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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Frage bzgl. Fuehlung halten und feindl Radar



Ruhe_im_Puff
11-07-07, 03:39
Hi!

Wie sind die Boote damals eigentlich an einem Geleitzug drangeblieben wenn so gut wie alle allierten Zerstoerer ab 1943 mit Radar ausgeruestet waren?
Wie weit war ueberhaupt die Reichweite eines Radars von einem Zerstoerer, sagen wir mal ab 1943?
Kurz gesagt: Wie lief in den spaeteren Kriegsjahren ein Angriff auf einen Geleitzug ab? Ich vermute mal getaucht aufgelauert? Auch wenns hell war?



Danke schonmal! http://forums.ubi.com/infopop/emoticons/icon_smile.gif

Ruhe_im_Puff
11-07-07, 03:39
Hi!

Wie sind die Boote damals eigentlich an einem Geleitzug drangeblieben wenn so gut wie alle allierten Zerstoerer ab 1943 mit Radar ausgeruestet waren?
Wie weit war ueberhaupt die Reichweite eines Radars von einem Zerstoerer, sagen wir mal ab 1943?
Kurz gesagt: Wie lief in den spaeteren Kriegsjahren ein Angriff auf einen Geleitzug ab? Ich vermute mal getaucht aufgelauert? Auch wenns hell war?



Danke schonmal! http://forums.ubi.com/infopop/emoticons/icon_smile.gif

roteroktober200
11-07-07, 09:25
schau mal hier vielleicht hilft dir das weiter. http://forums.ubi.com/images/smilies/16x16_smiley-wink.gif

http://de.wikipedia.org/wiki/Rudeltaktik

Geleitzug
11-07-07, 09:48
<BLOCKQUOTE class="ip-ubbcode-quote"><div class="ip-ubbcode-quote-title">quote:</div><div class="ip-ubbcode-quote-content">Originally posted by roteroktober200:
schau mal hier vielleicht hilft dir das weiter. http://forums.ubi.com/images/smilies/16x16_smiley-wink.gif

http://de.wikipedia.org/wiki/Rudeltaktik </div></BLOCKQUOTE>

Dort steht allerdings, dass ein U-Boot, das einen Geleitzug gesichtet hat, diesen an die anderen Boote eines Rudels weitergemeldet habe - dies ist aber so nicht korrekt, denn die Boote konnten nicht untereinander Funkkontakt halten ,sondern immer nur zum BdU - also meldete ein U-Boot den Geleitkontakt dem BdU, der dann wiederum andere U-Boote zum Angriff auf den Konvoi heranführte... werde es wohl im Wiki mal ändern... http://forums.ubi.com/infopop/emoticons/icon_wink.gif

roteroktober200
11-07-07, 10:35
@Geleitzug

ich wiederspreche dir nur ungern! http://forums.ubi.com/images/smilies/16x16_smiley-wink.gif

"Die Angriffe der U-Boote innerhalb des Rudels erfolgten unorganisiert. Die Organisation bestand im Wesentlichen in der Heranführung der anderen U-Boote durch den Fühlungshalter, der durch die Aussendung von Peilsignalen den anderen Booten eine Orientierung oder Position gab, bevor alle gemeinsam die Schlacht eröffneten..."

...also das peilsignal und der kontakt zum BdU sind 2 verschiedene paar schuhe. http://forums.ubi.com/images/smilies/16x16_smiley-wink.gif

Geleitzug
11-07-07, 12:37
<BLOCKQUOTE class="ip-ubbcode-quote"><div class="ip-ubbcode-quote-title">quote:</div><div class="ip-ubbcode-quote-content">Originally posted by roteroktober200:
...also das peilsignal und der kontakt zum BdU sind 2 verschiedene paar schuhe. http://forums.ubi.com/images/smilies/16x16_smiley-wink.gif </div></BLOCKQUOTE>

