. Dunkelheit umgibt ihn.

Unzufrieden blickt Mirwen auf den Kirchturm. Es ist Nacht geworden und unstetes gelbes Licht dring aus dem Innern der Kirche hervor. Viel zu wenig Skelette haben sich aus dem Boden gegraben und damit begonnen, die Kirchenruine freizulegen.
"Das ist noch ein gutes Stück Arbeit", meint sie unwirsch.
Die Gestalt neben ihr nickt.
Sie blickt ihn an.
Ein Teil von ihm gehört nun ihr. Ein kleiner Teil nur, doch genug, um sich seiner Loyalität zu versichern.
"Wenn die Glocken hier wieder schlagen, wird es bis weit hinauf aufs Land zu hören sein.. Deshalb soll dieser Ort nun Glockenruf heißen."
Er schweigt weiterhin. Es ist niemals leicht einen Teil seiner Sebst zu verlieren. Nicht einmal für die Härtesten unter ihnen.
"Gehen wir nach Hause," meint sie lakonisch und wendet sich von der Baustelle ab. Heldengrab wartet.
Sie wandelt tiefer in das Moor hinein und eine dunkle Gestalt folgt ihr durch die Nacht, ein undefinierbares Lächeln auf den Lippen...

Eine unheimliche Prozession soll des Nachts vor den Toren der Festung Graf Ardors gesichtet worden sein. Als im frühen Morgengrauen die Festungstore aufschwingen, finden die herauseilenden Lanzenträger einen schwarzen Sarg mitten auf dem Weg.
Das Öffnen des Deckels zeigt eine Papyrusrolle inmitten schwarzer Rosen mit diesem Inhalt:

Zitat

Lieber Graf,

Der Fluch der Totenmoore wurde erweckt und breitet sich unaufhaltsam aus, um die Bande zu finden, die einst gebrochen wurden. Es wird die Zeit kommen, da wir die Totenmoore verlassen müssen und dann werden wir auch an eure Grenzen stoßen.
Wir bieten an, dem Bund der Assassinen beizutreten, um Zugriff auf die Augen und Ohren aller übrigen Assassinen zu erhalten und erwarten dafür lediglich, das Oberhaupt über alle Kundschafter zu erhalten.
Falls es andere Anwärter auf diesen Posten geben sollte, stellen wir diesen Ruheplatz freundlichst für seine letzte Ruhe zur Verfügung.

ich umarme Euch in wärmstem Gruße
Mîrwen Nimrôs von Heldengrab


Kyle Morgan, 22.11.2010.