Ja, ja - das meine ich ja - es gabe keine Möglichkeit, von U-Boot zu U-Boot per Funk(spruch) zu kommunizieren; so musste also ein U-Boot, das einen Geleitzug entdeckt hatte, alle Angaben zu diesem (Größe, Sicherung, Generalkurs, etc.) dem BdU melden, der wiederum dann dieses Boot zum Fühlungshalten (oder seltener zum direkten Angriff) befahl; der BdU setzte dann weitere U-Boote aus dem Rudel (oder nahe stehende Boote) auf das geleit an; damit diese aber den Geleitzug finden konnten, gab er ihnen per Funkspruch die entsprechende Position an; da der Geleitzug aber ja nun nicht statisch an dieser Position blieb, sonder weiterlief, musste der Fühlungshalter laufend weiter die neue Position und Kurs melden, sowie per Peilzeichen (einfach Funksignale) denn herangeführten Booten seine eigene Position angeben... ich wollte nur erklären, dass es keine direkte Funkspruchkommunikation zwischen den Booten gab, denn sonst wäre ja für einen Rudelangriff der BdU unnötig gewesen... http://forums.ubi.com/infopop/emoticons/icon_wink.gif

roteroktober200
11-07-07, 14:44
genau so steht es ja auch im link!!! http://forums.ubi.com/images/smilies/16x16_smiley-wink.gif

Geleitzug
11-07-07, 16:49
<BLOCKQUOTE class="ip-ubbcode-quote"><div class="ip-ubbcode-quote-title">quote:</div><div class="ip-ubbcode-quote-content">Originally posted by roteroktober200:
genau so steht es ja auch im link!!! http://forums.ubi.com/images/smilies/16x16_smiley-wink.gif </div></BLOCKQUOTE>

Sorry, aber da muss ich widersprechen - im Link steht:

Die Boote bildeten in Abständen von ca. 150 km ein Suchfeld oder einen Suchstreifen, und wenn ein U-Boot einen Geleitzug gesichtet hatte, meldete es dies den anderen und hielt den Kontakt, während die anderen auf den Geleitzug zuliefen ("heranführen").

und das stimmt so nicht... http://www.ubisoft.de/smileys/motzi.gif

roteroktober200
11-07-07, 17:22
@Geleitzug

da steht aber auch das:

"Die Angriffe der U-Boote innerhalb des Rudels erfolgten unorganisiert. Die Organisation bestand im Wesentlichen in der Heranführung der anderen U-Boote durch den Fühlungshalter, der durch die Aussendung von Peilsignalen den anderen Booten eine Orientierung oder Position gab, bevor alle gemeinsam die Schlacht eröffneten..."

o.k. du schreibst es steht nicht drin, ich schreibe es steht drin - soll jeder selbst lesen...!!! http://forums.ubi.com/images/smilies/11.gif

schau dir mal "Das Boot" an da wird das auch sehr eindrucksvoll gezeigt!!! http://forums.ubi.com/images/smilies/16x16_smiley-wink.gif

Ruhe_im_Puff
12-07-07, 02:01
Hi Leute!

Ich dank euch fuer die Antworten. http://forums.ubi.com/infopop/emoticons/icon_smile.gif
Wenn ein U-Boot also ab ca. 1942 einen Geleitzug entdeckt hatte wurde sofort angegriffen?

roteroktober200
12-07-07, 02:08
@Ruhe_im_Puff

bestand die möglichkeit ein "wolfsrudel" an den konvoi zu führen wurde das zuerst in erwägung gezogen - ansonten wurde angegriffen!!!

Geleitzug
12-07-07, 10:58
<BLOCKQUOTE class="ip-ubbcode-quote"><div class="ip-ubbcode-quote-title">quote:</div><div class="ip-ubbcode-quote-content">Originally posted by roteroktober200:
o.k. du schreibst es steht nicht drin, ich schreibe es steht drin - soll jeder selbst lesen...!!! http://forums.ubi.com/images/smilies/11.gif

schau dir mal "Das Boot" an da wird das auch sehr eindrucksvoll gezeigt!!! http://forums.ubi.com/images/smilies/16x16_smiley-wink.gif </div></BLOCKQUOTE>

Hhm - ich schreibe nicht, dass es nicht drinsteht, sondern, dass sich die beiden Aussagen widersprechen - Fakt ist: es gabe keine Funkkommunikation zwischen den U-Booten; man konnte nur per Peilzeichen anderen Booten seine Position übermitteln;

Bei "Das Boot" kann ich mich nicht an eine Peilzeichen-Kommunikation erinnern - welche Szene soll das denn sein ?... http://forums.ubi.com/infopop/emoticons/icon_wink.gif

Geleitzug
12-07-07, 11:05
<BLOCKQUOTE class="ip-ubbcode-quote"><div class="ip-ubbcode-quote-title">quote:</div><div class="ip-ubbcode-quote-content">Originally posted by roteroktober200:
@Ruhe_im_Puff

bestand die möglichkeit ein "wolfsrudel" an den konvoi zu führen wurde das zuerst in erwägung gezogen - ansonten wurde angegriffen!!! </div></BLOCKQUOTE>

Sorry, aber das stimmt so auch nicht - zu Beginn der Rudelangriffe war es eigentlich immer so, dass der Fühlungshalter (daher der Name) solange am Konvoi dranbleiben musste und eben nicht angreifen durfte, bis ein "U-Boot-Rudel" herangeführt war, um dann gemeinsam anzugreifen; der Sinn bestand darin, ein Geleit von möglichst verschiedenen Seiten aus anzugreifen, um die Sicherungskräfte auseinander zu ziehen und zu verhindern, dass diese eine konzentrierten Angriff auf ein Boot an nur einer Stelle durchführen konnten; später, als die Konvois mehr und mehr Luftüberwachung durch Geleitträger bekamen und auch die Sicherungsgruppen immer stärker wurden, war es aussichtslos für ein einzelnes U-Boot, über Stunden und Tage Fühlung zu halten, bis weiter Boote herangeführt waren - also entschied man sich dafür, dass ein U-Boot, sobald es einen Konvoi gesichtet hatte, diesen auch angreifen zu lassen...

roteroktober200
12-07-07, 11:22
@Geleitzug

was heißt denn: "...bestand die möglichkeit ein rudel an den konvoi zuführen..." doch nichts anderes, wenn u-boote in der nähe waren!!! von tagelang fühlung halten habe ich auch nichts geschrieben!!! waren keine anderen u-boote in der nähe, wurde sofort angegriffen. was anderes habe ich nicht geschrieben!!! http://www.ubisoft.de/smileys/bag.gif

von "funken" zwischen den u-booten habe ich auch nichts gescherieben - nur vom peilsignal!!!
egal, für mich ist das thema erledigt!!! http://forums.ubi.com/images/smilies/16x16_smiley-wink.gif

sehrohr2007
12-07-07, 11:44
@Geleitzug

http://forums.ubi.com/images/smilies/16x16_smiley-very-happy.gif http://forums.ubi.com/images/smilies/88.gif http://forums.ubi.com/images/smilies/88.gif http://forums.ubi.com/images/smilies/16x16_smiley-very-happy.gif

Wenn hier jemand schreibt, der Rasen ist grün, dann antwortest du bestimmt: Das stimmt so nicht, denn der Rasen ist doch grün. http://forums.ubi.com/images/smilies/16x16_smiley-very-happy.gif

beerwish
12-07-07, 12:15
Hallo Leute,

im Buch Konvoi ist sehr genau beschrieben, wie das im März 1943 funktionierte. Zunächst versuchte man die Position und den Kurs des Konvois möglichst genau zu bestimmen und ein Boot (meist das erste) sollte ständig Kontakt halten um weitere Boote an den Konvoi heranzuführen.

Es gab zu diesem Zeitpunkt garantiert keine Peilzeichen, weil sonst natürlich auch die Zerstöer das Signal gepeilt hätten. Deshalb sendete der Fühlungshalter möglichst kurze Meldungen (Position, Kurs), die nach Ansicht der Deutschen zu kurz waren um gepeilt zu werden. Soweit ich mich erinnere konnten die Meldungen von allen Booten mitgelesen werden. Das Britische HF/DF (High Frequency Direction Finder) war aber in der Lage extrem schnell die Richtung des Senders zu ermitteln. Ein Zerstöer konnte dann in die Richtung loslaufen und das U-Boot mit dem Radar aufspüren oder zumindest zum tauchen zwingen. Anschließen war es für das U-Boot sehr schwer zum Konvoi zurück zu finden.

Radar war Anfang 1943 offenbar noch nicht gut genug um U-Boote sicher zu entdecken, wenn die von ganz weit weg den Konvoi oder die Rauchfahnen sehen konnten. Wenn einige U-Boote Sicht hatten war es auch 1943 noch üblich auf die Nacht zu warten und über Wasser anzugreifen. Im Rudel war es dabei nicht gewünscht wenn mehrer Boote gleichzeitig angriffen. Die Gefahr mit Fehlschüssen oder FAT-Torpedos eigene Boote zu treffen wurde als zu hoch eingeschätzt. Wenn ein Boot mit FAT-Torpedos aus großer Distanz angriff, gab es eine Funkmeldung und alle anderen Boote hatten in sicherer Entfernung zu warten.

Kurze Zeit nach der in "Konvoi" beschriebenen Geleitzugschlacht auf SC-122 und HX229 waren so viele Zerstöer mit Radar und HF/DF im Einsatz, dass diese Rudeltaktik total zusammenbrach. Man hatte mehrere Peilungen und konnte so die Position den Senders genau feststellen. Ausserdem gab es genug Zerstöer um das Boot bis zu seiner Versenkung zu jagen.

U-Boote mussten ab da raten wo der Konvoi vorbeikommen würde und getaucht auf eine günstige Schussposition hoffen. Auftauchen und überholen war extrem schwierig, weil neben Radar und HF/DF auch eine fast lückenlose Luftüberwachung bestand. War erst mal bekannt, dass ein U-Boot in der Nähe war, konnte eine U-Jagdgruppe gerufen werden und die Luftunterstützung wurde verstärkt.

sehrohr2007
12-07-07, 12:49
@beerwish

Das haste echt super gemacht!!!!

Jetz bin ich mal gespannt was "Geleitzug" dazu schreibt.... http://forums.ubi.com/images/smilies/16x16_smiley-very-happy.gif

Ruhe_im_Puff
14-07-07, 01:44
<BLOCKQUOTE class="ip-ubbcode-quote"><div class="ip-ubbcode-quote-title">quote:</div><div class="ip-ubbcode-quote-content">Originally posted by beerwish:
Hallo Leute,

im Buch Konvoi ist sehr genau beschrieben, wie das im März 1943 funktionierte. Zunächst versuchte man die Position und den Kurs des Konvois möglichst genau zu bestimmen und ein Boot (meist das erste) sollte ständig Kontakt halten um weitere Boote an den Konvoi heranzuführen.

Es gab zu diesem Zeitpunkt garantiert keine Peilzeichen, weil sonst natürlich auch die Zerstöer das Signal gepeilt hätten. Deshalb sendete der Fühlungshalter möglichst kurze Meldungen (Position, Kurs), die nach Ansicht der Deutschen zu kurz waren um gepeilt zu werden. Soweit ich mich erinnere konnten die Meldungen von allen Booten mitgelesen werden. Das Britische HF/DF (High Frequency Direction Finder) war aber in der Lage extrem schnell die Richtung des Senders zu ermitteln. Ein Zerstöer konnte dann in die Richtung loslaufen und das U-Boot mit dem Radar aufspüren oder zumindest zum tauchen zwingen. Anschließen war es für das U-Boot sehr schwer zum Konvoi zurück zu finden.

Radar war Anfang 1943 offenbar noch nicht gut genug um U-Boote sicher zu entdecken, wenn die von ganz weit weg den Konvoi oder die Rauchfahnen sehen konnten. Wenn einige U-Boote Sicht hatten war es auch 1943 noch üblich auf die Nacht zu warten und über Wasser anzugreifen. Im Rudel war es dabei nicht gewünscht wenn mehrer Boote gleichzeitig angriffen. Die Gefahr mit Fehlschüssen oder FAT-Torpedos eigene Boote zu treffen wurde als zu hoch eingeschätzt. Wenn ein Boot mit FAT-Torpedos aus großer Distanz angriff, gab es eine Funkmeldung und alle anderen Boote hatten in sicherer Entfernung zu warten.

Kurze Zeit nach der in "Konvoi" beschriebenen Geleitzugschlacht auf SC-122 und HX229 waren so viele Zerstöer mit Radar und HF/DF im Einsatz, dass diese Rudeltaktik total zusammenbrach. Man hatte mehrere Peilungen und konnte so die Position den Senders genau feststellen. Ausserdem gab es genug Zerstöer um das Boot bis zu seiner Versenkung zu jagen.

U-Boote mussten ab da raten wo der Konvoi vorbeikommen würde und getaucht auf eine günstige Schussposition hoffen. Auftauchen und überholen war extrem schwierig, weil neben Radar und HF/DF auch eine fast lückenlose Luftüberwachung bestand. War erst mal bekannt, dass ein U-Boot in der Nähe war, konnte eine U-Jagdgruppe gerufen werden und die Luftunterstützung wurde verstärkt. </div></BLOCKQUOTE>

Hi beerwish!

Danke fuer die ausfuehrliche Antwort!

Du schreibst dass Anfang 1943 das Britische Radar noch nicht gut genug war um U Boote in grosser entfernung zu orten....
Aber wie war das beim ueberwasser angriff? die haben dann wohl nicht aus 10+ km entfernung geschossen oder? Ein FAT aus 5km abzuschiessen kann Ich mir ja noch vorstellen...
Spaetetstens wenn ein U Boot zum ueberwasser angriff naehergekommen war muesste es doch vom Radar erfastt worden sein.

Naja sehr interessant jedenfalls. Danke nochmal an alle fuer die lebhafte Diskussion! http://forums.ubi.com/infopop/emoticons/icon_smile.gif

beerwish
14-07-07, 11:40
Hallo Leute,

hier noch ein par Details über Realität und Simulation.

Anfang 43 erreicht die Zahl der U-Boote im Atlantik einen Höhepunkt. Insgesamt waren 42 U-Boote in den Angriff auf SC122 und HX229 verwickelt. HX229 hatte nur 5 Geleiter und weil der Zerstöer, der die Geleitgruppe normalerweise kommandierte, in Reparatur war wurde ein anderer zugeordnet, der weder technisch noch vom Personal her dazu ausgerüstet war. Das führte dazu, dass bei der Verteidigung des Konvois viele Fehler gemacht wurden. Außerdem war man gerade durch einen schweren Sturm gefahren und es gab einige Defekte.

Der erste Fühlungshalter (U653) meldete zunächst alle 2 Stunden Position und Kurs des Konvois HX229. Da ein Zerstöer HF/DF hatte, gab es eine Peilung und ein Zerstöer versuchte das U-Boot aufzuspüren indem er 15 sm in die Richtung der Peilung fuhr. Der Konvoi machte dann einen Schwenk und man vergas dem Zerstöer Bescheid zu sagen. Der war dann erst 12 Stunden später wieder zurück.

über Tag versammelten sich knapp 10 U-Boote in Sichtweite um den Konvoi um dann bei Nacht anzugreifen.

Der erste Angreifer, U603 fuhr aufgetaucht bis an den Konvoi, der jetzt nur 4 Geleiter hatte und wurde nicht vom Radar erfasst. Beim Einsatz von FAT-Torpedos gab man eine Warnung raus und alle anderen Boote mussten sich 20 Minuten raushalten. Da der Konvoi kurz vorher den Kurs gewechselt hatte wurde nur ein Schiff getroffen und sank sehr schnell. Der Geleitkommandant bemerkte nur eine Seenotrakete aber nicht dass ein Schiff versenkt worden war. Das normale Verfahren der Geleiter war dann ein "Half Rasberry". Dabei drehen alle Geleiter nach Außen und suchen ihren Sektor mit Radar und ASDIC ab. Der Konvoi hatte kein Rettungsschiff und das letzte Schiff jeder Kolonne sollte in so einem Fall die Schiffbrüchigen retten. Dieser Befehl wurde aber in diesem Konvoi fast immer ignoriert. Die Besatzung dieses Schiffs hatte aber Glück und wurde von einer Korvette gesehen und gerettet. Andere Besatzungen sind später dann trotz mehrfacher Sichtung durch andere Schiffe im Stich gelassen worden und im Atlantik verschwunden.

Der nächste Angreifer, U758 war über Tag in ca. 12 Meilen Entfernung neben dem Konvoi geblieben. Immer nur Mastspitzen und Rauchfahnen in Sicht haltend setzte man sich über Tag vor und griff dann bei Dunkelheit an. Die Korvette, die diese Seite des Konvois bewachen sollte war gerade mit den Rettungsarbeiten beschäftigt. Später waren oft nur ein oder zwei Geleiter am Konvoi, weil ständig U-Boote verfolgt oder Schiffbrüchige gerettet werden mussten.

Zur Qualität des Radars und der Geschütze: Kurze Zeit später wurde ein aufgetauchtes U-Boot (U89) in 3000 meter Entfernung von einer anderen Korvette gesichtet (trotz Radar). Man hielt auf das Boot zu und weil man anscheinend nicht gesehen worden war schoss man nicht mit dem Geschütz. Erst in 300 Meter Entfernung tauchte das Boot weg. Nach dem ersten WABO-Angriff bekam man ASDIC-Kontakt, aber das U-Boot tauchte auf und versuchte in 1500 Meter Entfernung über Wasser wegzulaufen. Da das Boot einen Maschinenprobleme hatte gelang das nicht und es musste wieder tauchen. Die Korvette musste nach 2 Stunden WABO-Jagt zurück zum Konvoi.

Die weitere Geschichte der Angriffe ist voll von U-Booten, die ohne entdeckt zu werden zum Schuss kommen. U338 findet sich z.B. bei schlechter Sicht mitten in SC122 wieder. Der hat immerhin 9 Geleitschiffe und ist in der Nähe unterwegs. Am Ende sind 22 Schiffe und ein U-Boot versenkt.

Einige weitere interessante Details: Auch im März 1943 war den Alliierten nicht klar wie tief die deutschen U-Boote tauchen konnten. Die maximale Tiefeneinstellung der Wabos lag laut Buch bei 170 Meter. Eine Korvette wollte den neu eingeführten Hedgehok-Werfer einsetzen aber von den 24 Minibomben flogen nach dem Sturm nur 4 los.

In der Simulation sind die Geschütze von Zerstöern, Handelsschiffen und U-Booten total überbewertet. Die Handelsschiffe im Konvoi hatten oft Geschütze an Bord, es gibt aber kaum Bereichte, dass die tatsächlich erfolgreich eingesetzt wurden. In der Simulation ist die Entdeckung durch Radar oder Sichtung viel zu zuverlässig und ab einer bestimmten Entfernung garantiert. Real war das viel unvorhersehbarer ob man zufällig gesehen wurde oder unentdeckt bis dicht an den Konvoi kam. Gar nicht simulieren kann man die Tatsache, dass die Kapitäne damals nicht das wussten was wir heute wissen. Die Alliierten wussten nicht wie tief die U-Boote tauchten und die Deutschen wussten nicht dass die das nicht wussten. Wir wissen heute auch ab wann Radar verfügbar war und wir kennen viele technische Daten, die damals unbekannt waren.

Die Höweite des Horchers ist ebenfalls total übertrieben. So einfach und zuverlässig wie man in SH3 einen Konvoi aus über 20 km Entfernung orten kann war es in der Realität nicht. Auch der Einfluss des Wetters und Seegangs ist nicht ausreichend simuliert.

Glykol02
14-07-07, 15:57
Sehr schöner Bericht, beerwish http://forums.ubi.com/infopop/emoticons/icon_smile.gif http://forums.ubi.com/images/smilies/11.gif

Hast den Middlebrook noch mal gut zusammen gefasst!

Gerade deine Einschätzung im letzten Drittel in Bezug auf damals / heute, damals / Sim lassen einen wieder mal die Mängel des/am sim- baren erkennen ...

Hatte nicht irgendwer –sinngemäß- den Satz in seiner sig:

~ ... die Abwesenheit der Unberechenbarkeit ist die größte Schwäche der Simulation.~

oder so ähnlich?

Rosi1984
19-07-07, 14:42
@beerwish

sehr schöner Text!... ist es in SH3 denn auch so das die Wasserbomben nur bis 170m gehen? habe da noch nie so drauf geachtet! war immer nur froh wenn sie weit über meinem Boot hochgingen! und ich mich still und leise aus dem Staub machen konnte....

noch was! ich spiele SH3 noch net so lange... daher auch mit relativ niedrigen Realismusgrad!, will mich nach und nach steigern... aber mich würde mal interessieren wieviel Schiffe ein einzelnes Boot im durchschnitt so versenkt hat! 2-3 oder mehr? also ab wann sprach man von einem erfolgreichen Angriff auf einen grossen Konvoi mit Sicherungsfahrzeugen?...

MfG
Bastian

beerwish
21-07-07, 09:21
Hallo Bastian,

Nach meiner Beobachtung gehen die Wabos in SH3 auf jede Tiefe. Sonst wäre es auch zu einfach.

Real waren die Erfolge der Boote sehr unterschiedlich. Man konnte aber mit 2 oder 3 Versenkungen schon zufrieden sein. Oft kamen Boote auch ohne was zurück. Einen guten überblick bieten da die vielen Informationsseiten mit Historischen Material, die man im Netz finden kann. Ein gutes Beispiel ist:
U-Boot-Archiv (http://www.u-boot-archiv.de/index.php)
da gibt es unter "Die U-Boote" und "Detailangaben zu den Booten" viele Infos zu einzelnen Booten. Alle Feindfahrten und wichtige Ereignisse. Wenn man sich da ein par Boote angesehen hat, bekommt man ein Bild davon wie es Real zuging.

Für ein Spiel war es "in Echt" zu langweilig. Wir bekommen viel mehr Action und ich glaube das muss so sein.